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Der Ikarus-Effekt
Die Vielfalt sexueller Lebensstile im Horoskop

von Christopher A. Weidner - christopher.weidner@comquest.de


"Dann, wenn die Welt dort angefaßt wird, wo sie sich auch anfassen läßt, wo sie das Geheimnis der Dunkelheit hat, wo sie noch keusch ist, wo sie noch nicht geliebt und geschändet worden ist, wo die Heiligen sich noch nicht für sie verwandt und die Verbrecher keinen Blutfleck gelassen haben
Wenn der neue Status geschaffen ist
Wenn die Nachfolge in keinem Geiste mehr angetreten wird
Wenn endlich endlich kommt
Dann
Dann spring noch einmal auf und reiß die alte schimpfliche Ordnung ein. Dann sei anders, damit die Welt sich verändert, damit sie die Richtung ändert, endlich! Dann tritt du sie an!
"

Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr



Polarität als Dogma

"Wenn ich eine astrologische Aussage zum Dogma erheben müßte, dann wäre es sicher das Polaritätsprinzip."[1] Wie Dane Rudhyar bekennt sich von alters her bis heute die Astrologie zu der These, jedes Phänomen sei als zweiseitige Medaille aufzufassen, in zwei sich wechselseitig bedingende, aber gegensätzliche Pole spaltbar. Ebenso lange schon existiert die Erotisierung dieser Gegensatzpaarung über die Begriffe "männlich" und "weiblich", wobei die Idee Pate stand, daß auch die Zweiteilung der Geschlechter und ihr sexuelles Begehren auf dem Magnetismus der Polarität beruhe.

Dahinter verbirgt sich ein mythisches Heilsversprechen: im "Verlangen nach einer Vereinigung des männlichen und des weiblichen Pols" erfüllt sich die menschliche Sehnsucht nach der Rückkehr in die einstmals verlorene paradiesische Einheit, denn "in der Liebe zwischen Mann und Frau werden beide wiedergeboren", findet die "Überwindung menschlichen Getrenntseins" statt.[2]

Im folgenden soll es darum gehen, welche Komplikationen aus diesem Dogma erwachsen, wenn man durch die Brille eines polarisierten Kosmos auf die Vielfalt sexueller Lebensstile blicken möchte. Beispielhaft soll in der Argumentation das Thema Homosexualität besprochen werden und gezeigt werden, in welches Dilemma sexualisiertes Polaritätsdenken führen muß und wie es zwingend in Diskriminierung und Ausgrenzung mündet.

 

"Anatomie ist Schicksal"

Es gilt: "Das Gesetz der Polarität ist das Gesetz des Lebens"[3] und so soll sich dies auch in der menschlichen Sexualität widerspiegeln, und zwar in der Polarität der Geschlechter: "Ein Mensch wird entweder als Mann oder als Frau geboren."[4] Der nächste Schritt ist die Annahme, daß es nicht nur eine anatomische Polarität gibt, die sich offensichtlich aus der sehr reduzierten Vorstellung von Penis und Vagina nach einem Schlüssel-Schloß-Prinzip ableitet, sondern auch eine psychische Parallele, sprich: ein männlicher Charakter und ein weiblicher, die ebenfalls polare Eigenschaften aufweisen und sich so ergänzen. "Anatomie wird zum Schicksal" (Freud), denn das biologische Geschlecht bedingt damit zugleich den Charakter eines Menschen.

Was nun als "typisch" männlich oder "typisch" weiblich angesehen wird, unterliegt jedoch sozio-kulturellen Idealvorstellungen, die jede Gesellschaft zu ihrer Zeit und an ihrem Ort unter Verfolgung bestimmter Zwecke als normativ konstituierte. In den Sozialwissenschaften hat sich daher heute eine Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem gesellschaftlich geprägten geschlechtsrollentypischen Verhalten (gender) etabliert, was zunächst einen natürlichen Zusammenhang zwischen Anatomie und Charakter in Frage stellt. Auch die Humanwissenschaften, die zwar in einigen Fällen auch heute noch der Idee vom psycho-physischem Parallelismus der Geschlechter Vorschub leisten, können keine einheitliche Aussage formulieren, und so haben sich alles in allem "die Anstrengungen, genetische und biologische Ursachen … für die geschlechtstypischen Verhaltensweisen zu finden, … als fruchtlos"[5] erwiesen.

In der Astrologie feiert jedoch die Formel "Körper = Charakter" und der Rückschluß, ein entsprechender Charakter verweise auf einen bestimmten Körper, bis heute unter folgender Verfahrensweise fröhliche Urstände: Es werden bestimmte Eigenschaften entsprechend der vorherrschenden Meinung zu kulturellen Idealvorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit stilisiert, diese wiederum zur "Norm" erhoben und als biologische Grundtatsachen in das Wesen des Menschen eingepflanzt. Planeten oder anderen Horoskopfaktoren, die mit diesen Eigenschaften korrespondieren, wird dann das entsprechende Geschlecht zugeordnet: sie sind in der Folge eben entweder "männlich" oder "weiblich".

