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Autor: Dr. Peter Niehenke
Bei dieser Einführung in die Astrologie handelt es sich um Auszüge aus dem Buch von Dr. Peter Niehenke: "Astrologie - Eine Einführung" (Reclam-Verlag 1994 - ISBN 3-15-007296-4). Auf astrologix veröffentlicht mit frdl. Genehmigung des Autors.

Astrologie - Eine Einführung:


Kapitel 4:

Einleitung

 

In diesem und im folgenden Kapitel möchte ich darstellen, wie ein Horoskop gedeutet wird. Ich möchte also demonstrieren, wie ein Astrologe im einzelnen von der Zeichnung, deren Entstehung ich in Kapitel 3 geschildert habe, zu einer Aussage über das Wesen eines Menschen kommt. Die Frage nach der Berechtigung (oder wissenschaftlichen Begründung) für das hier erläuterte Vorgehen, die uns in Kapitel 2 vorwiegend beschäftigt hat, soll in diesen beiden Kapiteln zurückgestellt werden. Es würde den Rahmen einer Einführung sprengen, das dort dargestellte Denkmodell auf jede einzelne der in den beiden folgenden Kapiteln vorgestellten Deutungsregeln anwenden zu wollen. Ich muß auch zugeben, daß dies gar nicht für jede Regel möglich wäre, da es sich bei dem von mir vorgestellten Denkmodell um ein heuristisches Modell handelt: Es ging mir darum, ganz grundsätzlich zu zeigen, wie der von der Astrologie postulierte Zusammenhang gedacht werden könnte.

 

Kapitel 4.1:

Astro-Logik

 

Im Kapitel 2 habe ich erläutert, daß die Planeten Grundprinzipien des Lebendigen symbolisieren. Mars symbolisiert z. B. das Prinzip "Selektion" . Damit ist die allem Lebendigen notwendig innewohnende Tendenz gemeint, sich im Wettbewerb mit anderen Lebewesen (um Nahrung, Lebensraum, Fortpflanzungsmöglichkeiten, "Anerkennung" usw.) zu behaupten. Mars symbolisiert also das Prinzip Kampf. Pazifistisch eingestellte Menschen könnte es erschrecken, daß die Neigung zum Kampf eine Notwendigkeit von Leben schlechthin sein soll. Wenn eine solche Kraft jedoch gänzlich fehlt, dann können wir z. B. auch keine Krankheiten mehr besiegen. - Doch das Prinzip Kampf meint nicht allein Handlungen, die gegen andere Lebewesen gerichtet sind. Schon unsere Sprache gibt Zeugnis davon, daß dieses Prinzip etwas Umfassenderes meint; denken wir an Ausdrücke wie: eine Aufgabe "in Angriff nehmen", ein Problem "bewältigen" usw.

Mars symbolisiert alle die Prozesse in unserem Körper, in unserer Psyche und in unserem Denken, die unseren Organismus auf die aktive Bewältigung einer Situation einstellen.

Dieses Einstellen verlangt die Koordinierung von Prozessen auf den unterschiedlichsten Ebenen. So muß unsere Aufmerksamkeit auf die entsprechende Situation "fokussiert" werden: Wenn wir, in ein Gespräch vertieft, plötzlich bemerken, daß es brennt, wird unsere Aufmerksamkeit sofort von dem Gespräch weggelenkt; stattdessen werden Erinnerungen aktiviert, die mit Feuer und Brandbekämfpung zu tun haben. - Unser Körper, vielleicht in einem Zustand wohliger Entspannung, wird auf Aktivität umgestellt: Unsere Pulsfrequenz steigt, damit unser gesamter Organismus ausreichend mit Sauerstoff, der in den roten Blutkörperchen transportiert wird, versorgt werden kann; der Muskeltonuns steigt; regenerative Prozesse, wie z. B. die Verdauung, werden gestoppt, usw.

Das Prinzip Mars wirkt also auf allen Ebenen des Organismus; das Symbol Mars hat auf allen Ebenen des Organismus Entsprechungen.

Zur Verdeutlichung dieses Gedankens ein weiteres Beispiel:

Der Planet Saturn symbolisiert das Prinzip "Integration". Es ist das Prinzip, daß die "Integrität" (die Unversehrheit) des Lebewesens bewahren soll. Während Mars ein aktiv auf die Umwelt gerichtetes Prinzip ist, ist Saturn eher ein "abschirmendes" Prinzip; es geht um Schutz.

Saturn symbolisiert alle Prozesse in unserem Körper, in unserer Psyche und in unserem Denken, die den Organismus auf den Schutz der eigenen Unversehrheit einstellen.

Auch diese Prozesse beziehen alle Ebenen des Organismus mit ein. In unserem Denken äußert sich dieses Prinzip als Vorsicht. Wir prüfen gedanklich Gefahrenmomente durch Vergleich mit gespeicherten Erfahrungen. Auf der psychischen Ebene äußert sich die Aktivität dieses Prinzips im Gefühl von Angst. Angst ist ein psychischer Zustand, der das Lebewesen davon abhält, etwas zu tun, das seine Unversehrtheit gefährden könnte. Dies wird auf der körperlichen Ebene vielleicht dadurch "unterstützt", daß ihm "die Knie weich werden" (also ein Abfallen des Muskeltonus). Zwei Beispiele aus der Tierwelt: Der Igel rollt sich ein, die Schnecke zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück. Wir Menschen haben wenig Möglichkeiten, uns durch körperliche Prozesse gegen Gefahren zu schützen. Bei uns liegen die saturnischen Entsprechungen daher mehr auf der Handlungs- als auf der Körperebene.

An diesen zwei Beispielen für die (hier nur ansatzweise) Deutung der Planetenprinzipien Mars und Saturn wird bereits deutlich, daß beide Prinzipien in jeder Situation im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Wenn das Mars-Element, die Aktion, zu stark wird und ich nicht genug prüfe, besteht die Gefahr zu scheitern. Wenn das Saturn-Element, der "Schutz-Instinkt", zu stark wird, ich mich vielleicht gar nicht zu handeln traue, erreiche ich ebenfalls nichts. Man könnte sagen: Der eine scheitert, der andere probiert es erst gar nicht.

Es gibt jedoch Handlungen, bei denen der Akzent mehr auf dem Mars-Prinzip liegt (und liegen muß): ein Tennis-Match; wenn ein Feuerwehrmann ein Kind aus den Flammen rettet; wenn ich, geistesgegenwärtig, jemanden von der Fahrbahn reiße, den sonst ein Fahrzeug zu erfassen droht.
Dann gibt es andere Handlungen, bei denen der Akzent mehr auf dem Saturn-Prinzip liegt (und liegen muß): die Arbeit auf einem hohen Gerüst, der Umgang mit hochexplosiven Stoffen, Autofahren (!).

Wenn jedoch bei einem Tennis-Match auch der Akzent auf dem Mars-Prinzip liegen mag: In jedem Kampf bedarf es auch der Saturn-Tugenden, z. B. dem Gegner nicht durch unüberlegtes ("unvorsichtiges") Spielen Chancen eröffnen.

Und wenn beim Autofahren auch der Akzent auf dem Saturn-Prinzip liegen muß: Das Fahren selbst ist eine Aktivität. Wenn das Mars-Element vollständig ausgeschaltet wäre, fährt der Betreffende erst gar nicht los, er bleibt, und sei es aus Angst, einfach stehen.

Diese Überlegung gilt für alle Planeten:

In jeder Lebensäußerung sind alle durch die Planeten symbolisierten Prinzipien enthalten. Die verschiedenen Lebensäußerungen unterscheiden sich dadurch, auf welchem Prinzip bzw. welchen Prinzipien der Akzent liegt, oder, in anderen Worten, wie die für die jeweilige Lebensäußerung charakteristische Mischung aussieht.

Es ist ähnlich, wie bei der Unterscheidung von geistig, körperlich und psychisch. Es handelt sich um drei Facetten des einen Organismus, die an jeder Lebensäußerung immer gemeinsam beteiligt sind. Wir können nicht etwas nur Körperliches tun, weil jede Handlung von Gefühlen und geistigen Prozessen begleitet ist (selbst im Schlaf, denn da träumen wir). Wir können auch nicht etwas nur Geistiges tun, weil auch "still dasitzen" eine ganz spezielle körperliche Tätigkeit ist, weil, während wir denken, unser Körper ja lebt (atmet, das Herz Blut durch die Adern pumpt usw.).

Die Einteilung von Prozessen, die wir auf der Basis astrologischer Prinzipien vornehmen, geht also "quer" zu der Einteilung in körperlich, geistig und psychisch, wie wir sie gewohnt sind. Das Marsische ist gleichermaßen ein körperliches, geistiges und psychisches Prinzip. Normalerweise benutzen wir zur Beschreibung körperlicher Prozesse biologische oder medizinische Begriffe, zur Beschreibung seelischer Vorgänge psychologische Begriffe. Aggression ist ein solcher psychologischer Begriff. Aggression kommt in der Medizin nicht vor. (Mediziner finden im Körper Flüssigkeiten, Organe, chemische Substanzen, aber keine Aggression.) Wir wissen zwar, daß Wut (oder Aggression) mit bestimmten körperlichen Erscheinungen verbunden ist, aber der Mediziner weiß nicht, wie "die Wut" dafür sorgt, daß mehr Adrenalin im Blut ist, denn im Körper findet der Mediziner keine "Wut", wie er z. B. ein Herz oder eine Leber findet oder (im Blut) ein Hormon.

Astrologie arbeitet deshalb, um diese drei Bereiche miteinander zu verbinden, mit analogen, sinngemäßen Entsprechungen auf den verschiedenen Ebenen. Teilweise sind diese Entsprechungen auch für unser "logisches" Denken leicht nachvollziehbar (wenn sich in den Analogien Ursachen vermuten lassen), teilweise wirken die Entsprechungen "abergläubisch". So werden z. B. jedem Planeten bestimmte Körperorgane und, rein äußerlich, bestimmte Regionen des Körpers zugeordnet. Dem Mars, dem Prinzip Kampf, naheliegenderweise die Muskeln. Das ist auch "logisch" nachvollziehbar. Auch die Zuordnung von Mars zu Blut ist, aus medizinischer Sicht, heute verständlich (siehe unten). Die Menschen des Altertums wußten um diese medizinischen Zusammenhänge aber nicht. Für die Menschen früher paßte es einfach, daß marsbetonte Menschen (damals vorwiegend Krieger und Jäger) viel mit Blut zu tun haben. Und es paßte auch, daß Mars als Planet am Himmel einen rötlichen Schimmer hat (er heißt deshalb der "rote Planet").

Und solche Analogien lassen sich dann "ausweiten" . Wenn die Planeten Lebensgrundfunktionen symbolisieren, dann stehen sie auch in Zusammenhang mit all den Phänomenen in der Natur, die diesen Grundfunktionen ähnlich sind. Dazu gehören vor allem Pflanzen, Steine und Metalle. Heute würden wir die Ähnlichkeit am ehesten so begründen, daß Pflanzen, Steine oder Metalle vielleicht in der Lage sind, diese Grundfunktionen auszulösen oder zu verhindern, zu stützen oder zu schwächen. In früheren Zeiten wurden solche Zuordnungen jedoch "intuitiv" vorgenommen, mehr "ahnend" als logisch begründend.

So wurde dem Mars das Eisen zugeordnet, und es gab Astrologen, die das damit begründeten, daß Schwerter und Waffen allgemein aus Eisen sind: Eisen galt allgemein als Symbol für betont männnliche Eigenschaften.

Ist es nicht eine verblüffende Tatsache, die wir aber erst seit einigen Jahrzehnten kennen, daß tatsächlich der Eisengehalt im Blut mit der Aktivität eines Menschen zusammenhängt? Menschen mit Eisenmangel fühlen sich schnell matt und energielos. Eisen ist also eine medizinisch sinnvolle Zuordnung zu Mars (genauer: zu der symbolischen Bedeutung des Mars).

Ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, daß das Eisen tatsächlich in den roten Blutkörperchen zu finden ist und für die rote Farbe auch verantwortlich ist? An dieses Eisen ist der Sauerstoff gebunden. Rein medizinisch betrachtet führt ein Mangel an Eisen u. a. zu einer schlechteren Sauerstoff-Versorgung, daher das leichte Ermatten. Auch die Zuordnung von Mars zu Blut ist also "medizinisch sinnvoll".

Diese Dinge konnten die Menschen im Altertum, die diese Zuordnungen vornahmen, gar nicht wissen. Man hat den Eindruck, daß sie "instinktiv" sehr oft zwar richtig zuordneten, die Zuordnung dann aber mit "an den Haaren herbeigezogenen" Argumenten begründeten. Es mag ja gut sein, daß selbst mein "heuristisches Denkmodell" in diese Kategorie von "an den Haaren herbeigezogenen Begründungen" fällt, daß die Zusammenhänge in der Astrologie in Wahrheit völlig anderer Natur sind. Wie wir in Kapitel 2 gesehen haben, hatten selbst große Geister wie NEWTON und GALILEI "abergläubische" Vorstellungen über die Ursachen bestimmter Naturphänomene ("Geister" bringen Kugeln zur Ruhe, "Gott selbst" setzt Planeten wieder auf die "richtige Bahn" zurück).

Um noch ein weiteres Beispiel zu nennen: Dem Saturn, dem Prinzip "Schutz", wird seit dem Altertum die Milz zugeordnet. Ist es nicht wiederum eine verblüffende Tatsache, daß in der Milz die Antikörper gebildet werden, die uns z. B. vor Ansteckung schützen, daß also die Milz ein zentrales Organ für unser Immunsystem ist?

 

Was? - Wie? - Und Wo?

 

Die Planeten verkörpern, wie schon oft gesagt, Grundnotwendigkeiten des Lebens schlechthin, Grundprinzipien des Lebendigen. Weniger abstrakt formuliert handelt es sich bei diesen Grundprinzipien um Kräfte: Tendenzen zu bestimmten "Handlungen" oder "Abläufen". Andere Worte für diese Kräfte wären: Antriebe oder Impulse.

