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Autor: Nils Chr. Hesberg

Ist Astrologie eine Wissenschaft?

Weder die Astrologie, noch die Wissenschaft ist ein eindeutig beschriebenes Gebiet. Wenn man also die Frage, ob Astrologie eine Wissenschaft ist, behandeln will, ergeben sich von vorneherein aus den Definitionsdefiziten resultierende Schwierigkeiten. Ungeachtet dessen mag aber eine Feld-, Wald- und Wiesenauffassung beider Gegenstände für die hier geführte Diskussion genügen. Man würde es sich aber sicherlich zu einfach machen, wenn man einer Auffassung der Wissenschaftstheorie folgend, jede Disziplin bestimme ihren Forschungsgegenstand (was mitunter nicht einfach ist) und definiere sich über die resultierende Systembildung, die Astrologie eben als Wissenschaft definiert. Dabei wäre sogar die Frage nach einer exakten Methodologie geklärt: In der Astrologie ist es möglich, nach festgelegten Regeln Aussagen zu produzieren, die sich überprüfen lassen. Sollte die Prüfung die Aussagen falsifizieren, dann läßt sich das Regelwerk modifizieren - all dies sind Merkmale der Forschung, wie sie in nahezu allen Wissenschaftsdiziplinen - zumindest ideell - praktiziert wird. Auch wenn die Astrologie in vielen Fällen nicht in der beschriebenen Weise gehandhabt wird, bietet die Möglichkeit, sie tatsächlich so betreiben zu können, einen Grund, sie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin zu erkennen.

Problematisch wird die Angelegenheit bei den Voraussetzungen, die die Astrologie macht. Nach Prof. Dr. UWE DIEDERICHSEN ist die Astrologie nicht etwa deswegen eine Pseudowissenschaft, weil die Prognosen nicht zutreffen [1], sondern weil die Astrologie a) von der irrigen Annahme ausgehe, es bestehe ein Kausalzusammenhang zwischen Gestirnslauf und irdischem Geschehen, b) weil es reine Willkür sei, bestimmte Planeten mit bestimmten Eigenschaften in eine Beziehung zu bringen.[2]

Punkt b) läßt sich schnell aus der Welt räumen: Es kann eine Methode entwickelt werden, nach der die Eigenschaftszuweisungen überprüft und je nach Ergebnis geändert oder beibehalten werden. Es spielt keine Rolle, wie lange dieser Prozeß dauert, wissenschaftliches Vorgehen bedeutet systematisches Vorgehen, und das ist trotz der unbegrenzten Zahl der Varianten, die ein Horoskop zur Verfügung stellt, möglich. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß die Entwicklung Astrologie als wissenschaftliche Disziplin hinter den anderen Wissenschaften um Jahrhunderte zurückliegen würde, wenn sie eine wäre, denn eine Systematisierung wurde bis vor kurzem nur ansatzweise versucht und die Förderung, die anderen Wissenschaften zuteil wird, blieb bisher aus. Man sollte einmal über einen Nobelpreis für Astrologie nachdenken.

Schwieriger ist Punkt a) zu behandeln. Obwohl es einige Astrologen gibt, die kosmische Strahlen oder ähnliches für den Zusammenhang zwischen Konstellation und Ereignis verantwortlich machen wollen, sind es wohl in erster Linie die Astrologiegegner selbst, die einen Kausalzusammenhang postulieren. Auch wenn es mit meiner Astrologieauffassung nicht übereinstimmt, möchte ich diesen Punkt schenken und mich darauf einlassen, die Astrologie gehe von einem Kausalzusammenhang aus.[3] Dieser Einfluß der Gestirne sei nun bisher von der Naturwissenschaft nicht nachgewiesen worden. Ja, dann ist die Astrologie eben zum Teil auch Naturwissenschaft: Das Horoskop ist das Instrument, diesen Einfluß nachzuweisen, möglicherweise das einzige.

Alles bisher Aufgeführte legt nahe, die Astrologie als Wissenschaft zu betrachten, ein für die Wissenschaft unhaltbarer Zustand. Ich möchte ihr helfen, bezweifele aber, daß sie sich über das Ergebnis freuen wird. Der einzig mögliche Einwand, der gegen die Astrologie als Wissenschaft spricht, ist der, daß sich die Astrologie nicht vollständig in einer wissenschaftlichen Terminologie beschreiben läßt. Die Astrologie erhebt den Anspruch, ,ganzheitlich’ (was immer das auch jetzt bedeuten mag) zu sein. Um diesen Anspruch rein theoretisch rechtfertigen zu können, bedarf es Begriffe der Metaphysik. Sicher könnte man die Diskussion nun wieder an den Ausgangspunkt führen mit der Frage, ob die Metaphysik eine Wissenschaft ist, bzw. mit der Feststellung, sie sei eine. Man wird damit aber den wahren Verhältnissen nicht gerecht, denn die Grundlage der wissenschaftlichen Terminologie, die Logik, bildet nach ARISTOTELES einen Teil der Metaphysik. [4]Wenn man nun die Metaphysik als Wissenschaft betrachten wollte, wäre dies eine zirkuläre Definition und damit eine unzulässige. An dieser Stelle möchte ich auf den hochinterssanten Hinweis, das Verbot der Zirkularität werde von der Metaphysik aufgestellt, nicht näher eingehen [5]. Auf jeden Fall erhellt diese Darstellung, daß Metaphysik nicht Wissenschaft sein kann, andersherum aber, daß die Wissenschaft Metaphysik ist, und, wenn man will, ,legale Metaphysik’.

