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Autor: Dr. Peter Niehenke
Bei dieser Einführung in die Astrologie handelt es sich um Auszüge aus dem Buch von Dr. Peter Niehenke: "Astrologie - Eine Einführung" (Reclam-Verlag 1994 - ISBN 3-15-007296-4). Auf astrologix veröffentlicht mit frdl. Genehmigung des Autors.

Astrologie - Eine Einführung:


Kapitel 7:

Einleitung

 

Als Demokrit im 4. vorchristlichen Jahrhundert die Behauptung aufstellte, alle Materie bestehe aus kleinsten unteilbaren Bestandteilen, den Atomen, widersprach ihm Aristoteles: Wenn Demokrit im Recht sei, so sein Argument, dann sei Materie vergleichbar einer Sandburg am Strand, die aus einzelnen Sandkörnern besteht. Jedermann kann aber sehen, was mit dem Herannahen der Flut geschieht: Die Sandburg zerfällt in ihre Bestandteile, die Sandkörner.

Wir wissen heute, daß Demokrit dennoch im Recht war. Die unmittelbare Anschauung, auf die Aristoteles sich berief, führte in die Irre.

Als Galilei im 17. Jahrhundert behauptete, die Erde kreise um die Sonne und stehe nicht etwa fest (" ... und sie bewegt sich doch!"), hielten ihm Gelehrte entgegen, daß dann ein Gegenstand, den man von einem hohen Turm fallen ließe, nicht am Fuße des Turmes ankommen dürfe, sondern, wie aus einem fahrenden Wagen geworfen, sich im Fluge vom Turm entfernen müßte. Die Experimente sprachen jedoch dagegen.

Wir wissen heute, daß Galilei dennoch im Recht war. Die unmittelbare Anschauung, auf die diese Gelehrte sich beriefen, führte auch hier in die Irre.


Vor einigen Jahren starb in Süd-England ein weibliches Medium, das sich mit Magie beschäftige, an Wundstarrkrampf. Die Frau war in einen rostigen Nagel getreten und hatte, statt sich eine Spritze gegen Wundstarrkrampf geben zu lassen, ein magisches Ritual vollzogen, das in diesem Fall darin bestand, den Nagel, den Verursacher der Wunde, zu pflegen (ihn also mit Öl einzureiben, zu putzen usw.). Die magische Vorstellung besagt, daß dann auch die Wunde heilt. Das war ein Irrtum.

Es ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, daß wir uns täuschen können. Wir sehen etwas, das nicht existiert, weil wir beim Sehen auch immer etwas in die Welt "hineinsehen" (z. B. "Gestalten"), wir übersehen etwas, das doch da ist, weil wir es da nicht erwarten. Wir schließen oder folgern, aber wir irren uns, weil wir Parameter nicht berücksichtigt haben, die Gesetze nicht genügend kennen oder weil unsere Ableitungsregeln falsch sind oder fehlerhaft benutzt wurden. Wir deuten, doch unsere Interpretation (eines Gesichtsausdrucks vielleicht) erweist sich als falsch usw.

Wenn wir uns täuschen, so können wir in vielen Fällen die Täuschung direkt erkennen: Wir erreichen erstrebte Ziele nicht, erwünschte Effekte bleiben aus. Es gibt jedoch sehr viele Fälle, in denen wir nicht auf diese Weise korrigiert werden (können), z. B. wenn die von uns bewirkten Effekte vieldeutig sind, wenn Tatsachen unterschiedlich interpretiert werden können. In der Rechtsprechung ist die Folge ein "Justiz-Irrtum" (besonders bei sog. Indizien-Beweisen), in den Wissenschaften allgemein ein (partiell) falsches Weltbild, im Alltag spricht man von "Aberglauben". Die menschliche Geschichte ist voll solcher Irrtümer, und in fast allen Fällen handeln (handelten) die betroffenen Menschen mit einem Gefühl großer subjektiver Sicherheit.

Angesichts der Tatsache, daß in unzähligen Beratungssituationen Klient und astrologischer Berater immer wieder den Eindruck haben, daß die Deutung des Horoskops stimmig und zudem hilfreich ist , stellen sich Astrologen immer wieder die Frage, aus welchen Gründen eine weitere "Prüfung" der Astrologie notwendig erscheint. Anders ausgedrückt: Gibt es im Falle der Astrologie, außer ideologischen Gründen ("Astrologie kann nicht richtig sein!"), plausible Gründe, an der Validität der Evidenz-Erlebnisse von Klient und Berater zu zweifeln? - Die Berechtigung eines solchen Zweifels soll an einem Beispiel aus meiner Praxis verdeutlich werden:

Vor einigen Jahren kam eine Dame zu mir zu einer astrologischen Beratung. Sie hatte sich telefonisch angemeldet und mir dabei auch ihre Geburtsdaten angegeben. Nach unserem zweistündigen Gespräch erzählte sie mir, daß sie vor mir schon bei 5 Kollegen gewesen sei, meine Deutung sei allerdings die differenzierteste und die beste. Sie zeigte mir zum Vergleich dann die Arbeiten meiner Kollegen. Bei der Gelegenheit bemerkte ich, daß die Horoskope meiner Kollegen ganz andere Konstellationen aufwiesen als mein Bild. Ich stellte fest, daß ich mich bei dem Geburtsdatum um 20 Jahre geirrt hatte: Ich hatte statt einer 3 aus meiner handschriftlichen Notiz ihrer Geburtsdaten eine 5 gelesen, so daß ihr Geburtsdatum statt in die dreißiger Jahre in die fünfziger Jahre fiel. Ähnliche Erlebnisse, daß Deutungen irrtümlich falsch berechneter Horoskope als "evident" empfunden werden, berichten auch andere Kollegen (DEAN/MATHER 1977, 19).

 

Welche Möglichkeiten bestehen also in der Astrologie, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden?

 

Astrologie ist die symbolische Deutung räumlicher Verhältnisse und zeitlicher Abläufe in unserem Sonnensystem. Sie basiert auf der Grundannahme, daß die sich aus solchen Verhältnissen ergebenden Rhythmen mit physikalischen, biologischen und psychischen Abläufen in Organismen auf der Erde in Zusammenhang stehen (siehe Kapitel 2). Astrologie zu prüfen bedeutet, die Angemessenheit ihrer Grundannahme zu prüfen und die Angemessenheit der Deutungen zu prüfen.

Die einzelnen Richtungen in der Astrologie unterscheiden sich hinsichtlich zweier Dimensionen, die relativ unabhängig voneinander sind: zum einen hinsichtlich der verwendeten Deutungselemente , darüberhinaus aber auch hinsichtlich ihrer Auffassungen darüber, von welcher Natur der in Rede stehende Zusammenhang sei. Da die Beantwortung dieser Frage für die Realisierung einer angemessenen Prüfung astrologischer Aussagen von Bedeutung ist, sollen die wesentlichen Auffassungen kurz referiert und diskutiert werden.