Was bedeuten nun die Tierkreiszeichen?

Die Stellung des Mars in den Tierkreiszeichen würde die Art und Weise, in der dieses Prinzip der Selbstbehauptung von einem bestimmten Menschen (Lebewesen), dem Horoskop-Eigner, realisiert wird, symbolisieren. Die Tierkreiszeichen symbolisieren, in anderen Worten, Stilprinzipien, typische Verlaufsformen, Formen der Konkretisierung eines bestimmten Antriebs. Ich werde es an einem Beispiel verdeutlichen:

Stünde der Mars bei einem Mensch im Tierkreiszeichen Widder, dann hätten wir es mit dem Typus Mensch zu tun, der, bildlich gesprochen, "eine Burg im Sturm erobert" - oder gar nicht. Es ist ein Mensch, der Dinge, die anstehen, sofort in Angriff nimmt, und der auch sofort "Erfolge" sehen muß, weil der Antrieb sonst schnell erlahmt.

Der Widder verkörpert nämlich ein Stilprinzip, das mit Vorstellungen wie: etwas in Gang bringen - schnell und wuchtig - stoßweise - kurz aber intensiv - auf dem schnellsten Weg zum Ziel assoziiert ist.

Stünde der Mars dagegen im Tierkreiszeichen Steinbock, dann hätten wir es mit einem Menschen zu tun, der "eine Burg belagert", notfalls monatelang. Es ist der Mensch, der zwar eher langsam in Gang kommt, der aber dann, wenn er in Gang gekommen ist, einen sehr langen Atem hat.

Der Steinbock verkörpert nämlich ein Stilprinzip, das mit Vorstellungen wie: Konstanter oder stetig steigender Energiefluß - beharrend - nachhaltig - auch bei "Umwegen" das Ziel nicht aus dem Auge verlierend assoziiert ist.

Die Planeten symbolisieren also Antriebskräfte und die Stellung der Planeten in den Tierkreiszeichen symbolisiert die unterschiedlichen Formen der Realisierung dieser Antriebe.

Die symbolische Bedeutung eines Planeten erfragt man mit dem Fragewort: Was? Welche Kraft, welcher Antrieb wünscht sich zu realisieren? Die symbolische Bedeutung der Tierkreiszeichen erfragt man mit dem Fragewort: Wie? Auf welche Art und Weise, in welcher Form realisiert sich dieser durch den Planeten symbolisierte Antrieb (Impuls)?

Die 10 Planeten (im Sinne von "bewegter Himmelskörper, also Sonne und Mond eingeschlossen) sind Bestandteil eines jeden Horoskops. Die verschiedenen Menschen unterscheiden sich also nicht dadurch, welche Planeten in ihrem Horoskop vorhanden sind. Es sind immer alle Planeten vorhanden. Um es in einem Vergleich zu sagen: Die (gesunden) Menschen unterscheiden sich nicht dadurch, welche Organe bei ihnen vorhanden sind. Es sind immer alle Organe vorhanden; das ist eine Grundbedingung dafür, daß der Mensch (Organismus) überhaupt leben kann.

Die Menschen unterscheiden sich (u. a.) dadurch, wie diese Planeten angeordnet sind. Sie unterscheiden sich also z. B. dadurch, in welchen Tierkreiszeichen die einzelnen Planten stehen. Durch die Verteilung auf die Tierkreiszeichen erhält jeder "Grundantrieb" im Menschen eine spezielle "Tönung" (die Art, sich zu behaupten, durch die Stellung des Mars in den Tierkreiszeichen; die Art, sich zu "schützen", durch die Stellung des Saturns in den Tierkreiszeichen; usw.).

Wer schoneinmal in einem Film einem Kripo-Beamten hat zuschauen können, wie dieser am Computer aufgrund einer Zeugenaussage das Gesicht eines Verdächtigen "zusammenzustellen" versucht, der wird dieses Beispiel jetzt leichter verstehen: Im Computer sind verschiedene Arten von Augen, Nasen, Ohren, Mundpartien, Frisuren usw. gespeichert. Die werden nun am Computerbildschirm kombiniert. Aufgrund der Angaben des Zeugen sucht der Beamte vielleicht zunächst die "passenden" Augen, dann die entsprechende Frisur, Kopfform usw. und setzt so das Gesicht zusammen.

Wir Astrologen haben in unserem Horoskop-"Computer" je 12 verschiedene Arten von Monden, Sonnen, Marsen, Saturnen usw. "gespeichert" (je nach Stellung in einem der 12 Tierkreiszeichen). Diese werden nun im individuellen Horoskop-Bild kombiniert. Aufgrund der Stellung der Gestirne setzen wir das "Gesicht" durch die Wahl des "passenden" Mond, der "passenden" Sonne, des "passenden" Mars usw. zusammen.

Ähnlich wie bei den Gesichtern am Computerbildschirm anschließend noch ein Zeichner helfen muß, Feinheiten herauszuarbeiten, ist auch die Deutung des Horoskops mit dieser ersten Zusammenstellung nicht abgeschlossen, aber allein durch dieses "Puzzle-Spiel" sind schon (grob überschlagen)

12x12x12x12x12x12x12x12x12x12x12
(10 Planeten sowie der Aszendent, jeder in 12 Variationen) verschiedene "Gesichtsformen" herstellbar .

In Kapitel 3 haben wir, neben den Planeten und den Tierkreiszeichen, noch ein drittes Deutungselement kennengelernt: die Felder (oder Häuser):

Während die Tierkreiszeichen grundlegende "Stilprinzipien" (typische Bewegungs- und Strukturmuster) symbolisieren, symbolisieren die Felder grundlegende "Erlebnis-Dimensionen" (Themen, Lebensbereiche, Erlebnis-Felder).

Um welche Form von Leben es sich auch immer handeln mag, es wird durch Leben erzeugt (denn nur Leben kann wiederum Leben hervorbringen). Alles Leben hat also Vorfahren (Eltern); alles Leben wird an einem bestimmten Ort "geboren" (Heimat). Die Resonanz für das Thema Herkunft, Vorfahren, Eltern, Heimat spiegelt sich z. B. im 4. Feld wieder (der Abschnitt in Abbild 24, der direkt an das IC anschließt).

Um welche Form von Leben es sich auch immer handeln mag, es wird hin-eingeboren in ein Kollektiv von Angehörigen seiner Art. Bei höheren Lebensformen schließen sich eine größere Zahl von Individuen zu Gruppen zusammen (Herde, Stamm, Nation, usw.). Solche Zusammenschlüsse geben sich (schon im Tierreich ) bestimmte "Regeln", wenn auch nicht "explizit". Die Resonanz eines Individuums für das Thema Gesellschaft, Normen, soziale Rolle, "Image" usw. spiegelt sich z. B. im 10. Feld wieder (der Abschnitt in Abbild 24, der direkt an das MC anschließt).

Um welche Form von Leben es sich auch immer handeln mag, es ist, um überleben zu können, angewiesen auf Ressourcen, vor allem Nahrung. Die Resonanz eines Indiduums für das Thema "materielle Existenzsicherung" spiegelt sich z. B. im 2. Feld wieder.

Die Stellung eines Planeten in den Häusers symbolisiert nun, wo der betreffende Planet sich primär manifestiert. Steht der Planet Mars z. B. im zweiten Feld, dann richtet sich die Aktivität und der Selbstbehauptungswille dieses Mensch besonders auf die Thematik des zweiten Feldes (also materielle Existenzsicherung). Er ist besonders in diesem Bereich aktiv, hat hier eine besondere Begabung zur Selbstbehauptung. Die Art seiner Aktivität wird selbstverständlich davon abhängen, in welchem Tierkreiszeichen sich der Mars befindet. - Wenn Mars sich besonders in Angelegenheiten des zweiten Feldes manifestiert, dann heißt das umgekehrt, daß dieser Mensch, wenn das Thema materielle Existenzsicherung angesprochen ist, spontan marsisch reagieren wird.

Ich möchte hier besonders hervorheben, daß der Mars selbstverständlich nicht ausschließlich im Zusammenhang mit der materiellen Existenzsicherung "gelebt" wird. Es ist allerdings das Thema, auf das der marsische Impuls am leichtesten "anspricht". Doch, vergessen wir nicht: Jeder Planet ist an jeder Lebensäußerung beteiligt.

Befände sich nun, statt des Mars, der Saturn im zweiten Feld, dann reagiert dieser Mensch auf die Thematik des zweiten Feldes primär saturnisch. Er ist besonders in diesem Bereich vorsichtig, hat hier eine besondere Begabung, sich zu schützen. Es ist leicht einsehbar, daß eine solche Position des Saturn, wenn sie nicht im Gleichgewicht mit den anderen Kräften gehalten wird, wenn sie also "übertrieben" wird, zu Verhaltensweisen führen kann, die andere Menschen als "Geiz" empfinden. Der Geiz jedoch ist aus dieser Konstellation nicht ablesbar. Er ist eine Möglichkeit, wenn die aus dieser Konstellation folgenden "Antriebe" oder "Impulse" nicht im Gleichgewicht gehalten werden können mit den aus anderen Konstellationen folgenden Impulsen (sei es der "jupiterhafte" Impuls zur Großzügigkeit oder der sonnenhafte Impuls der Würde usw.).

 

Die noch fehlende Prise "Pfeffer": Die Aspekte

 

Wie in Kapitel 3 gesehen, bilden alle Planeten paarweise (auf der Ekliptik, also im Tierkreis gemessen) Winkel miteinander, von denen Astrologen bestimmte Gradzahlen (die aus der Teilung des Kreises durch bestimmte ganze Zahlen resultieren) als bedeutsam erachten, und die sie Aspekte nennen. Ganz grob werden zwei Arten von Aspekten unterschieden: die synthetischen und die analytischen.

Bilden z. B. Mars und Saturn einen analytischen Aspekt miteinander, dann ist der betreffende Mensch (der Horoskop-Eigner) besonders resonant (empfänglich) für die in diesen beiden Impulsen liegenden Unvereinbarkeiten. Er spricht leichter, als andere Menschen, auf Situationen an, in denen die aus diesen beiden Impulsen resultierenden Verhaltensweisen (tatsächlich oder auch nur vermeintlich) unvereinbar sind. Es ist, wie wenn er eine bestimmte Brille trüge, die manche Strukturen der Realität überdeutlich hervortreten, andere Strukturen dagegen weniger deutlich sichtbar sein läßt.

Er empfindet, ganz "instinktiv", einen Widerspruch zwischen dem Impuls, sich zu behaupten, und dem Impuls, sich zu schützen. Er hat das Gefühl: Wenn man sich behaupten will (wenn man kämpft), dann bringt man sich damit in (große) Gefahr. Wenn man sich dagegen hauptsächlich zu schützen versucht, wenn man versucht, Gefahren zu (ver)meiden, dann zahlt man dafür den Preis, zurückstecken zu müssen. "Das ist ein Naturgesetz!"

Bilden dagegen Mars und Saturn einen synthetischen Aspekt miteinander, dann ist der betreffende Mensch, der Horoskop-Eigner, besonders resonant für die in diesen beiden Impulsen liegenden Ergänzungsmöglichkeiten. Er spricht leichter, als andere Menschen, auf Situationen an, in denen die aus diesen beiden Impulsen resultierenden Verhaltensweisen sich (tatsächlich oder auch nur vermeintlich) optimal ergänzen.

Er empfindet, ganz "instinktiv", daß Selbstbehauptung und Selbstschutz eine Einheit bilden, die sich am besten durch dem Wahlspruch "Angriff ist die beste Verteidigung" ausdrücken läßt. Auch er empfindet dies als ein Naturgesetz.

Erst mit zunehmender Reife lernen Menschen, daß die Dinge, die sie für "Naturgesetze" halten, ganz persönliche Sichtweisen, "Vorurteile" sind. Jede dieser Sichtweisen ist "richtig" (kann durch konkrete Erfahrungen meist "belegt" werden). Es geht nicht um "richtig" oder "falsch", sondern um die Fähigkeit zu sehen, daß die eigene Sichtweise nicht allein richtig ist. Es geht also nicht um ein Entweder - Oder, sondern um das Erkennen des Sowohl - Als auch.

Ambivalenz, innerer Zwiespalt, ist eine Grund-Dimension der menschlichen Existenz. Astrologisch spiegelt sich diese Dimension in den analytischen Aspekten. Analytische Aspekte sensibilisieren Menschen ganz allgemein für Widersprüche, vielleicht könnte man auch sagen: für Probleme. Ein Übermaß an inneren Konflikten kann quälend wirken, insofern verstehen wir vielleicht, warum die Menschen im Mittelalter die analytischen Aspekte einfach die "schlechten" Aspekte nannten. Doch gerade in der heutigen Zeit wird deutlich, daß mangelndes Problembewußtsein sehr gefährlich sein kann. Abgesehen davon, daß kreative Menschen geradezu von einem gut entwickelten Problembewußtsein leben: Ohne Problembewußtsein gäbe es nur "Komödien" in den Theatern, keine "Dramen". Die in den so ungeheuer beliebten Kriminalromanen und -Filmen so wichtige Spannung ist, astrologisch gesehen, zu einem großen Teil ein "Produkt" analytischer Aspekte.

 

Die Kombination der einzelnen Elemente

 

Wenn ein Astrologe ein Horoskop deutet, dann kombiniert er also zunächst Planeten und Tierkreiszeichen. Er erhält auf diese Weise ein Bild über das Temperament des Horoskop-Eigners. Im Alltag ordnen wir den Menschen ein Temperament zu (wir sagen vielleicht: "Dieser Mensch ist sehr träge."), von dem wir denken, daß es den ganzen Menschen in seiner Wesensart charakterisiert. Ein Astrologe ordnet jeder einzelnen Antriebskraft im Menschen ein eigenes Temperament zu. Die Art seiner Selbstbehauptung kann durch einen ganz anderen Stil gekennzeichnet sein als seine Art, sich gegen andere Menschen abzugrenzen (eine Entsprechung des Saturns, wie wir noch sehen werden).

