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Autor: Dr. Peter Niehenke
Bei dieser Einführung in die Astrologie handelt es sich um Auszüge aus dem Buch von Dr. Peter Niehenke: "Astrologie - Eine Einführung" (Reclam-Verlag 1994 - ISBN 3-15-007296-4). Auf astrologix veröffentlicht mit frdl. Genehmigung des Autors.

Astrologie - Eine Einführung:


Kapitel 2:

Einleitung

 

Die Psychologie beschäftigt sich als Wissenschaft mit dem Erleben und Verhalten von Menschen . Die Astronomie beschäftigt sich mit den Himmelskörpern: zunächst mit ihrer Lage am Himmel und ihrer unterschiedlichen Helligkeit (Sternenatlas), dann mit ihren Bewegungen und ihren (physikalischen) Eigenschaften. In der Astrologie werden nun Teilbereiche dieser beiden Wissenschaften verbunden. Es sind zwei Wissenschaften, die, betrachtet aus unserer gewohnten Perspektive (wie wir sie in der Schule gelernt haben), nur sehr wenig miteinander zu tun haben. Das ist das Provozierende an der Astrologie: Auf der einen Seite sind Ansammlungen von Steinen oder heißen Gasen, die, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, ihre Bahnen ziehen. Auf der anderen Seite ist der lebendige Mensch; und die Gesetze, die sein Verhalten bestimmen, sind doch wirklich von einer ganz anderen Art als die "einfachen Gesetze" der Schwerkraft. Wie kann man nur zwei so grundverschiedene Phänomene miteinander in Beziehung bringen wollen? In diesem Kapitel will ich mich bemühen, möglichst anschaulich zu erklären, daß diese Verbindung durchaus sinnvoll ist.

 

Kapitel 2.1:

Ko(s)misches Wetter

 

Im vorangegangenen Kapitel habe ich die Astrologie, um die es in dieser Schrift gehen soll, "psychologische Astrologie" genannt, und dies hauptsächlich damit begründet, daß Astrologie in erster Linie eine Typologie menschlicher Charaktere sei. Dies ist richtig, um die Art der Aussagen zu charakterisieren, die astrologisch möglich sind. Astrologie hat ihren Namen allerdings, wie gerade beschrieben, daher, daß sie einen Zusammenhang herstellt zwischen solchen Aussagen und der Stellung der Gestirne. Die Kritik an der Astrologie bezieht sich nicht hauptsächlich darauf, ob ihre Typologie sich gut zur Beschreibung menschlicher Empfindungs- und Verhaltensweisen eignet. Kritisiert wird die Behauptung, daß bestimmte Eigenschaften an der Stellung der Gestirne ablesbar seien.

Die Astrologie besteht, genau genommen, aus drei Elementen:

  • Das astronomische Element wird in Kapitel 3 ausführlich behandelt.
  • Das "psychologische" Element bzw. das astrologische Deutungs-System, wird in den Kapitels 4 und 5 ausführlich behandelt.
  • In diesem Kapitel geht es um das verbindende Element, das für die Astrologie charakteristische Element, bei dem auch der "wissenschaftlich denkende Mensch" die größten Verständnisprobleme hat: die Verbindung des Zustands unseres Sonnensystems zu einem bestimmten Zeitpunkt -eine rein astronomische Gegenbenheit- und den Eigenheiten eines Menschen, der zu diesem Zeitpunkt geboren wird -eine psychologisch-medizinische Gegebenheit.

     

  • Ich will daher jetzt präzisieren, wie dieser Zusammenhang zwischen dem Wesen eines Menschen und der Stellung der Gestirne gemeint ist, und außerdem, wie man sich einen solchen Zusammenhang evtl. vorstellen ("erklären") könnte.

     

    Der Grundgedanke der Astrologie

     

    Wenn man sich nicht unzulässiger Vereinfachungen schuldig machen will, kann man heute allerdings noch nicht definitiv festlegen, was Astrologie eigentlich ist. Um dies festlegen zu können, müßte man verstanden haben, worauf sie eigentlich basiert, welcher Art Zusammenhang dieser "Zusammenhang zwischen Kosmos und Bios" ist. Diese Frage können wir aber (noch) nicht beantworten. Wir wissen bis heute eigentlich nur eines (relativ) sicher: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Stellung der Gestirne im Moment der Geburt eines Menschen und den Charaktereigenschaften dieses Menschen. Nach Meinung einiger führender Wissenschaftler ist dies mittlerweile eine wissenschaftliche Tatsache - auch wenn wir nicht genau wissen, von welcher Natur dieser Zusammenhang ist, wie wir uns also einen solchen Zusammenhang erklären könnten. Ich kann also hier nur ein Denkmodell vorstellen, ein Modell, das allerdings zu einem gewissen Teil auch wissenschaftlich abgesichert ist.

    Ich beginne mit einer etwas abstrakt klingenden Definition:

    Astrologie ist, in allgemeinster Form ausgedrückt, die Deutung räumlicher Verhältnisse und zeitlicher Abläufe in unserem Sonnensystem. Sie basiert auf der Grundannahme, daß die sich aus solchen Verhältnissen ergebenden Rhythmen in Zusammenhang stehen mit physikalischen, biologischen und psychischen Abläufen in Organismen auf der Erde.

