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Autor: Dr. Peter Niehenke
Bei dieser Einführung in die Astrologie handelt es sich um Auszüge aus dem Buch von Dr. Peter Niehenke: "Astrologie - Eine Einführung" (Reclam-Verlag 1994 - ISBN 3-15-007296-4). Auf astrologix veröffentlicht mit frdl. Genehmigung des Autors.

Astrologie - Eine Einführung:


Kapitel 3:

Einleitung

Dieses Kapitel beschreibt die elementaren Grundlagen, die zum Verständnis des astronomischen Aspekts der Astrologie notwendig sind. Es wird erklärt, was damit gemeint ist, wenn man sagt: "Ich bin ein Stier" oder: "In meinem Horoskop steht der Aszendent im Zeichen Skorpion". Wohlgemerkt: Es wird nicht beschrieben, was das bedeutet. Das ist der Inhalt des folgenden Kapitels. Dort werden wir lesen, welche Bedeutung das hat, wenn der Aszendent im Skorpion steht (auf welche Charaktereigenschaften sich das bezieht). In diesem Kapitel geht es darum, wo denn der Aszendent steht, wenn er im Zeichen Skorpion steht, und was das überhaupt ist: der Aszendent.

 

Kapitel 3.1:

Das Horo-skop

 

Arbeitsgrundlage für den Astrologen ist das Horoskop. Dieser Begriff ist abgeleitet von horoskopos: So hieß der am Osthorizont aufsteigende Tierkreisgrad, weil er "die Stunde anzeigt" (von griech. hora = die Stunde und skopein = schauen, sehen). Astrologen nennen diesen Tierkreisgrad heute, aus dem Lat. abgeleitet, Aszendent (ascendere: aufsteigen).

Das Horoskop ist die grafisch dargestellte Konstellation der Gestirne unseres Sonnensystems für den Moment der Geburt eines Menschen (oder allgemeiner: eines Lebewesens), bezogen auf den Ort der Geburt.

Da auch für andere Zeitpunkte Horoskope erstellt werden (z. B. zur Erstellung einer astrologischen Prognose, siehe dazu Kapitel 6), bezeichnet man das für den Moment der Geburt erstellte Horoskop genauer als Radix-Horoskop (von lat. Radix = Wurzel). Man könnte das Horoskop eine Art Himmelskarte nennen: Sie enthält die Positionen der Gestirne unseres Sonnensystems, relativ zum Stand des Beobachters, also ihre geozentrisch berechneten Koordinaten.

 

Kapitel 3.2:

Die zwei grundlegenden Rhythmen der Sonnenbewegung

 

Jeden Tag erleben wir aufs neue das folgende Schauspiel: Die Sonne geht morgens im Osten auf,

[Picture Dia 1]Abbild 1

 

sie erreicht mittags ihren höchsten Stand,

[Picture Dia 2]Abbild 2

 

und sie geht abends im Westen unter.

[Picture Dia 3]Abbild 3

 

Wenn die Sonne nicht so gleißend hell wäre und die Erde keine Atmosphäre hätte, dann würden wir auch am Tag die jetzt nur in der Nacht sichtbaren Sterne sehen. Wir würden dann sehen, daß die Sonne nicht etwa durch die feststehende Anordnung der Sterne, die wir alle als Sternbilder kennen, hindurchläuft, sondern daß sie mit einem Sternbild fest verbunden scheint. So könnte es z. B. sein, daß wir sie an einem Morgen, beim Aufgang, im Sternbild Skorpion stehen sehen, wie in Abbild 4.

[Picture Dia 4]Abbild 4

 

Und wenn wir den Himmel beobachten, stellen wir fest, daß sich mit der Sonne auch dieses Sternbild am Himmel nach oben bewegt, so daß mittags mit der Sonne auch das Sternbild Skorpion in der Himmelsmitte zu sehen ist (Abbild 5).

[Picture Dia 5]Abbild 5

 

Eine noch genauere Beobachtung des Himmels hätte uns gezeigt, daß auch alle anderen Gestirne, die wir am Himmel sehen können, diese Bewegung mitgemacht haben.

Meist fällt uns dieser Wechsel von Aufgang, Kulmination und Untergang nur bei Sonne und Mond auf; dort ist er augenfällig. Wenige bemerken, daß jedes Gestirn diese Bewegung vollführt. Wenn man in klaren Nächten den Himmel über längere Zeit beobachtet, dann scheint es einem, als ob der Himmel eine Kugel wäre, die sich über die Erdoberfläche spannt und die sich beständig von Osten nach Westen dreht.

Es ist nicht verwunderlich, daß man bis ins Mittelalter hinein daher der Auffassung war, die Erde sei eine Scheibe und über dieser Scheibe wölbe sich die Himmelskugel.

Wir wissen heute, daß diese scheinbare Drehung des Himmelsgewölbes in Wahrheit auf der Drehung der Erde um sich selbst, der Rotation der Erde beruht. Wir wollen uns diesen Sachverhalt noch etwas genauer verdeutlichen.

Was heißt es genau, wenn wir sagen: Die Sonne geht auf? Manchmal hören wir im Radio oder lesen auf einem Kalenderblatt: "Sonnenaufgang ist heute, bezogen auf Baden-Baden (oder Köln oder München oder Berlin), um 6.45 Uhr." Die Sonne geht also nicht in ganz Deutschland um 6.45 Uhr auf, sondern nur bezogen auf einen bestimmten Ort. Sonnenaufgang bedeutet: Die Sonne bewegt sich über die Horizontlinie. In Abbild 6 sehen wir, schematisch, was mit dem Horizont gemeint ist. Was hier als Linie gezeichnet ist, müssen Sie sich als Fläche vorstellen (die Horizont-Ebene).

[Picture Dia 6]Abbild 6

 

Durch die Drehung der Erde dreht sich auch die Horizont-Ebene. Wenn der "obere" Rand der Sonne diese Ebene schneidet, geht für Menschen in der eingezeichneten Position die Sonne auf.

Jeder Ort hat, da die Erdoberfläche gekrümmt ist, seinen eigenen Horizont. Wäre die Erdoberfläche flach, dann wäre der Horizont an allen Punkten der Erde derselbe, nämlich die Ebene der Erdoberfläche selbst. In Düsseldorf geht die Sonne aber früher auf als in Berlin, weil der Horizont von Berlin gegenüber dem Horizont von Düsseldorf einige Grade weiter gegen die Drehrichtung der Erde gedreht ist.

Wir müssen den hier in Abbild 6 eingezeichneten astronomischen Horizont von dem natürlichen Horizont unterscheiden. Wenn östlich meines Standortes ein Gebirgszug lokalisiert ist, wird die Sonne tatsächlich erst viel später zu sehen sein, als auf dem Kalenderblatt steht oder im Radio zu hören war. Diese astronomischen Auf- und Untergangszeiten auf den Kalenderblättern gelten eigentlich nur, wenn in Richtung des Sonnenaufgangs das Meer oder flaches Land liegt.