Jeder Planet symbolisiert also durch seine Position in einem bestimmten Tierkreiszeichen eine in einer ganz bestimmten Weise getönte Antriebskraft. Durch die Stellung eines Planeten in den Feldern wird symbolisiert, in welcher Sphäre des Lebens diese durch ein Tierkreiszeichen in einer bestimmten Weise getönte Antriebskraft sich nun akzentuiert auswirkt. So kann es sein, daß ein Mensch im Bereich der materiellen Lebenssicherung sehr aktiv, gar "kämpferisch" vorgeht (Mars im Feld 2), doch wenn es um seine "soziale Position" geht, seine "Image", ist er vielleicht sehr vorsichtig oder gar ängstlich (Saturn in Feld 10).

Hätte der betreffende Mensch nun zwischen Saturn und Mars auch noch einen analytischen Aspekt, dann würde er es besonders schwierig empfinden, sich im materiellen Bereich gut durchsetzen zu können und dabei gleichzeitig immer "gut angesehen" zu sein. Er würde vielleicht sagen: "Man muß sich entscheiden: Wenn Du ordentlich Geld verdienen willst, dann kannst Du nicht gleichzeitig bei jedem gut angesehen sein." Mag sein, daß er Kind von Eltern aus der sog. linken "Szene" ist und früh ein sehr negatives Image von den sog. "Kapitalisten" vermittelt bekam. Wenn er dann mit wachsendem Alter ein starkes Bedürfnis (und Talent), "Geld zu machen" spürt, kommt er in einen Konflikt. Es kann aber auch genau so gut sein, daß er in einem "Kapitalisten-Elternhaus" aufwächst, sich aber als Jugendlicher stark zu der sog. "linken Szene" hingezogen fühlt. Wie immer die konkreten Lebensverhältnisse aussehen mögen: Er hat ein "instinktives" Bedürfnis, in seinem Leben einen bestimmten Konflikt zu konstellieren, dadurch daß er sich in bestimmte Situationen bringt, für bestimmte Menschen resonant ist, auf bestimmte Ideen (Gedanken, Weltanschauungen) besonders anzuspricht: Den Konflikt zwischen Mars im zweiten Feld und Saturn im zehnten Feld.

Hätte der betreffende Mensch dagegen einen synthetischen Aspekt zwischen diesem Mars im zweiten Feld und dem Saturn im 10. Feld, dann empfände er, daß man gerade durch Erfolg im Materiellen sein Ansehen besonders gut wahren kann. Ist dieser Mensch vielleicht Kind "linker" Eltern, wird er in der Pubertät möglicherweise "den ganzen sozialen Schwachsinn seiner 'Alten'" als altmodisch abtun. Er orientiert sich dann an einer anderen "Bezugsgruppe" (als die linke Szene seiner Eltern), um seine Anerkennung zu bekommen. Diese Anerkennung ist ihm (bei Saturn im 10. Feld) auf jeden Fall ganz besonders wichtig, daran ändert sich nichts.

Die zuletzt gegebenen Beispiele sollen zeigen, daß man aus der Kombination von wenigen elementaren Grundprinzipien, die in ihrer Bedeutung zunächst abstrakt erscheinen mögen und so allgemein, daß daraus kaum etwas "ganz Individuelles" entstehen kann, doch zu sehr konkreten Deutungen kommen kann. Diese konkreten Deutungen sind, wie im Text deutlich geworden ist, mit sehr vielen "Vielleicht" oder "Könnte" versehen. Die konkreten Deutungen sind Beispiele dafür, wie sich eine Konstellation konkretisieren könnte. Der Horoskop-Eigner kann, durch seine angeborene Fähigkeit, zu verallgemeinern, in diesen Beispielen das Prinzip seiner inneren Dynamik erkennen - wenn die Beispiele passend gewählt sind.

Die Kunst des Astrologen besteht also darin, zunächst durch die Deutung auf der "symbolischen Ebene" dem Horoskop-Eigner deutlich zu machen, worum es eigentlich geht. Da das, worum es eigentlich geht, tatsächlich sehr allgemein ist und sich für viele Menschen äußerst abstrakt und wenig lebensnah anhört, veranschaulicht der Astrologe durch Beispiele, die sich auf verschiedene Randbedingungen (verschiedene Elternhäuser, vielleicht auch einmal verschiedene kulturelle Zusammenhänge) beziehen, in welcher Form sich das angesprochene Thema häufig bei Menschen konkretisiert. Das Finden solcher (möglicher) Entsprechungen zu einer gegebenen Konstellation ist die eigentliche Kunst des Astrologen: sie verlangt die Fähigkeit, in den vielfältigen Erscheinungen des konkreten Lebens die Muster erkennen zu können, die den astrologischen Symbolen entsprechen. Sie verlangt die Phantasie, ein astrologisches Muster folgerichtig, auf "treffende" (passende) Weise in ein konkretes Beispiel übersetzen zu können.

Astro-Logik ist die Kunst, aus der symbolischen Grundbedeutung einer Konstellation "folgerichtig" ("logisch") zu immer konkreteren Entsprechungen fortzuschreiten. Die Regeln dieser "Logik" sind nicht, wie die Regeln der Logik in den Wissenschaften, formalisierbar. Wir erlernen sie am Beispiel.

Wie auch in der Kunst gibt es bei diesem Prozeß keine eindeutigen Regeln für richtig oder falsch. Die Deutung eines Horoskops basiert auf "Interpretationen" und hat damit die für jede Deutung eigentümliche Eigenschaft, weder willkürlich noch zwingend zu sein. Auch ein Kunstwerk ist nicht richtig oder falsch. Es ist mehr oder weniger passend, mehr oder weniger beeindruckend oder anregend.

Einen Menschen zu beschreiben ist nicht vergleichbar der Lösung einer Mathematik-Aufgabe. Was immer wir über einen Menschen sagen: Irgendetwas ist daran immer richtig, wenn wir nur lange genug suchen. Bei einer astrologischen Deutung besteht die Kunst darin, die Akzente richtig zu setzen, denn jeder von uns hat in seinem Horoskop alle Planeten, alle Tierkreiszeichen und alle Felder.

In meinen Kursen erlebe ich immer wieder, daß meine Schüler eine treffende Deutung sehr wohl erkennen können. Bei einer wirklich guten Deutung sind sich immer alle im Kurs einig. Irgendwie spüren sie: Ja, das ist treffend. Es ist für sie sehr schwer, in Worte zu fassen, warum sie sich so sicher sind.

In den Naturwissenschaften haben wir Maßstäbe: Wir haben "Meßgeräte", die bestimmte Parameter "objektiv" messen. Diese Messungen erlauben uns, bei einer Theorie zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. In der Kunst, in der Psychotherapie und in der Astrologie ist der einzige Maßstab (das einzige "Meßgerät") wiederum ein Mensch, weil die Dinge, die dort "gemessen" werden sollen, so komplex sind, daß an die Stelle eines Meßgerätes das "menschliche Urteil" gesetzt werden muß. Und menschliche Urteile sind nicht so "eindeutig" wie Ausschläge eines Zeigers an einem Gerät.

Auch die "Eigenschaften" selbstorganisierender Systeme lassen sich nicht mehr "messen". Sie lassen sich nur "beschreiben". Je komplexer die untersuchten Systeme, je mehr muß man auf Eindeutigkeit verzichten.

Die Kunst in der Kunst und in der Astrologie besteht darin, diese mangelnde Eindeutigkeit nicht als Vorwand für "Beliebigkeit" zu nehmen. Bei Kunstwerken dauert es manchmal Jahrhunderte, bis die "Größe" eines Entwurfes von den Menschen erkannt wird. Bei astrologischen Deutungen kann es durchaus einmal Jahre dauern, bis ein Mensch die "Wahrheit" einer Deutung zu erkennen sich traut. Manchmal ist aber auch die Deutung einfach falsch - vielleicht deshalb, weil der deutende Astrologe seine Kunst nicht gut genug beherrschte - vielleicht, weil die Geburtszeit versehentlich falsch notiert wurde (beim Standesamt) oder weil es keine "natürliche Geburt" war - vielleicht aber auch, weil der Zusammenhang Kosmos - Mensch kein "mechanischer" Zusammenhang ist, nicht mit der Regelhaftigkeit eines Uhrwerks funktioniert, Unwägbarkeiten enthält, prinzipielle Ungewißheiten, wie wir sie mittlerweile ja sogar auch den Naturwissenschaften kennen : So können wir es bisher z. B. nicht ausschließen, daß es vielleicht Menschen gibt, die für die "Melodie der Planeten" taub sind.

 

Kapitel 4.2:

Beispiel 1: Venus

Venus: Das Prinzip "Harmonie"

 

Leben ist mit absoluten Extremen nicht vereinbar. Das Chaos der Bewegungen der Atome oder Moleküle in einem Gas ist mit Leben ebenso wenig vereinbar wie die starre Ordnung in der Anordnung der Atome oder Moleküle in einem Kristall (Mineral). In unserem Körper muß die Konzentration des Kochsalzes in den Körperflüssigkeiten auf 0,09 % gehalten werden, sonst sterben wir. Die Körpertemperatur muß beinahe auf ein Grad genau konstant gehalten werden. Eine Erhöhung um etwa 5 Grad bedeutet den Tod. Der Blutzuckerspiegel, der Sauerstoffgehalt im Blut, die Konzentration der verschiedenen Hormone, Vitamine und Mineralien - all diese Stoffe dürfen in unserem Körper nur sehr wohlbemessen vorhanden sein, ihm nur sehr wohldosiert zugeführt werden.

Im körperlichen Bereich nennt man den Zustand eines solchen Gleichgewichts (z. B. der Konzentration eines Stoffes im Körper) Homoöstase. Die homöostatischen Regulationsprozesse sind die körperliche Entsprechung des venusischen Prinzips.

Das Prinzip dieser Regulationsprozesse ist, vereinfacht, der Regelung der Raumtemperatur bei einer Heizung vergleichbar: fällt die Raumtemperatur unter einen bestimmten Wert ab, wird die Heizung automatisch eingeschaltet. Meldet der Temperaturfühler, daß die von Benutzer vorher eingestellte Temperatur erreicht ist, schaltet die Heizung wieder ab. Nun kühlt der Raum langsam wieder ab, weil er nach draußen Wärme verliert, und wenn die Temperatur dabei unter einen (wiederum einstellbaren Wert) fällt, dann wird die Heizung wieder eingeschaltet.

Die Raumtemperatur schwankt also, je nach Leistungsfähigkeit der verwendeten Komponenten mehr oder weniger stark, um einen "Soll-Wert", den man einstellen kann.

Ein ähnlicher Ablauf liegt in unserem Körper beim Blutzuckerspiegel vor. Wir verbrauchen ständig Energie (zum Beispiel zur Aufrechterhaltung unserer Körperwärme) und verbrennen daher in unserem Körper Zucker. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Wenn die Fühler in unserem Körper registrieren, daß der Blutzuckerspiegel unter einen bestimmten Wert gesunken ist, und dies an unser Gehirn senden, dann entspricht dies in unserem Erleben dem Gefühl von Hunger. Wir nehmen Nahrung zu uns und der Blutzuckerspiegel steigt wieder an. Bei Erreichen des Soll-Wertes sprechen wir von Sättigung.

Wir begegnen in diesem Beispiel wieder dem Hunger, den wir auch schon als Entsprechung zu Mond kennengelernt haben. Der Prozeß der Nahrungsaufnahme ist sehr komplex, und es sind unterschiedliche Prinzipien daran beteiligt. Etwas vereinfacht ausgedrückt rührt der "mondhafte Hunger" von einem leeren Magen, der venusische Hunger von einem Mangel an einem bestimmten Stoff (in diesem Beispiel: Zucker). Aber wie sichert der Organismus, daß wir, wenn wir Hunger haben, nicht einfach irgendetwas essen, sondern das, was uns fehlt?

Wie wir alle wissen, hat Essen zwei Facetten: Den Hunger stillen tut gut. Wir sind dann satt. Aber Essen kann auch Spaß machen. Es ist ein ganz anderes Erlebnis, den Magen zu füllen, als eine Speise zu essen, auf die ich gerade "Heißhunger" habe. Da kommt eine Lust ins Spiel, die über das Wohlbefinden des Gesättigt-Seins hinausgeht.

Über die Dimension "Geschmack", "Vorliebe" und, ganz allgemein, Lust sind wir also in der Lage, sehr speziell auszuwählen. Lust ist das "Instrument" des Venus-Prinzips. Die Lust-Unlust-Dimension ist ein sehr feines Werkzeug: kleinste Unterschiede (etwa beim Würzen von Speisen) wirken sich auf die Lust, die wir empfinden, aus. In diesem Bereich, bei der Frage: "Wie wohl fühle ich mich?" oder: "Wie wohl tut mir das?", sind fast alle Menschen zu äußerst feinen Abstufungen in der Lage. Das ist auch notwendig: Beim Venus-Prinzip geht es um feinste Abstufungen (nicht nur in der Konzentration irgendwelcher Chemikalien in unserem Körper).

Wenn wir von Wohlbefinden sprechen, dann meinen wir damit eine Dimension unseres Erlebens, bei der es nicht um Leben oder Tod geht. Wir können auch in einem Zustand extremen Unwohl-Seins sehr alt werden. Beim Wohlbefinden geht es also um feinere Unterscheidungen als die einfache Frage, ob ein Zustand mit dem Leben vereinbar ist. Die venusische Funktion bringt die Frage nach der Lebensqualität ins Spiel.