Schon bei Claudius Ptolemaeus geht dieser Erkenntnis die These voraus, daß sich beide Geschlechter von Natur aus auch qualitativ differenzieren ließen, wobei er der männlichen Seite die Qualität der Hitze zuordnete, der weiblichen die des Feuchten. So kommt er zu dem Schluß, auch Planetarprinzipien, die eher feuchte oder eher hitzige Eigenschaften verkörperten, müßten demgemäß dem einen oder anderen Geschlecht zugewiesen werden. So weiß er, daß Mond und Venus zu den weiblichen Gestirnen zu rechnen seien, Sonne, Saturn, Jupiter und Mars dagegen die Reihe der männlichen Gestirne bilden.[6]

Vor allem in der Partnerschaftsastrologie gewinnt dies an Bedeutung, denn Partnerschaft wird in der Regel aus eben jenem Heilsversprechen der Geschlechterpolarität heraus begriffen. Die so "in den Himmel" geschriebenen normativen Eigenschaften des Männlichen und Weiblichen kehren in ihrer Anwendung auf konkrete Figuren des Begegnungsbereiches wieder zurück. So steht "Venus im Geburtshoroskop eines Mannes" für das, "was er in einer Frau als idealer Geliebter sucht", und "Mars im Geburtshoroskop einer Frau … erklärt, was sie in einem Mann sucht", denn "der in seiner Energie dem Geschlecht des einzelnen antithetische Planet [wird] … gewöhnlich in zwischenmenschlichen Beziehungen auf ein geeignetes Objekt projiziert"[7]. Generell gilt, daß die geschlechtstypischen Planeten offensichtlich eine Bedeutungsverschiebung im Horoskop erfahren, je nachdem, ob der Horoskopeigner eine Frau oder ein Mann ist.

Die Schwierigkeit besteht darin, daß man den sozio-kulturellen Ursprung der Zuordnung "vergißt" (oder ignoriert) und so die geschlechtsrollentypischen Qualitäten, die von Zeit zu Zeit und Ort zu Ort variieren, zu Kategorien a priori werden, d.h. zu unhinterfragbaren Paradigmen, die schon vor der kulturellen Festschreibung existierten und diese sogar bedingten. Das jüngste Beispiel hierfür ist die Archetypisierung dieser Ideale in der Tiefenpsychologie nach C.G. Jung, die eine nicht unerhebliche Rolle in der Entwicklung der "modernen" Astrologie eingenommen hat.

 

Norm und Anti-Norm

Nach dem Polaritätsprinzip stillt also die Vereinigung von Mann und Frau nicht nur auf körperlicher Ebene die Sehnsucht nach Einheit, sondern auch auf seelischer. Für den Bereich der Sexualität hat dies Konsequenzen: Da die Polarität "natürlicherweise" nur zwischen Mann und Frau funktioniert, ist Heterosexualität die "Norm". Alle anderen Formen von Sexualität sind ein Widerspruch zu diesem Naturgesetz, also "Anti-Norm": so auch die Homosexualität, denn per definitionem kann ein Mann (Plus-Pol) nicht magnetisch auf einen anderen Mann (ebenfalls Plus-Pol) mit Anziehung reagieren.

Abhilfe kann auch die seit Freud popularisierte These von der ursprünglich bisexuellen Veranlagung der menschlichen Psyche nicht schaffen, auch wenn sie von zahllosen AstrologInnen immer wieder gerne aufgenommen wird – zumeist in der Jungschen Variante von Animus und Anima. Hier geht man davon aus, daß durch die Entwicklung des Individuums zum vollgültigen und reifen Mitglied seiner Gesellschaft der gegengeschlechtlichen Anteil vom eigentlich zwei-geschlechtlichen Sexualtrieb sublimiert würde. So habe ein "richtiger" Mann zwar immer noch weibliche Anteile in sich, diese wären jedoch ins Unterbewußte abgedrängt, so daß die männlichen Wesenszüge ungeachtet dessen am Ende dominieren: Im Sinne der polaren Anziehungskraft der Geschlechter bleibt also durch dies entscheidende Quäntchen mehr an Geschlecht alles beim Alten. Außerplanmäßige Effekte, vornehmlich in der Kindheit des Betreffenden, können hingegen eine reguläre Sublimierung stören: der Mann "verweiblicht" bzw. die Frau "vermännlicht" – die Jungsche "Anima-" und "Animus-Besessenheit". Wiederum bleibt eine Anziehung zwischen zwei Männern oder Frauen ausgeschlossen, denn diesmal stoßen sie sich auf Grund ihrer beiden zu "weiblichen" oder zu "männlichen" Seele ab.

Vielleicht am drastischsten drückte dies Erich Fromm aus, wenn er in seiner Kunst des Liebens mit unverhohlener Kälte schreibt: "Die homosexuelle Abweichung von der Norm entsteht dadurch, daß diese polarisierte Vereinigung nicht zustande kommt und daß der Homosexuelle hierdurch unter dem Schmerz der nicht aufgehobenen Getrenntheit leidet, wobei es sich im übrigen um ein Unvermögen handelt, das er mit dem durchschnittlich heterosexuell Veranlagten, der nicht lieben kann, teilt."[8]