Den einen oder anderen mag es auch verwirren, daß die Horizontlinie in Abbild 6 durch den Erdmittelpunkt gezeichnet ist. Korrekterweise müßte sie, als Tangentenfläche, an die Kugeloberfläche (am Fuß des Strichmännchens) gezeichnet werden (in unserer zweidimenionalen schematischen Zeichnung also als eine Linie an den Kreis). Die hier gewählte Darstellung ist eine geometrische Vereinfachung, die sich für Berechnungen besser eignet. Sie unterscheidet sich praktisch nicht von der anderen Darstellung: Bedenken Sie, daß der Entfernungsunterschied Erdoberfläche - Erdmittelpunkt verglichen mit dem Abstand Erde - Sonne oder Erde - Planet praktisch vernachlässigt werden darf. Wenn wir nämlich die Sonne im maßstabsgerechten Abstand von der Erde zeichnen wollten (die Erde so groß, wie sie in dieser Zeichnung ist), dann müßten wir sie etwa 100 Meter von diesem Kreis entfernt zeichnen. Und aus diesem Abstand wäre der Entfernungsunterschied Erdmittelpunkt - Erdoberfläche tatsächlich nicht mehr zu erkennen.

Wenn wir den Himmel über längere Zeit beobachten, dann werden wir feststellen, daß die Anordnung der Sterne (ihre Stellung zueinander) im allgemeinen konstant bleibt. Die Sterne, für die das zutrifft, nennen wir Fixsterne: Die Figuren, die durch die Stellung dieser Sterne zueinander gebildet werden (und die wir, zur Orientierung am Himmel, zu verschiedenen Sternbildern zusammengefaßt haben), ändern sich nicht, d. h. die Sternbilder behalten immer dieselbe Form. Mit dem Ausdruck Fixstern ist also nicht gemeint, daß dieser Stern immer an der gleichen Stelle des Himmels steht. Wie wir gesehen haben, geht auch jeder Fixstern jeden Tag im Osten auf, kulminiert und geht im Westen wieder unter. Die Fixsterne können auch nicht fest an einem bestimmten Ort stehen, weil wir uns mit unserer Erde ja drehen.

Einem aufmerksamen Beobachter wird bei längerer Himmelbeobachtung aber nicht entgehen, daß einige, sehr wenige, der leuchtenden Punkte am Himmel (also der "Sterne") sich innerhalb dieser Fixstern-Figuren hin- und herbewegen. Bei dreien ist diese Bewegung so schnell, daß man sie von einer Nacht zur anderen mit bloßem Auge feststellen kann, zwei weitere bewegen sich so langsam, daß man sie über Wochen oder Monate beobachten muß, um ohne Hilfsmittel erkennen zu können, daß auch sie ihre relative Lage (ihre Lage bezogen auf die anderen Sterne) verändern.

Sehr leicht ist die Bewegung relativ zu den Fixsternen beim Mond festzustellen, weil sich der Mond am schnellsten von allen Himmelskörpern durch die Fixsterne bewegt. In Abbild 7 soll der mit dem Pfeil markierte schwarze Kreis den Mond verkörpern.

[Picture Dia 7]Abbild 7

 

Einen guten Monat früher hätte man den Mond an der Stelle sehen können, die Abbild 8 zeigt. (In Abbild 8 wurde auch die Sonne noch dazugezeichnet.

[Picture Dia 8]Abbild 8

 

Wir sehen sie hier an einer anderen Stelle als in Abbild 4.)

Wir stellen also fest, daß manche Gestirne sich, zusätzlich zu der Bewegung von Aufgang, Kulmination und Untergang, offensichtlich noch relativ zu den Fixsternen bewegen, allerdings sehr viel langsamer. Die Bewegung von Aufgang, Kulmination und Untergang beruht, wie wir gesehen haben, auf der Rotation der Erde.

Die Verschiebung relativ zu den Fixsternen beruht auf einer anderen Bewegung. Ich will dies am Beispiel der Sonne verdeutlichen. Die Erde dreht sich im Laufe eines Jahres einmal um die Sonne. Diese Bewegung nennt man die Revolution der Erde um die Sonne. In Abbild 9 sehen wir nun: Während die Erde im Laufe eines Jahres einmal um die Sonne kreist, scheint die Sonne, von der Erde aus betrachtet, durch die Fixstern-Bilder zu laufen: Wenn ich von der Erde zur Sonne blicke, so liegt hinter der Sonne in jedem Monat ein anderes Sternbild.

[Picture Abbild 9]Abbild 9

 

Die "scheinbare" Bahn, die die Sonne am Himmel nimmt ("in Wirklichkeit" ist es die Bahn der Erde um die Sonne), nennt man die Ekliptik. Die Sternbilder, die die Sonne dabei durchläuft, fassen wir zum Tierkeis zusammen, genauer gesagt nennt man diesen Tierkreis den siderischen Tierkreis. Warum der Tierkreis noch einen näher bezeichnenden Beinamen hat, werde ich im übernächsten Abschnitt erläutern. Wir werden dann sehen, daß es noch einen zweiten Tierkreis gibt.
Die Sternbilder sind bestimmte Sterngruppen, die wir zu einem "Bild" zusammengefaßt haben, um uns am Himmel besser orientieren zu können. Diese Sterne sind sehr viel weiter von der Erde entfernt als die Sonne. Von der Erde aus kann ich aber den Entfernungsunterschied zwischen der Sonne und den Fixsternen nicht erkennen. Sonne wie auch die Fixsterne scheinen einfach am Himmelzelt "angeheftet" wie an einer Kugel. Der einzige Unterschied besteht darin, daß die Fixsterne kleiner und weniger hell sind (und keine "Wärme spenden"). Deshalb erscheint es mir so, als stünde die Sonne in einem bestimmten Sternbild.

Da dieser Sachverhalt denjenigen, die ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen haben, immer wieder Schwierigkeiten bereitet, will ich ihn nocheinmal an einem Beispiel etwas deutlicher werden lassen:

Stellen Sie sich vor, sie befänden sich in einem runden Raum, der völlig abgedunkelt ist. Dieser Raum sei sehr groß. An den Wänden dieses Raumes seien, mit Leuchtfarbe, weiße Punkte in der gleichen Anordnung gemalt, wie die Sterne bei den Sternbildern angeordnet sind. In der Mitte des Raumes hänge eine winzige leuchtende Glühbirne (hell, aber zu schwach, um den Raum zu erhellen, so daß außer den Figuren an den Wänden und dieser kleinen Glühbirne alles absolut dunkel ist). Nun stellen Sie sich noch vor, Sie stünden auf einem Förderband (den Blick zu dieser leuchtenden Birne gerichtet), das Sie im Kreis um diese Glühbirne herumfährt.

Diese Situation ist vergleichbar der Situation in Abbild 9, wenn Sie sich selbst an die Stelle der Erde setzen und die leuchtende Birne an die Stelle der Sonne. Wenn Sie den Blick auf die Birne gerichtet halten, wird hinter dieser Birne immer ein anderer Abschnitt der bemalten Wand aufscheinen, je nachdem, an welche Stelle Sie das Förderband gerade getragen hat.

Jetzt müssen Sie sich nur noch vorstellen, daß Sie von der Bewegung des Förderbandes absolut nichts spüren könnten (weil es ganz langsam und völlig erschütterungsfrei läuft). Sie hätten dann das Gefühl, daß Sie selbst stillstehen. Da sich aber die Figuren hinter der leuchtenden Birne entlangbewegen, hätten Sie den sicheren Eindruck, daß sich die Wand dreht. Diesen Eindruck, daß sich die Wand dreht, hätten Sie deshalb, weil Sie wüßten, daß dort eine Wand ist. Wenn man Sie aber mit verbundenen Augen an diesen Ort gebracht hätte, so daß Sie von der Anordnung in dem Raum überhaupt nichts wüßten, dann hätten Sie den Eindruck, der helle große leuchtende Punkt (die kleine Glühbirne) läuft zwischen den anderen leuchtenden Punkten hindurch.