Ein wesentlicher Aspekt unseres psychischen Wohlbefindens wird von Psychologen als das "optimale Erregungs-Niveau" bezeichnet. Wenn das Ausmaß unserer psychischen Erregung (Angeregtheit) unterhalb dieses optimalen Erregungs-Niveaus liegt, sprechen wir von Langeweile, wenn es weit oberhalb dieses Niveaus liegt, sprechen wir von Stress (durch Reizüberflutung). Wenn wir Langeweile haben, suchen wir Anregung. Diese Anregung suchen Menschen außen (z. B. durch Kontaktaufnahme oder eine bestimmte Beschäftigung) als auch innen (durch bestimmte Gedanken, Träume, Erinnerungen usw.).

Das Venus-Prinzip sucht also nicht einen Gleichgewichts-Zustand im Sinne der Ruhe. Das Venusische ist die Kraft, die uns auf den Soll-Wert zurückführt: bei Über-Erregung durch Beruhigung, bei Langeweile durch Suche nach Anregung. Die Bewegung auf den "Idealwert" hin wird im körperlichen wie im psychischen Bereich als lustvoll erlebt.

Lust ist die mächtigste Antriebskraft, die im Organismus wirksam ist, stärker als der Selbsterhaltungs-Trieb: Als man vor einigen Jahrzehnten im Gehirn ein Areal entdeckte, dessen Reizung durch Mikro-Elektroden offensichtlich für die betreffenden Tiere (und später auch Menschen, die an entsprechenden Experimenten teilnahmen) ungewöhnlich angenehme Empfindungen auslöste, nannte man diese Areal das Lustzentrum. Organismen haben offensichtlich das angeborene Bedürfnis, alles zu tun, um möglichst oft eine Stimulierung dieses Gehirn-Areals zu erreichen. Wenn im Organismus eine Handlung mit einer Stimulierung dieses Areals verbunden ist, dann wird diese Handlung so oft als möglich ausgeführt. Folgendes Experiment belegt dies:

Ratten wurden zunächst dressiert, sich auf Knopfdruck hin Futter beschaffen zu können. Sie bedienten diesen Knopf so lange, bis sie satt waren, und dann erst wieder, wenn sie hungrig waren. Nun wurde diesen Ratten eine Elektrode implantiert, die auf Knopfdruck hin das Lustzentrum reizte. Den Ratten wurde die Möglichkeit gegeben, sich selbst durch Knopfdurck diesen Reiz zu verabreichen. Die Ratten drückten diesen Knopf bis zu 60 Mal in der Minute, ununterbrochen, so lange, bis sie vor Erschöpfung starben. Sie hatten kein Bedürfnis mehr zu trinken oder zu essen oder nach sexueller Betätigung.

Das Lustzentrum ist das Organ der Venus. Es ist das Organ, daß uns für den Unterschied zwischen dem uns Zuträglichen ("Schmeckt gut!") und dem uns Abträglichen ("Schmeckt ja scheußlich!") sensibilisiert. Und auch dieses Prinzip muß mit den anderen Prinzipien im Gleichgewicht sein: Es gibt Situationen, da ist es wichtig, kurzfristig oder auch längerfristig etwas in kauf zu nehmen, daß uns eigentlich abträglich ist: z. B. eine scheußlich schmeckende Medizin zu schlucken, deren scheußlicher Geschmack eigentlich ein Hinweis darauf ist, daß die Substanz eigentlich ungenießbar ist. Es gibt auch Situationen, in denen ich etwas für mein Leben Gefährliches durch etwas anderes, ebenfalls Gefährliches, abwenden muß. (Das Aufschneiden des Bauches, wie es vielleicht bei einer Operation notwendig ist, ist etwas eigentlich sehr Abträgliches.)

Und schließlich besteht die Gefahr der "Verwöhnung": Die Schwächung oder gar Zerstörung der Wirksamkeit dieses wertvollen Instruments. Ich will dies ebenfalls an einem Tierexperiment veranschaulichen:

Wenn man durch einen operativen Eingriff bei einem Tier die Regulierung des Salzhaushaltes zerstört, so daß das Tier in eine Salznot gerät, dann trinkt dieses Tier, wenn man ihm ungesalzenes und gesalzenes Wasser anbietet, instinktiv von dem gesalzenen Wasser. "Verwöhnt" man ein Tier vor diesem Experiment allerdings zunächst durch Gabe von gezuckertem Wasser und bietet dem Tier in dem Experiment dann als Alternative Zuckerwasser und Salzwasser an, dann trinkt das Tier von dem Zuckerwasser - ggf. bis es buchstäblich platzt.

Der Lebensbereich, der sehr weitgehend durch das Lustzentrum reguliert wird, ist der Bereich von Erotik und Sexualität. Ich möchte zur Verdeutlichung des Prinzips einmal eine etwas provozierende Frage stellen: Würden Menschen (und die Tiere) sich überhaupt fortpflanzen, wenn die Sexualität nicht durch ungeheuer intensive Lustgefühle "belohnt" würde? Der Beischlaf ist körperlich sehr anstrengend, er ist in einem gewissen Sinn "Schwerstarbeit", und in manchen Situationen (z. B. im Falle sog. "ehelicher Pflichten") wird er ja auch als solches empfunden. Welche Motivation könnten wir haben, ihn überhaupt zu vollziehen? Er verschafft uns keinerlei Vorteile: Er erhöht nicht unsere Sicherheit, vermehrt nicht unsere materiellen Ressourcen. - Wenn jemand einen Verliebten fragen würde: "Wozu ist das gut? Warum tust Du das?", würde der ihm wahrscheinlich antworten: "Das ist mir gleich. Es ist so schön!" Menschen, in deren Horoskop die Venus eine untergeordnete Rolle spielt, könnten auf eine solche Begründung ohne weiteres erwidern: "Was soll das heißen: 'Es ist schön'? Das ist noch kein Grund, es zu tun." Und der venus-betonte Mensch würde verständnislos fragen: "Was könnte denn sonst ein Grund sein, etwas zu tun?"

Über Erotik und Sexualität hinaus repräsentiert die Venus das Bedürfnis der Lebewesen nach Gemeinschaft oder, in anderen Worten: solche Wünsche, die anderer Menschen (Lebewesen) bedürfen, um erfüllt werden zu können (Erotik und Sexualität sind ja nur ein Beispiel dafür). Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist bei den einzelnen Arten zwar sehr unterschiedlich ausgeprägt, aber vorhanden ist dieses Bedürfnis immer (sonst gäbe es keine Fortpflanzung), und Venus verkörpert es, wie unterschiedlich es bei den verschiedenen Arten auch ausgeprägt sein mag.

Der Mensch ist ein geselliges Wesen: Kinder spielen gern mit anderen Kindern, Erwachsene haben sich eine Vielfalt von Anlässen für Geselligkeit geschaffen. Geht es bei Merkur mehr um einen pragmatischen Aspekt (Informationsaustausch und die Möglichkeit, von anderen zu lernen, etwas von ihnen zu erfahren), so geht es bei Venus mehr um den Aspekt des Austauschs von "Streicheleinheiten" (buchstäblich oder im übertragenen Sinn): freundliche Gesten des Entgegenkommens oder der Sympathie.

Unmittelbar lebensnotwendig scheinen all diese Aktivitäten nicht zu sein: Wir können z. B. auch in der Einsamkeit überleben. Es geht mit Venus, wie gesagt, um die Dimension der "Lebensqualität", und so verwundert es nicht, daß viele Werke der Weltliteratur (und fast alle Produkte der sog. Kulturindustrie) sich ausschließlich um venusische Themen drehen.

Wenn man versucht, aus systemtheoretischer Sicht zu verstehen, in welchem Sinn die Lust eine Lebensgrundfunktion darstellt, eine Grundnotwendigkeit für die Existenz von Leben, dann wird einem deutlich, daß Lust, neben der Fähigkeit, das uns Zuträgliche von dem uns Abträglichen zu unterscheiden (Geschmack im weitesten Sinne des Wortes), wie ein Joker im Spiel der Kräfte im Leben wirkt. Sie ist eine Karte, die immer sticht. Welche Handlung auch immer mit einer Stimulierung des Lustzentrums verknüpft werden kann: Die Wahrscheinlichkeit, daß das Lebewesen diese Handlung ausführt, wird beträchtlich erhöht. Dieses Wissen benutzen wir in der Erziehung (der Kinder), wenn wir erwünschte Verhaltensweisen "belohnen" (durch Dinge oder Handlungen, die als "lustvoll" erlebt werden).

Für Menschen mit einer Venus-Betonung in ihrem Horoskop liegt der Akzent ihrer Motivation auf der Herstellung von innerer und äußerer Harmonie (im psychischen heißt das konkret: Aufrechterhaltung des optimalen Erregungs-Niveaus). Stärker als bei anderen Menschen wird ihr Leben vom Lustprinzip regiert. Sie verteilen gern "Streicheleinheiten" und sind sehr angewiesen darauf, solche zu erhalten. Sie sind, das folgt daraus, meist freundliche Menschen, die Geselligkeit lieben. Die ästhetische Dimension spielt eine große Rolle, sei es bei der Wahl einer Partnerin/eines Partners, bei der Kleidung, bei der Einrichtung ihrer Wohnung, sei es zur Charakterisierung ihrer Art des Denkens. Zum Vergleich: Bei merkur-betonten Menschen wird die Wahl von Partnern, von Kleidung oder Wohnungseinrichtungen oft stärker nach pragmatischen Gesichtspunkten getroffen.

Venusbetonte Menschen sind leicht (und gern) verführbar und verwöhnbar. Bei einer Überbetonung des Prinzips besteht die Gefahr, daß diese Menschen allem Unangenehmen ausweichen, z. B. auch notwendigen Auseinandersetzungen. In ihrer Abhängigkeit von Sympathie kehren sie, wie man so sagt, Konflikte unter den Teppich, und es fällt ihnen schwer, Position zu beziehen. Das kann, im Extrem, bis zur Selbstverleugnung gehen.

 

Kapitel 4.3:

Beispiel 2: Saturn

Saturn: Das Prinzip Integration

 

Während man im Mittelalter Jupiter "das große Glück" nannte, fürchtete man Saturn als "das große Übel" (Venus galt übrigens als "das kleine Glück" und Mars als "das kleine Übel").

Schmerz, körperliches oder seelisches Leid, Altern und Sterben gehören in unserer Kultur zu Schattenseite unserer Existenz, lösen Angst in uns aus. Wir haben Leid und Tod zu unseren Feinden erklärt. Im Kampf gegen diese Feinde geben wir jährlich Milliarden aus, auf der Flucht vor diesen Feinden laufen wir ihnen immer wieder in ihre offenen Arme.

Um diesen Feinden wirksam begegnen zu können, muß man etwas über sie wissen. Also haben sich Menschen immer wieder damit beschäftigt, die Ursachen menschlichen Leids zu erkennen bzw. zu erforschen. Die Frage nach Wesen und Ursachen menschlichen Leids wurde dabei in den verschiedenen Epochen der menschlichen Geschichte sehr verschieden beantwortet: Rache oder gar Willkür der Götter, böse Geister, die Strafe des einen Gottes für "unmoralisches Verhalten" (d. h. für Verstöße gegen seine Gebote); in östliche Kulturkreisen: Karma, in unserer Zeit auf der einen Seite die Auffassung von einer funktionellen Störung im chemischen Haushalt unseres Körpers, die ggf. im Zusammenhang mit der Vererbung gesehen werden muß, auf der anderen Seite Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit (Psychoanalyse) oder aber einfach mehr oder weniger "zufällig" erfolgtes "falsches Lernen" (Verhaltenstherapie).

Aber auch das, was eigentlich als Leid anzusehen sei, wurde zu verschiedenen Zeiten in unserer Geschichte und wird immer noch in verschiedenen Kulturen, die heute bestehen, verschieden bewertet: Denken wir an die Stellung der Frau in den Ländern des Orients, eine Stellung, die zu ertragen aus unserer Sicht Einschränkung, Mangel an seelischen und sozialen Entfaltungsmöglichkeiten, somit also seelisches Leid bedeutet. Denken wir an das Fehlen von Liebe in der Ehe, das "Nebeneinanderherleben" von Ehepaaren (wie sie es selbst oft nennen): Dieses Fehlen von Liebe war in den reinen Zweck-Ehen des Mittelalters eine Selbstverständlichkeit. Dort war es schließlich noch üblich, daß die Eltern ihren Kindern die Ehepartner aussuchten. Die "Liebesehe" ist nämlich eine Erfindung bzw. eine Errungenschaft der letzten zwei bis drei Jahrhunderte. Heute führt die damals selbstverständliche Situation oft einen oder beide Partner in die Sprechstunde eine Psychotherapeuten oder eines Astrologen.

Wir sehen daran, wie stark die Erfahrung von Schmerz oder Leid etwas zu tun hat mit unserer Haltung und unseren Wertvorstellungen, wie stark das subjektive Empfinden von Schmerz oder Leid auch davon abhängt, welche Alternativen ich sehe, in gewissem Sinne also abhängt von meinem Anspruchs-Niveau an Glück und Schmerzfreiheit.

Ich sagte einleitend, daß Schmerz, körperliches oder seelisches Leid Angst in uns auslösen. Und das, so denke ich, muß auch so sein: Schmerz wäre nicht Schmerz, wenn er nicht "weh tun" würde, wenn er nicht unangenehm wäre, wenn er also nicht ein Zustand wäre, auf den Mensch und Tier gleichermaßen mit Maßnahmen reagieren, die auf die Beendigung dieses Zustands hinzielen. Das ist der biologische Sinn des Schmerzes: Er soll uns vor Schaden bewahren. Er ist ein Alarmsignal, das uns deutlich macht, daß unsere körperliche oder aber unsere seelische Unversehrtheit bedroht ist.