Homosexualität läßt sich jetzt allerdings als Inversion erklären, als "Verdrehung" der charakterlichen Wesenszüge des eigentlichen Geschlechtes hin zum Gegengeschlecht. Astrologisch führte dies u.a. zu der Auffassung, dies lasse sich an Verletzungen der für die gegenpolare Anziehung zuständigen Planeten bemessen. Auch heute noch hat sich dieses Klischee erhalten und als "Beweis" wird die effeminierte Tunte oder die Macho-Lesbe herangezogen. Man weiß allerdings heute ebensogut, daß diese extremen und daher besonders auffälligen Lebensstile nur einen verschwindend geringen Prozentsatz der Homosexuellen ausmachen. Hier ist eine Eigendynamik im Spiel, die das Wesen des Mechanismus von Norm und Anti-Norm ausmacht: Die Konstitution dessen, was als "Norm" gelten soll, hängt im wesentlichen gerade davon ab, was als "Anti-Norm" definiert wird. Beide bedingen einander. Als man begann, Homosexuelle aus der "normalen" Gesellschaft auszuschließen, versäumte man nicht, ihnen jene Charakteristika zuzuschreiben die als der Norm komplementär gedacht wurden. So erkannte sich der "richtige" Mann als solcher in der Abgrenzung vom "falschen" Mann, der in seiner Karikatur dem "weibischen" Schwulen entsprach – immer vorausgesetzt, daß das Komplement zu "männlich" eben naturgemäß "weiblich" sei. Daß viele Homosexuelle schließlich begannen, sich mit den per Ausgrenzung verordneten Eigenschaften zu identifizieren, mag darin begründet sein, daß die Gesellschaft zwar genügend Raster zur Entwicklung eines heterosexuellen Bewußtseins zur Verfügung stellt und so eine reibungslose Eingliederung in das soziale Gefüge ermöglicht, andere sexuelle Lebensstile indes ein weitaus größeres Maß an Selbst-Bewußtsein erfordern, da sie keinen Rückhalt in vorprogrammierten Verhaltensmustern vorfinden. So bedeutet das "Ausscheren aus den etablierten Geschlechtsgrenzen in gewissem Sinn bereits die Infragestellung der eigenen Existenz"[9], man gerät in eine Art Vakuum, in ein soziales Niemandsland, in dem man vor der eigenen in Anspruch genommenen Freiheit die Courage verlieren kann und sich lieber in die schablonierten Formen der Ausgrenzung fügt, als einen kompletten Identitätsverlust in Kauf zu nehmen. Damit kann verdeutlicht werden, daß auch der "typische" Schwule oder die "typische" Lesbe nichts weiter als ein Produkt gesellschaftlicher Moralvorstellungen ist und nichts mit einer wie auch immer gearteten Wesenhaftigkeit des oder der Homosexuellen zu tun haben muß.

In der Astrologie erfolgt die Argumentation bei der Beurteilung der sogenannten abweichenden Sexualitäten im allgemeinen nach zwei Kriterien:

  • Homosexualität begründet sich aus einer fehlerhaften Polarisierung, aus einem Versagen der Anziehungskraft, die zum Gegengeschlecht führt sollte.
  • Homosexualität ist eine Fehlentwicklung, ein Abweichen vom eigentlichen Ziel der menschlichen Sexualität, der Heterosexualität.
Egal, wie sich dies nun nach den Vorstellungen von AstrologInnen im Horoskop niederzuschlagen habe[10], nie hat die Suche nach Indikatoren für das anti-normale Verhalten aufgehört, da stillschweigend von der Prämisse ausgegangen wird, Heterosexualität sei die Norm und als solche muß sie natürlich nicht im Horoskop nachweisbar sein.

 

Das Märchen von Mann und Frau

Wie aber ist es gelungen, Erotik und Sexualität in das Korsett der heterosexuellen Norm zu pressen? In der Tat ist dies eine Spezialität der abendländischen Tradition, die mit der Erfindung des Mechanismus von Norm und Anti-Norm eine Wissenschaft vom Sex eine scientia sexualis (Foucault), errichtet hat, einer Art Geständniswissenschaft, die mit fleißiger Akribie alle Kennzeichen des "Perversen" katalogisiert und systematisiert hat. Die sich im 19. Jahrhundert entwickelnden Methoden der Medizin und Psychologie lösten als "Polizei des Sexes" das christliche Beichtverfahren ab, das darauf ausgerichtet war, alle Geheimnisse des Sexuellen aufzuspüren und dem Menschen zu entreißen. Der Mediziner, der Psychologe oder der Therapeut brachte den Sex im Menschen zum Reden, erzwang seine Äußerung und interpretierte ihn gemäß dem "wissenschaftlich" begründeten Kanon der Normalität, um ihn dann wieder dem Wesen des Menschen einzupflanzen, der sich fortan mit ihr zu identifizieren hatte. "Sage mir, wie du liebst, und ich sage dir, wer du bist," kann als Motto dieser Prozedur aufgefaßt werden, in der Sexualität und Persönlichkeit des Einzelnen verkittet wurden. Und so kam es, daß Sexualität auch heute noch als besonders wichtiger Maßstab für die Selbstdefinition der Menschen erachtet wird, der Sex "ist das Medium, durch das die Menschen ihre Persönlichkeit, ihren Geschmack zu bestimmen zu suchen. Vor allem ist Sex das Mittel, mit dem die Menschen sich ihrer selber bewußt zu sein suchen."[11]

Hier schlug auch die Geburtsstunde der Homosexualität: "Als eine der Gestalten der Sexualität ist die Homosexualität aufgetaucht, als sie von der Praktik der Sodomie zu einer Art innerer Androgynie, einem Hermaphroditismus der Seele herabgedrückt worden ist", sprich: in das Modell der Geschlechter-Polarität eingespeist wurde. "Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies."[12]

