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Autor: Dr. Peter Niehenke
Bei dieser Einführung in die Astrologie handelt es sich um Auszüge aus dem Buch von Dr. Peter Niehenke: "Astrologie - Eine Einführung" (Reclam-Verlag 1994 - ISBN 3-15-007296-4). Auf astrologix veröffentlicht mit frdl. Genehmigung des Autors.

Astrologie - Eine Einführung:


Kapitel 1.1:

Astrologie in der Gegenwart:
Jeder zweite Deutsche glaubt an Astrologie

 

Die Faszination, die von der Astrologie ausgeht, ist seit Jahrtausenden ungebrochen. Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, daß auch heute noch, aller "Aufklärung" zum Trotz, etwa 50 % der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Industrie-Nationen einen "Einfluß der Gestirne auf das menschliche Schicksal" für möglich halten, etwa 25 % von einem solchen Einfluß gar überzeugt sind.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung denkt dabei aber nur an die Horoskopspalten in der "Regenbogen-Presse", eine Erscheinung, die Astrologen VulgärAstrologienennen. Die Horoskopspalten gehören zu den meist gelesenen Rubriken vieler Zeitschriften, und wenn eine Redaktion versucht, diese Rubrik zu streichen, hagelt es Leserproteste. Diese Leser stören sich scheinbar nicht an der offensichtlich unsinnigen Vorstellung, an einem bestimmten Tag könnte für alle Angehörigen eines bestimmten "Sternzeichens", also für ein Zwölftel aller Menschen (!), "ein Brief eine gute Nachricht" enthalten oder eine "Gefahr (bestehen), wenn eine Reise vor dem 20. April angetreten wird".

Diese einfache Form astrologischer Wahrsagerei gibt es seit Jahrtausenden in unserem gesamten Kulturkreis. Es gab sie schon bei den Ägyptern, Babyloniern, Griechen und Römern. Sie bezog sich zwar nicht immer auf die bei uns sog. "Sternzeichen", aber das Muster der Aussagen ist seit Jahrtausenden das gleiche.

Astrologie stand immer in ihrer Geschichte im Spannungsfeld zweier Erscheinungsformen: einer profanen, als Wahrsagerei, auf der einen Seite, und einer entweder mehr spirituellen/religiösen oder mehr wissenschaftlichen auf der anderen. Und zwischen diesen beiden Polen gibt es viele Schattierungen.

Während es für die Vulgär-Astrologie über die Jahrhunderte hinweg, unbeeindruckt von wechselnden geistigen Strömungen, einen konstanten Interessentenkreis gibt , erlebt die ernstzunehmende Astrologie starke Schwankungen ihrer Akzeptanz innerhalb der geistigen Elite der jeweiligen Zeit. Und genau für diese Astrologie gilt die derzeit häufig geäußerte Ansicht, daß sie in den letzten Jahrzehnten wiederum eine Blüte erlebt.
Sie erfüllt dabei sehr unterschiedliche Bedürfnisse:

  • In einer Zeit, in der die traditionellen Glaubensgemeinschaften für viele Menschen keine Heimat mehr bieten, ist sie Kristallisationspunkt einer Sehnsucht nach Ordnung und Sinn (des eigenen Schicksals, des eigenen Lebensweges).
  • In einer Zeit, in der "individuelles Wachstum" (Entfaltung der Persönlichkeit) zunehmend mehr für die Menschen bedeutet als materieller Wohlstand und beruflicher Aufstieg, ist Astrologie eine Orientierungshilfe für den "Weg zum eigenen Selbst".
  • In einer Zeit, in der wissenschaftlicher Fortschritt nicht mehr als Garant für eine Verbesserung der Lebensqualität gilt und der Wahrheitsanspruch unserer Wissenschaft allgemein frag-würdig wird, ist Astrologie ein Beweis für die Berechtigung des Protests gegen ein "mechanisches" Weltbild und die Wissenschaften, die dieses Weltbild immer noch vertreten (die meisten der sog. etablierten Wissenschaften).

Aber für eine wachsende Zahl sehr pragmatisch eingestellter Astrologen ist Astrologie einfach eine in symbolischer Sprache überlieferte Lehre über den Einfluß kosmischer Zyklen, die, z. B. in der sog. Wirtschafts-Astrologie, zur Prognose wirtschaftlicher Zyklen und so zur eigenen Profit-Maximierung genutzt werden kann.