    Wenn ein Kind geboren wird, so die Überzeugung der Astrologen, dann erfolgt die Geburt eingebettet in solche kosmischen Rhythmen. Eine Geburt erfolgt also nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt, sondern sie erfolgt dann, wenn die Konstellationen passend sind. Ein Zitat aus einem Buch des amerikanischen Arztes Arnold LIEBER, der sich mit möglichen Einflüssen des Mondumlaufs auf Organismen beschäftigt hat, mag dies verdeutlichen:

    "Schalentiere in Gezeitengewässern könnten ihr Zeitmaß dem Gezeitenwechsel entnehmen, oder sie könnten es auf andere Weise erhalten. Um die Rhythmisierung durch die Gezeiten zu untersuchen, ließ Dr. Brown für sein Labor in Evanston Austern von der Küste Connecticuts einfliegen. Von den Austern war bekannt, daß sie ihre Schalen bei Flut öffneten. Im Laboratorium wurden die Versuchtsbedingungen so sorgsam wie möglich überwacht. Keine äußeren Einflüsse durften zu den Austern in ihre Seewasser-Behälter gelangen. In der ersten Woche öffneten die Austern ihre Schalen zu den Zeiten, während derer auf ihren angestammten Bänken in Connecticut Fluten eintraten. Sie setzten ihren gewohnten Rhythmus fort. Nach Ablauf von zwei Wochen änderte sich allerdings ihr zeitliches Verhalten. Nun öffneten sie ihre Schalen, wenn der Mond im Zenith ihrer neuen Heimatstatt in Illinois stand. Wäre Evanston eine Küstenstadt, dann träte zu dieser Zeit die Flut ein."

    Wir haben hier ein solches Eingebettet-Sein in kosmische Rhythmen. Wegen des Zusammenhangs von Mondstellung und Gezeiten (siehe Abbild 1) steht uns dafür allerdings auch eine naheliegende Erklärung zur Verfügung. Erstaunlich ist aber, daß die Austern als Zeitgeber nicht direkt auf den Wechsel von Ebbe und Flut reagieren (einen solchen Wechsel gab es in den Seewasser-Behältern ja nicht), sondern auf die Stellung des Mondes.

    Astrologen sind nun davon überzeugt, daß in einer weit komplizierteren und weniger augenfälligen Weise alle lebenden Organismen in die verschiedensten kosmischen Rhythmen eingebettet sind, also nicht allein in Rhythmen, die durch den Mond erzeugt werden (Gezeiten ) oder die durch die Stellung der Erde zur Sonne erzeugt werden (Jahreszeiten).

    Das Experiment von Dr. Brown zeigt, daß Organismen auf "kosmische Auslöse-Reize" reagieren, in diesem Fall auf die Stellung des Mondes. Der Astrologe stellt nun folgende Arbeits-Hypothese auf:

    Jeder Organismus reagiert auf kosmische Reize gemäß seiner "Art", gemäß seiner "Veranlagung": eine Muschel anders als ein Rind und dieses anders als ein Mensch. Und auch die Menschen reagieren, je nach Veranlagung, unterschiedlich. Daß Menschen auf kosmische Reize unterschiedlich reagieren, ist plausibel, denken wir zum Vergleich an die Wetterfühligkeit, die bei verschiedenen Menschen sehr verschieden ausgeprägt ist. Ähnlich wie bei der unterschiedlichen Reaktion auf elektromagnetische "Stürme" in der Atmosphäre, die vermutlich für die Wetterfühligkeit verantwortlich sind, kann man sich vorstellen, daß bestimmte Organismen von dem einen kosmischen Reiz eher aktiviert werden, von einem anderen eher gedämpft. Und es ist ebenso denkbar, daß ein anderer Organismus auf die gleichen Reize anders reagiert. (Für die Austern ist es sinnvoll, auf den kosmischen Reiz "Mond im Zenit" mit der Öffnung ihrer Schalen zu reagieren.)

    Durch Forschungen an der Universitäts-Frauen-Klinik in München wissen wir nun seit etwa einem Jahrzehnt, daß bei einer Geburt der Fötus selbst durch die Ausschüttung eines Hormons den Geburtsvorgang einleitet. Auch Föten reagieren, ihrer Veranlagung gemäß, unterschiedlich auf kosmische Auslöse-Reize: Der eine Fötus reagiert vielleicht auf die Stellung des Mondes im Zenith mit Aktivität, der andere wird dadurch "beruhigt". Der dritte reagiert vielleicht auf die Stellung von Mars im Zenith mit Aktivität, und wenn er biologisch reif ist zur Geburt, dann ist es vielleicht genau die Art von Aktivität, die den Geburtsvorgang einleitet. Es wäre also denkbar, daß bestimmte Konstellationen bestimmte Föten zur Ausschüttung des geburtseinleitenden Hormons anregen, in anderen Worten: daß bestimmte Konstellationen bei ganz bestimmten Föten (solchen nämlich, die aufgrund ihrer Veranlagung auf diese Reize "ansprechen") die Einleitung einer Geburt "stimulieren".

    Wir könnten nun Menschen in verschiedene Gruppen einteilen: Eine Gruppe von Menschen, die geboren wurde, als der Mond gerade im Zenit stand (vielleicht haben solche Menschen ja etwas mit Austern gemeinsam...), eine andere Gruppe, die geboren wurde, als der Mars gerade im Zenit stand, usw. Jede dieser Gruppen hätte etwas gemeinsam: eine "Sensibilität" für den kosmischen Auslöse-Reiz des entsprechenden Gestirns. Man könnte dann untersuchen, ob Menschen, die eine solche "Sensibilität" teilen, auch noch andere Ähnlichkeiten haben.

    Wenn dem so wäre, dann würde das bedeuten, daß ähnliche Menschen dazu tendieren, unter ähnlichen Konstellationen geboren zu werden, weil sie im Stadium des reifen Fötus durch ähnliche Konstellationen dazu stimuliert werden können, den Geburtsvorgang einzuleiten. Wenn aber ähnliche Menschen dazu tendieren, unter ähnlichen Konstellationen geboren zu werden, dann darf man umgekehrt beim Vorliegen ähnlicher Konstellationen vermuten, daß es sich auch um ähnliche Menschen handelt. Und das ist die Überzeugung der Astrologen.