 

Kapitel 7.1:

Auffassungen über die Natur astrologischer Aussagen

 

Die Auffassungen zur Frage der Natur der astrologischen Aussagen sollen in vier Gruppen zusammengefaßt werden, die Stufen der "Rigidität" der Forderung nach Objektivierbarkeit des behaupteten Wissens repräsentieren:

1. Esoterische Astrologie: Astrologisches Wissen ist Offenbarungswissen. "Die Esoteriker erblicken in der überlieferten astrologischen Lehre eine von göttlichen Wesen oder erhabenen Denkern, wie Hermes Trismegistos, geoffenbarte kosmische Philosophie, die nur von Eingeweihten subjektiv nacherlebt und verstanden werden kann". (KNAPPICH 1967, 309)

2. Symbolische Astrologie:
Die in dieser Arbeit dargestellte Astrologie gehört hierher. Es wird ein Deutungssystem vorausgesetzt, innerhalb dessen den verschiedenen astronomischen Gegebenheiten (den Planeten und deren Konstellationen, bestimmten Abschnitten des Raumes) eine symbolische Bedeutung zugeschrieben wird. Die Symbole repräsentieren grundlegende (prinzipielle, elementare) Strukturen, die Materielles, Seelisches und Geistiges gleichermaßen umfassen.

3. "Astrologie als Erfahrungswissenschaft" (KLOECKLER 1925): Astrologische Aussagen beruhen auf aus Beobachtungen abgeleiteten Regeln (etwa wie Regeln des richtigen Anbaus von Wein) über systematisch auftretende Koinzidenzen zwischen Himmelserscheinungen und Abläufen auf der Erde . Diese Beobachtungen führten zur Aufstellung eines Systems, welches in Form von Metaphern und Allegorien tradiert wurde und wird.

4. Astrologie als "Naturwissenschaft":
Bei den Regeln der Astrologie handelt es sich um die Beschreibung von Wirkungen der Planeten auf Organismen analog anderen bekannten energieschwachen physikalischen Wirkungen - so z. B. die sehr schwache und doch, aufgrund der "Sensibilität" des Radios, sehr effiziente Wirkung der Radiowellen, die ein Sender aussendet, auf das empfangende Radio. Die genaue Form dieser Wirkungen ist derzeit noch nicht bekannt und deshalb nur in Form von Metaphern formulierbar.

Die Symbolische Astrologie und die Auffassung von Astrologie als einer Erfahrungswissenschaft wird von Astrologen häufig nicht auseinander gehalten. Es ist aber notwendig, eine Trennung vorzunehmen: Die symbolische Astrologie läßt, streng genommen, nur "Erweiterungen" (ggf. "Umformulierungen") der Bedeutung ihrer Elemente zu, keine völlige "Umdefinition". Dies war auch die Haltung des großen Astrologen dieses Jahrhunderts im deutschen Sprachraum, Thomas RING: "Eine neue Regel in der Astrologie wird zugelassen, wenn sie denknotwendig ist und sich in der Erfahrung bewährt hat." Eine an "Sammlung von Beobachtungen" orientierte Astrologie ist dagegen jederzeit in der Lage, bei Vorliegen neuer Fakten die bisherigen Regeln (ggf. vollständig) zu ändern. Dies ist auch der Weg der sog. "Neo-Astrologie" (s.u.).

Auch die Auffassungen von Astrologie als Erfahrungswissenschaft einerseits, Naturwissenschaft andererseits werden oft nicht auseinander gehalten. Die dritte Auffassung ist jedoch nicht festgelegt, was das zugrundeliegende "Weltbild" angeht; der Begriff der Erfahrung ist dort weiter auszulegen.

Schließlich gehen auch die Esoterische und die Symbolische Astrologie in der Argumentation von Astrologen häufig ineinander über. Die einzelnen Auffassungen müssen aber wegen der Konsequenzen für eine mögliche Prüfung - vor dem Hintergrund der Angemessenheit der Methode - unterschieden werden.

 

Esoterische Astrologie

 

Für die Esoterische Astrologie ist eine Prüfung ihrer Aussagen weder notwendig noch möglich. Diese Auffassung von Astrologie ist daher für unsere Erörterungen nicht von Bedeutung.

 

Astrologie als "Naturwissenschaft"

 

Das Bedürfnis, den Zusammenhang zwischen Kosmos und Bios physisch-kausal verstehen zu können, ist alt. Das versuchte schon PTOLOMAEUS im 2. Jhd. (1822). Das Bedürfnis ist verständlich: ist doch für viele die "Undenkbarkeit" eines kausalen Zusammenhanges der Anlaß, die Astrologie schon von daher abzulehnen. Im Hintergrund steht dabei die Überzeugung, daß die Postulierung nicht-kausaler Zusammenhänge dem Bereich vorwissenschaftlichen Denkens, dem Bereich von Aberglauben und Magie angehören.

"Ideologische" Schwierigkeiten dieser Art lösen sich oft auf überraschende Weise: Sie entpuppen sich als Scheinprobleme: Seit die Materie im Zuge der immer weiter fortschreitenden Auflösung ihrer aus der Alltagserfahrung gewohnten Eigenschaften (z. B. der Solidität oder Undurchdringlichkeit) keine selbstverständliche Kategorie mehr ist, so daß wir eigentlich gar nicht (mehr) wissen, was Materie überhaupt genau ist, entpuppt sich z. B. der Materialismus-Idealismus-Gegensatz als ein solches Scheinproblem. Materie wird immer "immaterieller" (WEIZSÄCKER 1971, 289, 312 ff). Ähnliches könnte sich für die Kategorie "Wirkung" bzw. "Ursache" einmal erweisen; erkenntnistheoretisch sind sie ohnehin keine "Selbstverständlichkeiten".

Vertreter der Auffassung von Astrologie als einer "Naturwissenschaft" operieren häufig mit Analogien zu physikalischen Modellvorstellungen (MODERSOHN 1983). Es wird dabei meist nicht gesehen, daß diese Modellvorstellungen in den Naturwissenschaften nur einen heuristischen Wert haben (haben sollten!) und ihren Sinn erst aus der Zuordnung zu bestimmten experimentellen Anordnungen und durch eindeutige "Meßvorschriften" erhalten. Häufig liegt dieser Auffassung eine unreflektiert übernommene Verabsolutierung des Wahrheitsanspruchs der Naturwissenschaften zugrunde. Insbesondere wird die Relativität der Kategorie "Kausalität" nicht gesehen, weshalb auch für astrologische Zusammenhänge nach glaubwürdigen Ursachen gesucht wird, die dann in nicht näher bestimmbaren "Strahlen" (in Analogie zu Radiowellen) gesehen werden.

Mit diesen Einwänden soll nicht die Fruchtbarkeit von Forschungen in Frage gestellt werden, die mit naturwissenschaftlichen Mitteln Beziehungen zwischen Kosmos und Mensch untersuchen, ganz im Gegenteil: Solche Untersuchungen haben jedoch für die Astrologie den gleichen Stellenwert, wie ihn Biologie und Physiologie für die Psychologie haben: Ebensowenig wie sich das gedankliche und emotionale Geschehen im Menschen vollständig auf biophysikalische und biochemische Veränderungen im Körper (einschließlich des Gehirns) reduzieren läßt - insbesondere nicht im Lichte der Erkenntnisse der Systemtheorie -, ebensowenig läßt sich die Astrologie in der derzeit praktizierten Form vollständig auf physikalische "Wirkungen" der Gestirne reduzieren, wenngleich in beiden Fällen unbestreitbar enge Beziehungen bestehen.