Nach dem hier vorausgesetzten Verständnis würde es sich bei der Astrologie um ,illegale Metaphysik’ handeln, und das ist wohl das Problem, das die Wissenschaft mit ihr hat. Des ungeachtet ist es möglich, die Wissenschaft auch in einer astrologischen Terminologie zu beschreiben, indem man die Analogie des Zwilling bemüht. Das führt zu dem Gedanken, ob nicht die hier diskutierte Frage falsch gestellt ist, und vielmehr so lauten könnte: Ist Wissenschaft eine Form der Astrologie? Wenn es sich so verhielte, dann würde das erklären, warum es eine derartige Fülle von Gemeinsamkeiten gibt, die uns beinahe dazu verleitet hätte, die Astrologie als Wissenschaft zu betrachten. Ein weiterer Hinweis ist natürlich die astronomische Komponente, die vollständig in den Dienst der Astrologie gestellt ist. Die Babylonier haben Astronomie ja nicht deshalb betrieben, weil sie eine Urknalltheorie aufstellen wollten, sondern weil sie ihre Deutungsgrundlagen rechnerisch erfassen wollten. Damit ist aber noch nicht die Rolle der anderen Wissenschaftsdisziplinen geklärt, denkbar ist, daß sie der begrifflichen Erfassung der Gegenstände der Welt dienen, so daß die astrologischen Analogien sicherer zugewiesen werden können, was wiederum eine konkretere Deutung und Prognose erlaubt.

Anmerkung: Diese Skizze hat den Sinn, die Diskussion in Gang zu bringen, wurde unter anderem auch deswegen in ihrer Oberflächlichkeit belassen. Es wäre z. B. verdienstvoll, aber wenig interessant gewesen, die Beziehungen der unterschiedlichen astrologischen Auffassungen zu den unterschiedlichen Wissenschaftsauffassungen zu untersuchen. Auch die Frage nach dem Kausalzusammenhang von Gestirnslauf und irdischem Geschehen hätte vertieft werden können, auch und grade hinsichtlich der Überlegung, es gäbe keinen Kausalzusammenhang. Wie muß dann der Einwand gegen die Astrologie formuliert werden etc.?

--- © Nils Chr. Hesberg (1998)


Fußnoten:

 

[1] Er bringt im Gegenteil ausschließlich historische Beispiele von eingetroffenen Prognosen. Für EDGAR WUNDER hingegen stellt es eine Widerlegung der Astrologie dar, daß bisher keine statistische Signifikanz zwischen Prognosen und Eintreffen der vorhergesagten Ereignisse erkennbar ist (www1.arcs.ac.at/baa/alrukaba/02/01.htm, Stand 12/97, u.a.). In Wirklichkeit ist das allenfalls eine Widerlegung bestehender Aussageregeln, nicht der Astrologie und ihrer Voraussetzungen. Der Hinweis, Statistik gehe von einer Verteilung des Zufalls aus, und widerspreche daher von vorneherein astrologischen Grundannahmen (vgl.: R.VETTER in http://www.astrologix.de/astrologie/artikel/verschiedenes/ist-astrologie-eine-wissenschaft.html [Anm. von TJK: URL aktualisiert am 26.06.2013]), ist natürlich noch kein berechtigter Einwand gegen die Überprüfung der Astrologie mittels Statistik.

[2] Prof. Dr. UWE DIEDERICHSEN; Einführung in das wissenschaftliche Denken; Düsseldorf, 1970, S. 119.

[3] Welcher Art der Zusammenhang sein mag, stellt Angesichts einer Fülle von Fragestellungen noch das geringste Problem dar. Man kann das Forschungsgebiet so definieren, daß erst der Zusammenhang an sich gefunden und beschrieben werden soll.

[4] Vgl.: OSKAR FECHNER; Die sogenannten Axiome der klassischen Logik - Zur axiomatischen Grundlegung einer allgemeinen Ontologie der Relationen; Diss., Leipzig, 1929. Bei der Formulierung der Axiome tauchen Schwierigkeiten auf. Man kann die Probleme, beispielsweise der Identität, nicht so diskutieren, als läge eine Logik schon vor (obwohl es immer wieder gemacht wird, z. B. bei FECHNER). Bei Unentschiedenheit der Identität kann man aber auch nicht entscheiden, ob es sich bei der Aussage A=A nicht vielleicht um einen Widerspruch handelt.

[5] ... muß es aber an dieser Stelle doch tun. Das Paradoxon hat die Struktur des Russelschen Paradoxons, läßt sich aber nicht auf die gleiche Weise lösen, da es sich hier schon um die Metatheorie der Metatheorien handelt.

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