Es braucht wenig Phantasie, sich auszumalen, welche lebensgefährlichen Verletzungen wir uns täglich zuziehen würden, wenn wir keinen Schmerz empfinden könnten. Und es liegt auf der Hand, daß der Schmerz seine Alarmfunktion nicht erfüllen könnte, wenn wir auf Schmerz nicht "alarmiert" und mit vehementen Vermeidungs-Reaktionen antworten würden. Wenn sich Schmerz nicht so unangenehm aufdringlich bemerkbar machen würde, würden wir wohl in manchen Situationen aus Versehen oder weil andere Dinge als unsere körperliche Unversehrheit uns wichtiger erscheinen, unserem Körper erheblichen Schaden zufügen. Ich bin sicher, daß die Menschen z. B. nicht rauchen würden, wenn der Schaden, den sie damit ihrem Körper zufügen, sogleich durch Schmerz warnend gemeldet würde.

Im alten Griechenland wurde der Bote, der eine Nachricht von einer verlorenen Schlacht überbrachte, häufig getötet. Ähnlich verhalten wir uns, wenn wir den Schmerz, den Überbringer der Botschaft, den Melder einer Gefahr, als unseren Feind empfinden. Der Schmerz ist, das kann man mit Fug und Recht sagen, unser Freund. Er ist ein Freund, der uns dadurch "Gutes tut", daß er so unangenehm wie möglich ist. Sowohl der Schmerz als auch die Angst vor dem Schmerz gehören funktional zusammen.

Dieses biologisch wie psychologisch lebensnotwendige, lebenserhaltende Prinzip wird symbolisiert durch den Planeten Saturn. Astrologen sind mit seinen Eigenheiten viele Jahrhunderte hindurch ebenso umgegangen wie die Griechen dem erwähnten Boten. Sie nannten ihn, wie oben erwähnt, "Übeltäter", weil er, schmerzhaft, auf Unordnung in unserem Körper (und in unserer Seele) aufmerksam macht. Von den Reifungs- oder Wachstumskrisen, in die wir durch diese Funktion gestoßen werden, bemerkten sie nur den unangenehmen Aspekt, den jede Krise hat (haben muß), sahen in ihm eine Naturmacht, die Depressionen bringt und Prüfungen auferlegt. Dieses Bild hat sich mittlerweile, unter dem Einfluß der "psychologischen Astrologie" (siehe Kapitel 1) sehr gewandelt, doch der Prozeß der Neubewertung von Prinzipien wie Saturn ist bis heute nicht abgeschlossen.

Das Prinzip "Integrität" meint die Impulse in Organismen, die auf die Aufrechterhaltung der Unversehrtheit (im umfassenden Sinn verstanden) des Organismus gerichtet sind. Es geht also um das Prinzip Schutz. Unversehrtheit (heil sein, ganz sein) verlangt nach Mechanismen, den Organismus vor schädlichen Einflüssen der Außenwelt (Kälte, Krankheitserreger) abgrenzen zu können, ist auch mit der Erhaltung (dem Schutz) der Form, speziell der äußeren Hülle, die die inneren Organe birgt, verbunden. So ist Saturn auch das formerhaltende, formgebende Prinzip, und dieses wiederum ist gleichbedeutend damit, eine Grenze zwischen innen und außen festzulegen.

Auf der körperlichen Ebene entspricht dem Saturn-Prinzip z. B. der gleichermaßen Schutz gewährende wie Form gebende Panzer der Schildkröte. Bei einem Baum sind die Funktion der Formgebung und der Abgrenzung getrennt: Die Baumrinde schützt vor (einigen) äußeren Einflüssen, das Prinzip Formgebung und Formerhaltung ist nach innen verlegt. Dies ist auch beim Menschen der Fall: Die Haut ist zum einen ein Saturn-Organ, der Baumrinde verwandt, gewährt Schutz vor (einigen) äußeren Einflüssen. Sie ist aber, als "multifunktionelles Organ" auch ein Venus-Organ (Kontakt-Organ, Produktion von "Duftstoffen" etc.). Die Formgebende Funktion wurde nach innen verlegt (unser Skelett). Dies geschah durchaus im Einklang mit dem Saturn-Prinzip Schutz: Die Verlegung der Stütze nach innen ermöglicht dem Menschen, dem seine körperliche Ausstattung wenig Möglichkeiten bietet, Gefahren "abzuwehren", flexibal Gefahren "auszuweichen". - Wie in der Einleitung zu diesem Kapitel bereits erwähnt, wird dem Saturn seit Alters her die Milz zugeordnet. Wir wissen heute, daß in der Milz die Antikörper gebildet werden, d. h. die Milz ist ein zentrales Organ unseres Immunsystems, das uns von innen her vor Gefahren (Krankheitserregern z. B.) schützt.

Auf der psychischen Ebene entspricht dem Saturn-Prinzip der Schmerz (er ist ein gleichermaßen körperliches wie psychisches Phänomen) und die Angst. Angst und Schmerz sind Alarmsignale: sie machen uns auf eine (innere oder äußere) Gefahr aufmerksam. Angst macht vorsichtig. Der Orientierung an der Gefahr entspricht als Seelenhaltung zudem der Ernst. Wenn es um die Abwehr von Gefahren für den Organismus geht, dann ist keine Zeit für Spiel oder Heiterkeit, auch nicht für Ästhetik und Wohlbefinden: es geht dann darum, daß das Notwendige getan wird.

Es gibt sehr viele Gefahren, die ein einzelnes Individuum nicht abwehren kann. Der Zusammenschluß mehrerer Individuen einer Art zu einem Kollektiv erweitert die Möglichkeiten, sich gegen äußere Gefahren (Feinde etwa) zu schützen, beträchtlich. So weckt die Saturn-Funktion den Impuls zur Bildung solcher Kollektive in Organismen (Herdenbildung). Um funktionsfähig zu sein benötigen solche Kollektive eine bestimmte Struktur, bestimmte Regeln, damit sie nicht durch die dauernde Notwendigkeit der Bewältigung innerer Konflikte ihr eigentliches Ziel (einen größeren Schutz gegen äußere Feinde zu bieten) verfehlen. Die Saturn-Funktion in Organismen weckt die Bereitschaft, sich an Gruppen-Normen anzupassen. Diese Funktion erzeugt im Individuum eine archaische Angst vor dem Ausgestoßen-Sein (weil dieses, wenn es radikal erfolgt, bei Mensch und Tier gleichbedeutend ist mit dem eigenen Tod).

Diese Angst ist die Quelle dessen, was wir "Gewissen" (besser: Schuldgefühl) nennen: Wenn wir die Gruppen-Normen verletzen, droht die Gruppe uns mit Sanktionen. Die Gruppe muß Individuen, die nicht in der Lage sind, selbstbezogene Impulse den Gruppen-Normen unterzuordnen, oder die aus anderen Gründen (etwa wegen einer ansteckenden Krankheit) eine Gefahr für den Bestand des ganzen Kollektivs darstellen, aus dem Kollektiv ausschließen, wenn es nicht alle Mitglieder des Kollektivs gefährden will.

Ein anderer Aspekt dessen, was wir umgangssprachlich Gewissen nennen, gründet auf der Jupiter-Funktion: Das "Jupiter-Gewissen" ist nicht der Ausdruck von Schuld und Angst sondern Ausdruck der Unzufriedenheit, den eigenen Idealen nicht gerecht zu werden, daß ich mir letztlich mit dem, was ich da gerade tue, selbst keinen guten Dienst erweise.

In der Sphäre des Geistigen symbolisiert Saturn das Gedächtnis (allgemeiner: die gesammelte Erfahrung), die Funktion des Speicherns von Informationen (Merkur dagegen das Prinzip der Informationsverarbeitung: unterscheidendes Wahrnehmen, logische Schlüsse ziehen, logische Relationen herstellen). Erfahrungen sind nicht einfach "Bilder", nicht einfach nur "Wahrgenommenes": Mit Erfahrungen sind hier erlebte Abläufe gemeint, das, was man in den Wissenschaften "empirische gewonnene Fakten" nennt. Erlebte Abläufe führen zur Bildung von Regeln, von (Natur-) Gesetzen. Naturgesetze (durch Erfahrung gefundene Regelmäßigkeiten) sind die Domäne des Saturn, Gesetze der Logik die Domäne des Merkur.

Saturnbetonte Menschen sind durch eine natürliche Akzeptanz (gesellschaftlicher) Normen gekennzeichnet. Sie tragen gern Verantwortung, wobei hier ein anderer Aspekt dessen gemeint ist, was wir umgangssprachlich als Verantwortung bezeichnen, als wir es bei dem Sonnen-Prinzip kennengelernt haben: Bei Saturn geht es nicht um Selbstmächtigkeit sondern um Pflicht, verstanden als das Akzeptieren der Ansprüche des Kollektivs an das Individuum. Verantwortung im saturnischen Sinn hat damit zu tun, jemandem (dem Kollektiv) Rechenschaft schuldig zu sein für mein Tun. Sie bevorzugen die Einhaltung bestimmter Formen im zwischenmenschlichen Verkehr und empfinden solche Formen als eine Erleichterung (im Straßenverkehr würde ohne die Einhaltung bestimmter Regeln ein Chaos entstehen). Sie vertrauen der Erfahrung mehr als spekulativen Entwürfen und verkörpern daher ein konservatives Element.

Bei Überbetonung des Prinzips entsteht Pessimismus, das Kleben an Formen erstickt jede Spontaneität, Gerechtigkeit wird zur buchstabengetreuen Einhaltung von Normen pervertiert. Wenn Abgrenzung aus Selbstschutz und Einhaltung von Regeln dominierende Motive werden, dann erkalten die Gefühle, aus Ernst wird Verbissenheit (Alters-Starrsinn), aus Trauer Depression. Solche Menschen isolieren sich selbst durch ihr Verhalten von anderen, ihr Lebensfunke scheint gleichsam nur noch zu glimmen, und die erstickte Vitalität führt zu Gebrechen aller Art, deren einzige Ursache ist, daß der Lebensimpuls nicht mehr frei fließt.

 

Kapitel 4.4:

Die Tierkreiszeichen - Einleitung

 

Die Zuordnung der Planeten zu Lebensgrundfunktionen ist die zentrale Idee, die Grundlage der hier dargestellten Form von Astrologie. Unabhängig davon, ob die dabei beschriebenen Lebensfunktionen mit den ihnen zugeordneten Planeten tatsächlich in Beziehung stehen, werden durch diese Prinzipien implizit die grundlegenden Eigenschaften des Lebendigen charakterisiert. Man könnte sagen: Hier wird nebenbeieine Interpretation dessen gegeben, was "Leben" ist. Wenn die hier vorgestellte Form von Astrologie einen Sinn haben soll, dann müssen die beschriebenen Lebensgrundfunktionen in ihrer Gesamtheit eine sinnvolle und umfassende Charakterisierung der Eigenschaften des Lebendigen sein (wohlgemerkt: in einem ganzheitlich-verstehenden Sinn, nicht im Sinne einer naturwissenschaftlichen Theorie). Daß dies der Fall ist, sollte durch die ausführliche Darstellung der einzelnen Funktionen im vorherigen Abschnitt demonstriert werden.

Die anderen Grundbausteine des Horoskops sollen nun in einer weniger ausführlichen Form dargestellt werden.

Die Tierkreiszeichen symbolisieren, wie in der Einleitung zu diesem Kapitel bereits erläutert, Stilprinzipien. Um zu verdeutlichen, was mit dem Begriff "Stil" in diesem Zusammenhang gemeint ist, sollen zwei Facetten dieses Begriffs näher erläutert werden, der Begriff der Dynamik und der Begriff des Temperaments:

Mit "Dynamik" bezeichnet man typische Bewegungsabläufe, typische zeitliche Muster bei der Realisierung einer (durch einen Planeten symbolisierten) Funktion. Ein Beispiel für ein solches zeitliches Muster wäre folgende Charakterisierung des (Arbeits-) Verhaltens eines Lebewesens: mit der Zeit abnehmender Energie-Einsatz.

Mit "Temperament" bezeichnet man typische Formen der Verarbeitung von Reizen aus der Umgebung und der Reaktion auf solche Reize. Beispiel: durch Veränderungen im unmittelbaren Umfeld leicht ablenkbar.

Wir unterscheiden in der Astrologie drei grundlegende Äußerungsformen der Dynamik, die wir kardinal, fix und beweglich nennen, und vier grundlegende Varianten des Temperaments: Die Einteilung in vier Temperaments-Typen hat ihre Wurzeln in der pythagoräischen Lehre von den vier Elementen und der von dem griech. Arzt Hippokrates vorgenommenen Zuordnung dieser Elemente zu den vier sog. Körpersäften, in deren unterschiedlicher Mischung bei den verschiedenen Menschen er wiederum die Ursache für deren Temperamentsunterschiede sah (lat. temperare = mischen).

Die vier Temperamente werden in der Astrologie nach den vier (pythagoräischen) Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft benannt. Dabei sind jedem dieser Elemente drei der zwölf Tierkreiszeichen zugeordnet, die analog die Feuer-, Wasser-, Erde- und Luftzeichen genannt werden. Die drei zu einem Element gehörenden Tierkreiszeichen werden nun den drei Äußerungsformen der Dynamik so zugeordnet, daß die zwölf Tierkreiszeichen sich als Kombination von Elementen und Formen der Dynamik darstellen lassen.

Damit ist nicht gemeint, daß sich die Bedeutung der Tierkreiszeichen ausschließlich als Kombination dieser zwei grundlegenden Facetten des Begriffs Stil verstehen läßt (ihre Bedeutung ist wesentlich komplexer), doch wichtige Aspekte der Tierkreiszeichen-Bedeutung lassen sich aus dieser Kombination herleiten.