    Ich möchte an dieser Stelle besonders hervorheben, daß durch die Stellung der Gestirne nicht etwa die Eigenheiten eines Menschen bestimmt (verursacht, geprägt) werden. Die Eigenschaften eines Menschen werden durch Vererbung und biologische Einflüsse während der Schwangerschaft festgelegt. Aufgrund dieser (durch die Vererbung und sonstige Einflüsse festgelegten) Veranlagung reagiert er auf kosmische Reize individuell, seiner Art gemäß. An dieser Reaktion kann man ablesen, wer er ist:

    Ein Mensch verrät seine Natur durch seine Vorliebe für einen bestimmten Geburts-Augenblick. Das ist der Grundgedanke der Astrologie.

    Die Vorstellung, daß die Aussagemöglichkeiten der Astrologie auf einer Sensibilität der Organismen für kosmische Rhythmen beruhe, löst ein im Zusammenhang mit der Astrologie häufig diskutiertes Problem: Es geht um die Frage, ob es nicht eine zwingende Konsequenz der Wahrheit der astrologischen Lehre wäre, daß wir, daß unser Schicksal schon bei der Geburt vollständig festgelegt sei (das Problem der "Willensfreiheit"). Im Lichte der gerade beschriebenen Vorstellung ist unser Leben zwar eingebettet in kosmische Rhythmen, ist aber durch diese Rhyhtmen nicht vollständig determiniert, genau so wenig wie wir durch den Tag-Nacht-Rhythmus in unserem Schlafverhalten determiniert sind oder wie Winterschläfer durch den Jahreszeiten-Rhythmus im Winter zum Schlafen determiniert sind. Winterschläfer haben aber eine Neigung, im Winter zu schlafen! - Auf diese Weise bekommt der im ersten Abschnitt bereits zitierte Satz von THOMAS VON AQUIN: "Die Sterne machen geneigt, sie zwingen nicht", eine anschauliche Bedeutung.

     

    Kapitel 2.2:

    Die Bedeutung des Geburtsaugenblicks und einer "natürlichen Geburt"

     

    In dem Experiment von Dr. Brown öffneten die Austern ihre Schalen, wenn der Mond im Zenith ihrer neuen Heimatstatt in Illinois stand. Wenn die Sonne im Zenith steht, nennen wir das "Mittag". Das ist ein bestimmter Abschnitt des Tages, genauer: ein bestimmter Zeitpunkt am Tag. Die Sonne "wandert" dann weiter und geht abends im Westen unter. Die Stellung der Sonne zum Horizont hängt also vom Zeitpunkt ab, den ich betrachte. Dies gilt auch für den Mond und alle anderen Gestirne.

    Da es für einen Astrologen u. a. wichtig ist, welches Gestirn im Moment der Geburt gerade im Zenith stand, ist er darauf angewiesen, die genaue Geburtszeit zu kennen. Da ein Gestirn alle 4 Minuten durchschnittlich einen Grad am Himmel weiterwandert, sollte die der Berechnung zugrundeliegende Zeit von der wirklichen Geburtszeit nicht um mehr als etwa 10 Minuten abweichen.

    Da die Geburtszeit in Deutschland seit 1898 amtlich festgehalten werden muß und ins Geburtsregister eingetragen wird, stellt es für Deutsche kein Problem dar, die eigene Geburtszeit, seit 1950 meist sogar minutengenau, in Erfahrung zu bringen. Ähnliches gilt für die meisten europäischen Länder (England ausgenommen). Vorsicht ist geboten bei Geburtszeiten, die aus der Erinnerung der Eltern stammen: Jede zweite dieser Geburtszeiten ist fehlerhaft (weicht um bis zu 12 Stunden von der amtlich festgehaltenen Geburtszeit ab), selbst bei Einzelkindern.

    "Ein Mensch verrät seine Natur durch seine Vorliebe für einen bestimmten Geburtsaugenblick", hatte ich im vorherigen Abschnitt zusammenfassend den Grundgedanken der Astrologie beschrieben. Es ist eine naheliegende und auch vieldiskutierte Frage, welchen astrologischen Wert dann eine Geburtszeit hat, die, etwa bei einer Kaiserschnitt-Geburt, willkürlich von einem Arzt festgelegt wurde.

    Wenn der Zusammenhang zwischen kosmischen Rhythmen und biologischen Rhythmen, wie in der Arbeits-Hypothese im vorherigen Abschnitt postuliert, auf einer Sensibilität der Organismen für kosmische Reize beruht, dann kann ein willkürlich festgelegter Geburtszeitpunkt astrologisch keine Aussagekraft mehr haben: Der Geburtsaugenblick wird nicht mehr festgelegt durch die Reaktion des Fötus auf den "passenden" kosmischen Stimulus sondern durch den Dienstplan des amtierenden Arztes.

    Eine ähnliche Argumentation gilt auch für Geburten, die durch Gabe von sog. Wehenmitteln medikamentös eingeleitet wurden, was heutzutage bei sehr vielen Geburten der Fall ist . Entgegen dem Bemühen der Ärzte sind aber die Geburtszeitpunkte durch Wehenmittel keineswegs präzise steuerbar. Hier spielt die Eigendynamik der Intereaktion der beiden Organismen von Mutter und Kind doch noch eine große Rolle. Aus diesem Grunde sind die Geburtszeiten bei medikamentös eingeleiteten Geburten mit Einschränkungen astrologisch verwertbar.

    Diese Argumentation wird dem kritischen Leser sicher zunächst rätselhaft sein: Entweder ist die Geburtszeit richtig oder sie ist falsch - entweder ein Kind wurde mit Mond im Zenith geboren oder aber, im Falle einer anderen Geburtszeit, mit Mars oder Venus oder einem anderen Planeten im Zenith. Wie will ich zwischen diesen Möglichkeiten entscheiden, wenn die Geburtszeit "mit Einschränkungen" verwertbar ist?

