Reiner Reisinger
Historische Horoskopie
Das iudicum magnum des Johannes Carion für Albrecht Dürers Patenkind
Wienbaden 1997, ISBN 3-447-03894-2
Kommentar(e):
Jürgen G.H. Hoppmann:
Dieses Buch ist Astrologie ist
geschrieben von einem Historiker, der Astrologie ablehnt, für
Akademiker, die Astrologie ablehnen, und der Preis von DM 127,-
wird auch schon dafür sorgen, daß das gemeine Volk
diese Werk nicht so schnell in die Hände bekommt und
möglicherweise noch beginnt, an die Sterne zu glauben. Wie
meint der Autor auf Seite 18 doch so schön: Ich (...)
beschreibe die wichtigsten astrologischen Sonderlehren vor dem
Wissensstand des 16. Jahrhunderts, als die Astrologie ihre
höchste und seither letzte Blüte erlebt hat.
Reisinger erläutert in
ausführlichster Weise ein Horoskop des vor 500 Jahren
geborenen kurbrandenburgischen Hofastrologen Carion. Dabei
konzentriert er sich vor allem auf die Techniken, wobei es
wirklich zu würdigen ist, daß er in vollkommener
Ignoranz jeglicher modernen astrologischer Literatur überhaupt
in der Lage ist, so etwas zu tun. Der geschätzten
akademischen Leserschaft wird es sicherlich überhaupt nicht
auffallen, daß er z.B. bei der Glückspunktberechnung
oder den Direktionsmethoden arg danebenhaut. Die Arbeit ist als
Dissertation geschrieben und wird ihm im Elfenbeinturm der
Universität sicherlich sein täglich Brot sichern.
Daß Reisinger bei seiner
Carion-Biografie wie auch in vielem anderen Bereichen wahllos von
ausschließlich westdeutschen Akademikern abgeschrieben hat
(Warum fehlt z.B. die 1988 herausgekommene Carion-Biografie des
Astronomie-Historikers Jürgen Hamel in der Literaturliste?)
und somit die altbekannten Fehler wiederum durch die
Universitäten Kreisen (Beispiel: Carion-Epitaph S. 261) wird
wohl auch keiner merken. Und daß er in wohlweislicher
Arroganz fast alle lateinischen Texte ohne Übersetzung
liefert, wird sein übriges tun, um das Lesen des Buches zu
verhindern. Danke!
Richtig ärgerlich finde ich an
solchen Werken, daß man als Leser das Gefühl bekommt,
wirklich ein großer Dummkopf zu sein, wenn man sich
heutzutage noch mit der Astrologie beschäftigt. Reisinger
schreibt über Astrologie wie über eine längst
verweste Leiche, deren Knochen nun einzeln vermessen, zersägt,
zermahlen und gekocht werden.
Und wo ist das Positive? Man kann
viel über alte astrologische Techniken erfahren, also ein
gutes Buch für Bastler. Mich persönlich hat eine aus
dem altdeutschen zitierte Prognose Carions für Kaiser
Maximilian I. (Seite 253 f.) angesprochen. Dieser in Wiener
Neustadt geborene und auch begrabene Österreicher fasziniert
mich mehr und mehr, und in meinen astrologisch- kunsthistorischen
Vorträgen in Wien wird diese historische Figur auch
gebührend erwähnt. [JGHH]
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