 

Kapitel 3.3:

Die Bestimmung der Position der Planeten

 

Die Bewegung der Sonne durch die Sternbilder hängt also damit zusammen, daß die Erde um die Sonne kreist. Die Bewegung des Mondes durch die Sternbilder hängt damit zusammen, daß der Mond um die Erde kreist. Wenn Sie in Abbild 9 zunächst die Sonne durch die Erde ersetzen (die Erde ist dann in der Mitte) und dann an die Stelle, an der jetzt die Erde steht, den Mond setzen, dann scheint, von der Erde im Zentrum aus betrachtet (also nicht in Richtung des Pfeiles geschaut), der Mond gerade im Sternbild Jungfrau zu stehen.

Während die Erde für den Umlauf (die Revolution) um die Sonne ein Jahr benötigt, benötigt der Mond für den Umlauf um die Erde einen Monat. Während der Mond nun im Laufe eines Monats einmal um die Erde kreist, scheint er, von der Erde aus betrachtet, einmal vollständig im Kreis durch die Sternbilder zu wandern.

Wenn wir sagen: Der Mond steht im Sternbild der Jungfrau, dann meinen wir damit, daß, von der Erde aus betrachtet, der Mond vor dem Hintergrund der Sternbild-Figur Jungfrau zu sehen ist.

Wenn wir den Himmel aufmerksam beobachten, dann werden wir feststellen, daß es nur sehr wenige Himmelskörper gibt, die sich in diesen Sternbild-Figuren hin- und herbewegen. Neben Sonne und Mond kannten die Menschen im Altertum nur noch fünf weitere solcher Himmelskörper, die sie Planeten, d. h. Wandelsterne, nannten.

Heute können wir verstehen, warum sich unter den Tausenden von Sternen, die wir sehen können, nur fünf (mit dem bloßen Auge sichtbare Sterne) so auffällig bewegen. Diese fünf Sterne sind nämlich, wie die Erde, Planeten unseres Sonnensystems, die um die Sonne kreisen, wie in Abbild 10 schematisch dargestellt. Und weil sich die Erde und die anderen Planeten alle gleichzeitig um die Sonne drehen (zudem auch noch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten), erscheinen die Bewegungen dieser Planeten, von der Erde aus betrachtet, unregelmäßig und kompliziert. In Wahrheit drehen sich alle sehr gleichmäßig in elliptischen Bahnen um die Sonne. Aber wir sehen unser Sonnensystem ja nicht in der Draufsicht, wie in dieser schematischen Zeichnung: Für uns auf der Erde sind die einzelnen Planeten einfach nur leuchtende Punkte am Firmament. Daß die merkwürdigen Bewegungen am Himmel daraus resultieren, daß sich die Perspektive von der Erde aus dauernd ändert, weil wir uns mitbewegen, davon spüren wir ja nichts.

 

Die Planeten unseres Sonnensystems

 

Bevor die Menschen das Fernrohr erfanden (zur Zeit Galileis) konnte man am Himmel von den Planeten unseres Sonnensystems nur die erkennen, die so hell sind, daß sie mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Abgesehen von Sonne und Mond gab es für die Menschen im Altertum fünf Planeten: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Zusammen mit Sonne und Mond kannten die Menschen früher also sieben "bewegliche Himmelskörper". Aus diesem Grunde hat die Zahl Sieben in den verschiedensten Kulturen eine besondere Bedeutung. Bei uns geht z. B. die Zahl der Tage unserer Woche darauf zurück und außerdem sind die Tage (ursprünglich) nach den Planeten benannt (wobei Sonne und Mond früher als als Planeten angesehen wurde, weil man die wahren Verhältnisse ja nicht kannte).

Merkur und Venus nennt man die inneren Planeten, weil sie von der Erdbahn eingeschlossen werden (siehe Abbild 10).

[Picture Dia 10]Abbild 10

 

Meist werden die Planeten, von Mond abgesehen, in der Reihenfolge ihrer Umlaufbahnen genannt, die auch der Geschwindigkeit der Bewegung durch den Tierkreis entspricht. Der Mond bewegt sich am schnellsten, wie wir in Kapitel 3 gesehen haben., er benötigt für einen Umlauf um die Erde einen Monat. Von dem Planeten bewegt sich Merkur am schnellsten: Er benötigt für einen Umlauf um die Sonne etwa 1/4 Jahr. Die Venus benötigt fast ein Jahr, die Erde genau ein Jahr (d. h. die Sonne benötigt, von uns aus betrachtet, ein Jahr für einen vollständigen Lauf durch die Tierkreiszeichen - so ist ja das Jahr auch definiert: als ein vollständiger Umlauf der Sonne). Der Mars benötigt etwa 2 Jahre, Jupiter etwa 12 Jahre und Saturn etwa 30 Jahre.

Erst nach der Erfindung des Fernrohres konnte im Jahre 1781 Uranus als ein weiterer Planet unseres Sonnensystems entdeckt werden. Die Fortschritte der Astronomie (und der Naturwissenschaften allgemein) machte es möglich, daß im Jahre 1846 Neptun entdeckt werden konnte. Die Berechnung der Planetenbahnen auf der Grundlage der Keplerschen Gesetze war zu der Zeit mit einer solchen Präzision möglich, daß aus den Abweichungen zwischen der berechneten und der boachteten Bahn von Uranus geschlossen werden konnte, daß es jenseits von Uranus noch einen Himmelskörper geben muß, dessen Anziehungskraft die gleichmäßige Bahn des Uranus "stört". Es konnte sogar genau berechnet werden, wo sich dieser Planet befinden müßte - und am berechneten Ort entdeckten ihn auch die Fernrohre.

Erst im Jahre 1932 schließlich war die Technik der Himmelsbeobachtung so weit entwickelt, daß auch Pluto entdeckt werden konnte, ein Planet, beinahe so klein wie unser Mond und etwa zwanzig Mal so weit von der Erde entfernt wie Mars.

Die drei Planeten, die hinter der Bahn des Saturn kreisen, nennt man die transsaturnischen Planeten.

Zwischen der Bahn von Mars und Jupiter kreisen eine Reihe von sog. Planetoiden: so nennt man die größten von einer Fülle von Gesteinsbrocken, die von einem möglicherweise zerstörten ehemaligen Planeten stammen könnten, der vielleicht zwischen Mars und Jupiter seine Bahn gezogen hat.

 

Fixsterne

 

Unser Sonnensystem besteht also aus der Sonne im Zentrum und den Planeten (einschließlich der Erde), die um diese Sonne kreisen. Manche der Planeten haben Monde (unsere Erde hat einen Mond), die wiederum um diese Planeten kreisen.

Was aber sind Fixsterne?

Manche Fixsterne erreichen die gleiche Helligkeit wie die Planeten unseres Sonnensystems. Was läßt sie leuchten? Unsere Planeten senden selbst kein eigenes Licht aus: Sie werden von der Sonne angestrahlt und reflektieren das Licht, wie eine Kugel, die wir mit einer Lampe anstrahlen. Fixsterne dagegen sind selbst Sonnen, im Vergleich zu unserer Sonne allerdings unendlich weit entfernt. Viele dieser Fixsterne sind möglicherweise das Zentrum eines eigenen Sonnensystems mit Planeten und Monden, ähnlich wie in unserem Sonnensystem. Die nächste uns benachbarte Sonne ist so weit entfernt, daß das Licht dieser Sonne für uns nicht heller erscheint, als das von unseren Planeten reflektierte Licht unserer eigenen Sonne.