 

Astrologie als Erfahrungswissenschaft

 

Wenn Astrologie als Erfahrungswissenschaft bezeichnet wird, so soll damit ausgedrückt werden, daß die Behauptungen, die Astrologen aufstellen, nicht Glaubenssätze sind, sondern Erfahrungen, daß sie aus Beobachtungen abgeleitet werden und an der Beobachtung zu prüfen sind. Man stellt man sich dieses Prüfen allerdings oft einfacher vor als es im Falle der Astrologie tatsächlich ist. Insbesondere die frühen Arbeiten von CHOISNARD (1919, 1920) oder KRAFFT (1939) kranken dabei an methodischen Fehlern, wie GAUQUELIN (1960) nachgewiesen hat (referiert bei EYSENCK/NIAS 1982, 62ff), doch auch die meisten der zahlreichen neuen Untersuchungen zur Astrologie sind oft methodisch so dilletantisch angelegt, daß die Ergebnisse nicht interpretierbar sind (DEAN/MATHER 1977).

Überblickt man die Forschungen der letzten Jahrzehnte, so gewinnt man den Eindruck, als beginne sich aus der hier gerade beschriebenen Auffassung von Astrologie auf der Basis einer besonders strikten Verfolgung eines rein empirischen Zugangs langsam eine ganz neue Art Astrologie zu entwickeln, eine "Neo-Astrologie" (GAUQUELIN 1983). Sie tendiert bei der "Erklärung" astrologischer Zusammenhänge zu naturwissenschaftlichen Konzepten, ohne jedoch der vereinfachenden Vorstellung von Planeten-Wirkungen in der oben beschriebenen Form zu verfallen. Mit der Symbolischen Astrologie hat sie kaum mehr gemeinsam als die Alchemie mit der Chemie, insbesondere im Hinblick auf die Methodik des Vorgehens: An die Stelle einer universalen, in Symbolen vermittelten "Theorie" über den Zusammenhang zwischen Kosmos und Mensch, tritt die Überprüfung von Einzelhypothesen über Korrelationen zwischen klar definierten astronomischen Einzelfakten und ebenso klar definierten isolierten Merkmalen einer Person, also Statistik (GAUQUELIN 1983, STARK 1985, EYSENCK/NIAS 1982, DWYER 1983a+b). Und es werden ausschließlich solche Regeln für die "Deutung" des Horoskops akzeptiert, die einer statistischen Überprüfung standgehalten haben bzw. die auf diese Weise erst entwickelt wurden.

Diese Art der "Astrologie" ist untrennbar verknüpft mit dem Namen Michel GAUQUELIN. In mehr als 40jähriger Pionierarbeit unterzog er, zusammen mit seiner Frau Françoise, weite Teile der Klassischen Astrologie einer statistischen Analyse, indem er astrologische Regeln, die implizit oder explizit ja immer Aussagen über Häufigkeiten machen, mit den entsprechenden Planeten-Konstellationen korrelierte. Seine Arbeiten werden in diesem Kapitel noch ausführlicher dargestellt werden.

 

Symbolische Astrologie

 

Im Unterschied zur "Neo-Astrologie" als Beispiel eines konsequenten rein empirischen Zugangs hält die Symbolische Astrologiean der Gesamt-Struktur der Astrologie als einem in sich geschlossenen Aussage-System fest - man könnte sagen, sie hält an der "Gestalt" der Astrologie fest. Doch auch Astrologen, die Astrologie im Sinne der Symbolischen Astrologie verstehen, würden für sich in Anspruch nehmen, daß sie ihre Behauptungen an der Erfahrung prüfen. Sie gehen dabei von einem Begriff von Erfahrung aus, der weiter gefaßt ist: auch Erlebnisse der Evidenz gehören dazu. Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht darin, daß die Ebene der Symbole von der Ebene ihrer "Entsprechungen" getrennt gesehen wird, d. h. die Bedeutung eines Symbols ist nicht identisch mit seinen Entsprechungen: die Entsprechungen sind Beispiele; sie erläutern die Bedeutung des Symbols. Sie sind keine (operationalen) "Definitionen". Dabei wird implizit angenommen, daß es "etwas" gibt (eine "Idee"), was diese Symbole "eigentlich" sind.

Am leichtesten läßt sich das, was sie "eigentlich" sind, in der Sprache der Systemtheorie formulieren, wenn man die "Ebene der Wirklichkeit", deren Struktur die Astrologie spiegelt, als die Ebene der "System-Eigenschaften" versteht. Wie weit das tatsächlich durchzuhalten ist, kann man beim gegenwärtigen Stand der Forschung noch nicht abschließend beurteilen.
In ihrer Not, den intuitiv erfaßten Strukturen der Realität, die sich im Horoskop spiegeln, keine allgemein verständliche "Ebene" zuordnen zu können (als die Ebene der "Zeichen der Götter", wie in Kapitel 1 beschrieben, verloren war), haben Astrologen zu den verschiedensten "Erklärungen" gegriffen, den Kosmos-Bios-Zusammenhang plausibel erscheinen zu lassen. Thomas RING lehnte sich, wie beschrieben, an das von R. H. FRANCE entwickelte System einer ganzheitlich-verstehenden Biologie an - wir können dies als einen Spezialfall des systemtheoretischen Ansatzes verstehen. RIEMANN (1976) postuliert ein "Kosmisches Unbewußtes", das er, metaphorisch gesprochen, noch "unterhalb" der Ebene des von C. G. JUNG (1976) konzipierten "Kollektiven Unbewußten" ansiedelt, wobei dieses "Kollektive Unbewußte" von JUNG bereits als eine allgemeinere, "tiefere" Schicht zum "persönlichen Unbewußten" im Sinne von Sigmund FREUD zu verstehen ist.

 

Kapitel 7.2:

Folgerungen für die Prüfung astrologischer Aussagen

 

Esoterische Astrologie bedarf keiner Prüfung und ist ihrer per definitionem auch nicht fähig. Der Versuch, den Kosmos-Bios-Zusammenhang physisch-kausal aufzufassen, ist unvereinbar mit der Art, wie Astrologie praktisch betrieben wird: Entweder die Astrologie, wie wir sie betreiben, ist richtig, dann kann sie nicht auf "Wirkungen" der Planeten auf Organismen zurückgeführt werden - oder die Astrologie basiert ausschließlich auf solchen (bisher noch nicht erkannten) Wirkungen, dann kann die Art, in der wir sie betreiben, nicht richtig sein.

Am befriedigendsten im Sinne des heutigen Wissenschaftsverständnisses ist die sog. Neo-Astrologie. Streng genug betrieben sind ihre Ergebnisse genau so "sicher" wie die Methoden der Statistik, auf die sie sich ausschließlich stützt - die einzige Schwierigkeit besteht in einer möglicherweise fehlerhaften oder inadäquaten Verwendung statistischer Prozeduren. Die von ihr benutzten Grunddaten sind eindeutig definiert (z. B.: Mitglied der Akademie Française, s. u.), die Interpretation der Ergebnisse folgt den auch in der Psychologie allgemein akzeptierten Regeln. Es verwundert nicht, daß Wissenschaftler wie EYSENCK, der selbst an der Entwicklung der heute gültigen "Regeln wissenschaftlichen Forschens" in der akademischen Psychologie maßgeblichen Anteil hat, die Ergebnisse der "Neo-Astrologie" für die einzigen ernstzunehmenden Ergebnisse im Bereich der astrologischen Forschung überhaupt hält (EYSENCK/NIAS 1982, 294ff).