    Um diese Argumentation verstehen zu können, muß man wissen, daß die Konstellation der Gestirne in jedem Moment eine Gestalt bildet. In Wahrheit würde ein Astrologe nicht ein isoliert betrachtetes einzelnen Merkmal, etwa "Mond im Zenith", deuten, sondern viele verschiedene Faktoren, die im Gesamtzusammenhang gesehen werden müssen. (Auch ein Arzt wird ja bei einer medizinischen Diagnose nicht nur den Blutdruck messen.) Und diese verschiedenen Gestalten, die die Konstellationen der Gestirne jeden Moment immer neu bilden, ähneln sich, in einem unregelmäßigen Rhythmus, in kürzeren und längeren Abständen immer wieder:

    Die Konstellation der Gestirne verändert sich, wie wir in Kapitel 3 noch genauer sehen werden, in übereinandergelagerten Zyklen (die tägliche Drehung der Erde um sich selbst ist die Ursache für den Auf- und Untergang der Gestirne, die jährliche Drehung der Erde um die Sonne die Ursache für die Jahreszeiten usw.). Das hat zur Folge, daß zwei Konstellationen, die um mehrere Stunden differieren, verschiedener sein können, als zwei Konstellationen, die genau um 24 Stunden differieren. Stellen Sie sich z. B. eine Mittags-Konstellation an einem beliebigen Tag vor. Welchen Tag wir auch immer wählen: Am Mittag steht die Sonne im Zenith (das ist ja mit Mittag gemeint). Genau 24 Stunden später steht sie wiederum im Zenith. Bezogen auf diesen Faktor ist die Konstellation nach genau 24 Stunden also ähnlicher als etwa nach 2 Stunden (dies gilt für alle täglichen Rhythmen), denn nach 2 Stunden steht die Sonne eben nicht mehr im Zenith (wo sie nach genau 24 Stunden aber wieder steht).

    Andererseits wissen wir, daß nicht nur die Stellung eines Gestirns im Zenith, sondern auch am Auf- oder Untergangspunkt eine besondere Bedeutung hat (analog dem Auf- und Untergang der Sonne): Stellen wir uns vor, ein Fötus wäre "eigentlich" geboren mit der Sonne im Zenith. Nun wurde aber die Geburtszeit durch Gabe von Wehenmitteln verändert. Etwa 6 Stunden vor diesem Zeitpunkt war bereits ein ähnlicher kosmischer Reiz (die Sonne ging gerade auf) und etwa 6 Stunden später wird wiederum ein ähnlicher sein (die Sonne geht gerade unter). Das bedeutet also, daß sich nicht nur alle 24 Stunden, sondern auch innerhalb eines Tages immer wieder ähnliche Konstellationen bilden.

    Ein Fötus, der besonders empfänglich wäre für den kosmischen Reiz "Mond im Zenith", wäre, abgeschwächt, auch für den Reiz "Mond gerade aufgehend" empfänglich. Denken Sie an das Experiment mit den Austern: Der Mond im Zenith stimuliert sie, die Schalen zu öffnen. Irgendwann müssen sie die Schalen auch wieder schließen (wenn Ebbe ist, nämlich). Und das geschieht, wenn der Mond gerade auf- oder untergeht.

    Wenn wir einer Geburt ihren natürlichen Lauf lassen, dann lassen wir einem kosmischen Stimulus den größtmöglichen Rahmen, wirksam zu werden. Die zu diesem Stimulus gehörende Gestirnstellung charakterisiert dann die Veranlagung des entsprechenden Organismus am besten. Wenn wir auf den Ablauf der Geburt Einfluß nehmen, verhindern wir möglicherweise, daß die Geburt zum "passendsten" Zeitpunkt stattfinden kann.

    Solange der betreffende Fötus aber durch sein Verhalten auf den Geburtszeitpunkt noch Einfluß nehmen kann, solange also dem kosmischen Stimulus noch Raum für Wirkungsmöglichkeit gelassen wird, sagt die entsprechende Konstellation auch noch etwas über seine Veranlagung aus. Dies ist bei einer medikamentös eingeleiteten Geburt der Fall, weil die Medikamente sozusagen mit den kosmischen Auslöse-Reizen in Konkurrenz treten.

    Diese Argumentation ist nur sinnvoll, wenn ich von der Arbeits-Hypothese ausgehe, die im vorherigen Abschnitt aufgestellt wurde: Astrologie basiert auf einer Sensibilität der Organismen für kosmische Reize. Viele Astrologen sind aber nicht der Meinung, daß der Zusammenhang zwischen Kosmos und Organismus auf einer Sensibilität eines Organismus für kosmische Reize beruht. Esoterisch orientierte Astrologen gehen von einer "Vorherbestimmung" aus und sind davon überzeugt, daß ein Kind immer dann geboren wird, wenn die Konstellation passend ist: "Scheinbare" Zufälle wie ein Unfall (der vielleicht zu einer Sturzgeburt führt) oder die "vermeintlich" willkürliche Festlegung des Geburtszeitpunkts bei einem operativen Eingriff, sind ihrer Meinung nach dem Lebewesen, das sich inkarnieren will, bewußt, weil dieses Wesen die Umstände seiner Geburt in seiner vorgeburtlichen Existenz selbst gewählt hat.

    Ich will diese Argumentation an dieser Stelle nicht kritisieren oder gar abwerten. Mir ist es allerdings ein besonderes Anliegen, deutlich zu machen, daß man Astrologie betreiben kann, ohne bestimmte (im engeren Sinne) religiöse Vorgaben akzeptieren zu müssen, also ohne "glauben" zu müssen . Die von mir vorgeschlagene Arbeitshypothese erlaubt es, Astrologie in den Kontext unseres bisherigen Verständnisses von der Natur zu integrieren, Astrologie also als ein natürliches Phänomen zu verstehen, das sich nicht grundsätzlich von anderen Zusammenhängen in der Natur unterscheidet.