 

Kapitel 1.2:

Astrologie ist nicht gleich Astrologie

 

In dieser Schrift soll es um den Zugang zur Astrologie gehen, der derzeit in der westlichen Welt von den meisten Astrologen vertreten wird und der in der Tradition der großen Astrologen der Antike und des Mittelalters steht: PTOLOMAEUS, THOMAS VON AQUIN, KEPLER, um nur drei der bekanntesten Namen zu nennen. Ich will diese Art Astrologie "psychologische Astrologie" nennen und will durch zwei Zitate verdeutlichen, warum dieser Zugang in der Tradition großer Astrologen seit der Antike steht, obwohl doch die Psychologie eine sehr junge Wissenschaft ist. Von THOMAS VON AQUIN stammt der berühmte Satz: "Die Sterne machen geneigt, sie zwingennicht." Und KEPLER war der Meinung, die (menschliche) Seele reagiere auf die planetaren Konstellationen wie auf die Konsonanzen und Dissonanzen in der Musik. Beide Autoren wenden sich gegen die damals wie heute verbreitete Vorstellung, man könne aus dem Horoskop sein Schicksal ablesen, und wenden sich damit gegen das fatalistische Mißverständnis der Astrologie im allgemeinen und der astrologischen Prognose im besonderen. Am Lauf der Gestirne kann ich weder ablesen, was mir widerfahren wird, noch, wie ich handeln werde. Die Stellung der Gestirne steht im Zusammenhang mit menschlichen Wesensmerkmalen (und, dadurch vermittelt, indirekt auch mit dem Schicksal eines Menschen).

Bei vielen zeitgenössischen Autoren wird dieser psychologische Zugang zur Astrologie verbunden mit esoterischen Gedankengängen, etwa der Vorstellung, daß jeder Mensch im Laufe der Jahrtausende viele Leben auf der Erde durchlebt (Reinkarnation: von lat. carnem = Fleisch: die Wieder-Fleisch-Werdung, auch Seelenwanderung genannt). Solche esoterischen Überlegungen werden in dieser Schrift keine Rolle spielen.

Die Berechtigung, Astrologie in einem ähnlichen Kontext zu sehen, wie das, was wir heute als Psychologie bezeichnen, wird unmittelbar einsichtig, wenn man sich verdeutlicht, daß Astrologie in erster Linie eine Typologie menschlicher Charaktere ist; sie ist sogar die älteste Typologie, die wir kennen. Gemeint ist damit allerdings nicht die populäre Typologie der sog. Sternzeichen, deren grob-gerasterte Charakterzüge man auf dem Packpapier vieler Zuckerwürfel nachlesen kann. Hier ist schon der Begriff unsinnig, denn es gibt in Wahrheit nur Tierkreiszeichen und Sternbilder; der Ausdruck Sternzeichen ist in sich widersinnig, wie noch deutlich werden wird.

Gemeint ist vielmehr, daß die Symbole der Astrologie Bilder für die Beschreibung menschlicher Wesenszüge darstellen, anschauliche Beschreibungen von etwas, das man in der modernen Psychologie als Persönlichkeits-Dimensionen bezeichnen würde. Dabei ist die Sprache der Astrologie farbiger und reichhaltiger, weil sie sich nicht, wie eine Psychologie mit "wissenschaftlichem Anspruch", auf das beschränken muß, was "meßbar" (zählbar, eindeutig definierbar) ist. Die Kombination der verschiedenen astrologischen Symbole führt zu einem individuellen Struktur-Bild (man nennt es "Horoskop", siehe Kap. 3). Durch die Interpretation dieses Struktur-Bildes ist es möglich, die psychische Dynamik eines Menschen in einer Differenziertheit zu beschreiben, an die kein heute gebräuchlicher psychologischer Test heranreicht. In den astrologischen Symbolen haben sich die in Jahrhunderten angesammelten Beobachtungen "der Alten" niedergeschlagen. Selbst wenn sich einmal erweisen sollte, daß es keinen realen Zusammenhang zwischen der Stellung der Gestirne und dem menschlichen Charakter gibt , ist die Auseinandersetzung mit der astrologischen Beschreibung menschlicher Typen von großem Gewinn für das eigene Selbstverständnis und, vor allem, das Verständnis meiner Mitmenschen.

