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Ulrike Voltmer
Rhythmische Astrologie

Urania Blaue Reihe, Urania Verlag Neuhausen/CH, ISBN 3-908651-01-8

Kommentar(e):

Dr. Rüdiger Plantiko:
Nach einer durch anderweitige Studien bedingten Pause beschenkt Ulrike Voltmer die astrologische Gemeinde wieder mit einem Buch. Nach der "Gestaltastrologie" und der "Lebendigen Astrologie" folgt nun mit der "Rhythmischen Astrologie" ein Buch über die astrologische Prognose. Wieder ist es von der gewohnten hohen Qualität.

Kepler sagt: "Die Sterne spielen auf, die Seele tanzt nach den Weisen dieser Musik." Ganz im Einklang mit Johannes Kepler, der für Ulrike Voltmers astrologisches Arbeiten Leitbildfunktion hat, verbildlicht sie die Astrologie durch musikalische Analogien. Nicht Determinismus, sondern ein freies Spiel der Kräfte, eine innere Musikalität des Lebendigen, ist die Grundlage der astrologischen Beziehungen. Ist die Biographie nicht eine Partitur, die es zu spielen gilt? Wie eine Partitur fordert das Leben unsere ganze schöpferische Phantasie. Wie ein Musiker müssen wir die je eigenen Lebensaufgaben erüben. Mal sollen wir als Solist auftreten und das Besondere unserer Individualität optimal einbringen. Dann wieder geht es darum, optimal mit den anderen Mitspielern zusammenzuwirken. Das erste Kapitel des Buches führt dieses musikalische Astrologieverstaendnis aus. Man spürt die reiche Erfahrungswelt der Autorin an dem souveränen Stil, mit dem sie hier über das Leben schreibt. Klar wird: Sie führt auch ihr eigenes Leben in diesem Sinne.

Der musikalische Ansatz bleibt das wiederkehrende Thema in diesem Buch, wenn es dann um den Begriff des Schicksals und dessen astrologische Interpretation geht. Am Beispiel einer Pluto-Mond-Opposition erläutert Ulrike Voltmer verschiedene Auslösungsmöglichkeiten einer aktuellen Konstellation. Die Beispielkonstellation verlangt nach einer inneren Abnabelung. Wie diese aber vonstatten geht, wie sich der Horoskopeigner diesem Verlangen stellt, wie er es interpretiert, ob er es überhaupt bewußt interpretiert oder die Interpretation dem Unbewußten überläßt oder die Auseinandersetzung etwa auf einer ein intellektuellen Ebene aufnimmt - all dies ergibt sich nicht aus der Konstellation, sondern ist die Besonderheit der jeweiligen "Aufführung" (um bei den musikalischen Analogien zu bleiben). Übrigens versteht es sich von selbst, daß ein solches Astrologieverständnis keinen Platz für Determinismus (Schicksalszwang) läßt.

Es folgt eine Darstellung der verschiedenen im Umlauf befindlichen Prognosemethoden - mit besonderem Schwerpunkt auf das von Kepler verwendete System, mit dem die Autorin die besten Erfahrungen gemacht hat. Kepler beschränkt sich auf die vier "ptolemäischen" Signifikatoren Aszendent, MC, Sonne und Mond. Dabei werden Sonne und Mond auf der Ekliptik gemäß dem Sonnenbogen geführt, während die Achsen sich so bewegen, daß der Abstand in gerader Aufsteigung zwischen Sonne und MC konstant bleibt (anders ausgedrückt: daß die Wahre Zeit konstant bleibt). Interessant ist die Ansicht der Autorin, diese in Keplers Sinne durchgeführten Direktionen fänden in unmittelbarer zeitlicher Nähe der Geburt statt (d.h. im Bereich von Stunden nach der Geburt). Die Verwendung des Sonnenbogens, der ja auf dem Schlüssel "Ein Tag gleich ein Jahr" beruht, wäre dann nicht recht verständlich. M.E. liegt Zoe Wassilko-Serecki hier richtiger, die schon vor einem halben Jahrhundert gefolgert hat, diese Direktionen spielten sich im progressiven Horoskop ab, d.h. beim Vollwerden von genau n Wahren Tagen nach der Geburt für das n. Lebensjahr. Die Führung des Mondes mit dem Sonnenbogen nennt Voltmer Mondphasendirektion, denn - und dies war vielleicht die Absicht bei Kepler - durch eine solche Führung sorgt man dafür, daß der Mond stets die Mondphase der Geburt behält.

Die beste praktische Erläuterung einer auf Kepler zurückgehenden Direktionsmethode ist es natürlich, wenn man Kepler bei der Ausarbeitung eines astrologischen Gutachtens gleichsam über die Schulter schauen kann. Genau diesen Weg hat Ulrike Voltmer gewählt, indem sie sich mit Keplers Wallenstein-Horoskopen (es gibt deren zwei, das zweite basiert auf einer Rektifikation) befaßt. Das hat sie mit der ihr eigenen Gründlichkeit getan. Sie geht den Prognosen Keplers Satz für Satz nach, wobei sie alles verfügbare biographische Material über Wallenstein (besonders die Werke von Helmut Diwald, Golo Mann und Polisensky/Kollmann) heranzieht. Es ergibt sich in Summe eine erstaunliche Treffsicherheit der Keplerschen Prognosen. Interessant ist auch, daß Kepler, obwohl er die Vorhersage von konkreten Ereignissen theoretisch ablehnt, dies gelegentlich in der Praxis doch tut. Dieser, von Keplers Prognosen geleitete Streifzug durch Wallensteins Biographie ist das Kernstück des Buches, in das wohl auch die meiste Zeit investiert wurde.

Es folgt dann, über Kepler hinausgehend, eine Untersuchung der Direktionen zu anderen Signifikatoren als den oben erwähnten "ptolemäischen". Voltmer führt diese technisch wie das MC; das heißt, das Abstandsgerüst der Sonne zu den einzelnen Planeten bleibt fest, wenn man es auf dem Äquator mißt. Durch Berücksichtigung dieser Direktionsart ergeben sich ihr bei Blick auf Wallensteins Leben noch feinere Strukturen als dies in Keplers Prognose aufgezeigt war.

Wenn man die ganzen astrologischen Prognosetechniken gesamthaft überblickt, fällt auf, was für eine wichtige Rolle stets die Sonne spielt. Sie ist das Herz, die Zeitgeberin. Auf ihr basieren die meisten Direktionsschlüssel. Ihre Wiederkehr auf den Radixplatz löst das Solarhoroskop aus. Auch in der Geburtsastrologie spielt sie die Hauptrolle: Der Sonnenstand gilt meist als der wichtigste Faktor im Horoskop. Darüberhinaus betrachtet man alle Planetenstellungen gleichsam durch die Sonnenbahn gespiegelt: Man interessiert sich nicht für den wirklichen Pluto, sondern für dessen Projektion auf die scheinbare Sonnenbahn. Zum Schluß des Buches geht die Autorin den Fragen nach, die sich daran anknüpfen. Wie eine Antwort auf diese Fragen erscheint der wunderschöne Hymnus an die Sonne, mit dem Kepler sein reifes Alterswerk, die Weltharmonik, ausklingen ließ - ausführlich zitiert, bildet er einen würdigen Schlußakkord auch für das vorliegende Buch.

Ein gediegenes, reiches Buch. Man geht gestärkt aus der Lektüre hervor.[RP]


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