     

    Kapitel 2.3:

    Das Wesen der astrologischen Symbole

    Der Unterschied zwischen symbolischen Handlungen und magischen Ritualen

     

    Der kleine Junge, der Blutbrüderschaft mit seinem Freund schließt, gibt damit "feierlich" ein besonderes Versprechen. (Auch wenn er noch sehr klein ist und alles sehr spielerisch abläuft, fühlt er doch irgendwie, daß es etwas Besonderes ist, was er da tut.) Er fühlt sich durch die Handlung in einer besonderen Weise an seinen Freund gebunden. Sich an diesesVersprechen nicht zu halten, wäre eine Art Verrat, irgendetwas wäre "entweiht". - Auch für einen erwachsenen Indianer, der mit einem Freund Blutsbrüderschaft schließt, ist dieser Bund in einem gewissen Sinn "heilig".

    Das Schließen einer Blutsbrüderschaft ist eine symbolische Handlung. Sie ist eine besondere Art "Zeichen". Die Vermischung der beiden Blutstropfen drückt etwas aus, ist ein Sinnbild für das, was mit Blutsbrüderschaft gemeint ist: "Wir sind jetzt 'blutsverwandt'." Anstelle einer solchen symbolischen Handlung könnte man auch, ganz nüchtern, einen Vertrag schließen. So würden heutzutage Erwachsene vielleicht auch eher handeln. (Welche Männer schließen heutzutage noch Blutsbrüderschaft ... ?)

    Warum genügt es den Indianern nicht, sich einfach, mit Worten, gegenseitig zu versprechen, daß sie einander nun wie "Brüder" behandeln wollen? Warum vollziehen sie eine solche symbolträchtige Handlung? Irgendwie haben sie offensichtlich das Gefühl, daß eine solche Handlung eine Art "Kraft" hat, die zumindest in der Seele dieser beiden Männer wirkt, die sich dadurch nämlich besonders stark aneinander gebunden fühlen.

    Auch wir "aufgeklärten" und rational denkenden Menschen haben das Bedürfnis, wichtige Momente im Leben durch symbolische Handlungen zu bekräftigen. Denken wir an eine Eheschließung: Auch wenn das Paar sich nicht "kirchlich" trauen läßt, und damit das aus der Religion erwachsende Ritual vollzieht, ist mit einer Trauung ein Zeremoniell verbunden. Rein rechtlich würde es genügen, daß man einen Vertrag unterschreibt wie beim Abschluß einer Lebensversicherung.

    Wenn ich kleine Kinder beobachte, die sich gegenseitig "schwören", dies oder jenes getan oder nicht getan zu haben, obwohl sie ganz und gar nicht verstehen, was ein "Schwur" eigentlich ist, dann wird mir immer wieder bewußt, wie "ursprünglich" der Sinn für Symbole ist.

    Symbole (und symbolische Handlungen) sind allerdings "nur" Zeichen, sie bewirken nicht direkt etwas: Das Mischen der beiden Blutstropfen zwingt ja die beiden Männer nicht, sich jetzt immer gegenseitig zu helfen oder sich immer wie echte Brüder zu verhalten. Im Gegenteil: Diese Handlung würde überhaupt gar nichts bewirken, wenn jemand sie mit einem Menschen ausführen würde, der dieses Ritual nicht kennt, der nicht weiß, was es bedeutet. Die Handlung "wirkt" nur dann, wenn die beiden betreffenden Menschen dafür "empfänglich" sind, wenn sie dieser Handlung "Bedeutung" beimessen. Die Macht der Symbole liegt also in unserer "Resonanz" für ihre Bedeutung, sie ist vergleichbar der Macht der Worte beim Überzeugen oder Überreden.

    Symbole wirken auf unsere Seele.

    Bei einem magischen Ritual dagegen glaubt der Betreffende, daß die Handlung eine spezielle Wirkung ausübt, unabhängig davon, wen es betrifft; die Handlung wirkt "real". Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wenn ich jemanden erschieße: Ob er nun an Gewehre glaubt oder nicht, ob er einem Gewehr Bedeutung beimißt oder nicht, er wird von der Kugel verletzt (oder gar getötet), wenn sie ihn trifft. In ähnlicher Weise glaubt derjenige, der ein magisches Ritual vollzieht, daß diese Handlung "real" etwas bewirken kann.

     

    Astrologische Symbole: Symbole für die Eigenschaften des Lebens (des Lebendigen)

     

    Die Symbole der Astrologie stehen für sehr komplexe Sachverhalte. Was sie verkörpern, kann man am ehesten durch einen Vergleich mit Märchen erläutern: Eigentlich sind Märchen sehr einfache Geschichten, die aber Kinder (und Erwachsene) sehr tief bewegen können. In den Märchen werden, auf symbolische Weise, grundlegende und allgemeine menschliche Erfahrungen geschildert, die wir alle, schon als Kinder, intuitiv verstehen können. Die angeborene Fähigkeit der Kinder, zuverallgemeinern, läßt sie in diesen Geschichten das jeweilige Prinzip erkennen: eine "Weisheit", ein "Gesetz der Natur (der menschlichen Seele)", ein moralisches Prinzip oder typische menschliche Eigenschaften.

    In der Biologie, der "Lehre vom Lebendigen", ist es bis heute noch nicht möglich, eindeutig und erschöpfend zu definieren, was Leben genau ist. In den zwanziger Jahren versuchte der damals sehr bekannte Wiener Schriftsteller R. H. FRANCÉ, der in München ein privates biolologisches Forschungsinstitut gegründet hatte, eine "sinnverstehende", ganzheitlich denkende Biologie zu entwickeln, "um die vielfältigen Leistungen der Organismen zusammenhängend zu verstehen." . In seinem Werk "Bios" stellte Francé das Konzept einer solchen Biologie vor.