Astrologie ist also, von Beginn an, in erster Linie eine Menschenkunde. Die Beschäftigung mit einer so verstandenen Astrologie weckt Verständnis für die unterschiedlichen Arten der Menschen, die Welt zu sehen und mit der sog. Realität umzugehen. Sie hilft mir, in den Verhaltensweisen anderer die gleichen Grundmotive wiederzuerkennen, die auch mich bewegen, nur ein wenig anders gemischt, mit anderer Akzentuierung. Sie hilft mir verstehen, welcher "Sinn" in Verhaltensweisen liegen kann, die mir vielleicht zunächst unverständlich oder gar unsympathisch sind.

Astrologie ist vom Ansatz her ganzheitlich. Wenn wir versuchen, das Phänomen "Leben" zu verstehen, und dabei einmal nicht nach biochemischen oder biophysikalischen Mechanismen suchen, sondern nach einheitlichen, ganzheitlichen Prinzipien, die für alles Leben gleichermaßen bedeutsam sind, die "Leben" gleichsam charakterisieren, dann finden wir in der Astrologie ein faszinierend stimmiges und in sich geschlossenes System.

Wir wissen heute, daß körperliches Geschehen, psychisches Geschehen und "äußeres Schicksal" eng miteinander verflochten sind. Die Verbindung körperlicher und psychischer Prozesse findet als "Psychosomatik" auch Eingang in die moderne Medizin. Astrologie kann uns helfen, den Zusammenhang zwischen "innerem" und "äußerem" Schicksal besser zu verstehen, aufmerksam zu werden auf die Art und Weise, in der wir unser Schicksal selbst herstellen, meist, ohne es bewußt zu bemerken. Der Dichter NOVALIS drückt dies so aus: "Schicksal und Seele sind zwei Namen für dasselbe Prinzip."

Damit berühren wir ein Gebiet, das unter Astrologen sehr kontrovers diskutiert wird, und von dem die meisten Menschen glauben, daß darin der eigentliche Sinn der Astrologie liege: die astrologische Vorhersage (Prognose). Ich werde in Kapitel 6 ausführlich die Möglichkeiten und Grenzen einer astrologischen Prognose diskutieren. Hier nur soviel:

Richtig verstanden sind astrologisch durchaus "Prognosen" (Vorhersagen) möglich. In den Wissenschaften wird überall prognostiziert: Der Arzt gibt eine Prognose über den vermutlichen Verlauf einer Krankheit, der Rat der "Fünf Weisen" gibt der Bundesregierung jedes Jahr eine Prognose über die zu vermutende wirtschaftliche Entwicklung, der Metereologe prognostiziert das Wetter. An all diesen Prognosen ist nichts Übernatürliches; ebensowenig ist etwas Übernatürliches an einer astrologischen Prognose.

 

Kapitel 1.3:

Eine drei Jahrtausende alte Kontroverse um die Astrologie

 

Als Wiege der Astrologie gilt heute Babylonien. Dort führte eine ausgeprägte Gestirnreligion und die fortlaufende Gestirnbeobachtung zu dem Gedanken, daß die Götter durch die Stellung der Gestirne den Menschen ein Zeichen, ein "Omen" geben wollten. "Durch Jahrtausende habe die babylonischen Sternforscher die seltsamen Bewegungen der Gestirne beobachtet, aber immer nur gefragt: 'Was will der Gott damit sagen?' Sie haben die Antwort im steten Vergleich mit etwa gleichzeitig auftretenden irdischen Erscheinungen zu finden gesucht." Nur die unvorhersehbaren Vorgänge galten ihnen dabei als Omen, also nicht das tägliche Auf- und Untergehen der Sonne, wohl aber die Bewegungen der Planeten durch die Sternbilder, das Auftauchen von Kometen usw. . In Kapitel 3 werde ich erläutern, daß die Planeten auf sehr "auffälligen" Bahnen durch die Sternbilder laufen, und die Bahn eines Planeten war zunächst für die Babylonier nicht berechenbar, genausowenig wie das "unvorhersehbare" Erscheinen eines Komenten.