Dieser Diskurs wurde über den Umweg der Rezeption psychologischer Modelle in der Astrologie verschärft. Im Rahmen der darwinistisch geprägten Psychologie mußte die Heterosexualität zum "gesunden" Sexualziel avancieren, weil zunächst nur die Fortpflanzung mit dem Ziel der Arterhaltung als einzig gültige Form des Sexes anerkannt werden konnte und diese bedarf nun einmal der Kopulation von Mann und Frau. Diese Reduktion des Sexes ist jedoch nur hier legitimierbar. Trotz vereinzelter gegenläufiger Tendenzen in der Gegenwart sind hingegen diejenigen – zumindest in unserer Kultur – eher in der Minderzahl, die Sex nur zum Zwecke der Produktion von Nachkommenschaft betreiben. In diesem Sinne würde nicht nur Homosexualität in den Bereich des Widernatürlichen verwiesen, sondern jede Form nicht-koitaler Sexualpraktiken – auch unter Heterosexuellen. Wichtigstes Argument aber ist die Tatsache, daß Menschen die Möglichkeit haben, bewußt auf Fortpflanzung zu verzichten, ihre Sexualität ist im Gegensatz zu den Tieren unabhängig geworden von der Arterhaltung, scheint eher einem Lustprinzip zu gehorchen als dem Zwang, die Geburtenrate zu sichern, wie schon Freud erkannte.

Wenn dies aber so ist, dann hat menschliche Sexualität nichts mit einer biologisch verordneten Heterosexualität, also auch nichts mit einer wie auch immer gearteten Polarität zwischen den Geschlechtern zu tun. Das Gegengeschlecht als einzig "natürliches" Sexualobjekt entspricht nicht der Wirklichkeit menschlichen Sexualverhaltens. Jede Bestrebung, Sexualität dennoch an die Notwendigkeit einer männlich-weiblichen Paarbindung zu knüpfen, muß als moralischer und damit sozio-kulturell motivierter Versuch angesehen werden, über reduktionistische Normierung Kontrolle über die sexuellen Beziehungen der Menschen zu erlangen.

Es ist erstaunlich, wie sich trotzdem gerade in der Psychoanalyse das Märchen von der allein seligmachenden Liebe zwischen Mann und Frau erhalten konnte, und damit die Chance vertan wurde, Homosexualität sowie jede andere Variation des Sexuellen gleichberechtigt in die Vielfalt des Sexes einzureihen. Und so bekennt schon Kinsey, der einen der ersten groß angelegten Reports zur empirisch-statistischen Erfassung menschlicher Sexualität lancierte, leicht resigniert: "Es ist ein Kennzeichen des menschlichen Geistes, daß er in seiner Klassifizierung der Phänomene Zweiteilungen vorzunehmen versucht. Die Dinge sind entweder so oder anders. Das sexuelle Verhalten ist entweder normal oder abnorm, gesellschaftlich zu billigen oder abzulehnen, heterosexuell oder homosexuell; und viele Menschen wollen nicht glauben, daß es hier viele graduelle Unterschiede zwischen den beiden Extremen gibt." Und so schließt er: "Unser Denken wäre klarer, wenn die Ausdrücke vollständig aus unserem Wortschatz verschwänden, denn dann könnte zwischenmenschliches Sexualverhalten als Betätigung zwischen Mann und Frau oder zwischen zwei Frauen oder zwischen zwei Männern beschrieben werden, was eine objektivere Darstellung der Tatbestände wäre."[13]

Die "moderne" Astrologie indes hält nach wie vor fest an der Polarität alles Lebendigen, was in der letzten Konsequenz die Parallelisierung von Fortpflanzung und Liebe in ideologisch-mythischer Überhöhung mit sich zieht – und damit die Ausgrenzung von Homosexualität als "widernatürlichen" Tatbestand.

Und so sieht sich am Ende der Homosexuelle aus der Gemeinschaft der Liebenden ausgeschlossen. Astrologisch drückt sich das Dilemma in der Unmöglichkeit aus, gemäß dem Prinzip der Polarität den gegengeschlechtlichen Anteil nach außen zu projizieren, was ja als grundlegend für die Fähigkeit, sich überhaupt in einen anderen Menschen verlieben zu können, angesehen wird, da z.B. der homosexuelle Mann diesen verinnerlicht hat – oder mit Jung: von seiner Anima besessen ist. Damit fallen Venus und Mond als Repräsentanten der Projektion einer Anima aus. Sollte er hingegen seinen Mars oder seine Sonne projizieren (was auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen mag, denn schließlich sucht er ja einen Mann), wird auch dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, denn ein jeder andere homosexueller Mann hat schließlich das gleiche Problem: zu einer Anziehung kann es nicht kommen, weil sich gleichnamige Pole eigentlich abstoßen …

Fazit: Die Kategorien einer männlich-weiblichen Polarität als Basis von Begegnungsfähigkeit kann auf Homosexualität nicht angewandt werden. Daraus ließen sich zwei Schlüsse ziehen: Entweder sind Homosexuelle eben nicht liebesfähig – oder das Polaritätsmodell ist einfach falsch.

 

Die "Polizei des Sexes"

Wer in der Astrologie die Polarität des Geschlechtlichen propagiert, muß sich den Vorwurf der Diskriminierung gefallen lassen. Und es nützt in meinen Augen nichts, sich mit schein-toleranten Lippenbekenntnissen aus der Affäre zu ziehen. Dies bezeugt nichts weiter als die Unfähigkeit, sich außerhalb der dogmatisierten Grenzen des bereits Gedachten zu bewegen. So retten viele AstrologInnen mehr oder weniger gewollt die vormodernen Prinzipien der Ausgrenzung und Stigmatisierung des Anderen in eine Zeit hinüber, welche die Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt mehr als nötig hat.