    Francé versuchte in seinem Werk zu zeigen, daß man das Phänomen Leben durch eine kleine Anzahl allgemeiner Prinzipien charakterisieren kann, die für Leben generell zutreffen, unabhängig davon, um welche spezielle Gattung (Pflanze, Tier oder Mensch) es sich handelt: Grundnotwendigkeiten für die Existenz von Leben. Bei der Suche nach solchen Symbolen für die Eigenschaften des Lebens (des Lebendigen) stieß er auf die Symbole der Astrologie. Seiner Auffassung nach verkörpern die Bedeutungen, die in der Astrologie den Planetensymbolen zugrundeliegen, in ihrem Bedeutungskern solche Lebensgrundprinzipien.

    So wie in den Märchen grundlegende Eigenschaften der menschlichen Seele symbolisiert sind, so sind in den Symbolen der Astrologie grundlegende Eigenschaften des Lebens allgemein symbolisiert.

    In diesem Kapitel geht es mir, wie eingangs beschrieben, darum, den Zusammenhang zwischen astrologischen Deutungen (Typen) und der Stellung der Gestirne verständlich zu machen: Wenn also die Symbole der Astrologie Eigenschaften des Lebendigen verkörpern, was hat das mit der Stellung der Gestirne zu tun?

     

    Kapitel 2.4:

    Die "Melodie" der Planeten

     

    Auch die "Wirkung" der Planeten ist, im Sinne der weiter oben vorgenommen Unterscheidung, keine magische: Die Stellung der Planeten wirkt mehr in der Art, in der "Worte" (Symbole) wirken. Immer wieder werfen Naturwissenschaftler den Astrologen vor, sie könnten keine Kraft angeben (wie etwa die Schwerkraft, die für die Gezeiten verantwortlich ist), die für die "Wirkung" der Planeten verantwortlich sein könnte. Dieser Vorwurf ist ähnlich unpassend, wie wenn man einem Soziologen vorwerfen würde, er könne keine Kraft nennen, die für die "Wirkung" eines Buches verantwortlich sein könnte. Wir werden über die Wirkung eines Buches auf Menschenwenig erfahren, wenn wir eine chemische Analyse von Papier und Druckerschwärze vornehmen oder wenn wir in einem Experiment protokollieren, was passiert, wenn man dieses Buch Menschen auf den Kopf fallen läßt. Bücher wirken durch "Resonanz" der Leser für die Symbole (Worte, Sätze) in diesem Buch.

    Wir verstehen vielleicht jetzt besser, warum Carl Friedrich von WEIZSÄCKER, wie im ersten Kapitel zitiert, recht hat, wenn er behauptet, die Naturwissenschaft sei nicht weit genug entwickelt, um sagen zu können, daß Astrologie nicht wahr sein kann, und auch nicht weit genug entwickelt, um zu sagen, wie es zusammenhängt, wenn sie wahr ist. Wir müssen in den Naturwissenschaften erst ein Phänomen besser verstehen, das für das Verständnis dieser Arten von "Wirkung" von zentraler Bedeutung ist: das Phänomen der Information.

    Nun ist, zugegeben, ein Planet kein Wort und auch kein Symbol, sondern ein Himmelskörper.

    Das ist richtig. Doch, etwas poetisch formuliert: Jeder Planet erzeugt eine bestimmte "Melodie" . Im ersten Abschnitt nannte ich dies, etwas nüchterner, einen "kosmischen Auslösereiz". Aus der Musik wissen wir, wie stark Menschen auf Töne reagieren. Wenn wir resonant sind für die betreffende Musik (das ist eher der Fall, wenn sie unserem Kulturkreis entstammt), kann sie uns traurig oder fröhlich stimmen; vor der Schlacht versetzen die Fanfaren uns in Kampfstimmung; Musik in der Kaufhäusern stimuliert unser Kaufverhalten; beim sog. "Superlearning" verbessert die zur Untermalung der Vokabeln verwendete Musik die Behaltensleistung usw. In anderen Worten: Schwingungen, die an unser Ohr gelangen, können, je nach ihrer Art, ganz bestimmte "Wirkungen" in unserer Seele auslösen, bestimmte Impulse in uns wecken.

    Ein Planet verkörpert ein bestimmtes Lebens-Grundprinzip, weil seine "Melodie" dieses Prinzip in uns weckt.

    Diese Ausdrucksweise ist unscharf und würde einen Wissenschaftler nicht befriedigen. Nun ist dieses Buch, wie versprochen, aber auch kein wissenschaftliches Buch, und die verwendeten Analogien dienen einzig dem Zweck, eine Brücke zu schlagen zwischen dem tief in unserem Denken verankerten mechanistischem Weltbild (und der damit verbundenen Vorstellungen, was als Ursache für bestimmte Wirkungen in Frage kommen könnte) und dem "neuen Denken" , einen ganzheitlichen Denken.

    Einer der bedeutendsten mittelalterlichen Astronomen und Astrologen, Johannes KEPLER, war der Auffassung, daß die Wirkung der in der Astrologie verwendeten Aspekte (= Winkelbeziehungen zwischen Planeten, siehe Kap. 3) auf einer angeborenen Sensibilität der menschlichen Seele für geometrische Proportionen beruhe, die er instinctuns geometricus nannte. Das Weltgeheimnis sieht KEPLER in einem vollkommen harmonischen Naturzusammenhang. Für ihn stand fest, daß der Kosmos ein wohlgeordnetes, von einem geistigen Prinzip geschaffenes und gelenktes Ganzes sein müsse, in dem alles nach harmonisch-geometrisch darstellbaren Verhältnissen geordnet ist. KEPLER war also der Auffassung, daß geometrische Proportionen wirken. Ist dies ein mittelalterlich-abergläubischer Gedanke?