Daß die Stellung der Gestirne eine Bedeutung für das menschliche Schicksal habe, war für die Babylonier also keine Frage. Was es allein zu untersuchen galt, war die Frage, wie die Botschaft der Götter zu entschlüsseln sei.
Den Griechen jedoch, die der von den Babyloniern übernommenen Astrologie ihre im wesentlichen noch heute gültige Form gaben, kamen erste Zweifel: Als sich zeigte, daß auch die unregelmäßigen Vorgänge (die scheinbar "unberechenbaren" Bewegungen der Planeten), die in ihrer Unvorhersehbarkeit den Babyloniern als "ominös" gegolten hatten, bestimmten Gesetzen gehorchten und also vorausberechenbar waren, verlor die Anschauung, daß die Götter damit den Menschen Zeichen geben wollten, den Boden. PLATO war daher der Meinung, "daß somit Astrologie als Omendeutung allen Grund verloren habe."

Seither wird die Astrologie in unserem Kulturkreis kontrovers beurteilt. Sie erlebte ausgesprochene Phasen der Blüte und allgemeiner, auch "wissenschaftlicher" Anerkennung, in denen allerdings die Gegenstimmen nie verstummten. Und sie erlebte Phasen des Niedergangs, wurde "verdammt" und verboten, ohne jedoch jemals alle ihre Anhänger zu verlieren.

PLATOs Freund, der Astronom EUDOXOS VON KNIDOS, verurteilt die Astrologie. THEOPHRASTUS, ein Schüler von ARISTOTELES - der selbst die Astrologie allerdings ablehnte -, bewundert ihre erstaunlichen Vorhersagen. PTOLOMAEUS (2. Jhd.) preist die Astrologie als "eine Krone des Menschengeschlechts und ihre ehrwürdige Weisheit als ein Zeugnis Gottes" ; KARNEADES VON CYRENE, der im Jahre 156 als Gesandter Athens nach Rom kam, bringt Einwände gegen sie vor, die auch heute noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.

Viele römische Kaiser waren geradezu abhängig von der Astrologie - meist in ihrer wahrsagerischen Form -, doch gab es ebenso erbitterte Feide: Kaiser JUSTINIAN drohte im Jahre 533 den Astrologen gar mit der Todesstrafe.

PAPST LEO X richtete an der von ihm gegründeten päpstlichen Universität im Jahre 1520 einen Lehrstuhl für Astrologie ein; PAPST PAUL III setzt wenige Jahrzehnte später Bücher, "die es wagen, über künftige sich ereignende Erfolge oder zufällige Begebenheiten oder solche Handlungen, die vom menschlichen Willen abhängen, etwas als gewiß geschehend zu behaupten", auf den "Index der verbotenen Bücher".

Für die Pionoiere der modernen Naturwissenschaften war der Glaube an astrologische Zusammenhänge offensichtlich durchaus vereinbar mit einer "rationalen" Erforschung der Gesetzmäßigkeiten der Natur. Dies ist nicht verwunderlich, wenn wir bedenken, daß das Verständnis dieser Gesetzmäßigkeiten sich etwa bei NEWTON noch wesentlich von unserem heutigen Verständnis unterschied. Für NEWTON war das "Meßbare" (siehe Endnote ?), das "quantitativ Faßbare", nicht das einzig Reale, wie es viele Wissenschaftler (speziell Naturwissenschaftler) heute sehen. Er war zwar Naturwissenschaftler, doch nur, um in den Gesetzen der Natur "Gottes Plan zu erkennen". Er studierte daher nicht nur die Natur, sondern auch die Schriften und Sagen, weil er sie für eine Quelle wichtiger Informationen hielt. Er war der Meinung, daß Gott ab und zu in das Naturgeschehen eingreift, um z. B. die Planeten wieder auf die "richtige Bahn" zurückzusetzen (weil die Planeten nicht ganz gleichmäßig laufen).

GALILEI glaubte, um ein anderes Beispiel zu nennen, daß eine rotierende Kugel durch Geister zur Ruhe gebracht würde (weil er die Gesetze der Reibung noch nicht kannte).