Zwei Beispiele sollen dies illustrieren:

In ihrem Buch Kosmos und Psyche bezeichnet Liz Greene Homosexualität als "das Ergebnis einer vollständigen Verdrängung unbewußter Figuren, die … antagonistisch reagieren und das Bewußtsein überwältigen, wenn das Ich sie arrogant oder verächtlich behandelt"[14]. Sie rekurriert auf die Jungsche Archetypenlehre, die in diesem Zusammenhang – wie bereits zuvor angedeutet – nichts weiter darstellen kann, als ein System, daß sozio-kulturelle Allegorien und Symbole in den Bereich des Instinkthaften verweist und Archetypen als der individuellen Gestaltungsfähigkeit entzogene Realia in einem kollektivem Unbewußten archiviert sehen möchte, eine Art Buchhaltung der Traumsymbole also. Den Mythen wird damit eine deterministische Komponente zugebilligt, die menschliches Dasein in außerhalb von Zeit und Raum angesiedelten Konstanten aufschlüsseln möchte: Egal, was wir tun, egal was wir wollen – die Archetypen sind stets vor uns da. Dies macht die Verwendung von Begrifflichkeiten wie Animus und Anima besonders zweifelhaft, die augenscheinlich auf wunderbare Weise mit dem gesellschaftlichen Kanon der damaligen Zeit korrespondieren. Ebenso wie Fromm hält Greene Homosexuelle für nicht liebesfähig, wenn sie Jung zitiert: "… Animus und Anima [können] nur durch die Beziehung zum Gegengeschlecht [realisiert werden], weil ihre Projektionen nur dort wirksam sind."[15]

Eher entwicklungspsychologisch orientiert baut Brigitte Hamann in Lebensmuster ihre Argumentation auf der Behauptung auf, Homosexualität entstehe "aus einer inneren Desorientierung heraus …" Sie sei "weniger echter, geschlechtlicher Antrieb als ein Mangel an Eindeutigkeit"[16]. Ursächlich ist ihres Erachtens der Rollentausch der Eltern, d.h. "wenn die Mutter archetypisch männliche Qualitäten ausdrückt" und "Väter … Eigenschaften, die der archetypischen Mutter zugeordnet sind" verkörpern. Neben dem standardisierten Rückgriff auf archetypische Ideale, besteht sie auf einen Körper-Seele-Parallelismus, der den Menschen und seinen Charakter sogar bis auf seine Genitalien reduziert sehen möchte: "Der Mann [stellt] auf Grund seiner Physis das Prinzip der Penetration, der Eroberung, der Durchsetzung und Selbstbehauptung [dar], während die Frau durch ihren Körper das In-Sich-Aufnehmen, eine gewisse Passivität und die Fähigkeit symbolisiert, Gefühle zuzulassen …" Das "Mischen" von "Physis und Charakterausdruck von gegensätzlicher Qualität" führt zu einer "Geschlechtsrollenirritation", "bei der das Kind nicht eindeutig erfahren kann, welchem Geschlecht es angehört." Und so wird "ein ,unmännlicher‘ Mann … zum Mann, wenn er mit einem anderen Mann zusammen ist", denn im Grunde ist "das Zusammensein mit einem Menschen gleichen Geschlechts oft einfach nur eine Suche nach sich selbst."[17]

Ob nun – wie an diesen zwei Beispielen ausgeführt – Homosexualität eine arrogante Mißachtung archetypischer Regelmechanismen oder einfach mangelnde Lebensorientierung mit narzißtischen Tendenzen darstellt: In jedem Fall wird sie nicht als gleichwertige Form der Sexualität angesehen, geschweige denn mit "echter" Liebesfähigkeit gleichzusetzen erachtet. Es sei nicht in Abrede gestellt, daß sich viele AutorInnen des Dilemmas bewußt sind, in das man sich hineinmanövriert, wenn unter Beibehaltung des Polaritätsprinzips Homosexualität einer astrologischen Analyse unterworfen wird. Wenn man jedoch Toleranz und Akzeptanz für sich in Anspruch nimmt, kommt man nicht umhin zu erkennen, daß innerhalb des Polaritätsmodells kein anderer Schluß als die Diskriminierung von Homosexualität möglich ist.

 

Abschied von der Wahrheit

Hier erhebt sich die Frage nach Alternativen. Da die bisherigen Ausführungen zunächst darauf abzielten, ein Bewußtsein für die aus dem Polaritätsdenken resultierenden Diskriminierungen zu schärfen, möchte ich als ergänzenden Ausblick Mariana Valverde zitieren: "Männer und Frauen reagieren nicht wie Metallsplitter auf einen Magneten, auch die Bilder von Schlüssel und Schloß, Topf und Deckel und wie die funktionalistischen und fatalistischen Metaphern alle heißen mögen, passen nicht. Sie versuchen, Heterosexualität als die Norm darzustellen, indem sie suggerieren, es handle sich um ein von der Natur auferlegtes Schicksal. Heterosexualität ist nicht Schicksal. Sie ist eine Wahlmöglichkeit – oder, genauer gesagt, sie wäre eine Wahlmöglichkeit, wenn unsere Gesellschaft pluralistischer und weniger rigide wäre in der Bereitstellung sexueller Alternativen."[18]

Bevor also andere Modelle zur Sprache kommen können, muß sich ein Wandel in den Denkstrukturen von totalitären Einheitswünschen hin zu Pluralismus und Vielfalt vollziehen.