    Denken Sie zum Vergleich an die geometrischen Formen der Kristalle (z. B. Schneekristalle oder Salzkristalle). Die Atome in einem Kristall sind geometrisch angeordnet. Ist das nicht ein anschaulicher Beweis dafür, daß geometrische Formen in der Natur wirken? Denken Sie weiter an die Musik, die ich gerade als Beispiel angeführt habe: Seit der Zeit der Griechen wissen wir, daß die Empfindung von Harmonie bei Tönen (aber auch bei den Abmessungen von Flächen oder Körpern) etwas mit Proportionen zu tun hat. Musik und unser ästhetisches Empfinden sind ein Beleg dafür, wie sehr die menschliche Seele auf Proportionen anspricht.

    Mit diesen anschaulichen Beispielen soll nicht darüber hinweggetäuscht werden, daß es sich dabei um Analogien handelt. Ein Aspekt zwischen zwei Planeten ist nicht dasselbe wie der Zusammenklang zweier Töne. Die Analogie hilft uns, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie astrologische Zusammenhänge vielleicht aufgefaßt werden müssen. Eine Erklärung, gar eine wissenschaftliche Erklärung, sind sie nicht.

    Zum Schluß dieses Kapitels will ich nun versuchen, diese Sachverhalte noch auf eine etwas "wissenschaftlichere" Weise auszudrücken.

     

    Die Systemtheorie

     

    Im vorletzten Abschnitt habe ich, zusammenfassend, behauptet, daß in den Symbolen der Astrologie grundlegende Eigenschaften des Lebens allgemein symbolisiert seien.

    Bestätigung für diese These erhalten wir durch eine neue Wissenschaft, die, seit sie in den Vierziger Jahren entwickelt wurde, das "neue (ganzheitliche, ökologische) Denken" entscheidend mitgeprägt hat: Die Systemtheorie. Es war wiederum ein Biologe, der, auf der Suche nach den charakteristischen Eigenschaften des Lebens, zu der Erkenntnis kam, daß die traditionellen Prinzipien in den Naturwissenschaften nicht geeignet sind, das Phänomen Leben wissenschaftlich umfassend beschreiben zu können.

    LUDWIG VON BERTALANFFY, wie Fancé in Wien geboren, arbeitete in den Dreißiger Jahren als Biologe an der Wiener Universität. Bei dem Versuch, die Eigenschaften zu bestimmen, die Leben charakterisieren, stieß er auf bis dahin unentdeckte Gesetzmäßigkeiten, die noch wesentlich umfassender, grundsätzlicher waren als die von Fancé hypostasierten Ordnungsgesichtspunkte zur Charakterisierung lebender Organismen. Seine Gesetze charakterisierten nicht nur lebende Organismen sondern alle sog. selbst-organisierenden Systeme schlechthin:

    "Wohl zum ersten Mal in der Geschichte des menschlichen Geistes eröffnet sich ein Ausblick auf eine bisher nicht geahnte Einheit des Weltbildes. Seine obersten Leitprinzipien sind überall die gleichen, ob es sich nun um unbelebte Naturdinge, um Organismen, um seelische oder schließlich gesellschaftlich geschichtliche Vorgänge handelt (...) Es gibt gewisse allgemeine Prinzipien, die für Systeme aller Art gelten, d. h. die aus der Wechselwirkung von Elementen auftreten müssen, so verschieden die zu einem 'Sysytem' zusammengefügten 'Elemente' im Einzelfall auch sein mögen."

    Bertalanffy entdeckte also, daß das Leben von Prinzipien geregelt wird, die nicht allein auf Leben zutreffen sondern auf alle sog. selbstorganisierrenden Systeme. Es würde den Umfang dieser Schrift sprengen, auf die Systemtheorie weiter einzugehen. Dem interessierten Leser seien die in der Literaturliste angegebenen Bücher empfohlen. Hier nur soviel:

    Die von Bertalanffy gefundenen System-Eigenschaften sind eine neue Art von "Naturgesetzen", es sind Gesetze, die zu den uns bekannten Gesetzen hinzukommen. Wohlgemerkt: Es sind nicht einfach einige neue Gesetze, wie wir in den Wissenschaften immer wieder neue Naturgesetze herausfinden. Es ist eine neue Art von Gesetzen. Diese Gesetze sind z. B. nicht mehr in der gleichen Eindeutigkeit zu formulieren und nicht auf die gleiche Art "zu beweisen", wie die in den Wissenschaften bislang anerkannten Naturgesetze. Ich will das durch ein Zitat verdeutlichen, auch wenn dieses Zitat nicht für alle Leserinnen und Leser verständlich sein wird:

    "Die klassische Form einer Prozeßgesetzlichkeit ist die Differentialgleichung. Die Gesetze der ungeordneten Gesamtheiten gründen sich auf die Wahrscheinlichkeitslehre. Die Gesetze der geordneten Gesamtheiten sind ihrem Wesen nach Systemgesetze."

    Systemtheoretische Prinzipien haben mittlerweile in viele Wissenschaften Eingang gefunden; in der Psychologie basiert eine bestimmte Therapieform, die "systemische Familientherapie", auf systemtheoretischen Grundsätzen.

    Zur Veranschaulichung werde ich nun an einigen Beispielen demonstrieren, daß die moderne Wissenschaft der Systemtheorie bei dem Versuch, grundlegende Eigenschaften des Lebendigen zu kennzeichnen, zu Beschreibungen kommt, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit den symbolischen Bedeutungen haben, die den Planeten in der Astrologie zugeschrieben wird. Dabei muß ich ein wenig auf die Ausführungen im Kapitel 4 vorgreifen.