In Abbild 10 sehen wir, daß wir die Stellung der Planeten bezüglich der Sternbilder auf die gleiche Weise bestimmen wie bei Sonne und Mond.

Wir sagen, ein Planet steht im Sternbild Fische, wenn der Planet, von der Erde aus betrachtet, vor dem Hintergrund des Sternbildes der Fische zu sehen ist.

In Abbild 10 steht entsprechend die Sonne im Skorpion, ebenso der Merkur. Die Venus steht im Schützen, Jupiter steht im Stier und Mars im Krebs.

Zur Zeit der Babylonier wurde die Stellung der Planeten tatsächlich durch Nachschauen bestimmt. Heutzutage könnten viele Astrologen die Planeten am Himmel nicht einmal mehr erkennen (z. B. von Fixsternen gleicher Helligkeit unterscheiden). Astrologen brauchen nämlich heutzutage nicht mehr den Himmel zu beobachten, um festzustellen, wo die Planeten stehen. Sie schauen stattdessen in die Ephemeriden (Gestirnstands-Tabellen). Dort können Sie für jeden Tag die Position von Sonne, Mond und Planeten ablesen.

 

Eine Zwischenbemerkung zur Entstehung der Astrologie

 

Versetzen wir uns einmal in die Gedanken eines Menschen zur Zeit der Babylonier: Dort, im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, ist der nächtliche Sternenhimmel besonders prächtig, er lädt geradezu zur Betrachtung ein. Wir sehen am Himmel nun Tausende und Abertausende von Sternen. All diese Sterne stehen fest (haben immer die gleiche Anordnung zueinander). Fünf Sterne von diesen Tausenden von Sternen aber vollführen sehr merkwürdige Bewegungen am Himmel. - Ist es nicht verständlich, daß die Babylonier davon überzeugt waren, daß dies eine Bedeutung haben muß?

Um diese Bedeutung zu verstehen, gingen die Babylonier übrigens keineswegs "abergläubisch" vor. Ihr Vorgehen würde man heute "empirisch" nennen und es ist ausgesprochen "wissenschaftlich".

Zwar galten den Babyloniern diese Bewegungen als "Omina", als Zeichen göttlicher Botschaften. Dies würden wir heute nicht wissenschaftlich nennen. Aber bei der Entschlüsselung dieser Botschaften gingen sie "wissenschaftlich" vor. Belegt wird diese Ansicht durch einen archäologischen Fund zu Beginn dieses Jahrhunderts: Die Bibliothek eines babylonisches Königs mit Namen ASHURBANIPAL (680 v. Chr.): "Viele Tausende, auf Keilschrifttäfelchen verzeichnete und systematisch geordnete Omina, die manchmal bis auf sumerische Zeiten zurückgehen. (...) zeugen von der Sorgsamkeit, mit der stets himmlische und gleichzeitig irdische Erscheinungen aufgezeichnet, miteinander verglichen und prognostisch verwertet wurden." Die Babylonier zeichneten allerdings alle auffälligen Himmelserscheinungen auf, nicht nur die Bewegung der Planeten, so z. B. auch das Auftauchen von Kometen, denen in unserer astrologischen Lehre keine Bedeutung beigemessen wird.

Vorgänge am Himmel können selbstverständlich nur dann "Omina" (Botschaften der Götter) sein, wenn sie nicht mechanisch zustandekommen. Denn wenn sie mechanisch (gesetzmäßig, berechenbar) zustandekommen, sind sie ja nicht mehr als Ausdruck einer willkürlichen Handlung eines Gottes, der "etwas mitteilen will", zu verstehen. Als sich zeigte, daß die Bewegungen der Planeten berechenbar sind, war deshalb auch PLATO, wie im ersten Kapitel erwähnt, der Auffassung, daß die Astrologie als Omendeutung nun jegliche Grundlage verloren habe.

Da Astrologie bei den Babyloniern sehr stark prognostisch betrieben wurde, wehrte sich PLATO damals zu Recht gegen die Vorstellung, vorausberechenbare Vorgänge könnten etwas über das Schicksal der Menschen sagen, denn eine solche Vorstellung hätte das fatalistische Mißverständnis der Astrologie sehr gefördert (siehe Kapitel 1). Erst der Gedanke, die Bewegungen der Gestirne könnten etwas mit dem "Wesen" der Menschen (und nur indirekt etwas mit ihrem Schicksal) zu tun haben, bannt diese Gefahr: Dieser Gedanke macht das subjektive Empfinden, daß wir in unseren einzelnen bewußten Entscheidungen doch frei sind, vereinbar mit dem astrologischen Grundgedanken eines Zusammenhang zwischen Kosmos und Mensch.

 

Kapitel 3.4:

Alle Widder sind eigentlich Fische?
Tropischer und siderischer Tierkreis und das Wassermann-Zeitalter.

 

Seit der Zeit der Aufklärung wird von uninformierten Kritikern der Astrologie alle paar Jahrzehnte ein Einwand neu aufgewärmt, der schon hundertmal widerlegt wurde. Für diejenigen, die ihn zum ersten Mal hören, hat er aber etwas derart Verunsicherndes (wenn man Astrologie ernst nimmt) oder Attraktives (wenn man ja schon immer wußte, daß Astrologie Unsinn ist), daß er immer wieder neu in die Diskussion eingebracht wird: Es geht um die Behauptung, daß die Astrologen mit den falschen Sternbildern arbeiten würden. Aufgrund der sog. Präzession (s. u.) würde nämlich an der Stelle des Himmels, wo Astrologen den Widder sehen, in Wirklichkeit das Sternbild Fische stehen (und entsprechend seien auch alle anderen 12 Sternbilder verschoben).

Was hat es damit auf sich?

In Kapitel 2 haben wir gelernt, daß die Bewegungen der Himmelskörper in ihrer täglichen Bahn (Aufgang, Kulmination, Untergang) den Rhythmus bestimmter Vorgänge auf der Erde bestimmen. (Die Bewegung des Mondes z. B. bestimmt den Rhythmus der Gezeiten). Auch Organismen reagieren auf diese Rhythmen (Austern-Beispiel). Wenn wir uns vergegenwärtigen, welche existentielle Bedeutung der Rhythmus von Tag und Nacht (die tägliche Bewegung der Sonne) für das Leben auf der Erde hat, dann können wir leicht nachvollziehen, daß der auf der Erdrotation beruhende Rhythmus ein wichtiger kosmischer Reiz (siehe Kap. 2) ist.

Wir haben dann eine weitere Bewegung kennengelernt, die auf der Revolution des Planeten um die Sonne basiert. Der augenfälligste Effekt dieser Revolution um die Sonne sind die Jahreszeiten.

 

Die Entstehung der Jahreszeiten

 

Wenn Sie einen Globus betrachten, dann ist Ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen, daß die Achse des Globus immer schräg steht. Das hat nicht etwa ästhetische Gründe. Es bedeutet, daß die Erdachse geneigt ist. Aber geneigt wogegen? Im Weltenraum gibt es ja keinen Fußboden, im Vergleich zu dem die Achse der Erde schräg stehen könnte. Geneigt ist die Erdachse gegenüber ihrer eigenen Bahn um die Sonne, wie wir schon in Abbild 8 erkennen konnten. Diese Neigung der Erdachse hat zur Folge, daß während des Umlaufs der Erde um die Sonne einmal die nördliche Erdhalbkugel der Sonne zugewandt ist (in Abbild 8 wäre das der Fall, wenn die Erde sich etwa im Abschnitt XII befindet) und einmal die südliche (wenn die Erde sich im Abschnitt VI befindet).