Die GAUQUELINs untersuchen jedoch nicht wirklich die Astrologie, zumindest nicht diejenige, die ich als Symbolische Astrologie weiter oben skizziert habe. Wir finden in ihren Schriften auch keine Erörterungen darüber, ob die Merkmale, die sie mit den Planeten verknüpfen, eine angemessene "Übersetzung" der Bedeutung der Planeten darstellt. Dieses Problem ergibt sich für sie gar nicht, da sie zu den Entsprechungen auf rein empirischem Wege gelangen. Dem quantitativ-statistischen Ansatz zufolge kommen sie dann (zwangsläufig) dazu, die Bedeutung der astrologischen Symbole als eine Sammlung von Entsprechungen aufzufassen. Wie wir gesehen haben, ist es wahrscheinlich, daß dabei etwas von dem, was diese Symbole ausdrücken, verlorengeht.

Wenn man, eingedenk dieser Begrenzung, ihre Ergebnisse mit der nötigen Vorsicht interpretiert, so sind sie von unschätzbarem Wert, zeigen sie doch mit gegenwärtig in den etablierten Wissenschaften allgemein anerkannten Mitteln, daß die Existenz eines Zusammenhangs zwischen der Stellung der Planeten im Moment der Geburt eines Menschen und dem Leben dieses Menschen mit gleichem Recht eine wissenschaftliche Tatsache genannt werden darf wie alle anderen in Natur- und Sozialwissenschaften erforschten Zusammenhänge, deren "Existenz-Beweis" sich auf statistische Untersuchungen stützt. Wie ERTEL (1986) überzeugend darlegt, bilden die Ergebnisse aller GAUQUELIN'schen Untersuchungen ein "Netzwerk von Relationen, das sich mit seiner dynamischen Struktur von anderen empirisch-theoretischen Netzwerken der Naturwissenschaft, die sich historisch bewährt haben, in den Grundzügen nicht unterscheidet." (S. 109)
Diese Tatsache, daß die Ergebnisse mit anerkannten wissenschaftlichen Methoden gewonnen wurden, wirkt auf viele Wissenschaftler aus dem "Lager der Gegner" der Astrologie besonders provozierend. Daher wird die Arbeit der GAUQUELINs auch erbittert bekämpft (siehe EYSENCK/NIAS 1982, 279ff), doch: "Dies übersehen zu haben (die Netzstruktur der GAUQUELIN'schen Ergebnisse, Anm. d. Verf.) gehört zu den größten Fehlern der Komitees, die glaubten, sich ihrer Aufgabe (der Widerlegung GAUQUELINs, Anm. d. Verf.) mit einem einzigen Überprüfungsfall entledigen zu können. Gegenüber den Dimensionen des empirisch bereits ausgebauten GAUQUELIN-Programms vermag ein punktueller Einzeltest nur wenig auszurichten." (ERTEL 1986, 109)

Ähnlich wie Psychologen, die ausgehend vom dem Bedürfnis, das Phänomen der menschlichen Intelligenz zu untersuchen, dazu übergingen, sich den Gegenstand ihrer Untersuchung selbst zu "konstruieren": Intelligenz ist das, was der Intelligenztest mißt, konstruieren sich auch die GAUQUELINs, ausgehend von dem Bedürfnis, die Astrologie zu untersuchen, ihren Gegenstand selbst durch die Art ihrer Definitionen. In beiden Fällen besteht die Gefahr, daß der eigentliche Untersuchungsgegenstand dabei "verfehlt" wird, daß man die an einem eingeschränkten Begriff des Gegenstandes gewonnenen Erkenntnisse, deren Bezug zum ursprünglichen Gegenstand im dunkeln bleibt, auf den Gegenstand als Ganzen überträgt.

Kämpft also der strikt empirische Zugang mit dem (ungelösten) Problem einer angemessenen Definition der Bedeutung der astrologischen Symbole, so kämpft die Symbolische Astrologie mit dem (ungelösten) Problem, ein verläßliches Kriterium für die Angemessenheit einer Deutung zu finden. Vielleicht sind ja beide Wege nicht einander ausschließend sondern "komplementär"...

 

Die "Verifikations-Aporie" der Symbolischen Astrologie

 

Man könnte aus dem weiter oben angeführten Beispiel: eine Klientin hatte die Deutung eines falsch berechneten Horoskops als sehr "stimmig" empfunden, den Schluß ziehen, derartige "Evidenz-Erlebnisse" seien grundsätzlich trügerisch. Dieser Schluß wäre jedoch sehr voreilig, insbesondere deshalb, weil es auch gegenteilige Beispiele gibt, Beispiele also, die solche Evidenzerlebnisse als recht verläßlich erscheinen lassen. Ich möchte auch dies durch ein Beispiel aus meiner Praxis verdeutlichen:

Ein Klient - wie sich später herausstellte, ein Pfarrer -, der bei mir ein schriftliches sog. "Blind-Gutachten" in Auftrag gegeben hatte, weil er neugierig war, was Astrologie leisten könne, rief mich direkt nach Erhalt dieses Gutachtens an, um mir seine Unzufriedenheit mitzuteilen: manches stimme, anderes sei total falsch, das Gutachten sei "weder Fisch noch Fleisch". Der Klient hatte mir seine Geburtszeit ungenau angegeben, so daß ich ihn bat, doch beim Standesamt seines Geburtsortes sicherheitshalber noch einmal nachzufragen. Es stellte sich tatsächlich heraus, daß die Angabe, die er von seiner Mutter erfahren hatte, um vier Stunden von der standesamtlichen Angabe abwich. Er bestellte daraufhin ein zweites ausführliches Gutachten auf der Grundlage der standesamtlichen Geburtszeit-Angabe. Auch in diesem Fall rief er mich nach Erhalt des Gutachtens sogleich an. Diesmal war er begeistert; und auch sein Freund, dem er das Gutachten ebenfalls zu lesen gegeben hatte, fand es treffend. Ich benutze die zwei Gutachten gern in Seminaren zur Demonstration der Tatsache, daß ein Unterschied von 4 Stunden in der Geburtszeit die Struktur des Horoskops so stark verändert, daß der Unterschied zu zwei nahezu entgegengesetzten Deutungen führen kann. - Die Zustimmung zum zweiten Gutachten wird in diesem Fall dadurch "aufgewertet", daß der Klient durch die Ablehnung des ersten Gutachtens bewiesen hat, daß er kritikfähig ist und nicht dazu neigt, beliebige Beschreibungen seiner Person als "stimmig" zu akzeptieren.

Dennoch: Sowohl die Zustimmung wie auch die Ablehnung einer Deutung durch einen Klienten können schon deshalb nicht als alleiniges Kriterium für Zutreffen oder Nicht-Zutreffen der Deutung akzeptiert werden, weil es keineswegs gewährleistet ist, daß sich der Klient in jedem Fall selbst gut genug einschätzen kann, um diese Entscheidung zu treffen. Wenn ein Klient eine Psychotherapie erhalten hat, so wird seine Selbstwahrnehmung nach der Therapie in den meisten Fallen anders sein als zuvor. Diese unterschiedliche Selbstwahrnehmung ist nicht allein Konsequenz davon, daß er sich (wie zu hoffen ist) geändert hat, sondern sie beinhaltet auch eine größere Sensibilität für eigene Bedürfnisse und Motive, weil es ihm leichter fällt, sich diese Bedürfnisse jetzt einzugestehen. Im positivsten Fall beinhaltet sie eine bessere Sensibilität für das, "was er eigentlich ist".