Nach der gerade gegebenen Beschreibung scheint die Einteilung der Tierkreiszeichen in Elemente und Dynamik willkürlich so erfolgt zu sein, daß es "gut paßt". Tatsächlich wurden, historisch betrachtet, die Tierkreiszeichen vor der Verbindung der Elementenlehre mit der Astrologie (durch einen griech. Astrologen namens Antiochos von Athen) bereits in ihrer auch heute noch gültigen Form gedeutet. Die zwölf Zeichen wurden nachträglich in vier mal drei Zeichen (analog den vier Elementen) unterteilt. Meines Erachtens wurde dabei aber nur eine inhärente Struktur in der Abfolge der Tierkreiszeichen offengelegt. Es ist vergleichbar der Anwendung eines gedanklichen Modells auf einen Naturvorgang in der Physik: Viele Naturzusammenhänge wurden entdeckt, weil ihre Existenz aus der Lösung einer mathematischen Gleichung, die das gedankliche Modell in mathematischer Formelsprache beschrieb, gefolgert wurde.

Aus systemtheoretischer Perspektive handelt es sich bei den hier "Stilprinzipien" genannten Dimensionen um grundlegende Entwicklungs- und Reaktionsmuster, Prozeßcharakteristika selbstorganisierender Systeme.

Die drei Äußerungsformen der Dynamik und die vier Elemente sollen nun kurz skizziert werden:

Die kardinale Dynamik ist gekennzeichnet durch das In-Gang-Setzen von Prozessen, durch Anstoß-Geben. Dem entspricht eine Orientierung am energetischen Aspekt (Energiequellen, Antriebskräfte).

Die fixe Dynamik ist gekennzeichnet durch die Aufrechterhaltung bestehender Prozesse, durch regulativ und stabilisierend wirkende Aktionen. Dem entspricht eine Orientierung an "Struktur" und "Fundamenten".

Die bewegliche Dynamik ist gekennzeichnet durch bewegliche Anpassung von Prozessen an wechselnde Umgebungsbedingungen, durch flexibilisierende und Mobilität fördernde Aktionen. Dem entspricht eine Orientierung an "Wegen" (Kommunikation, Transport, Verkehr).

Diese Charakterisierungen wirken noch recht abstrakt. Sie werden durch die Kombination mit den Elementen bei der Beschreibung der einzelnen Tierkreiszeichen anschaulicher und konkreter werden.

Die Wirkungsweise der Elemente könnte man mit der Wirkung unterschiedlicher Filter beim Fotografieren vergleichen. Die Betonung eines Elements (dadurch, daß viele Planeten in den Zeichen stehen, die zu diesem Element gehören) wirkt wie ein Wahrnehmungsfilter, der bestimmte Aspekte der Realität (in der Fotografie: bestimmte Farben) besser durchläßt und andere schlechter oder gar nicht.

Wasserzeichen reagieren primär auf die emotionalen Aspekte einer Situation. Der Psychologe Carl Gustav Jung spricht vom "Fühltyp". Dies ist nicht zu verwechseln mit einer Dominanz des Planeten Mond. Hier ist ein Modus der Verarbeitung, nicht eine Antriebskraft gemeint. So bedeutet Mars in den Wasserzeichen nicht etwa Anteilnahme (eine Mond-Entsprechung), sondern diese Stellung des Mars weist darauf hin, daß die Art der Selbstbehauptung bei diesem Menschen nicht so sehr rational kalkuliert, sondern eher aus einer gefühlsmäßigen Betroffenheit heraus erfolgt und entsprechend durchgeführt wird, daß sie sich vielleicht auch eher sanfter Methoden bedient (was ihre Effizienz allerdings keineswegs schmälern muß). Ein typisches Mittel besteht darin, sich dadurch zu behaupten (d. h. die eigenen Interessen durchzusetzen), daß man im anderen Schuldgefühle oder Mitleid erzeugt und seine Durchsetzungsfähigkeit dadurch schwächt. - Eine typische Entsprechung auf der Ebene des Temperaments ist die entspannte Passivität (im Sinne der hippokratischen Lehre: der phlegmatische Typ).

Bei den Luftzeichen dagegen ist der primäre Modus der Verarbeitung geistig-intellektuell. Jung spricht vom "Denktyp". Auch dies ist nicht zu verwechseln mit einer Dominanz des Planeten Merkur. Der Mond in den Luftzeichen deutet beispielsweise darauf, daß die Anteilnahme dieses Menschen (z. B. an einem leidvollen Erlebnis einer anderen Person) vielleicht nicht so lang anhält wie bei einem Menschen mit Mond in den Wasserzeichen, also "flüchtiger" ist (wasserzeichen-betonte Menschen empfinden das als oberflächlich), daß sich diese Anteilnahme vielleicht auch eher in der Form einer gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Geschehen äußert als darin, mitzuweinen. - Eine typische Entsprechung auf der Ebene des Temperaments ist heitere Unbekümmertheit (im Sinne der hippokratischen Lehre: der sanguinische Typ).

Erdzeichen
reagieren am ehesten auf das, was die Sinne anspricht. Jung spricht vom "Empfindungstyp". Sie sind damit der materiellen Ebene am nächsten. Merkur in den Erdzeichen ist ein Hinweis darauf, daß die Schlüsse (die Logik) dieses Menschen sehr am Sinnlich-Anschaulichen orientiert sind: Der Doppelsinn des Wortes "begreifen", einmal im Sinne von etwas verstehen und einmal im Sinne von etwas befühlen, etwas anfassen, erinnert daran, daß viele Begriffe Abstraktionen aus konkret-sinnlichen Erfahrungen sind. Die (auch gedankliche) Verhaftung an der konkreten sinnlichen Realität gibt den Verhaltensweisen dieses Typs eine gewisse Schwere: körperliche Prozesse unterliegen den Gesetzen der Materie; in Gedanken geht alles schneller und buchstäblich leichter als in der konkreten Realität. - Eine typische Entsprechung auf der Ebene des Temperaments ist die Nachhaltigkeit aller Reaktionen. Diese Menschen sind schwer umzustimmen, von einem einmal gefaßten Entschluß schwer wieder abzubringen, von tief in ihrer Seele verankerten Wünschen nicht ablenkbar, bei deren Nichterfüllung schwer zu trösten (im Sinne der hippokratischen Lehre: der melancholische Typ).

Feuerzeichen schließlich reagieren besonders auf einen Aspekt der Realität, der für die Sinne nicht wahrnehmbar ist: die symbolische Ebene, die Ebene des Bedeutungshaften. Jung spricht vom "intuitiven Typen". Bedeutet Geld z. B. für einen erdzeichen-betonten Menschen primär ein Äquivalent für das, was er mit diesem Geld erwerben kann (für Konsummöglichkeiten also), so bedeutet es für einen feuerzeichen-betonten Menschen u. U. den "Beweis für seine Leistungsfähigkeit", vielleicht auch den Ausdruck dafür, daß "das Glück im wohlgesonnen" ist. Feuerzeichen-betonte Menschen haben eine natürliche Nähe zum Theater, das ja ursprünglich aus kultischen Handlungen entstanden ist: Masken und Kulissen "stehen für etwas", und auf das, was sie meinen (bedeuten), kommt es an, nicht darauf, daß sie "in Wirklichkeit ja nur aus Pappe sind". So sehen feuerzeichen-betonte Menschen auch das Leben insgesamt: als eine faszinierende Folge von Dramen, Lustspielen, Tragödien und Komödien. - Eine typische Entsprechung auf der Ebene des Temperaments ist die Begeisterungsfähigkeit (in der hippokratischen Einteilung: der cholerische Typ).

Ein Stilprinzip ohne einen Bezug zur Dimension seiner Konkretisierung zu formulieren, ist sehr schwierig (zur Kennzeichnung eines musikalischen Stils werde ich ganz andere Begriffe benötigen als zur Kennzeichnung eines Baustils). So wirkt sich das Stilprinzip Widder ganz anders aus, wenn ich es auf die Lebensgrundfunktion Mars beziehe als wenn ich es auf die Funktion Mond beziehe. Aus diesem Grunde sind die bei der folgenden Beschreibung der einzelnen Tierkreiszeichen aufgeführten Stil-Entsprechungen sehr heterogen und nur als Beispiele für mögliche Konkretisierungen dieses Stilprinzips zu verstehen. Sie dürfen auch nicht als Eigenschaften von Menschen verstanden werden, sondern sind Realisierungsformen bestimmter Antriebe der Menschen (Lebewesen). Es soll deutlich werden, welcher Reichtum an konkreten Entsprechungen sich allein aus der Kombination dieser zwei Grundprinzipien ergibt.

 

Kapitel 4.5:

Die Tierkreiszeichen - 3 Beispiele

Zwillinge: Das bewegliche Luftzeichen

 

Die bevorzugte Dynamik ist die bewegliche Anpassung an unterschiedliche Umgebungsbedingungen, sind Flexibilität und Mobilität fördernde Aktionen. Die bevorzugte Dimension der Realität ist die Ebene des Geistig-Intellektuellen.

Geistige Mobilität verlangt, Ansichten bei Auftauchen neuer Informationen oder Gesichtspunkte ändern zu können, sich nicht auf einen Standpunkt festzulegen. Die Relativierung aller möglichen Standpunkte ist die Folge, auch die Aufgabe der Suche nach einer endgültigen Wahrheit. Die Suche (Sucht) nach immer neuen Informationen und Anregungen kann zu unsteter Bewegung (Flatterhaftigkeit) führen, wodurch die einem Prozeß zur Verfügung stehende Energie verzettelt werden kann.

Stil-Entsprechungen: kommunikativ, ablenkbar, unruhig, taktierend, mobil, nüchtern, neutral. Prozesse in Komponenten zerlegen (analysieren). Relationen herstellen. Mehrere Wege (Zugangsweisen) ausprobieren.

 

Krebs: Das kardinale Wasserzeichen

 

Die bevorzugte Dynamik ist das Anstoß-Geben, In-Gang-Setzen von Porzessen. Die bevorzugte Dimension der Realität ist die Ebene der Emotionen.

Das Bild des Wassers, das einen Stein nicht bricht sondern mit der Zeit auswäscht, gewährt einen guten Zugang zum Verständnis dieses Prinzips, dem sowohl "entspannte Passivität" (Wasserzeichen) also auch Anstoß gebende Aktivität (kardinales Zeichen) entsprechen. Wenn es mir gelingt, bei einem Menschen Mitleid zu erwecken, ist das eigentlich ein "aktives" Handeln oder passives "Sich-Gehen-Lassen"? Der Krebs erinnert an Michael Endes modernes Märchen "Momo", in dem ein Land beschrieben wird, in dem man nur vorwärts kommt, wenn man rückwärts geht.

Stil-Entsprechungen: behutsam, sich in einen Vorgang einfühlend, stetiger sanfter Impuls (steter Tropfen hölt den Stein), formbar, reagibel. Einen Prozeß anregen durch "Wecken" des in ihm vorhandenen Potentials.

 

Löwe: Das fixe Feuerzeichen

 

Die bevorzugte Dynamik ist die Aufrechterhaltung laufender Prozesse, sind regulativ und stabilisierend wirkende Aktionen. Die bevorzugte Dimension der Realität ist die Ebene der Symbole und der "Bedeutung".

"Würde bewahren", könnte die Losung dieses Zeichens heißen, "und nicht in Bedeutungslosigkeit versinken". Ein Prozeß (auch ein Mensch) "stirbt", wenn er jede Bedeutung verloren hat. Bedeutung hat auch etwas mit "Macht" zu tun, der Kraft, etwas zu bewirken. Für viele Menschen ist "ein bedeutsames Leben" gleichbedeutend damit, eine sog. "bedeutende Person" zu sein. Es ist jedoch nicht die Macht eines Amtes gemeint, sondern die persönliche Ausstrahlung (lebendige Autorität). - Standpunkte (Einsichten) sind absolut, große Schwierigkeiten zu relativieren.

Stil-Entsprechungen: kraftvoll, wirkungsbezogen, dramatisierend (inszenierend), würdevoll, in der Reihenfolge der Wichtigkeit (Bedeutsamkeit) bearbeitend, strategisch (anstelle von taktisch). Prozesse durch Zuführung von Energie stärken (bei Menschen: Lebensmut geben).

 

Kapitel 4.6:

Die Bedeutung des Aszendenten

 

Der Aszendent ist ein sehr wichtiger Punkt des Horokops: Er verändert sich durch die Rotation der Erde alle vier Minuten um durchschnittlich ein Grad, ist also ein sehr individueller Punkt (im Gegensatz zu der Stellung der Planeten im Tierkreis, die sich, von Mond abgesehen, an einem Tag nur unwesentlich ändert: man nennt sie die "Tageskonstellation"). Menschen, die am gleichen Tag geboren wurden, haben, wo immer auf der Erde die Geburt stattfand, identische Positionen der Planeten im Tierkreis. Die Position der Planeten in den Feldernund die Stellung des Aszendenten ändern sich allerdings aufgrund der Erdrotation beständig, und die Position von Aszendent und Feldern hängt zudem von dem Ort ab, an dem die Geburt stattfindet.

Der Aszendent ist etwas grundsätzlich anderes als die Planeten: Er symbolisiert keine "Kraft", keinen Antrieb, keinen Impuls, denn er ist ein Punkt auf der Ekliptik (Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Horizont), also nur eine bestimmte Stelle im Tierkreis. Er verkörpert entsprechend ein "reines Stilprinzip" (das des entsprechenden Tierkreiszeichens):

Es ist der Stil des "Sich-Gebens" eines Menschen, seine typischen habituelle Muster: die Art, wie er geht, steht, schaut, gestikuliert und spricht. Auch der "Stil" seiner körperlichen Erscheinung (relativ zum Rasse- und Familientyp): schlank, rund, drahtig, asthenisch, athletisch usw.

So ist die Erscheinung bei einem Aszendenten in den Zwillingen eher schlank (bis asthenisch), ausgeprägte Geschlechtsmerkmale (typische weibliche oder männliche Formen) treten zurück. In der Gestik sehr bewegt (unterstreicht das Sprechen gern mit den Händen), neugierig umherschweifender Blick, schnelles Sprechen.