    Zu den Eigenschaften selbstorganisierender Systeme gehört z. B. die in der Astrologie dem Mars zugeordnete Tendenz, sich im Wettbewerb gegen andere durchzusetzen.

    Arthur KOESTLER, einer der Herausgeber eines Buches mit dem Titel: "Das neue Menschenbild - Die Revolutionierung der Wissenschaft vom Leben." , führt dort an, daß das Charakteristische nicht allein die Fähigkeit zur Durchsetzung sei, sondern eine Kombination aus zwei komplementären Fähigkeiten, nämlich "Selbstbehauptung und Integration": "Die Selbstbehauptungstendenz ist ein grundlegendes und universelles Merkmal (...) und zeigt sich auf allen Stufen aller Arten von Hierarchien (...) Der entgegengesetzte Aspekt (...) besteht in seiner integrativen Tendenz, in der Neigung, als fügsamer Bestandteil eines bestehenden oder in Entwicklung befindlichen Ganzen zu wirken. Auch diese Eigenschaft äußert sich auf verschiedenartigste Weise, von der 'Gefügigkeit' des embryonalen Gewebes über die Symbiose der Organellen in einer Zelle bis zu den verschiedensten Formen des Zusammenhalts, sei es ein Insektenstaat, sei es ein Stamm von Eingeborenen."

    Dem astrologisch Geschulten fällt auf, daß unter der "integrativen Tendenz" bei KOESTLER Bedeutungen zusammengefaßt werden, die in der Astrologie weiter differenziert sind und der symbolischen Bedeutung der Planeten Venus (das Prinzip "Harmonie" im Sinne der Einteilung von Francé) und Saturn (das Prinzip "Integration") entsprechen.

    Erstaunlicherweise finden wir unter den Systemeigenschaften auch eine direkte Entsprechung zur Bedeutung des Planeten Pluto (dies wiederum als Vorgriff auf das kommende Kapitel), der von Astrologen als das Symbol für "Tod und Widergeburt" gekennzeichnet wird: "Das regenerative Potential in Organismen und Sozialverbänden manifestiert sich in Fluktuationsprozessen, die von der höchsten Integrationsstufe auf frühere, primitivere Niveaus zurückgreifen und beim Wiederaufstieg zu neuen, modifizierten Strukturen führen. Prozesse dieser Art scheinen sowohl bei der biologischen als auch bei der geistigen Evolution eine bedeutende Rolle zu spielen; sie spiegeln sich in dem universalen Motiv von Tod und Wiedergeburt in der Mythologie."

    Fassen wir zusammen:

    Die Symbole der Astrologie symbolisieren grundlegende Eigenschaften des Lebens (und, allgemeiner, sog. selbstorganisierender Systeme). Die astrologische Überlieferung bedient sich dabei zur Beschreibung dieser Eigenschaften ausführlich sog. Analogien und Gleichnisse, ähnliche wie sich Märchen zur Beschreibung grundlegender menschlicher Erfahrungen solcher Mittel bedienen.

    Das "System" Mensch nun ist Teil des (Öko-) Systems Erde und dieses wiederum Teil des Sonnensystems. Wenn dieses Sonnensystem als Ganzes nun auch ein selbstorganisierendes System wäre, dann wäre eine Verbindung Sonnensystem - Erde - Mensch eine natürliche Konsequenz systemtheoretischer Erkenntnisse, denn, wie KOESTLER in dem gerade zitierten Buch nachgewiesen hat, sind selbstorganisierende Systeme durch Integration in hierarchische Strukturen gekennzeichnet, innerhalb derer sie sowohl als Ganzheiten als auch als Teile betrachtet werden können: Ein Organ des Körpers z. B. ist einerseits eine Ganzheit. (Das Herz "funktioniert" auch außerhalb des Körpers, ist ein Stück weit "autonom".) Es ist aber, bezogen auf der ganzen Körper, ein Teil. Eine Zelle des Organs ist wiederum eine Ganzheit (sie kann weiterleben, wenn man sie aus dem Organ entfernt), ist aber auch ein Teil des Organs. Dieses wiederum ist ein Teil des Körpers. Der Körper wiederum ist ein Teil des Öko-Systems Erde. Die Erde ein Teil des Sonnensystems.

    Eine Betrachtung unseres Sonnensystems als ein "System" von 10 großen Materie-Brocken und einer Unzahl kleinerer Materie-Brocken, deren Beziehungen untereinander im wesentlichen auf Gravitationskräfte beschränkt sind, würde für das Konzept eines selbstorganisierenden Systems allerdings keine Grundlage bilden (eine mechanisch funktionierende Maschine ist eben auch kein selbstorganisierendes System). Tatsächlich sind die Beziehungen aber wesentlich komplexer und die wechselseitigen Einflüsse wesentlich subtiler . Unsere Sonne ist nicht einfach ein sehr heißer Feuerball: Sie ist ein Gebilde, das in seiner Komplexität der Komplexität eines selbstorganisierenden Systems entspricht und sie "reagiert" auf die Stellung der Planeten unseres Sonnensystems u. a. mit einer Veränderung ihrer in den Raum abgegebenen Energie- und Partikelstrahlung, die wiederum auf den Planeten, insbesondere auf der Erde, komplizierte metereologische Prozesse (und Veränderungen in der Biospäre) auslösen.

    THOMAS RING, einer der bedeutendsten Astrologen im deutschsprachigen Raum, gab einem seiner Bücher den Titel: "Unser Sonnensystem - ein Organismus". Im Lichte der Erkenntnisse der Systemtheorie könnte es sich erweisen, daß dies viel weitgehender zutrifft, als er selbst vermuten konnte.

     

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