Hello, world!

Autor: Dr. Rüdiger Plantiko
Ein Beitrag zum Thema: Der Häuserstreit in der Astrologie

Placidus hat doch recht!

 

In einer Reihe von provozierenden Artikeln, zum Teil aus den Kreisen der Hamburger Schule, zum Teil aus den Reihen begeisterter Vehlow-Anhänger, ist zu lesen, daß die Häusersysteme nach Placidus, Koch, Regiomontanus, Campanus, etc. auf den Müllhaufen der Geschichte gehören, da sie in den polnahen Regionen nicht zu gebrauchen sind. Man bringt dann das einzige Horoskop, dessen man aus diesem Bereich habhaft werden kann, das zuerst von Prof. Benes diskutierte Horoskop von Maria Peary, der Tochter eines bekannten Polarforschers, die unter 77 Grad 44 nördlicher Breite geboren wurde. Oder man weist auf nördlich des Polarkreises gelegene Städtchen wie Hammerfest hin und beklagt sich, daß die klassischen Häusersysteme für die vielen Fischer, die das Pech hatten, so weit nördlich geboren zu werden, leider versagen - so als würde die eigene Klientenkartei zu 50% aus solchen Fällen bestehen...

Was ich in solchen Artikeln jedoch immer vermisse, sind die praktischen Beispiele. In zwei Artikeln werden zwei verschiedene Häusersysteme empfohlen, die rein technisch in polnahen Gebieten funktionieren, aber keines davon wird an einigen konkreten Fällen vorgeführt. Ich vermisse die biographischen Studien der grönländischen Fischer, die die Richtigkeit des jeweils propagierten Häusersystems beweisen.
Hallo "Hamburger": Warum sind die AC- und MC-Häuser besser als die von Vehlow wieder aufgewärmten äqualen Häuser der Antike?
Hallo Vehlow-Freunde: Warum sind die äqualen Häuser in polnahen Gebieten besser als die AC- und MC-Häuser der Hamburger Schule?
Bitte um Beispiele! Wenn über solche Beispiele stets systematisch hinweggegangen wird, muß ich vermuten, daß die armen Hammerfester Fischer hier nur als argumentative Manövriermasse mißbraucht werden, um die Richtigkeit eines Häusersystems durch Ausschluß der populäreren Konkurrenten zu "beweisen".

Meiner Meinung nach ist die Astrologie als Bildersprache des Unbewußten sowieso vom Kulturkreis abhängig. Die in Europa heute übliche Astrologie hat ihre Wurzeln in Babylon und Griechenland - für einen Inder mag sie ebenso ungeeignet sein wie für einen Eskimo, da er in seiner Kultur mit einem ganz anderen Symbolvorrat und Assoziationsapparat aufwächst. Das gilt auch für die Häusersysteme: Der tägliche Lauf eines Gestirns prägt sich einem Abendländer durch die Kennmarken Aufgang, obere Kulmination, Untergang, untere Kulmination ein. Für den Bewohner polnaher Gebiete sind Aufgang und Untergang dagegen unbrauchbare Messmarken - man denke nur daran, daß es vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne bis zu sechs Monate dauern kann! - stattdessen realisiert er die tägliche Bewegung der Erde durch die Himmelsrichtungen: Auch wenn sie manchmal 24 Stunden am Tag sichtbar ist, so durchmißt die Sonne doch in 24 Stunden alle Himmelsrichtungen. Die Nordländer teilen daher seit uralten Zeiten den Horizont in acht Teile, die sogenannten Eyktmarken. Würde man auf solche Traditionen mehr achten, so wäre weder das System der "Hamburger" noch das äquale System, sondern die azimutale Häuserteilung nach Steve Cozzi ("Astrologie des Standorts") angesagt. Aber das ist eine andere Geschichte...

Wenn man aber einmal die vier Eckpunkte Aszendent, MC, Deszendent und IC als Ausgangspunkt für eine in unserem Kulturkreis gültige Häuserteilung anerkannt hat, so muß man feststellen, daß die "klassischen" Häuserteilungen nach Placidus, Regiomontanus und Campanus der Aufgabe, den täglichen Lauf eines Gestirns möglichst "organisch" in zwölf Teile zu teilen, besonders gut gerecht werden. Während Regiomontanus und Campanus eine geometrische Teilung des Himmels (nach dem Orangenprinzip) gewählt haben, hat Placidus die Realisierung von harmonischen Proportionen im Tageslauf im Auge: Für ihn sind die Übergangspunkte die Zeiten, zu denen der aufgegangene Planet ein Drittel oder zwei Drittel seines halben Tagbogens zurückgelegt hat. Dies sind die Punkte, zu denen eine harmonische Proportion gleichsam "einrastet". Wenn man an die astrologischen Forschungen eines Johannes Kepler denkt - an seine Aspekt- ebenso wie an seine Direktionslehre - so weiß man, wie wichtig ein Astrologieverständnis aus den "harmonischen Proportionen" heraus ist. Dies ist ein wichtiger theoretischer Grund für die Richtigkeit des Placidus-Systems - wenn man sich schon auf eine solche rein theoretische Diskussionsebene einläßt, wie sie die Placidusgegner gewählt haben.

--- © Dr. Rüdiger Plantiko, 1998

 

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