Wenn die Nordhalbkugel der Sonne zugewandt ist, dann haben wir Sommer, wenn dagegen die Südhalbkugel der Sonne zugewandt ist, ist bei uns auf der Nordhalbkugel Winter. Die beiden Zwischenpositionen, an denen Nord- und Südhalbkugel etwa gleich viel Licht von der Sonne erhalten, nennen wir Frühling bzw. Herbst (dem Frühling auf der Nordhalbkugel entspricht der Herbst auf der Südhalbkugel, und umgekehrt).

Inbezug auf die Sonne führt die Rotation der Erde zum Tag-Nacht-Rhythmus und die Revolution der Erde (um die Sonne) zum Rhythmus der Jahreszeiten. In beiden Fällen gibt es vier wichtige Punkte: Aufgang, Kulmination, Untergang und, bisher noch nicht erwähnt, die untere Kulmination (die Mitternachts-Stellung der Sonne), auf der einen Seite, Frühlings, Sommer-, Herbst- und Winteranfang auf der anderen Seite. Was bezogen auf die Revolution der Erde um die Sonne die Jahreszeiten sind, entspricht bei der Revolution des Mondes um die Erde in etwa den Mondphasen. Um diese rhythmischen Vorgänge geht es den Astrologen.

Ohne diese astronomischen Verhältnisse (Schrägstellung der Erdachse etc.) kennen zu können, stellten die Babylonier damals aber schon etwas fest: Zu Sommeranfang, d. h., wenn die Sonne am höchsten am Himmel steht, steht die Sonne immer vor dem Hintergrund des Sternbildes Krebs, zu Frühlingsanfang immer zu Beginn des Sternbildes Widder.

Da die Babylonier nicht wissen konnten, daß dies damit zusammenhängt, daß die Achse der Erde eine bestimmte Schräge hat, so daß bei der Stellung der Sonne im Krebs einfach die Nordhalbkugel der Sonne zugewandt ist, versuchten sie, sich dies anders zu erklären: Es schien ihnen, als ob die Sonne durch die Stellung in den Sternbildern beeinflußt (geprägt, modifiziert) würde. Stand sie im Steinbock, war ihre Kraft schwach (Winter), stand sie im Krebs oder im Löwen, war ihre Kraft groß (Sommer). Stand sie im Widder, schien sie die Pflanzen "wiederzuerwecken" und alles zum Blühen zu bringen (im Frühling).

Wenn die Sonne durch die Sternbilder in ihrer "Wesensart" verändert wurde: Vielleicht hatten ja auch die Menschen, die in diesen Zeitabschnitten geboren wurden, Eigenschaften, die eine gewisse Ähnlichkeit mit diesen "Eigenarten" der Sonne hatten. - So wurden nach und nach mit den Sternbildern bestimmte Eigenheiten verbunden, und man stellte sich vor, daß die Sternbilder die Menschen in ähnlicher Weise "prägen" wie die Sonne.

Da die Babylonier den Himmel sehr gewissenhaft beobachteten, fiel ihnen auf, daß die Sonne zu Sommeranfang nicht in jedem Jahr an derselben Stelle des Sternbildes Krebs stand. Der Unterschied war minimal: Er machte in 100 Jahren nur etwas mehr als einen Grad aus. Es war dennoch abzusehen, daß die Sonne zu Sommeranfang in etwa 2.000 Jahren nicht mehr im Krebs stehen würde, sondern, da die Verschiebung gegen die Tierkreisrichtung stattfindet, im Sternbild Zwilling. Würde das heißen, daß im Sommer dann nicht die längsten Tage des Jahres waren? Wenn es die Sternbilder waren, die der Sonne ihre Eigenart aufprägten, dann dürfte sich der Sommeranfang im Laufe der Zeit immer weiter vom längsten Tag des Jahres entfernen. Schließlich würde der Sommeranfang in einigen Tausend Jahren mit dem kürzesten Tag des Jahres zusammenfallen.

Dies erschien den Babyloniern unwahrscheinlich. Wenn aber der Sommeranfang immer mit dem längsten Tag des Jahres zusammenfallen sollte, würde das bedeuten, daß die Sonne nicht durch die Sternbilder, die sie im Jahreslauf passiert, geprägt wird, denn in 2.000 Jahren stünde die Sonne zur Zeit des längsten Tages des Jahres am Beginn des Sternbildes Zwillinge.

Die Babylonier entwickelten daraufhin einen neuen Tierkreis, den tropischen Tierkreis (den auf die Jahreszeiten bezogenen Tierkreis), der auch in vielen Tausend Jahren noch mit den "Eigenschaften" der Sonne zusammenpassen würde.. Dieser tropische Tierkreis nahm (und nimmt) seinen Anfang da, wo die Sonne zu Frühlingsbeginn (dem Beginn des "natürlichen Jahreszeiten-Zyklus") tatsächlich steht, und teilt den Jahreslauf der Sonne in 12 gleiche Abschnitte von genau 30 Grad. Den Punkt der Ekliptik, an dem die Sonne zu Frühlingsbeginn steht, nennt man den Frühlingspunkt. Die Abschnitte dieses Tierkreises heißen nicht mehr die Sternbilder des Tierkreises (Tierkreis-Sternbilder) sondern die Tierkreiszeichen, denn es sind ja keine Bilder mehr, die diese Stationen kennzeichnen. Die Namen für die 12 Tierkreiszeichen übernahm man aus dem Tierkreis der Sternbilder, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich ja, wie gerade erklärt, die Tierkreiszeichen damals räumlich in etwa mit den Sternbildern deckten.

In der Reihenfolge, in der sie von der Sonne durchlaufen werden, heißen diese Tierkreiszeichen, wie den meisten bekannt: Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

Daß es genau 12 Tierkreiszeichen sind, hat übrigens seine Ursache vermutlich in den 12 Mondumläufen eines Jahres. Jedem Tierkreiszeichen entspricht ein Mondumlauf. Und unsere bürgerliche Zeitrechnung teilt bis heute Tag und Nacht in 12 Stunden.

Halten wir also fest:

Astrologen arbeiten mit dem tropischen Tierkreis. Dieser Tierkreis nimmt seinen Anfang da, wo die Sonne zu Frühlingsbeginn steht, dem Frühlingspunkt. Er teilt die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel, die Ekliptik, in zwölf gleich große Teile, die Tierkreiszeichen. Die Tierkreiszeichen haben ihre Namen mit den ebenfalls etwa in der Ebene der Ekliptik liegenden Sternbildern des siderischen Tierkreises gemeinsam. Zur Zeit der Babylonier, als der Beginn dieser beiden Tierkreise in etwa zusammenlag, war (aus eben diesem Grunde) eine Unterscheidung, welcher der beiden Tierkreise der tatsächlich "wirksame" ist, nicht möglich. Seit der Zeit der Griechen ist der tropische Tierkreis in Gebrauch.