Das Ergebnis der vorliegenden Ausführungen kann wie folgt zusammengefaßt werden:

  • Homosexualität hat nichts mit einer wie auch immer gearteten mangelhaften Polarisierung zu tun, denn das dieser Vorstellung zugrunde liegende Polaritätsmodell kann als sozio-kulturelle Struktur entlarvt werden. Das Postulat eines "Natürlichen" an Männlichkeit und Weiblichkeit kann als Irrtum bezeichnet werden, der zwingend auf Diskriminierung hinausläuft. In der Konsequenz müssen wir bei der Beschreibung von Partnerschaftsthemen auf kategorische Verwendung von "männliche" und "weibliche" Parameter verzichten.
  • Homosexualität läßt sich demgemäß auch nicht als eine Abweichung von einer "natürlichen" Norm beschreiben, da diese für die menschliche Sexualität nicht aufgestellt werden kann. Folglich müssen alle Versuche, Determinanten für eine sexuelle Fehlentwicklung im Horoskop zu finden, ebenso als Irrtum angesehen werden, da sie von einer falschen Voraussetzung ausgehen.
Am Ende müssen wir uns – wohl oder übel – von jedem Versuch verabschieden, die eine Wahrheit vertreten zu können, denn "das Produktive ist nicht seßhaft, sondern nomadisch!" (Foucault)

 

L‘âme n‘a pas de sexe

Ich schließe die Notwendigkeit aus, vom körperlichen Geschlecht auf ein inneres Geschlecht zu schließen und Sexualität so auf der Basis einer gegengeschlechtlichen Anziehungskraft zu definieren. L’âme n’a pas de sexe, die Seele hat kein Geschlecht, und das, was als "typisch" männlich oder weiblich gilt, sind kulturspezifische Parameter, die über die Eingliederung des Einzelnen in die sozio-kulturelle Gegenwart in die Psyche des Menschen eingepflanzt werden. Damit entferne ich mich von der allgemeinen Annahme, Anatomie sei Schicksal und es gebe einen natürlichen wesenhaften Unterschied zwischen Mann und Frau, sondern überantworte dies gesellschaftlichen Prozessen.

Innerhalb dieser Prozesse spreche ich von den Mechanismen von Norm und Anti-Norm, d.h. davon, wie die Konstituierung dessen, was als "normal" im Verhalten erachtet wird, dasjenige ausgrenzt, was geforderten Regeln und Paradigmen nicht entspricht, um in Art einer Rückkoppelung wiederum das zu beschreiben, was sich innerhalb des Gewöhnlichen zu befinden habe. Strategie dieses Mechanismus ist es nicht, mit Repression und Verboten zu arbeiten, sondern mittels Definitionen Gewohnheiten zu produzieren, wodurch Merkmale festgelegt werden, anhand derer jemand als zur Gesellschaft gehörig erkannt wird oder eben nicht.

Für die Sexualität liegt die positive Norm in der Heterosexualität festgeschrieben, die sich zwar vom Fortpflanzungsdispositiv fortbewegen konnte, es jedoch (noch) nicht überwunden hat. So erscheinen alle anderen Sexualstile als ins Negative polarisierte Gegensätze zu dieser Norm, als Störungen und Abweichungen vom "Natürlichen", obwohl im Rahmen der von mir vertretenen Anschauung Heterosexualität lediglich eine Wahlmöglichkeit unter vielen vertritt, eine solche Gewohnheit darstellt.

Für die Astrologie ließ sich feststellen, daß die Dogmatisierung bestimmter "Gesetzmäßigkeiten" wie der Polarität alles Lebendigen und ihre Sexualisierung über das Konstrukt "Männer und Frauen ziehen sich an" eben jenes Perpetuum Mobile des Diskriminierens und Ausgrenzens verursacht.

In Fortsetzung dieser Ideen muß für die Astrologie weiterhin formuliert werden, daß es weder spezifisch männliche noch weibliche Planeten oder Tierkreiszeichen geben kann, sondern das die Zubilligung dieser Attribute kulturellen Konventionen entspricht und die Wirklichkeit des Sexes nicht mehr trifft.

Zur Beschreibung von Sexualität müssen andere Interpretationsmuster in Kraft treten, die bewußt auf Feminismen und Maskulinismen verzichten. Auf der Suche nach diesen Mustern lancierte ich vor einiger Zeit eine Studie, in der ich Horoskope von Menschen mit homosexuellen Erfahrungen sammelte und auswertete. Meine nun folgenden Ausführungen beruhen auf dieser Studie und die von mir im folgenden beschriebenen Phänomene sind ein Produkt der Auseinandersetzung mit von der Norm abweichender Sexualstile.

 

Die Masken des Sexes

Es stellt sich die Frage: was ist Sexualität dann und wo im Horoskop läßt sie sich demgemäß lokalisieren. Auf die erste Frage läßt sich nicht mit einer Definition antworten: Sexualität scheint jeweils das zu sein, was wir dafür halten – und dies entspricht exakt dem Spiegelbild dessen, was sich als gesellschaftlich normativ zu seiner Zeit durchsetzt. Wir können lediglich versuchen zu beschreiben, welche grundlegende Auffassung spürbar geworden ist, welche Wirklichkeit Sexualität im Hier und Jetzt angenommen hat, in welcher Maske sie uns jetzt begegnet. In der Tat finden wir keine allgemeingültigen Modelle mehr vor (auch wenn diese als solche ausgegeben werden), sondern eine Pluralität an Modellen, die auf individuell konstruierten Wirklichkeiten aufbauen. Darin steckt die Antwort auf die zweite Frage, wenn weder Planeten noch Tierkreiszeichen für sich genommen eine sexuelle Natur in sich tragen.