Jeder erfährt an sich selbst, daß er viele Aspekte seines eigenen Wesens als Jugendlicher noch nicht wahrgenommen hat. Manche Wesenszüge werden uns sogar erst sehr spät bewußt, und wir erkennen im Nachhinein, welche Motive uns bei früheren Handlungen geleitet haben, die wir damals nicht hätten angeben können, weil wir uns ihrer nicht bewußt waren (und sein konnten).

Die beschriebene Situation läuft auf eine Aporie hinaus: Die Zustimmung des Klienten zu einer Deutung ist kein grundsätzlich verläßliches Kriterium, da nicht gewährleistet ist, daß er sein "Wesen" bewußt beschreiben kann. Eine objektive Erfassung der Persönlichkeits-Struktur ist ebenfalls nicht möglich, wie ich an anderer Stelle ausführlich dargelegt habe (NIEHENKE 1987). Also gibt es überhaupt kein verläßliches Kriterium für die Frage des Zutreffens oder Nicht-Zutreffens einer astrologischen Deutung.

Da die Zuverlässigkeit einer Entscheidung über das Zutreffen oder Nicht-Zutreffen einer astrologischen Deutung auf der Basis quantitativ-statistischer Methoden ebenfalls nicht gewährleistet werden kann (auch dazu siehe NIEHENKE 1987), stehen wir vor der Situation, daß eine zuverlässige Entscheidung über das Zutreffen einer astrologischen Deutung weder auf der Basis des "ganzheitlichen Eindrucks" noch auf der Basis quantitativ-statistischer Methoden möglich ist . Diese Folgerung ist keine "Spitzfindigkeit": Sie ist ein konkretes Beispiel für das in der modernen Erkenntnistheorie sich durchsetzende Bewußtsein, daß es keine Wahrheitsgarantie gibt . Damit ist sie vielleicht auch eine Erklärung dafür, daß sich heute wie vor 2000 Jahren zwei Gruppen von Menschen gegenüberstehen: die einen halten Astrologie für möglich oder aufgrund ihres Begriffs von Erfahrung sogar für erwiesen, die anderen halten sie aufgrund ihres Begriffs von Erfahrung für widerlegt oder gar von vornherein für unsinnig (Aberglauben).

Diese für wissenschaftliches Arbeiten auch in anderen Bereichen unvermeidbare Aporie läßt verschiedene Konsequenzen denkbar erscheinen: Man kann sich entscheiden, nur solche Sachverhalte wissenschaftlich zu untersuchen, die (möglichst) eindeutig operationalisierbar sind. Diese Begrenzung ist charakteristisch für die Naturwissenschaften, aber auch für die "akademische Psychologie" - und auch eine "akademische Astrologie". In diesem Fall schränkt man der Eindeutigkeit wegen freiwillig den Bereich von Erfahrungen ein, und kann daher über das jenseits dieses Bereiches liegende wissenschaftlich keine Aussagen machen. Wenn ich Wissenschaft in diesem Sinne verstehen will, ist eine wissenschaftliche Entscheidung über die Behauptungen der (Symbolischen) Astrologie nicht möglich.

Wenn man aber, im Bewußtsein der ohnehin nicht vermeidbaren Relativität und Standpunkt-Gebundenheit einer jeden wissenschaftlichen Erkenntnis, methodische Prinzipien nicht als "Richter", sondern als "Helfer" betrachtet, so kommt man zwangsläufig zur Auffassung der "Komplementarität" unterschiedlicher Forschungswege. Es geht dann nicht mehr um die Frage einer Entscheidung über Sein oder Nicht-Sein auf der Basis irgendeiner einzelnen Methode, sondern um die Frage: Wie erscheint der Untersuchungsgegenstand im Lichte der verschiedenen Methoden, die mir möglicherweise unterschiedliche Aspekte der Realität offenlegen? Und mit der "Kraft meiner Vernunft" fälle ich dann aufgrund dieser verschiedenen "Ansichten" mein Urteil.

Die zuletzt genannte Auffassung ist die einzig begründbare Konsequenz aus der Erkenntnis, daß es keine "Wahrheitsgarantie" gibt. Das "experimentum crucis", mit dessen Hilfe die Astrologie bewiesen oder widerlegt werden könnte, gibt es nicht! Astrologische Forschung besteht im Sammeln von Belegen für und gegen die astrologischen Behauptungen mit den unterschiedlichsten Methoden. Das Bewußtsein, daß keine Methode dabei fehlerfrei ist, läßt die Beiträge einer jeden Methode bedeutsam werden.

"Die Naturwissenschaft ist meinem Gefühl nach nicht weit genug entwickelt, um sagen zu können, daß das nicht wahr sein kann - und auch nicht weit genug entwickelt, um zu sagen, wie es zusammenhängt, wenn es wahr ist." (WEIZSÄCKER 1976, in einem Interview über Astrologie)

 

Kapitel 7.3:

Einige Beispiele aus der empirischen Astrologie-Forschung

Studien im Rahmen des naturwissenschaftlichen Zugangs

 

Ein sehr gutes Beispiel für Arbeiten dieser Art wurde im zweiten Kapitel bereits vorgestellt (das Verhalten der Austern in Abhängigkeit von der Mondstellung). LIEBER (1980) gibt in dem Buch, dem dieses Beispiel entnommen wurde, eine Fülle weiterer Beispiele für Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Stellung des Mondes und verschiedensten chemischen, biologischen, medizinischen und sozialen Faktoren belegen.

Besonders beeindruckend sind Studien, in denen die Abhängigkeit chemischer Reaktionen von kosmischen Bedingungen gezeigt wird, da diese Studien nicht auf den Nachweis von Korrelationen zwischen entsprechenden Faktoren beschränkt sind, sondern experimentell variiert werden können. Zu den interessantesten Studien zählen solche, die zeigen, daß die Eigenschaften des Wassers sich in Abhängigkeit von kosmischen Bedingungen ändern: der menschliche Körper besteht zu 65 % aus Wasser. Von besonderem Interesse ist dabei, daß Wasser seine größte "Sensibilität" für verschiedenste Einflüsse (z. B. auch solche elektromagnetischer Art) im Temperaturbereich zwischen 35 und 40 Grad hat: in diesem Temperaturbereich bewegt sich die Körpertemperatur der meisten Warmblüter einschließlich des Menschen.

Der Berliner Bakteriologe BORTELS stellte fest, daß der Gefrierpunkt des Wassers, außer durch die uns bekannten Faktoren, wie z. B. Luftdruckschwankungen, auch von kosmischen Bedingungen abhängt. Es scheint dabei eine Strahlung für die Veränderung dieser Eigenschaft des Wassers verantwortlich zu sein, denn wenn BORTELS seinen hermetisch abgeschlossenen Behälter mit einem Metallschirm umgab, der elektromagnetische Strahlungen abhält, so hörten die Veränderungen auf. (EYSENCK/NIAS 1982, 196)

Das am besten gesicherte Ergebnis in dieser Richtung geht auf Untersuchungen des italienischen Forschers Giorgio PICCARDI zurück. Seine Ergebnisse, die sich auf mehrere Hunderttausend Einzeltests stützen, wurden von verschiedenen Forschern in verschiedenen Weltgegenden erfolgreich repliziert (DEAN/MATHER 1977, 503ff, EYSENCK/ NIAS 1982, 195ff): PICCARDI stellte fest, daß chemische Reaktionen in Wasser von Sonneneruptionen beeinflußt werden. In seinen Versuchen verwendete er Wismutoxychlorid und beobachtete die Ausfällgeschwindigkeit, wenn es in destilliertes Wasser gegossen wurde. Es zeigte sich, daß an Tagen mit Sonneneruptionen die Geschwindigkeit dieser chemischen Reaktion sprunghaft anstieg. Noch wesentlicher aber ist, daß dieser Anstieg der Reaktionsgeschwindigkeit durch einen Schutzschirm aus Kupferblech verhindert werden konnte.