Entgegen der Ansicht der Kritiker, die zu Beginn dieses Abschnitts vor-gestellt wurde, wissen Astrologen also sehr wohl, daß die Sonne zu Früh-lingsbeginn, wenn sie im Tierkreiszeichen Widder steht, nicht mehr im Sternbild Widder steht. Umgekehrt wissen die Damen und Herren Kritiker allerdings offensichtlich nichts von den zwei verschiedenen Tierkreisen, mit denen die Astrologen seit 2.000 Jahren arbeiten.

Da der Ort, an dem die Sonne zu Frühlingsbeginn steht, langsam gegen die Bewegungsrichtung der Sonne im Tierkreis (also gegen die Zählrichtung der Tierkreiszeichen) wandert, verschiebt sich der tropische Tierkreis (der seinen Anfang ja da nimmt, wo die Sonne zu Frühlingsbeginn steht) langsam gegen den siderischen Tierkreis. Man nennt diese Verschiebung Präzession, und ich will nun erläutern, wie es dazu kommt.

 

Die Präzession

 

Betrachten wir uns dazu nocheinmal das Abbild 8. Wenn sich die Erde im Abschnitt XII aufhält, dann weist die Nordhalbkugel der Erde zur Sonne und auf der Nordhalbkugel ist es Sommer. Das hatten wir festgestellt. Stellen Sie sich nun einmal vor, die Schrägstellung der Erdachse wäre nicht konstant, sondern die Erdachse selbst würde schwanken. Stellen Sie in Gedanken die Erdachse, die jetzt nach links geneigt ist, einfach um die gleiche Gradzahl (die gleiche Schräge) nach rechts. Offensichtlich wäre dann auf der Nordhalbkugel Winter, wenn sich die Erde im Abschnitt XII aufhält, Sommer dagegen wäre dann, wenn sich die Erde im Abschnitt VI aufhält. Frühling auf der Nordhalbkugel wäre entsprechend nicht mehr, wenn sich die Erde in Abschnitt IX aufhält, sondern dann, wenn sich die Erde im Abschnitt III aufhält. Hinter der Sonne würde also zu Frühlingsbeginn auch nicht mehr der Beginn der Sternbildes Widder, sondern der Beginn des Sternbildes Waage zu sehen sein.

Und genau das macht unsere Erdachse: Sie schwankt. Genauer: Wie ein Kinderkreisel, der langsam ausläuft, taumelt unsere Erdachse, so daß sich die Schrägstellung der Achse dauernd verändert, wenn auch nur sehr langsam. Im Laufe von etwa 26.000 Jahren vollführt unsere Erdachse eine vollständige "Taumeldrehung", steht also nach 26.000 Jahren wieder in der gleichen Schrägstellung (siehe Abbilder 13a,b,c).

[Picture Abbild 13a]Abbild 13a

[Picture Abbild 13b]Abbild 13b

[Picture Abbild 13c]Abbild 13c

 

Da von der Schrägstellung der Erdachse abhängt, wo sich der Frühlingspunkt am Himmel befindet, wandert mit der Taumeldrehung der Erdachse auch der Frühlingspunkt im Laufe von ca. 26.000 Jahren einmal durch den siderischen Tierkreis. Diese Zeit, die der Frühlingspunkt benötigt, den Tierkreis einmal ganz zu durchlaufen, nennt man ein Platonisches Weltenjahr. Die Zeit, die der Frühlingspunkt benötigt, um ein Sternbild des siderischen Tierkreises zu durchwandern, nennt man ein Zeitalter. Da der Frühlingspunkt derzeit vom Anfang des Sternbildes Fische rückwärts in das Sternbild Wassermann hineinläuft, spricht man heute vom beginnenden Wassermannzeitalter. Da die Sternbilder, im Gegensatz zu den ideel bestimmten Tierkreiszeichen, verschieden groß sind, haben die Zeitalter eine unterschiedliche Länge.

 

Kapitel 3.5:

Ein Horoskop entsteht

 

Zunächst möchte ich, für den Rest dieses Buches, folgendes festlegen:

Wann immer der Name eines Tierkreisabschnitts genannt wird, ist damit das Tierkreiszeichen des tropischen Tierkreises gemeint. Sollte ein Sternbild des siderischen Tierkreises gemeint sein, wird dies ausdrücklich hervorgehoben. In den nun folgenden Grafiken wird aus Gründen der Einfachheit zwischen Tierkreiszeichen und Sternbild nicht unterschieden: Es wird also so getan, als befände sich das Sternbild Widder an derselben Stelle des Raumes wie das Tierkreiszeichen Widder. Für die Darstellung des Entstehungsprozesses eines Horoskops ist der Unterschied zwischen Sternbild und Tierkreiszeichen auch nicht von Belang.

Ein Kind wird geboren. Der "erste Schrei", das Öffnen der Lungen, wird als Zeit der Geburt festgehalten. Stellen wir uns vor, in diesem Moment des ersten Schreis könnte der "Haus-Astrologe", ohne optische Beeinträchtigungen durch Wolken und Luftverschmutzungen, den Himmel betrachten . Er möge so aussehen wie in Abbild 14:

[Picture Dia 14]Abbild 14

 

Im Osten sehen wir den Skorpion gerade aufgehen, im Zenith sehen wir den Löwen und im Westen sehen wir den Stier gerade untergehen. Wir haben ein Formblatt dabei und übertragen nun einfach diese Beobachtung in unser Formblatt, wie dies in Abbild 15 geschehen ist.

[Picture Dia 15]Abbild 15

 

Die Linie A - D (Aszendent - Deszendent) symbolisiert unseren Horizont . MC bedeutet Himmelsmitte und entspricht dem Mittagsstand der Sonne, IC entsprechend Himmelstiefe und entspricht dem Mitternachtsstand der Sonne.

Der Aszendent ist also der Punkt des Tierkreises, der im Moment der Geburt gerade im Osten aufgeht. Astronomisch formuliert: der Schnittpunkt zwischen Horizont und Ekliptik. Das Medium Coeli ist der Punkt des Tierkreises, der im Moment der Geburt am höchsten über dem Horizont steht. Astronomisch formuliert: der Schnittpunkt des Meridians, das ist der Längengrad des Ortes, an dem ich mich gerade befinde, mit der Ekliptik.

Das Abbild 15 zeigt zunächst den reinen Fixsternhimmel ohne Planeten. Im Abbild 16 sehen wir nun noch die Planeten dazugezeichnet.

[Picture Dia 16]Abbild 16

 

In diesem fiktiven Geburtsmoment sei der Mond im Skorpion gerade aufgegangen (der schwarze Kreis links im Bild), die Sonne möge sich in der Jungfrau befinden. Unser geübtes Auge möge den Planeten im Löwen als Jupiter identifizert haben, und den schwach rötlich schimmernden Planeten im Stier, kurz vor dem Untergang, selbstverständlich als Mars. Aus der kontinuierlichen Himmelsbeobachtung möge schließlich für uns ableitbar sein, daß der leuchtende Fleck in der Waage (mit Pfeil gekennzeichnet) in Wirklichkeit aus zwei Planeten besteht, die jetzt so nahe beieinander stehen, daß unser Auge sie nicht mehr unterscheiden kann: seien es Venus und Merkur. Die Planeten unterhalb des Horizonts sind für uns in diesem Moment nicht sichtbar. Doch durch die kontinuierliche Beobachtung des Himmels wissen wir, daß Uranus sich derzeit im Steinbock, Saturn in den Fischen und Pluto im Widder aufhalten. Wir tragen all diese Positionen, teilweise wie beobachtet, teilweise aus unserem Gedächtnis, in unser Formblatt ein und erhalten eine Zeichnung wie in Abbild 17.