Das Individuellste und Eigenste am Horoskop jedes Menschen ist die Häusersstruktur, da sie die maximale Raum-Zeit-Spezifität[19] besitzt, d.h. nichts ist spezifischer in seiner Auswirkung auf den Ort und den Zeitpunkt als die Bewegung der Häuserspitzen aufgrund der Geschwindigkeit. Daher erhalten sie die Priorität bei jeder Betrachtung von Phänomenen auf der Ebene individueller Existenz. In diesem Sinne können nicht einzelne Planeten für Sexualität zuständig sein – wie z.B. Venus und Mars –, sondern in erster Linie die Planeten, die das in Frage stehende Haus beherrschen oder in diesem plaziert sind.

 

Lust versus Treue

Im allgemeinen wird in der Diskussion um das für sexuelle Themen zuständige Haus der interpretative Fokus entweder auf die Inhalte des 8. und/oder des 5. Hauses gerichtet.

Das 8. Haus aber sollte stets in seiner Stellung innerhalb des dritten Quadranten betrachtet werden, und als solches gehört es dem Bereich der Begegnung an, in dem Inhalte aus dem unmittelbaren und mittelbaren Umfeld auf den Geborenen zufallen, im Sinne einer Bewußtwerdung und Integration in das eigene Dasein. Richtiger wäre es, hier das Thema der Partnerbindung anzusiedeln, d.h. die Kriterien, die mich als Einzelwesen dahingehend bestimmen, mir diese und nicht jene Person auszuwählen.

Sexualität jedoch im Sinne eines schöpferischen Aktes, der an keine Form von Moral gebunden ist, sondern sich selbst genügend dem Drang nach Ausleben von Lust und Eigenart nachkommt, ist Angelegenheit des 5. Hauses. Hier erlebe ich den Sex als Teil meines Wesens, hier handle ich "so strikt wie nur immer möglich als ein Individuum"[20] – ungeachtet der Konsequenzen, die sich aus reglementierenden oder kontrollierenden Einflüssen von außen ergeben. Es ist das Haus der E-Motion, des sich Hinaus-Bewegens, hier soll die Sonne als Repräsentantin meines Wesens ungehindert ihre Leuchtkraft entfalten und in den Raum abstrahlen. Da dies der Wirklichkeit des Sexes in unserer Zeit näher kommt als das alte, mit Haus 8 korrelierende Allianzdispositiv, worunter die Verschmelzung von Ehe und Liebe unter den Zeichen christlicher Ethik und gesellschaftlicher Kontrolle zu verstehen ist, setze ich hier das Epizentrum der Sexualität im Horoskop an.

Das Dilemma zwischen Sex und Partnerwahl, zwischen Lust und Treue, wie es gerade heute in seiner Unvereinbarkeit immer spürbarer geworden ist und seine astrologische Formulierung in der Quadratur von Haus 5 und Haus 8 findet, bleibt zwar bestehen, doch scheint es für das Erleben von sexueller Identität nicht mehr ausschlaggebend zu sein. In der Regel haben sich das Sprechen über Sexualität und Partnerschaft entkoppelt, nicht zuletzt im Zuge der sog. "Sexuellen Revolution". Wir definieren uns als sexuelles Wesen nicht mehr über den Partner, sondern als indivdiuelle Einheit.

Die heutige heterosexuelle Partnerschaft vollzieht daher wie keine andere zuvor einen Spagat zwischen den Erfahrungsbereichen des 8. und des 5. Hauses: Sie muß eine leidenschaftliches, sexuelles Moment erfüllen wie auch ein "asexuelles", verbindliches. Sie muß den Ansprüchen der Liebe, Ehe, der bürgerlichen Kleinfamilie als steten Ausgleich zum öffentlichen Leben gerecht werden (Haus 8), zugleich jedoch auch die proklamierte Sprengkraft des Sexuellen integrieren (Haus 5), die sich nach populärer Anschauung so gar nicht fesseln lassen möchte. Das Ergebnis ist auf der einen Seite die stetige Fluktuation im Bindungsbereich – die "Fick-und-Ex-Gesellschaft" (Botho Strauß) – und auf der anderen Seite die Zunahme an Erlebnisfülle und Gestaltungsvielfalt.

Wie bereits erläutert, kann jedoch die Frage nach Homosexualität bestimmende Faktoren im Horoskop nur auf der Grundlage der Annahme beantwortet werden, es handle sich hierbei um eine Störung im "normalen" Sexualverhalten. Da sich keine der bereits von anderen Seiten propagierten Konstellationen als signifikant erwiesen haben bzw. auf der unkritischen Übernahme vorurteilsbesetzter Gemeinplätze basieren, müssen sie als der gegenwärtigen Fragestellung inadäquat abgelehnt werden.

 

Sexualität ist nicht Privatsache

Da mein Augenmerk der gesellschaftlichen Produktion von Sexualität gilt, d.h. ihrer Definition über sozio-kulturelle Paradigmen, mußte ein anderer Zugang zum Horoskop denkbar gemacht werden, der sich nicht ausschließlich darauf konzentriert, den Sex in den Bereich des Instinktiven und Privaten zu verweisen. Gerade heute erfüllt sich Alfred Adlers These von einst "Sexualität ist nicht Privatsache"[21] – wenn auch unter völlig umgekehrten Vorzeichen. Wie in keiner Zeit zuvor ist es die Öffentlichkeit, die unser Bild vom idealtypischen Sex prägt, und innerhalb der Medien –insbesondere in der Werbung – werden unsere Wünsche und Vorstellungen über uns als sexuelle Wesen geboren. Damit ist unser Sex weder als privat noch in irgendeiner Form "rein natürlich" aufzufassen.