Ebenfalls sehr bekannt geworden sind die von Rudolf STEINER initiierten Forschungen seiner Schülerin Lili KOLISKO (1929), die das Ausfällen von Metallen aus Metall-Salz-Lösungen in Abhängigkeit von bestimmten "Aspekten" der Planeten beobachtete. In der astrologischen Tradition wird jedem Planeten ein für ihn typisches Metall zugeordnet, so z. B. Eisen dem Mars, Gold der Sonne, Silber dem Mond und Blei dem Saturn. KOLISKO fand, daß die chemische Reaktion des Ausfällens von Silber (Mond) aus einer Eisen-Silber-Lösung (Mond-Mars) anders verlief, wenn Mond und Mars zur Zeit des Experimentes gerade eine Konjunktion (einen Winkel von 0 Grad) bildeten. Auch diese Arbeiten wurden von mehreren Forschern wiederholt, jedoch nicht immer mit dem gleichen Resultat (DEAN/MATHER 1977, 229ff).

Eine Vielzahl von Arbeiten beschäftigt sich mit den Einflüssen des 11jährigen Sonnenflecken-Zyklus auf die verschiedensten Vorgänge (u. a. die oben zitierten Arbeiten von PICCARDI). Unter diesen Studien sind diejenigen besonders gut bestätigt, die sich mit dem Zusammenhang von Sonnenflecken und Gesundheit beschäftigen. So gibt es gut belegte Studien, die einen Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und der Anzahl der weißen Blutkörperchen im menschlichen Blut festgestellt haben: "Röntgenstrahlen und Gammastrahlen ließen den Albuminspiegel verhältnismäßig unbeeinflußt. Nur die Sonnenstrahlung hatte eine so auffällige Wirkung. Ein möglicher Hinweis auf die Art der entscheidenden Strahlung ergab sich aus dem Umstand, daß der Spiegel auch unmittelbar vor Sonnenaufgang anstieg. Von niedrigerfrequenten elektrischen Wellen weiß man, daß sie um diese Zeit ebenso zunehmen wie während einer erhöhten Sonnenfleckentätigkeit." (EYSENCK/NIAS 1982, 200)

Daß die Sonnenaktivität mit biologischen Prozessen auf der Erde in vielfältiger Weise zusammenhängen muß, belegen statistische Studien über Zusammenhänge zwischen Sonnenaktivität und Unfall-Häufigkeit, der Zahl der Einlieferungen in psychiatrische Kliniken, dem Wetter, der Erdbebenhäufigkeit und dem Radioempfang (referiert bei EYSENCK/NIAS 1982, und DEAN/MATHER 1977).

Für die Astrologie interessant werden diese Studien aber erst dann, wenn sich ein Zusammenhang zwischen den Aktivitäten der Sonne und der Stellung der Planeten nachweisen läßt. In diesem Fall wäre eine geschlossene "Ursache-Wirkungs-Kette" von Planeten-Kostellation über die Beeinflussung der Sonnenaktivität auf biologische, chemische und biophysikalische Prozesse auf der Erde denkbar.

Einen solchen Zusammenhang zwischen Planeten-Konstellation und Sonnenaktivität scheinen eine ganze Reihe von Astronomen anzunehmen: "Seit der Jahrhundertwende sind Dutzende von Arbeiten von Astronomen und Geophysikern aus aller Welt veröffentlicht worden, die für solche Korrelationen sprechen." (LANDSCHEIDT 1984, 66) LANDSCHEIDT selbst bringt in der gleichen Arbeit besonders überzeugende Belege auf der Grundlage der durch die Planetenkonstellationen bewirkten Schwingungen der Sonne um den Massenschwerpunkt des Sonnensystems (der natürlich nicht identisch ist mit dem Zentrum der Sonne). Seine Schlußfolgerung lautet: "Nach Untersuchungen, die zwei Jahrzehnte andauerten, steht jetzt fest, daß Drehmomentstöße in der Art des Jahres 1951, welche die Schwingungen der Sonne um das Massenzentrum antreiben, in einer engen Beziehung zum Verlauf aller bekannten Zyklen solarer Aktivität stehen. Dieser Zusammenhang ist so zuverlässig, daß er praktische Vorhersagen möglich macht." (a. a. O., 79)

Die wenigen hier erwähnten Studien deuten Zusammenhänge an, die zu verfolgen doch so "spannend" sein müßte, daß Wissenschaftler sich über eine derartige Aufgabe in dem heutzutage durch Zersplitterung in kleinste Teile gekennzeichneten und als Folge davon oft zur Routine erstarrten Forschungsbetrieb eigentlich nur freuen könnten. Doch: "Hier müssen wir, wie so oft in diesem Buch, bedauernd feststellen, daß interessante und gut durchgeführte Forschungsarbeiten mit wichtigen Resultaten nicht repliziert oder weiterverfolgt wurden - vielleicht, weil Wissenschaftler Angst davor haben, als Quacksalber etikettiert zu werden, wenn sie sich mit vermuteten Wirkungen beschäftigen, für die sich nicht sofort eine physikalische Erklärung findet." (EYSENCK/NIAS, 1982, 203)

 

Die Arbeiten der GAUQUELINs

 

Es ist unmöglich, hier eine vollständige Übersicht über das mehr als 40jährige Schaffen Michel GAUQUELINs und seiner Frau Françoise zu geben. Ohne auf Einzelheiten der sehr komplexen statistischen und demographischen Methodenprobleme einzugehen, sollen einige Ergebnisse dargestellt werden, die mittlerweile "klassisch" zu nennen sind, u. a. den sog. "Mars-Effekt" in den Horoskopen von Sport-Champions, der in mehreren (von GAUQUELIN unabhängigen) Untersuchungen mit Daten aus verschiedenen Ländern immer wieder repliziert werden konnte.

 

Die astronomischen Grundlagen

 

In der Astrologie werden, wie in Kapitel 3 gezeigt wurde, zwei verschiedenen Bewegungen der Gestirne unterschieden: Eine Bewegung der Planeten durch den Tierkreis, die auf der Revolution der Planeten um die Sonne beruht; eine andere Bewegung von Aufgang-Kulmination-Untergang eines jeden Planeten, die auf der Rotation der Erde um sich selbst beruht. GAUQUELINs Arbeiten beschäftigen sich (nach erfolglosen Versuchen, die Bedeutung der Tierkreiszeichen statistisch zu erhärten) nahezu ausschließlich mit dieser zweiten Bewegung der Planeten.