KEPLER hat sich, wie immer wieder ja auch angeführt wird, intensiv mit Astrologie beschäftigt und auch Horoskope erstellt. Einige Autoren, die sich nicht damit abfinden können, daß ein so bedeutender Wissenschaftler Astrologie betrieben haben soll, versuchen dies so darzustellen, als habe diese Tätigkeit ausschließlich der Aufbesserung eines kleinen Gehalts gedient und sei von ihm nie wirklich ernsthaft gemeint gewesen. In seiner Schrift: "Warnung an die Gegner der Astrologie." (1610) ermahnt KEPLER jedoch die Gegner sehr, bei der Ablehnung der Astrologie, gegen deren wahrsagerische Auswüchse er selbst immer wieder kritisch Stellung genommen hatte, "nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten".

Auch heute, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, hat sich an dieser Situation für die Astrologie nichts geändert. Gegner wie Befürworter der Astrologie können sich beide sowohl auf Äußerungen wissenschaftlicher Autoritäten wie auf einen breiten Konsens mit der Bevölkerung stützen (die ja, wie im ersten Abschnitt erwähnt, bezüglich des Glaubens an die Astrologie exakt in zwei Hälften gespalten ist). In Akademiker-Kreisen überwiegt allerdings die Ablehnung der Astrologie. Man könnte meinen: Die "gebildeten" Menschen lehnen Astrologie also doch ab. Eine solche Deutung dieser Tatsache wird aber dadurch stark relativiert, daß sich diese Ablehnung in vielen Fällen, entgegen wissenschaftlichen Idealen, nicht auf unbefangene Prüfung und Information stützt, sondern auf Vorurteile. So wurden z. B. mehrere Nobelpreisträger (!), die im Jahre 1975 ein Manifest gegen die Astrologie unterzeichnet hatten, von BBC-Reportern befragt: Sie verweigerten weitere Stellungnahmen mit der Begründung, daß sie sich mit der Astrologie nie näher beschäftigt und so keine Vorstellungen von den Details hätten.

 

Kapitel 1.4:

Die Vielfalt der astrologischen Systeme

 

In beinahe jeder großen Kultur , die wir kennen, gibt es eine Form von Astrologie. Seit einiger Zeit stößt bei uns z. B. die chinesische Astrologie auf vermehrtes Interesse. Wenn die Astrologie wahr ist, müßten dann nicht die verschiedenen Kulturen prinzipiell zu ähnlichen Resultaten gekommen sein und ähnliche astrologische Regeln aufgestellt haben? Selbst in unserer eigenen Kultur gibt es verschiedene astrologische Methoden, stützen sich die Astrologen der verschiedenen astrologischen Richtungen zum Teil auf ganz unterschiedliche Himmelserscheinungen. Die Naturgesetze sind aber überall dieselben, und in den Naturwissenschaften kommen Forscher in den verschiedensten Ländern entsprechend zu gleichen Resultaten. Spricht die Vielfalt in der Astrologie nicht dafür, daß ihre Ergebnisse mehr Meinung sind als Wissen?

Die verschiedenen astrologischen Systeme sind vielleicht am ehesten den verschiedenen psychotherapeutischen Schulen vergleichbar: Jeder psychotherapeutischen Richtung liegt, meist allerdings implizit, ein eigenes Menschenbild zugrunde, und, damit zusammenhängend, bestimmte Vorstellungen über Wesen und Ursachen menschlichen Leids, sowie über Wege und Ziele einer Psychotherapie, also einer Veränderung dieses Leids.

Aus der Sicht eines Psychoanalytikers z. B. haben, stark vereinfacht ausgedrückt, viele psychische Störungen ihre Ursache in krankmachenden (traumatischen) frühkindlichen Erlebnissen. Ein solches Erlebnis ist häufig dem betreffenden nicht mehr bewußt, d. h. er kann sich, auch wenn er will, an dieses Erlebnis nicht mehr erinnern. Das kann dazu führen, daß er die mit dem Erlebnis verbundene Angst auf etwas "überträgt", das mit dem ursprünglichen Erlebnis scheinbar nichts zu tun hat. Auf diese Weise können "unerklärliche" Ängste vor Dingen, Lebewesen oder Situationen entstehen.

Für einen Verhaltenstherapeuten dagegen sind psychische Störungen im wesentlichen "unangepaßte Verhaltensweisen", die durch "falsches Lernen" entstanden sind. Ängste entstehen u. a. dadurch, daß ein Mensch mit bestimmten Dingen, Lebewesen oder Situationen erschreckende oder schmerzende Erfahrungen gemacht hat. Es kann sein, daß man sich an das angstauslösende Erlebnis nicht mehr erinnert, aber das ist auch nicht nötig, denn man kann ja hier und jetzt mit der vorhandenen Angst arbeiten.