[Picture Dia 17]Abbild 17

 

In dieser Grafik sehen wir die Verteilung der Planeten bezüglich ihrer täglichen Bahn (Stellung zur Horizont-Linie) und bezüglich ihrer Stellung im Tierkreis. Damit haben wir das Protokoll unsere Beobachtungen des Himmels abgeschlossen. Das Horoskop ist damit allerdings noch nicht vollständig fertiggestellt. In einem nächsten Schritt versuchen wir nun, die Gestalt dieser Konstellation herauszuarbeiten, d. h. wir ermitteln die geometrischen Beziehungen der Planeten untereinander und zu den Kardinalpunkten (Aszendent, MC, Deszendent und IC).

 

Die astrologischen Aspekte

 

Die Planeten in der Abbildung 17 bilden paarweise ganz unterschiedliche Winkel miteinander. Da die Tierkreiszeichen alle gleich groß sind (genau 30 Grad), kann man den Winkelabstand zwischen den Planeten gut schätzen. Mond und Uranus z. B. stehen etwa 90 Grad voneinander entfernt. Am Anfang des Skorpions steht der Mond, danach folgt das Zeichen Schütze und am Ende des Steinbocks steht dann der Uranus.

Für den Astrologen sind nun ganz bestimmte Winkelbeziehungen zwischen den Planeten von Bedeutung. Neben dem Beieinanderstehen zweier Planeten (man nennt das eine Konjunktion), sind es vor allem die Winkel, die sich aus der Teilung des Kreises durch zwei, drei und vier ergeben, d. h. also Winkel von 180 Grad, 120 Grad und 90 Grad. Stehen zwei Planeten in einem solchen Winkel zueinander, dann sagt man, sie bilden einen Aspekt miteinander. Viele Astrologen nehmen außerdem diejenigen Winkel hinzu, die aus der Halbierung der gerade genannten Winkel hervorgehen (also 60 Grad und 45 Grad), und bei dem Winkel von 45 Grad noch den Komplementärwinkel (den Ergänzungswinkel zu 180 Grad, also 135 Grad), weil auch 60 Grad und 120 Grad Komplementärwinkel sind. Diese Winkel werden dann Halbaspekte genannt.

Da sich die Planeten beständig bewegen, stehen zwei Planeten ja nur für einen bestimmten Zeitpunkt wirklich exakt in einem bestimmten Winkel zueinander. Es ist also notwendig, festzulegen, bis zu welcher Abweichung von dem exakten Winkelmaß ein Winkel als "wirksam" betrachtet werden soll (je kleiner man diese Abweichung wählt, umso kürzer der Zeitraum, während dessen die zwei Planeten dann einen Aspekt bilden). Würde man z. B. eine Abweichung von einem Grad zulassen, dann würde ein 90-Grad-Winkel zwischen 89 Grad und 91 Grad als "wirksam" betrachtet werden. Die erlaubte Ungenauigkeit eines Aspektes nennt man ganz allgemein den Orbis. Astrologen sind sich sehr uneinig darüber, wieviel Ungenauigkeit erlaubt sein sollte. In anderen Worten: Wie genau muß ein Winkel sein, daß er wirkt? Als einen ersten groben Anhaltspunkt gehen wir in unseren Beispielen einmal davon aus, daß bis zu einer Ungenauigkeit von etwa 5 Grad eine Aspekt noch "wirksam" ist.

Wenn zwei Planeten im Aspekt zueinander stehen, wird das in der Zeichnung durch eine Linie zwischen diesen beiden Planeten kenntlich gemacht, wie wir dies in 18 sehen.

[Picture Dia 18]Abbild 18

 

Jeder Aspekt hat einen Namen, der von der Figur, die die Verbindungslinien im Kreis erzeugen, abgeleitet ist. Kennengelernt hatten wir schon die Konjunktion, das Zusammenstehen zweier Planeten. Auch ein Winkel von 180 Grad führt nicht zu einer Figur, sondern nur zu einer Geraden. Man nennt diesen Winkel eine Opposition, weil die zwei Planeten sich gegenüberstehen. Ein Winkel von 120 Grad nennt man ein Trigon, weil drei solcher Winkel aneinandergereiht sich zu einem Dreieck ergänzen. Entsprechend heißt ein 60-Grad-Winkel ein Sextil, der 90-Grad-Winkel Quadrat und der 45-Grad-Winkel Halbquadrat. Der Ergänzungswinkel zum Halbquadrat, der Winkel von 135 Grad, heißt Eineinhalbquadrat.

In Abbild 18 sehen wir zwei Arten von Aspektlinien, durchgezogene und gestrichelte. Astrologen unterteilen die Aspekte in zwei große Klassen: Die auf der Teilung des Kreises durch zwei und vier basierenden Aspekte, also Opposition, Quadrat, Halb- und Eineinhalbquadrat, heißen die analytischen Aspekte. Früher nannte man diese Aspekte einfach die disharmonischen oder gar die schlechten Aspekte. Im folgenden Kapitel wird deutlich werden, warum diese letzten Bezeichnungen unangemessen sind.

Die auf der Teilung des Kreises durch drei und Sechs basierenden Aspekte, also Trigon und Sextil, heißen die synthetischen Aspekte. Früher nannte man diese Aspekte einfach die harmonischen oder gar die guten Aspekte.

In der Zeichnung sind nun die analytischen Aspekte durch eine durchgezogene Linie kenntlich gemacht, die synthetischen dagegen durch eine gestrichelte Linie. Dies ist aus drucktechnischen Gründen so gewählt. Ein von einem Astrologen gezeichnetes Horoskop ist in der Regel dreifarbig. Dort werden die analytischen Aspekte rot und die synthetischen Aspekte blau eingezeichnet.

 

Das letzte der vier grundlegenden Strukturmerkmale eines Horoskops: Die Felder (oder Häuser)

 

Ausgehend vom Aszendenten wird das Horoskop, analog den 12 Tierkreiszeichen, in 12 Abschnitte unterteilt, die man Felder oder Häuser nennt. Während die Tierkreiszeichen die Revolution der Erde um die Sonne in 12 Abschnitte unterteilen, unterteilen die Felder die Rotation der Erde in 12 Abschnitte. Die Wahl der Zahl 12 bei der Unterteilung des Jahrelaufs ist bedingt durch die 12 vollen Mondumläufe in einem Jahr. Der Unterteilung des Tageslaufs in 12 Doppelstunden (jeweils einer Tag- und einer Nachtstunde) liegt kein vergleichbarer astronomischer Rhythmus zugrunde, der erklären könnte, wie es zur Wahl der Zahl 12 gekommen ist. Die Zahl der Teilungen wurde offensichtlich analog von der Teilung der Ekliptik in 12 Tierkreiszeichen übernommen. Die "Wirksamkeit" der unterschiedlichen Stellung der Planeten im Tageslauf haben wir, zumindest bezogen auf die vier Kardinalpunkte, bereits zu Beginn dieses Kapitels kennengelernt: Die Feldereinteilung ist eine feinere Unterteilung des Rhythmus von Aufgang, Kulmination und Untergang, so wie die Tierkreiszeichen eine feinere Unterteilung des Jahreszeiten-Rhythmus darstellen.