In der astrologischen Tradition hat ein Planet, der gerade aufgeht, eine besondere Bedeutung. Man sprach im Mittelalter davon, daß jemand ein "Jupiter-Kind" oder ein "Mars-Kind" sei, wenn Jupiter oder Mars im Moment der Geburt gerade am Horizont aufgegangen waren - diese Planeten-Kinder-Typologie war damals ähnlich populär wie die heutige Tierkreiszeichen-Typologie. Ebenso hat die Stellung eines Planeten in der Kulmination (am höchsten Punkt des Himmels) astrologisch schon immer eine besondere Bedeutung gehabt - analog der Mittagsstellung der Sonne, der Stellung der intensivsten Sonneneinstrahlung.


Abbild 19

Für seine Untersuchungen unterteilte GAUQUELIN den durch die Rotation der Erde entstehenden scheinbaren Bogen, den jeder Planet am Himmel zieht, beginnend vom Moment des Aufgangs dieses Planeten an, in 36 Abschnitte (Sektoren), die so gewählt sind, daß jedem Abschnitt im Durchschnitt die gleiche Aufenthaltsdauer des Planeten entspricht (siehe Abbild 19, Einzelheiten in GAUQUELIN 1983, umfassender in GAUQUELIN 1957, eine kurze Zusammenfassung der astronomischen Probleme gibt MÜLLER 1986). Seine Methode besteht darin, für jede untersuchte Person anhand der Geburtsdaten auszurechnen, in welchem Sektor sich die einzelnen Planeten im Moment der Geburt dieser Person befunden haben.

Bei einer genügend groß gewählten Zufalls-Stichprobe von Personen ergibt sich, daß für jeden Planeten und jeden der 36 Sektoren eine gleiche Aufenthaltswahrscheinlichkeit besteht. Diesen Sachverhalt veranschaulicht die Grafik in Abb. ?: Die Häufigkeit, mit der ein bestimmter Planet in einer untersuchten Gruppe im Moment der Geburt in einem bestimmten Sektor zu finden war, wird durch den Abstand vom Mittelpunkt symbolisiert. Bei einer gleichmäßigen Verteilung auf alle 36 Sektoren erhält man dann (nahezu) einen Kreis (ein regelmäßiges 36-Eck). Der Kreis veranschaulicht also die "theoretische Verteilung" (die Zufalls-Erwartung).

 

Der "Mars-Effekt"

 

Bei der Untersuchung verschiedener Berufsgruppen stellte GAUQUELIN nun statistisch auffällige Abweichungen in der Verteilung bestimmter Planeten auf die Sektoren fest: So befand sich z. B. der Planet Mars bei einer Gruppe von 576 Mitgliedern der französischen Akademie für Medizin zur Zeit ihrer Geburt wesentlich häufiger in den Sektoren nach dem Aufgang und nach der Kulmination als es bei einer Zufallsverteilung zu erwarten wäre, ebenso auffällig war die Verteilung des Planeten Saturn. Im Sinne der mittelalterlichen Planeten-Kinder-Typologie wären diese Ärzte also vorwiegend "Mars-Kinder" und/oder "Saturn-Kinder" gewesen.

Es ist für die Wertung dieses Ergebnis wichtig, zwei Dinge hervorzuheben: Zum einen verwendeten die GAUQUELINs für ihre Studien nur die Geburtsdaten von Menschen, die in dem von ihnen untersuchten Beruf hervorragendes geleistet hatten. Sie wurden dabei von der Vorstellung geleitet, daß bei solchen Menschen die für diesen Beruf typischen Merkmale in besonders ausgeprägter Form vorhanden und damit leichter nachweisbar sein müßten. Zum anderen ist das Erstaunliche an ihrem Resultat (und späteren Resultaten), daß die zu den jeweiligen Berufsgruppen gefundenen Planeten in ihrer symbolischen Bedeutung gut mit dem übereinstimmten, was man als typisch für den entsprechenden Beruf ansehen kann. Etwas vereinfacht ausgedrückt, haben die GAUQUELINs auf statistischem Wege die mittelalterliche Planeten-Kinder-Typologie in wesentlichen Teilen bestätigt.

Die GAUQUELINs untersuchten die verschiedensten Berufsgruppen mit Daten aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern. Sie sammelten zu diesem Zweck standesamtlich gesicherte Geburtsdaten von mehr als 20.000 berühmten Persönlichkeiten, die sie, um die Nachprüfung ihrer Ergebnisse zu erleichtern, in regelmäßigen Abständen veröffentlichen (GAUQUELIN 1970, 1971, 1982, 1984). Zu den von ihnen untersuchten Berufsgruppen zählen Sportler, Militärs, Politiker, Wissenschaftler, Schauspieler, Schriftsteller, Maler, Musiker, (Wirtschafts-) Manager und Mediziner. Von jeder Berufsgruppe wurden nur "hervorragende" Vertreter in ihre Untersuchungen einbezogen: Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, Sport-Champions, preisgekrönte Künstler usw.

Für jede Berufsgruppe untersuchten sie die Verteilung der Planeten auf die von Michel GAUQUELIN definierten Sektoren (s. o.). In Abb. 20 sieht man die Verteilung des Planeten Mars für eine Gruppe von etwa 2.000 Sport-Champions (durchgezogene Linie): Die Verteilung zeigt, daß Sport-Champions häufiger geboren werden, wenn Mars gerade aufgeht oder kulminiert (sie haben einen "martialischen" Charakter). Da diese Verteilung des Mars für Sport-Champions in mehreren unabhängig voneinander durchgeführten Studien mit Daten aus verschiedenen Ländern immer wieder bestätigt werden konnte (EYSENCK/NIAS, 1982, 274ff), zuletzt durch MÜLLER (1986), spricht man in der Literatur allgemein von dem "Mars-Effekt".


Abbild 20

Eine ähnliche Verteilung des Planeten Mars finden wir, außer bei den oben erwähnten Medizinern und Sportlern, noch in der Berufsgruppe der Soldaten und Wissenschaftler (hier zusammen mit Saturn). Im Gegensatz dazu erscheint Mars in den entsprechenden Sektoren signifikant seltener bei der Berufsgruppe der Schriftsteller, Maler und Musiker. In den Horoskopen dieser Berufsgruppen nimmt dagegen der Mond häufiger den Platz ein, der bei Sportlern durch Mars eingenommen wird; Mond dagegen ist, vice versa, in der Berufsgruppe der Sportler in diesen Sektoren unterrepräsentiert. Schließlich finden wir Jupiter in ähnlicher Verteilung bei Schauspielern und Politikern.

 

Die "Character-Traits-Method"

 

Die GAUQUELINs nahmen nun an, daß nicht etwa der Beruf selbst mit den Position bestimmter Planeten bei der Geburt korreliert, sondern daß es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind, die für Erfolg in dem jeweiligen Beruf besonders prädestinieren. Zur Überprüfung dieser Hypothese entwickelten sie die sog."Character-Traits-Method": Es handelt sich dabei um eine Methode, objektiv festzulegen, wann einer bestimmten Person eine bestimmte Eigenschaft zugeschrieben werden soll. Sie arbeiteten dazu die Biografien jener Sport-Champions durch, die in ihre bisherigen Untersuchungen eingegangen waren. Aus diesen Biografien sammelten sie sämtliche Eigenschaftszuschreibungen, die in diesen Biografien zur Kennzeichnung der beschriebenen Personen verwendet worden waren. Jede Zuschreibung, die das Kriterium, mit einer bestimmten Mindesthäufigkeit genannt worden zu sein, erfüllte, wurde als charakterisierende Eigenschaft der entsprechenden Person in eine Liste eingetragen. Sie erhielten so für jede Person einen set von diese Person charakterisierenden Adjektiven.
Über die Angemessenheit einer solchen Festlegung: "Eine Person ist impulsiv, wenn in ihren Biografien diese Kennzeichnung ihres Wesens mindestens zehnmal auftaucht", kann man sicher streiten, doch der Erfolg spricht zunächst für die GAUQUELINs:


Abbild 21

In einer neuen Statistik verglichen sie solche Sport-Champions, denen in den Biografien ein "eiserner Wille" zugechrieben worden war, mit denjenigen, von denen z. B. häufiger ausgesagt wurde, sie hätten weit mehr erreichen können, wenn sie einen stärkeren Willen (z. B. zum Trainieren) gehabt hätten. Das Ergebnis sehen wir in Abb. 21. Wie man sieht, wurde ihre Hypothese bestätigt. Während die "willens-starken" Sportler eine Verteilung aufweisen, die der charakteristischen Verteilung der ganzen Gruppe entspricht, ist die Verteilung der "willens-schwachen" Sportler entgegengesetzt.