Während also der Psychoanalytiker mit seinem Klienten dessen "Kindheit aufarbeiten" wird, motiviert der Verhaltenstherapeut seinen Klienten, umzulernen, anstelle der unangepaßten (schädlichen, zu Frustrationen führenden) Verhaltensweisen solche zu setzen, die der jeweiligen Situation angepaßt sind (die zum gewünschten Erfolg führen, die der Realität besser gerecht werden). Ein Verhaltenstherapeut wird also bei einer Canophobie (einer übertriebenen, einer "krankhaften" Angst vor Hunden) ein Trainigsprogramm entwerfen und den Klienten wieder an Hunde gewöhnen (vielleicht zunächst sogar nur in der Phantasie, dann, als Steigerung, durch Fotografien, und schließlich durch vorsichtige direkte Kontakte mit einem kleinen Hund). Der Psychoanalytiker könnte in einem bestimmten Fall die Vermutung haben, die Angst vor Hunden habe ihre Ursache in eigenen unterdrückten Aggressionen (vielleicht mußte er als Kind immer besonders "artig" sein, durfte seine Aggression nie zeigen oder ausleben). Er hilft dem Klienten, sich seiner Aggressionen bewußt zu werden - und die Canophobie verschwindet auf diese Weise "nebenbei" auch.

Das Verhalten eines Menschen wird also aus der Sicht dieser beiden Therapeuten sehr verschieden gedeutet, die beiden Therapeuten orientieren sich an ganz unterschiedlichen Aspekten des Verhaltens und fassen ganz verschiedene Verhaltensweisen als Symptome auf. Dennoch sind beide Therapie-Formen erfolgreich (und z. B. von den Krankenkassen, die ja die Psychotherapien bezahlen müssen, anerkannt).

Ähnlich kann man die von Kultur zu Kultur unterschiedlichen Formen von Astrologie oder die verschiedenen astrologischen Systeme in unserer heutigen Kultur verstehen. Neben erstaunlichen Parallelitäten in Astrologien von Kulturen, die sich nie berührt haben, werden teilweise ganz andere Himmelsvorgänge und Himmelabschnitte für die Deutung herangezogen. Vor allem sind die symbolischen Bedeutungen, die man bestimmten Himmelvorgängen (etwa der Bewegung von Planeten) gibt, kulturspezifisch.

Unsere abendländische astrologische Tradition geht auf die Griechen zurück. Die hellenistische Astrologie selbst ist ein Mischprodukt aus babylonischen und orientalischen Einflüssen mit griechischer Mathematik und Naturphilosophie. Die Krönung des griechischen Lehrgebäudes erfolgte durch POSIDONIUS VON APPAMEIA (um 100 v. Chr.), einem syrischen Philosophen. Das älteste erhaltene systematische Lehrbuch der Astrologie, das "Tetrabiblos" (Vierbuch) des PTOLOMAEUS (120-180 n- Chr.), ruht nachweislich auf seinen Lehren.

Im ersten Buch des Tetrabiblos behandelt PTOLOMAEUS die astrologischen Elemente. Er bemüht sich dabei, alles in Anlehnung an die griechische Mythologie Geschaffene durch rationale, physisch-kausale Elemente zu ersetzen. Man sieht daran, wie alt die Spannung zwischen Magie und Ratio in der Astrologie ist: Sie soll nicht magisch sein und kann, wie sie war und auch heute noch ist, nicht vollends rational aufgelöst werden.

Astrologie ist, auch heute noch, eine "Zumutung" für den menschlichen Verstand. Ich persönlich kann "Gegner" der Astrologie gut verstehen, war ich, wie in der Einleitung erwähnt, als angehender Mathematik- und Physiklehrer, doch selbst ein engagierter Gegner "allen Aberglaubens". Aber:
"Es ist ein großer Unterschied zwischen etwas noch glauben und etwas wieder glauben. Noch glauben, daß der Mond auf die Pflanzen würcke, verräth Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben, zeigt von Philosophie und Nachdenken." (C. G. Lichtenberg im Jahre 1775)

 

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