 

Kapitel 4.7:

Die Kombination Planet - Tierkreiszeichen

 

Nun soll an einigen wenigen Beispielen veranschaulicht werden, wie die Anwendung der bechriebenen Stilprinzipien auf die verschiedenen Planeten konkret vor sich geht.

Die Deutung der Stellung eines Planeten in einem Tierkreiszeichen ist die Antwort auf eine "Wie-Frage": Wie äußert sich der durch diesen Planeten symbolisierte Antrieb. Da jeder Planet eine Fülle von Facetten verkörpert, sind für jeden Planeten viele Frage-Sätze formulierbar.

Beispiele:

Merkur:1.Wie realisiere ich das Prinzip Ökonomie (Pragmatisch-Sein)?
2.Wie erziele ich mit dem kleinsten Aufwand den größtmöglichen Erfolg/Effekt?

Venus:1.Wie erreiche ich es, in Harmonie mit anderen zu leben?
2.Wie erreiche ich meine "optimales Erregungs-Niveau"?

Die angemessene Antwort finde ich durch Auswahl von sinnvollen Entsprechungen (zu der durch den Planeten symbolisierten Dimension passenden Entsprechungen) der Tierkreiszeichen-Typik. Zunächst zwei Beispiele mit Antworten in kurzen formelhaften Sätzen:

Merkur in den Zeichen

am Beispiel der Frage:In welcher Weise realisiere ich das Prinzip Ökonomie (das Pragmatisch-Sein)?

Durch kurze direkte Wege (auch im Denken): Widder
Durch wendige Anpassungsfähigkeit: Zwillinge
Durch Unterspülen von harten Widerständen: Krebs
Durch Beachten der bekannten Gesetzmäßigkeiten: Steinbock

Jupiter in den Zeichen

Am Beispiel der Frage:Welche Eigenschaften helfen mir, "aus jeder Lage das Beste zu machen", kennzeichnen also mein besonderes "Talent zum Glück"? In anderen Worten: Welche Charakteristika eines Zeichens sind speziell geeignet, daß sich jmd. unter möglicherweise widrigen Umständen dennoch wohl zu fühlen in der Lage ist oder aber in solchen Umständen Sinnvolles (wachstumsförderndes Potential) sehen kann.

Immer noch etwas tun (verändern) können: Widder
Mir Hilfe holen können. Durch die Anteilnahme anderer gestärkt werden. In der Not "näher zusammenrücken". Immer wieder menschlicher Güte begegnen: Krebs.
Auch mit wenig auskommen, sich mit Tatsachen abfinden können: Steinbock.

Im folgenden Beispiel werden etwas ausführlichere Antworten zu jedem der 12 Tierkreiszeichen auf eine typische zur Venus passenden Frage gegeben.

 

Venus in den Zeichen

Teilfrage: Auf welche Art werden bei mir erotische Gefühle am leichtesten geweckt?

Widder (Stürmischer Genuß, Sofort-Befriedigung, heftig)
Durch das "Abenteuer" (Liebes-Abenteuer): Die Herausforderung, die es bedeutet, jemanden für sich zu "gewinnen". Damit einher geht eine Lust am "Kampf der Geschlechter": Dem anderen nicht sogleich "alles" von mir "geben". Meine "Reize" aktiv und gezielt "einsetzen" (den Rock ein wenig hochziehen, daß der Mann "die Besinnung verliert"). Um "Liebe" "kämpfen" (für manche Menschen ein Widerspruch, etwas Un-sinniges). - In der Sexualität "heftig" (Liebes-Bisse), fordernd.

Stier ("Abschmeckender", sinnlich einverleibender Genuß)
Durch die Sinne (eine samtweiche Haut, ein angenehmer Duft, eine schöne "Rundung", durch Körperwärme, die man beim Schmusen spürt). Durch Stimulierung der "erogenen Zonen" (etwa bei der Massage). Lust an der "Hingabe" (verstanden als körperliches "Mit-Sich-Machen-Lassen"). - Sexualität ist ein "Eintauchen ins Meer der Sinne".

Zwillinge (Flüchtiger Genuß: Überall kurz "probieren")
Durch "neckisches Spielen" (Was sich liebt, das neckt sich): "Fang mich doch ...!". Durch den Flirt: erotische Kommunikation (ggf. auch erotisch gefärbte Gespräche, "Liebesbriefe"), möglicherweise auch erotische Literatur (erotische bzw. Liebesgedichte). Empfänglichkeit für das Erotische in der Sprache (Stimme). - In der Sexualität ist das Situative sehr wichtig: "Wie aufregend, es auf einer Waldlichtung zu machen." Un-Verbind-lichkeit kann als reizsteigernd erlebt werden.

Krebs
("Hingebender" Genuß: Sich im Genuß "verlieren")
Durch "sanfte Zärtlichkeit" (verstanden als Ausdruck des Zugewandt-Seins), durch eine Geborgenheit vermittelnde Umarmung, durch den "Gleichklang der Seelen" (Romantik), das Spüren von emotionaler Nähe. Hautkontakt als Ausdruck von Nähe und Verschmelzung. Lust an der "Hingabe" (verstanden als sich dem anderen in seiner Verletzlichkeit anvertrauen). Empfänglich für die Verschmelzung von Geborgenheit und passiver erotischer Stimulation, wie sie typisch ist für ein kleines Kind, das die Lust der Mutter (der Erwachsenen) am Schmusen mit ihrem Kind passiv-genießend aufnimmt.

Löwe (Verschwenderischer Genuß von "Fülle")
Durch das Spüren von Kraft und Energie in mir, wie es mir die Partnerin/der Partner "zurückspiegelt". Durch die Möglichkeit, "Lust zu verschenken" (es muß für den anderen aber auch ein Geschenk sein!). Spüren, daß ich für jemanden "die Prinzessin"/"der Prinz" bin. Spüren, wie jemand "schwach" wird, der Kraft meiner erotischen Ausstrahlung "nicht gewachsen". Die Lust an der zeugerischen Potenz (bei der Frau die Lust an der nur ihr verfügbaren "Macht", gebären zu können). Erotik ist etwas in mir, aus meinem Potential erwachsend, sie wird nicht geweckt, im Gegenteil: Ich verströme sie oder halte sie zurück.

Jungfrau (Fein abstufender, Sinnesreize "analysierender" Genuß)
Durch raffinierte Liebes-"kunst", verständnisvolles Eingehen auf meine speziellen Wünsche, den "(folge)richtigen Ablauf" des Liebesspiels (der auf die körperlichen Vorgänge angemessen Rücksicht nimmt, den "richtigen Moment" für eine Handlung findet). Durch stimulieren meiner speziellen erogenen Zonen. -- Ein störbarer Aufbau der erotischen Spannung, die leicht wieder "zusammenbrechen" kann, wenn etwas "falsch läuft".

Waage
(Ausgewogener Genuß: Abgestimmtheit von sinnlichen-ästhetischen und geistig-ästhetischen Prinzipien/Dimensionen)
Durch das Gefühl, auf andere erotisch anziehend zu wirken (auch entsprechende Schmeichelei), in diesem Sinne auch sehr "verführbar". Die Lust am Gefallen, exhibitionistische Genüsse. Durch "Verfeinerung" der erotischen Interaktion: Erotische Düfte, ästhetische Kleidung, kultiviertes Ambiente (vielleicht durch Musik stimmungsvoll unterstrichen). Ebenso wie der Stier auf ästhetisches Äußeres bei Partner/in angewiesen, doch kein "Versinken in Sinnlichkeit" oder intensiver Körperkontakt, eher ein Genießen-Können der erotischen Ausstrahlung und des ästhetischen Anblicks aus der "Distanz".

Skorpion
(Extremer Genuß: Steigerung des Genusses durch Erhöhen der Begierde-Spannung)
Durch die "Abgründe" im anderen, seine "Untiefen", die Ausstrahlung von intensiver Leidenschaftlichkeit. Spannungen in der Beziehung erhöhen eher den erotischen Reiz (im Gegensatz zu Waage, wo er dadurch abgetötet würde). Durch das Gefühl, daß jemand sich dagegen wehrt, mir zu verfallen, durch Weckung meines "Verführungs-Jagd-Instinkts" also, daß ich spüre, daß jmd. sich in meinen "Netzen" verfangen hat .. - und zappelt. Oder aber, daß ich mich verfange ...- und zapple.

Schütze (Überschwänglicher, "ergriffener" Genuß)
Durch Begeisterung für eine Person oder für "die Liebe" oder für ein Schönheits-Ideal (Traum-Frau/Mann). Durch das Gefühl, mit dieser Beziehung ein Ziel meiner Wünsche und Sehnsüchte erreicht zu haben ("Die Göttliche: Ich hätte nie geglaubt, bei einer solchen Frau überhaupt ein Chance zu haben"). Durch Überhöhung der Gefühle (die "ewige Liebe"oder sich die Liebe durch eine "Heldentat" verdient zu haben). Hochgefühl dieser Art wirkt erotisierend.

Steinbock (Verhaltener, sparsamer Genuß)
Durch "eindeutige Signale", frei von Ambivalenz und "Spiel", also "ernsthaft bekundetes erotisches Interesse"; nach Überschreiten der Anfangs-Distanz direkt, aber nicht "burschikos". "Genuß" durch die "Beherrschung" der eigenen Lust, eine Art "Verdichtung" der Lust durch Konzentration und Sammlung auf (wenige) mit Bedacht gewählte "passende" Momente (Gelegenheiten). Am ehesten auf primäre erotische Auslöse-Reize (eindeutig männlich bei der Frau, eindeutig weiblich beim Mann) ansprechend.

Wassermann
(Beiläufiger Genuß, "enthobener" Genuß "ästhetischer Theorien")
Durch den Reiz der "Leichtigkeit", sich unbekümmert auf das einlassen zu können, was "sich ergibt": Ein Schmetterling kommt und setzt sich auf meine Hand. Ich betrachte ihn, freue mich an seiner Schönheit und nach einem kurzen Moment fliegt er wieder davon; es bleibt keine Verpflichtung, keine Belastung für "morgen" zurück. Lust an Nähe ohne Haftung und/oder Bindung. Lust an der "Selbstverständlichkeit" des Auslebens "aller möglichen" Erotik ohne Beachtung von Konventionen; gleichmütiges Spielen ohne bestimmte Präferenzen, ohne "Begierde".

Fische (Sich ausliefernder Genuß: Sich "überfluten", "überwältigen" lassen)
Durch den Reiz des Sich-Verströmens, Sich-Auflösens, Sich-Auslieferns. Auf unspezifische Art erotisch in Resonanz zu versetzen durch Ausstrahlung von Menschen oder Atmosphäre allgemein, die eigenen erotischen Gefühle ebenso unspezifisch "in die Welt" zurückfließen lassen können. Da-raus mag die Lust entstehen, ein "Kanal" für Erotik zu werden, wie ein Sex-Idol bei Schauspieler/innen. Dabei geht es nicht um ein exhibitionistisches Gefallen-Wollen, sondern um das Gefühl, "jedem" zu "gehören", mich erotisch vollständig "auszuliefern", die "Grenzen" meiner (erotischen) Intimität vollständig aufzulösen. - Möglicherweise auch sehr schwer eine Grenze zwischen Erotik und "Liebe" ziehen können - nicht wie bei Krebs, der Erotik und Liebe verbinden will, aber beides durchaus getrennt empfindet - sondern als ein Ineinanderfließen, als das Empfinden von zwei Facetten einer einzigen Realität.

 

Kapitel 4: Die Felder (oder Häuser) anhand von vier Beispielen

Einige der Dimensionen, die durch die Felder symbolisiert werden, sind "Lebensbereiche", zu denen ein Astrologe von Ratsuchenden typischerweise befragt wird (meist mit der Bitte, die Entwicklung in diesen Bereichen vorauszusagen): Finanzen, Beruf, Ehe, Kinder, Gesundheit.

Die Dimensionen, die sich hinter diesen Schlagworten verbergen, sind in Wahrheit jedoch wesentlich komplexer. Immer wieder ist es wichtig, sich zu verdeutlichen, daß die Interpretation eines Horoskps im Prinzip für alle Menschen (eigentlich sogar alle Lebewesen) möglich sein muß : Für "primitive" wie für "hochzivilisierte", für den römischen Soldaten wie für den NATO-Offizier, für den afrikanischen Zulu wie für den englischen Oxford-Studenten, für den Rentner wie für den Bundeskanzler.

Nun arbeitet die Astrologie aber nur mit einer begrenzten Zahl von Symbolen, und es ist einleuchtend, daß die Entschlüsselung dieser Symbole jedesmal in der konkreten Entsprechung etwas anderes bedeuten muß, wenn man sie auf einen Zulu anwendet oder den Bundeskanzler, daß nur das Prinzipielle in beiden Fällen gleich sein kann.

So sind Aussagen über Geld z. B. nur sinnvoll in einer Gesellschaft, in der es Geld (oder zumindest Tauschhandel) gibt. Da aber ein und dieselbe Gestirnkonstellation potentiell Aussagen für ein Neugeborenes in jedem Teil der Erde abzuleiten gestattet (gestatten müßte), können gesellschaftliche Umstände nicht aus der Gestirnkonstellation erschlossen werden; also können Geldangelegenheiten nicht direkt in astrologischen Symbolen verschlüsselt sein.

Es gibt allerdings in jeder konkreten Umwelt "ausgetretene Pfade" für die Kanalisierung bestimmter Ur-Bedürfnisse und grundlegender Konflikte. Das Verhältnis zum Ur-Thema "materielle Sicherheit" manifestiert sich in unserer Kultur am einfachsten im Verhältnis zum eigenen Bankkonto. Das ist sicher die Ursache dafür, daß "kochbuchartige Rezepte" in vielen Astrologie-Lehrbüchern zuweilen sogar zu einigermaßen treffenden Deutungen führen.