Es sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, daß sich die Astrologen über die Methode der Unterteilung der Tagesbewegung der Gestirne nicht einig sind. Entsprechend gibt es, seit dem Mittelalter, unterschiedliche Felder- oder Häusersysteme. Am weitesten verbreitet in das System des Placidus, das auch der Unterteilung in Abbild 18 zugrunde liegt.

In Abbild 18 sehen wir in der Tat diese Häuser bereits eingezeichnet, sehen also die vollständige Horoskop-Zeichnung. Diese Zeichnung ist die Grundlage für die Deutung des Astrologen.

Diese Zeichnung ist objektiv in dem Sinne, daß es sich um die Dokumentation astronomischer Sachverhalte handelt. In dieser Zeichnung ist, sieht man einmal von der Berechnungsmethode für die Berechnung der Felder ab, keine Interpretation enthalten. Jeder, der die Methoden der Berechnung der Planetenpositionen beherrscht, kommt zum gleichen Resultat, ob er nun an die Astrologie glaubt oder nicht.

Diese Zeichnung wird daher häufig auch von einem Computer berechnet und, neuerdings, auch gezeichnet. Sie ist, wie eingangs erwähnt, eine Art Himmelskarte, nicht mehr. Sie zeigt die Stellung der Gestirne unseres Sonnensystems für einen bestimmten Zeitpunkt (beim Radix-Horoskop dem Geburtsmoment), betrachtet vom Standort des Beobachters (beim Radix-Horoskop dem Geburtsort).

Die Arbeit des Astrologen besteht darin, diese Zeichnung zu deuten. Jedes Merkmal dieser Zeichnung ist Träger einer symbolischen Bedeutung, vergleichbar den Merkmalen einer Schrift, die vom Graphologen symbolisch gedeutet werden. Ich möchte nun deutlich machen, wie ungeheuer komplex dieses Strukturbild tatsächlich ist. Ich hoffe, dadurch endgültig deutlich machen zu können, wie unsinnig die im ersten Kapitel erwähnte Vulgär-Astrologie tatsächlich ist.

In der Vulgär-Astrologie wird ein Merkmal des Horoskops für die Deutung herangezogen, das tatsächlich auch ein wichtiges Merkmal ist: die Stellung der Sonne im Tierkreis. Die "Sternzeichen" genannte Zuordnung der Menschen zu den 12 Typen erfolgt auf der Basis der Stellung der Sonne in den 12 Tierkreiszeichen. Die Vulgär-Astrologie hat also, das muß man zugeben, einen echten astrologischen Kern. Doch welch ein Unsinn, auf der Basis dieses einen Merkmals allein eine astrologische Zuordnung eines Menschen zu einem bestimmten Charakterbild vornehmen zu wollen.

Die Horoskop-Zeichnung, die wir hier in Abbild 18 sehen, ist dagegen so individuell, wie der Fingerabdruck eines Menschen. Im Laufe von Jahrtausenden gibt es praktisch nie wieder genau dieselbe Konstellation. Jede Konstellation ist praktisch einmalig. Und je nachdem, an welchem Ort auf der Erde ich mich befinde, werden die Planeten unterschiedlich auf die Felder verteilt. Das fiktive Kind, daß hier zur Welt kam, wurde etwa um die Mittagszeit geboren, denn die Sonne steht nahe der Himmelsmitte. Selbst wenn zur gleichen Minute ein Kind an einem anderen Ort der Erde geboren worden sein sollte: sein Horoskop sieht anderes aus, denn an einem anderen Ort liegt der Horizont anders, also haben wir einen anderen Aszendenten und auch die Sonne steht nicht mehr in der Himmelsmitte.

Wie individuell dieses Horoskop ist, soll an einem kleinen Zahlenbeispiel deutlich werden. Da die Sonne im Laufe eines Jahres einmal durch den ganzen Tierkreis wandert, hält sie sich in jedem Tierkreiszeichen für etwa einen Monat auf (dies entspricht ja, wie erwähnt, der vulgär-astrologischen Einteilung in die sog. "Sternzeichen"). In einem Monat aber läuft der Mond, wie bereits erwähnt, einmal ganz durch den Tierkreis. Das bedeutet, daß es zu jeder Sonnenstellung in einem der 12 Tierkreiszeichen 12 Varianten gibt, je nachdem, in welchem Tierkreiszeichen sich der Mond während dieses Monats (die die Sonne in einem Zeichen verweilt) gerade befindet. Wenn wir also Sonne und Mond kombinieren, dann haben wir 12 x 12 verschiedene Typen: Zu jedem Sonnen-Typen zwölf Untertypen analog der Mondposition im Tierkreis. Der Aszendent nun, abhängig von der täglichen Drehung der Erde, bewegt sich jeden Tag einmal ganz durch den Tierkreis, so daß wir zu jeder dieser 144 Sonne-Mond-Kombinationen 12 Varianten analog den 12 Positionen des Aszendenten im Tagesverlauf haben. Allein die Kombination von Sonne, Mond und Aszendent führt also zu 144 x 12 = 1728 verschiedenen Persönlichkeits-Strukturen.

Wenn wir diese Rechnung fortsetzen und alle Kombinationsmöglichkeiten berechnen, die sich aufgrund der Stellung von 10 Gestirnen in 12 Tierkreiszeichen und, davon weitgehend unabhängig, 12 Felder ergeben, ergänzt um das Vorhanden-Sein oder Nicht-Vorhandensein bestimmter Winkelbeziehungen (Aspekte), dann ergeben sich etwa

1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000
Kombinationsmöglichkeiten. Eine derart feine Abstufung bietet kein Testverfahren und keine sog. Testbatterie, die ein Psychologe einsetzen könnte.

 

Wie kann man derart feine Unterschiede denn überhaupt in der Deutung dann noch erfassen?

 

Bei näherer Überlegung folgt aus dieser Rechnung allerdings ein gravierendes Problem, das ich wieder durch einen Vergleich verdeutlichen möchte:

Mein Computer-Bildschirm gestattet die Darstellung von mehr als einer Million verschiedenen Farbtönen. Ich bin mir nicht sicher, wie viele verschiedene Farbtöne mein Auge überhaupt unterscheiden kann, aber ich weiß ziemlich sicher, daß ich vielleicht 100 Worte habe, um Farbtöne zu kennzeichnen.

Die Deutung eines Horoskops ist vergleichbar einer Bildbeschreibung: Einem Menschen, der nichts von Astrologie versteht, ein Horoskop deuten, ist vergleichbar dem Versuch, einem Menschen, der erblindet ist, in Worten die Farbnuancen eines impressionistischen Gemäldes zu vermitteln. Die sprachliche Vermittelbarkeit sehr feiner Unterschiede hat Grenzen, und auch bei der Deutung eines Horoskops werden die feinen Strukturen bei der Vermittlung notwendigerweise vergröbert - aber nicht nur bei der Vermittlung: Es ist ja nicht nur schwierig, solch feine Schattierungen in Worte zu fassen. Die meisten Menschen sind gar nicht in der Lage, so feine Schattierungen der Wesensart von Menschen überhaupt wahrzunehmen. Die Art und Weise, wie wir in unseren Gedanken und Gefühlen ander Menschen und uns selbst charakterisieren, gleicht schon eher einem Holzschnitt-Bild als einem Gemälde.

So stehen also der ungeheuren Vielfalt der astrologischen Kombinationsmöglichkeiten nur begrenzte sprachliche Möglichkeiten der Vermittlung dieser Vielfalt gegenüber.

 

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