Umgekehrt konnten die GAUQUELINs nun für jede der Eigenschaftszuschreibungen überprüfen, inwieweit sie als charakteristisch für einen bestimmten Planeten anzusehen war, indem sie für die Gruppe von Personen, denen diese Eigenschaft gemeinsam war, die Verteilung des betreffenden Planeten auf die Sektoren untersuchten. Auf diese Weise erhielten sie für jeden untersuchten Planeten eine empirisch ermittelte Liste von "Schlüsselworten" (key-words). Das wirklich Erstaunliche an diesen Schlüsselworten ist, daß sie sich beinahe lesen wie Beschreibungen aus einem Astrologie-Lehrbuch zu den jeweiligen Planeten-Bedeutungen (GAUQUELIN, F., 1982). Erstaunlich ist das deshalb, weil diese Charakterisierungen ja auf eine strikt "empirische" Weise ermittelt wurden durch ein Verfahren, das in dem Sinne objektiv ist, daß es von jedermann in gleicher Weise nachvollzogen werden kann. Darin liegt auch die nicht zu überschätzende Bedeutung dieser Arbeiten der GAUQUELINs. Dennoch darf man diese Ergebnisse nicht so interpretieren, als hätten die GAUQUELINs damit "die Bedeutung der Planeten" erfaßt, denn sie können nur das an Bedeutung finden, das ihre Methode zu finden erlaubt. Sie gingen aus von isolierten Eigenschaftszuschreibungen, wie sie von bestimmten Menschen, nämlich den Biografen, vorgenommen wurden. Sie können also auch nur auf der Ebene dieser so "definierten" Charakter-Merkmale etwas über die Bedeutung der Planeten-Symbole "erfahren". Ihre Methode, deren unschätzbarer Vorteil gerade in ihrer Einfachheit und leichten Objektivierbarkeit liegt, ist nämlich nicht geeignet, mehr als ein "holzschnitt-artiges" Bild der Charakter-Struktur einer Person zu entwerfen, bestehend aus einer Sammlung von "Etiketten". Die beschreibenden Begriffe werden in den jeweiligen Biografien durch den Kontext nuanciert und in eine "Gestalt" integriert, so daß sie dort mehr sind als Etiketten. Das reine Auszählen löst sie aus diesem Zusammenhang und macht sie zu Einzelteilen eines Puzzles .

Aus all den genannten Gründen war bei einer derartig "groben Messung" im voraus ein solches Ergebnis, wie die GAUQUELINs es dann erhalten haben, nicht zu erwarten. - Es kommt in den Wissenschaften offensichtlich manchmal darauf an, mit einem gewissen "Spürsinn" für den erfolgreichen Weg auszuprobieren.

Und mit diesem Spürsinn ist den GAUQUELINs bei dieser Methode ein Kunstgriff besonderer Art geglückt: Indem sie Biografien als Ausgangs-Daten nehmen, die ja von "gestalt-sensiblen" menschlichen Wesen verfaßt werden, sind in ihrer Methode "ganzheitliche Urteile" enthalten, die zudem ein hohes Maß an Subjektivität aufweisen. Diese "Subjektivität" der Urteile, auf denen ihre Ausgangsdaten gründen, wird durch das scheinbar mechanische Auszähl-Verfahren nur verwischt. Es ist jedoch plausibel anzunehmen, daß diese Subjektivität, anders als bei der Beurteilung eines Gutachtens durch die betroffene Person (oder ihren Biografen...), sich nicht zugunsten der astrologischen Hypothese auswirkt, da die Biografie nicht im Hinblick darauf konzipiert worden ist. Das Urteil des Biografen ist also unverdächtig; darin allein liegt seine "Objektivität" begründet.

 

Widersprüche zur astrologischen Tradition

 

Aus der Sicht der Astrologen haben diese beachtenswerten Untersuchungen leider eine Reihe von "Schönheitsfehlern": Bisher haben die Forschungen der GAUQUELINs nämlich nur für 5 der 10 in der Astrologie bedeutsamen Himmelskörper, nämlich für Mond, Venus, Mars, Jupiter und Saturn statistisch auffällige Resultate erbracht, nicht dagegen für die Planeten Merkur, Uranus, Neptun, Pluto und, vor allem, auch nicht für die Sonne. Es bleibt, sollte sich dies nicht ändern, ein großes Rätsel, wieso "die Alten" in der Beschreibung der fünf "signifikanten" Planeten so treffend beobachtet haben, sich dagegen in der Beschreibung von Merkur und Sonne (Uranus, Neptun und Pluto wurden erst in den letzten zwei Jahrhunderten entdeckt) so getäuscht haben sollten.

Eine mögliche Erklärung dafür, daß bei den GAUQUELIN'schen Studien für Merkur und Sonne keine Resultate erzielt wurden, könnte darin gründen, daß Merkur und Sonne aus astronomischen Gründen in geozentrischer Sicht immer nah beieinander stehen und daher ihre Bedeutungen mit den GAUQUELIN'schen Methoden schwer zu differenzieren sind (sie halten sich oft in den gleichen oder nah beieinanderliegenden Sektoren gleichzeitig auf). Nun sind die Effekte, die die GAUQUELINs erhalten, sehr schwach (und nur aufgrund der großen Zahlen an Personen statistisch so signifikant); eine Überlagerung von Bedeutungen zweier recht unterschiedlicher Planeten kann also potentielle Effekte "zum Verschwinden bringen".

Die bedeutsamste Einschränkung der GAUQUELIN'schen Forschungsergebnisse inbezug auf die Vereinbarkeit mit der astrologischen Tradition besteht darin, daß sie mit der hier vorgestellten Methode keinerlei Zusammenhänge finden konnten, die für einen "Effekt" der Tierkreiszeichen sprechen. Planeten und Tierkreiszeichen werden in der Astrologie mit der gleichen Selbstverständlichkeit benutzt. Wir stehen also vor der Tatsache, daß die astrologische Tradition in der Charakterisierung der Planetenbedeutungen (zumindest in einigen Fällen) "ins Schwarze getroffen" hat, daß aber eine mit gleicher Selbstverständlichkeit seit Jahrtausenden benutzte Tierkreis-Typologie empirisch nicht bestätigt werden kann. Dieser Widerspruch war der eigentliche Auslöser für eine vom Verfasser vorgelegte Dissertation (NIEHENKE 1987).

 

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