Feld 1: Persona

Der Aszendent kennzeichnet habituelle Muster einer Person. Das erste Feld (das am Aszendenten beginnende Feld) symbolisiert den Lebensbereich des "Sich selbst in die Welt Entäußerns". Planeten im ersten Feld weisen darauf hin, welche Kräfte mich dabei primär leiten. Saturn wäre ein Hinweis darauf, daß ich es vielleicht als "gefährlich" empfinde, mich zu weitgehend zu entäußern. In anderen Worten: Ich werde nicht allzu spontan sein, werde meinen Ausdruck kontrollieren. Mars dagegen wäre ein Hinweis darauf, daß ich mich in meinem Ausdruck nur widerwillig zurücknehmen lassen werde, daß ich meinen Stil, die Dinge zu tun und mich zu verhalten, durchsetze.

Feld 2: Ressourcen
Das zweite Feld symbolisiert den Bereich der materiellen Lebenssicherung im weitesten Sinne: Mein Umgang mit Ressourcen (auch im psychischen Sinn) und (in unserer Kultur) mit Eigentum. Zu meinen Ressourcen zählt nicht zuletzt auch mein Körper mit seinen Fähigkeiten. - Jupiter in diesem Feld deutet auf optimale Nutzung der Ressourcen und die Tendenz, die Basis meiner materiellen Lebenssicherung zu verbreitern. Uranus deutet auf die Entwicklung völlig neuer Formen des Umgangs mit diesem Lebensbereich. (Eine große Neuerung bestand in der Erfindung des Geldes, eine mehr alltägliche Entsprechung könnte in der Neigung zu ungewöhnlichen Formen der Geldanlage bestehen.)

Feld 3: Wissenserwerb und Kommunikation
Dieses Feld symbolisiert den Umgang mit dem in meinem Kulturkreis zur Verfügung stehenden Wissen: seiner Übernahme (lernen) und seiner Weitergabe (lehren), also der ganze Bereich (Aus-) Bildung. Menschen mit Mond in diesem Feld haben oft Mühe, Dinge zu lernen, zu denen sie keinen emotionalen Bezug aufbauen können. Ein Vortrag ist für diese Menschen nicht so sehr eine Möglichkeit, Wissen zu erwerben, sondern eine Möglichkeit, einen Menschen (den Vortragenden) kennenzulernen. Bei Pluto in diesem Feld können sich dämagogische Neigungen entwickeln (die Zerstörung wirklicher Kommunikation) oder es kann (im Extrem) zum Ausfall bestimmter Kommunikationskanäle (speziell hören) kommen.

Feld 4: Herkunft und Familie
In diesem Feld spiegelt sich mein Verhältnis zu meinen Ahnen (zunächst den Eltern), meiner Heimat und der Sphäre des Familiären (sowohl was meine Herkunftsfamilie als auch was meine selbstgeschaffene Familie betrifft). Merkur in diesem Feld deutet auf ein sehr pragmatisches Verhältnis zu diesem Lebensbereich, ohne Sentimentalität (es kann ganz "praktisch" sein, einflußreiche Vorfahren zu haben). Die Sonne dagegen deutet auf eine bewußte Identifizierung mit der eigenen Herkunft, des eigenen "Stammbaums".

 

Kapitel 4.8:

Die Aspekte

 

Aspekte (die Deutung von Winkelstellungen der Planeten) tauchen in der astrologischen Tradition erstmals bei PTOLOMAEUS auf, dessen Astrologie-Lehrbuch (das einzige erhaltene systematische Astrologie-Lehrbuch der Antike): Tetrabiblos, auf den Lehren des syrischen Astrologen Posidonius von Appamaeia (135 - 51 v. Chr.) beruht. Ptolomaeus spricht von Aspekten in einer allgemeineren Form als wir es heute tun:

Unabhängig vom tatsächlichen Winkel zwischen zwei Planeten rechnet er mit dem Abstand der jeweiligen Zeichen. Er spricht also nicht von der Verbindung zweier Planeten sondern von der Verbindung zweier Abschnitte der Ekliptik. Die Konjunktion galt daher auch nicht als Aspekt. So waren also alle Planeten, die im gleichen Element standen (etwa in den Wasserzeichen) im Trigon zueinander: Planeten im gleichen Element haben ein ähnliche Färbung, sind also in Harmonie miteinander.

Erst Johannes Kepler führte im Mittelalter die Aspekte in der Form ein, wie wir sie heute in der Astrologie benutzen: als Winkel zwischen Himmelskörpern. Er war der Auffassung, daß die Wirkung der Aspekte auf einer angeborenen Sensibilität der menschlichen Seele für geometrische Proportionen beruhe, die er instinctus geometricus nannte. Die Seele reagiere auf die Winkelstellungen wie auf die Konsonanzen und Dissonanzen in der Musik.

Die aus der Teilung des Kreises durch zwei, vier und acht resultierenden Aspekte (180o, 90o, 45o und der Komplementärwinkel zu 45o, also 135o) nennen wir die analytischen, die aus der Teilung des Kreises durch 3 und 6 resultierenden Aspekte (120o und 60o) die synthetischen. Die Konjunktion, also das Zusammenstehen zweier Planeten (0o) nimmt eine Sonderstellung ein.

Jeder Aspekt hat einen Namen, der sich in augenfälliger Weise aus den Winkeln ableitet: So heißt der 180o-Aspekt Opposition, der 90o-Aspekt Quadrat, der 45o-Aspekt Halbquadrat (der Komplementär-Aspekt, der 135o-Aspekt heißt Eineinhalbquadrat); und bei den synthetischen Aspekten heißt der 120o-Aspekt Trigon und der 60o-Aspekt Sextil. Das Zusammenstehen zweier Planeten (0o-Aspekt) nennt man Konjunktion.

In der Einleitung zu diesem Kapitel wurde schon erläutert: Stehen zwei Planeten in einem analytischen Aspekt zueinander, dann empfindet der Horoskop-Eigner die von diesen Planeten symbolisierten Impulse als schwer miteinander vereinbar. Da eine solche Ambivalenz mit inneren Spannungen einhergeht, nennt man die analytischen Aspekte oft auch "Spannungsaspekte". Stehen zwei Planeten in einem synthetischen Aspekt zueinander, dann empfindet der Horoskop-Eigner die von diesen Planeten symbolisierten Impulse als sich-ergänzend. - Im Regelfall genügt diese Unterteilung in analytische und synthetische Aspekte für die Deutung eines Horoskops vollkommen. Je weiter man jedoch in die Struktur eines Horoskops eindringt, umso mehr wird bedeutsam, daß sich die einzelnen Aspekte innerhalb einer Aspektklasse in ihrer Bedeutung noch weiter differenzieren lassen. An dieser Stelle soll auf diese feinere Unterteilung nicht eingegangen werden.

Stehen zwei Planeten beieinander (Konjunktion), dann bedeutet das: Wann immer die eine der beiden Funktionen angesprochen ist, wird auch der andere Impuls geweckt. Bilden beispielsweise Saturn und Mars eine Konjunktion miteinander, dann heißt das: Wann immer selbstbehauptende Impulse geweckt werden, werden gleichzeitig auch Tendenzen der Sicherung aktiviert; ebenso: wann immer Sicherungstendenzen aktiviert werden, wird auch der Selbstbehauptungswille geweckt. Diese Konjunktion wird also dazu führen, daß Aggressionen immer auf eine beherrschte, kontrollierte Weise geäußert werden, daß auch in der Wut "der Kopf kalt bleibt". Umgekehrt wird immer dann, wenn Schmerz oder Angst ihn alarmieren, auch der Selbstbehauptungswille wach, der ihn animiert, durchzuhalten und nicht aus Angst oder zur Vermeidung weiteren Schmerzes aufzugeben. Eines ist aber sicher: Für spontane risikoreiche Unternehmungen ist jemand mit diesem Aspekt nicht so leicht zu haben.

Die Konjunktion ist also ein neutrales Bindeglied zwischen zwei Planeten. Beide Kräfte "wecken" sich wechselseitig, nicht mehr.

Ich will nun an einem Beispiel demonstrieren, wie man sich die Wirkung der beiden anderen Aspektformen vorzustellen hat. Ich wähle einen analytischen Aspekt. Ein Beispiel für einen synthetischen Aspekt wird, in einem etwas anderen Zusammenhang zwar, im folgenden Kapitel gegeben werden.

 

Venus (Opposition, Quadrat oder Halbquadrat) Saturn

 

Der Mensch mit diesem Aspekt spricht besonders auf Situationen an, in denen das Bedürfnis nach Harmonie, Wohlbefinden und lustvollem Erleben unvereinbar ist (oder scheint) mit dem Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Struktur. Er tendiert ggf. sogar dazu, Situationen so zu konstellieren, daß diese beiden Antriebe unvereinbar werden.

Die Ebene der Konkretisierung dieses Aspekts hängt sehr von der Tierkreiszeichen- und Felderstellung der beteiligten Planeten ab. Um den Vorgang der Deutung anschaulicher darstellen zu können, soll zumindest die Stellung in den Tierkreiszeichen berücksichtigt werden: Die Venus sei im Stier und der Saturn sei im Löwen. Da jeder Planet zudem eine Fülle von Facetten umfaßt, soll hier die Deutung auf die Ebene der Liebesbeziehungen beschränkt werden:

Die Stier-Venus symbolisiert das Bedürfnis nach Sinnenlust. Der Mensch wünscht sich eine/n schöne Partner/in, mit einem sinnlich ansprechenden Körper, einer schönen Haut, schönen Formen. Direkter Körperkontakt ist wichtig, die Wärme des anderen spüren wird als sehr genußvoll erlebt. Er ist ein sehr verschmuster Mensch.

Der Löwe-Saturn symbolisiert die Tendenz, Sicherheit durch Kultivierung von Löwe-Qualitäten zu suchen. Daraus folgt ein intensives Bedürfnis nach Autonomie. Infragestellungen der eigenen Würde, auf die jemand mit der Sonne im Löwen zwar aufbrausend aber selbstbewußt reagieren würde, verunsichern diesen Menschen stark: mit Saturn im LÖwen ist die Würde seiner Person etwas, das ihn (psychisch) schützt. Er ist so ein wenig der Typ Mensch, der erhobenen Hauptes aufs Schafott geht und dadurch innerlich ungebrochen bleibt, in dem, was ihm heilig ist, unverletzt.

Diese beiden Teile seiner Person empfindet dieser Mensch nun als unvereinbar.

An dieser Stelle wird eine charakteristische Erfahrung der Astrologen deutlich: Von außen betrachtet haben diese beiden Antriebe nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Es ist nicht ersichtlich, was daran unvereinbar sein sollte. Doch der Horoskop-Eigner trägt eine "Brille", die diese beiden Facetten seiner Person als unvereinbar erscheinen läßt. Und durch entsprechende Wahl von Menschen und Situationen bewahrheitet sich seine Sicht der Dinge auch.

So wird er vielleicht dazu tendieren, Menschen zu begehren, die für ihn schwer erreichbar sind. Es können 99 Menschen um ihn herum sein, die ihn lieben und seine Liebe begehren. Er hat das Geschick, die einzige Person, die sich für ihn nicht so interessiert, als die attraktivste zu empfinden. Und dann hat er seinen Konflikt: Da diese Person ihn nicht so begehrt wie er sie begehrt, muß er intensiv werben und ist immer in Gefahr, dabei "abzublitzen". Gelingt es ihm, das Objekt seiner Begierde zu "verführen", dann stellt sich heraus, daß dieser Mensch körperliche Nähe nicht als ein zentrales Bedürfnis empfindet. Die Zurückweisung in seinen Bedürfnissen nach Körpernähe und Schmusen bedeutet für ihn eine tiefe Kränkung. Und dann kann ein Teufelskreis beginnen: Sein Hunger, doch wenigstens etwas von dem begehrten Körper spüren zu dürfen, macht ihn "korrupt", d. h. für etwas Nähe verrät er seinen Stolz oder andere zentrale Werte. Dadurch verliert er für den Partner/die Partnerin aber nur an Reiz.

Angesicht der anderen Menschen (potentiellen Partner), die ihn lieben und begehren, die er selbst aber nicht begehren kann, "weil sie einfach nicht so verführerische Körper haben", empfindet er nun den Konflikt ganz deutlich: Entweder er erfüllt sein saturnisches Bedürfnis nach Sicherheit durch Autonomie und "innere Unverletzlichkeit", dann muß er auf die Erfüllung seiner Begierde verzichten und eine Partnerin/einen Partner wählen, der/die ihn begehrt (und deshalb nicht kränken wird), die für ihn aber körperlich weniger attraktiv sind. Wenn er das nicht will (oder nicht kann, weil die anderen Körper ihn einfach kalt lassen), dann gerät er immer wieder an Menschen, von denen er sich in seiner Bedürftigkeit abhängig fühlt, und denen er sich unterwirft für ein wenig Erfüllung seiner Sehnsüchte.

Dieser Konflikt ist nicht "objektiv": Er entsteht dadurch, daß der betreffende Mensch eine unbewußt passende "Wahl" trifft und die Person am attraktivsten findet, die diesen Konflikt konstellieren hilft.

Der beschriebene Fall ist eine mögliche Konkretisierung dieses Konflikts. Er soll an einem Beispiel ein Prinzip veranschaulichen. Keineswegs ist es zwingend, daß jedes Venus-Saturn-Quadrat mit Venus im Stier und Saturn im Löwen sich genau so manifestieren muß. Der Aspekt sagt nur, daß eine Tendenz besteht, die aus dem Saturn im Löwen resultierenden Impulse als unvereinbar zu erleben mit den aus der Venus im Stier resultierenden Impulsen, und im eigenen Leben "magisch" Situationen anzuziehen, in denen diese Unvereinbarkeit konkret werden kann.

 

 

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