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Ralph William Holden
Astrologische Häusersysteme - Entstehung, Berechnung, Bewertung

Chiron Verlag 1998, ISBN 3-925100-37-7

Kommentar(e):

Dr. Rüdiger Plantiko:
Der Autor diskutiert aus verschiedenen Blickwinkeln - aus dem historischen, dem mathematisch-technischen, dem deutenden - insgesamt vierzehn Häusersysteme. Obwohl er seine eigene Präferenz für das äquale System nicht verschweigt, gelingt ihm eine ausgewogene und sachliche Darstellung, die allen Vorzügen und Besonderheiten der einzelnen Systeme gerecht werden will.

Man kann auf die Entwicklung der Astrologie mit den Augen des Krebses oder des Steinbocks schauen: Entweder wird man die Astrologie der frühesten Zeiten, als sie ihrem Ursprung am nächsten war, als wahrhaftigste, unverdorbenste Astrologie verklären (waren die Menschen damals nicht intuitiver, sensibler - damals, als der Gedankens Blässe sie noch nicht angekränkelt hatte?). Oder man sieht die Astrologie in Entwicklung begriffen: Dann gibt es eine ideale Astrologie, an die sich die reale Astrologie in ihren verschiedenen historischen Stadien immer besser annähert. Je nach Standpunkt wird man auch unterschiedlich auf die Häserproblematik blicken. Ist man etwa der Meinung, dass es eine ideale Astrologie gibt, der es sich geschichtlich schrittweise anzunähern gilt, so wird man eher den inäqualen Systemen den Vorzug geben. Denn es ist leicht zu beobachten, daß die Häuser einen Bezug zum Tageslauf der Sonne haben (so wie analog die Zeichen einen Bezug zu ihr em Jahreslauf aufweisen), und die sphärische Trigonometrie muß erst eine gewisse Höhe erreicht haben, damit die Menschen die durch den Tageslauf der Sonne gegebenen Verhältnisse richtig abbilden können. Das kann man natürlich auch anders sehen: Die Entdeckung des mathematisch korrekten MC - statt einfach die Quadraturstelle zum Aszendenten zu nehmen - kann man beispielsweise als unnütze mathematische Spitzfindigkeit ansehen, die zwar theoretisch möglich ist, aber von der "ursprünglichen" und daher richtigen Astrologie wegführt. Holden steht eher auf letzterem Standpunkt.

Ein wichtiger Hinweis darauf, daß Häuser in der Astrologie überhaupt nötig sind, daß sie einen Platz besetzen, zeigt sich nach Ansicht des Autors darin, daß Neuerer wie Kepler oder R. Ebertin, die auf die Zwischenhäuser verzichteten, stattdessen nach subtileren Deutungsmitteln griffen, um die entstehende Lücke zu füllen. So führte Kepler eine Reihe kleiner und kleinster Aspekte in die Astrologie ein, während Ebertin intensiv mit Halbsummen arbeitete. Dieser interessante Gedanke legt es nahe, daß die Häuser essentiell zur Astrologie dazugehören, kein überflüssiges Beiwerk sind.

Die Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Astrologie, von den babylonischen Anfängen über Petosiris, Maternus, Ptolemäus, Porphyrius, dann bei den Arabern Alcabitius, Ibn Esra und wieder im Abendland Campanus, Regiomontanus, Placidus, Morin - die meisten der genannten Autoren haben übrigens ein eigenes Häusersystem entwickelt - ist interessant und lohnend. Die dann folgende Darstellung der einzelnen Häusersysteme wird den jeweiligen Konstruktionsideen gut gerecht. Auch die qualitative Gruppierung der verschiedenen Systeme in ekliptikale, räumliche und zeitliche ist nachvollziehbar. Besonders problematisch erscheinen dem Autor die folgenden Fragen:

  • Der Breitenfehler - also das Problem, daß der wirkliche Planet Pluto in einem anderen Haus stehen kann als seine ekliptikale Projektion.

  • Die eingeschlossenen Zeichen - also das Problem, daß bei inäqualen Techniken ein Haus größer als dreißig Grad sein kann und damit Zeichen existieren können, in denen sich keine Häuserspitze befindet. Dies wirft Probleme der Deutung auf: Ein einzelnes Haus vereinigt z.B. übermäßig viele Herrscher auf sich.

  • Die polnahen Regionen - bis heute beliebter Stoff für Häuserdiskussionen: Was ist davon zu halten, daß inäquale Systeme in Polnähe versagen. Spricht dies nicht gegen die Universalität der Astrologie?

All diese Probleme werden ausführlich erörtert. Besonders schön ist auch eine tabellarische Aufstellung, in welcher die Eigenschaften der 14 vorgestellten Systeme verglichen werden.

Ein besonderes Aha-Erlebnis muß Holden die Verwandtschaft der Häuserfrage mit den sogenannten arabischen Punkten bereitet haben. Er kommt wieder und wieder auf den von ihm beobachteten Zusammenhang zurück, daß die Hausposition des Mondes in der Radix genau gleich der Hausposition des Glückspunktes im Kreis der "Sonnenhäuser" ist (d.h. einem mit der Sonne als Aszendent beginnenden Häuserkreis). Ähnliche Identitäten gelten für alle arabischen Punkte. Sie stimmen allerdings nur bei Zugrundelegung des äqualen Systems, so daß man umgekehrt auch die Überlieferung der arabischen Punkte als eine Stütze des äqualen Systems betrachten kann.

Allerdings ist dies keine Neuentdeckung von Holden. Schon die Klassiker wußten dies. Placidus bringt in seinem Primum Mobile einen Anhang zur "korrekten Berechnung" des Glückspunktes, wobei er von genau dieser Identität ausgeht ("... so viele Grade wie die Sonne auf ihrem Parallelkreis vom Horizont entfernt ist, so weit steht der Mond auf seinem Parallelkreis vom Pars Fortunae ab"). Dieser Berechnungsart - der "wahre" Glückspunkt hat die Deklination des Mondes und steht in Rektaszension so weit von ihm ab, wie die Sonne in schräger Aufsteigung vom Aszendenten absteht - stellt dann Sepharial in seiner "Directional Astrology" (1915) eine seiner Ansicht nach richtigere Methode gegenüber (und so fort).

Welches Häusersystem "das Richtige" ist, wird man aus Holdens Buch nicht erfahren. Aber man wird sich ein tieferes Verständnis der gängigen Häusersysteme verschaffen, und das ist immerhin auch etwas!

Das Buch, das ich korrekturzulesen die Ehre hatte, erschien erstmals 1977, hat aber nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Daher ist die Neuauflage durch den Chiron Verlag zu begrüßen. [RP]


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