Der Schlüssel zu diesem Phänomen liegt astrologisch in der Konfrontation des 5. Hauses mit dem oppositionellen 4. Quadranten, jenem Bereich des Horoskopes, der dem sozio-kulturellen Rahmen zugeordnet werden kann und der m.E. wie kein anderer sowohl unser Verhalten (2. Quadrant), unser Bewußtsein (3. Quadrant) als auch unseren Körper (1. Quadrant) interaktiv bestimmt.

Ich gehe davon aus, daß das Individuum nicht, wie oft dargestellt, in einer platten Opposition zu den übermächtigen gesellschaftlichen Kräften gesehen werden muß, was im Falle der Sexualität zu den Mythen um die befreiende Triebkraft des Sexes als "natürlichen" Kontrapunkt zu den restriktiven Verbotsmechanismen der Kultur geführt hat. Hier liegt das Mißverständnis: Wir glauben zwar, Sex sei das "Natürlichste" auf der Welt und setzen uns damit in eine Opposition zur Gesellschaft, weil wir unsere Individualität mit unserem Sex verbunden wissen wollen und das Ausleben von Sex uns fast schon wie eine Revolte der "Triebe" gegen die Allmacht des Systems erscheint. Es läßt sich jedoch auch denken, daß dieses System die Triebgläubigkeit in unser Selbstverständnis installiert und, um sie für seine Sache nutzbar zu machen, zu einem machtstrategischen Kontrollmechanismus umfunktioniert hat. Zuwenig Aufmerksamkeit wird den Prozessen geschenkt, die unser Wissen um den Sex als ein sozio-kulturelles Konstrukt enttarnen, als ein Produkt des vorherrschenden Zeitgeistes.

Der 4. Quadrant kann als Sphäre dieses Zeitgeistes betrachtet werden, von der die Kraftlinien verfolgt werden können, die unser ganzes Dasein in die vorgefertigten Strukturen der Kollektivität zu binden suchen. Dabei vollzieht sich dieser Effekt nicht über das laute Proklamieren von Tabus, sondern über den stummen Weg dessen, was ich den "Blick von Außen" nennen möchte.

 

Der Blick von Außen

Seine Aufgabe ist es, uns mit dem Faktum des "Anders-Seins" zu konfrontieren, uns mit den Definitionen der "Norm" vertraut zu machen, indem er uns die "Anti-Norm" vor Augen hält. Wir wissen z.B. daß wir heterosexuell sind, weil wir wissen, daß wir nicht homosexuell sind (so wie wir wissen, daß wir "gesund" sind, weil wir nicht "krank" sind).

Norm und Anti-Norm sind Gegenstand des vierten Quadranten und hier insbesondere dargestellt durch das Wechselspiel zwischen 10. und 11. Haus, die mundan Saturn und Uranus zugeordnet werden. Die normative Verbindlichkeit setze ich in das 10. Haus: Hier sind alle gleich im Angesicht der monumentalen Spielregeln der Kultur. Im 11. Haus dagegen zeigen sich unsere Möglichkeiten, sich von der Masse unserer Mitspieler abzuheben, indem individuelle Maßstäbe zum Ausdruck gebracht werden und auf gesellschaftlicher Ebene nach Gültigkeit drängen. Da sich die Norm über die Anti-Norm zu bestimmen sucht, lokalisiere ich die Wirkung des Blicks von Außen im 11. Haus, welches über die mundane Opposition einen direkten Bezug zum 5. Haus aufweist.

 

Das Große Kreuz

Im Laufe unseres Lebens übernehmen verschiedene Instanzen die Rolle, über den korrigierenden Blick von Außen uns mit den Mechanismen von Norm und Anti-Norm zu betrauen. Ziel scheint, diesen Blick so in uns zu etablieren, daß wir nicht mehr eindeutig bestimmen können, welche unsere eigenen Ansichten und welche diejenigen sind, die uns kulturell eingeflößt werden. Der Blick von Außen mustert uns, überprüft uns und überwacht uns, er kritisiert uns ständig und bringt uns dazu, alle unsere Wesensmerkmale mit den Konventionen zu vergleichen und gegebenenfalls zu konformieren.

Zum ersten Mal geschieht dies bei der Geburt: Hier ist es der Arzt, der auf uns blickt, unsere Anatomie begutachtet und feststellt, ob wir männlichen oder weiblichen Geschlechts sind. In den Worten astrologischer Dynamik spielt sich dies in der Quadratur von 11 nach 2 ab. Unser Menschsein ist damit bereits sexuell präjudiziert: Bestimmte Geschlechtsrollen erwarten uns nun, in die wir uns erwartungsgemäß einzufügen haben. Unsere Eltern übernehmen die Kontrolle über den Blick von Außen. Sie tragen Sorge dafür, daß unsere Entwicklung inhaltlich den Normen entspricht und unser Verhalten sich innerhalb gesellschaftlicher Billigung bewegt. Dabei unterliegen sie ebenso diesem Blick, der ihnen ganz klare Vorgaben macht, was in jedem Fall nicht sein darf bei der Ausbildung der Charaktermerkmale ihrer Kinder. Diese Prozesse erkennen wir in der Dynamik der Beziehung von Haus 11 und 5. Hier schließlich beginnen auch in verstärktem Maße die Muster des "rechten" sexuellen Verhaltens zu greifen, sichtbar am Argwohn vieler Eltern, ob sich ihr Kind "normal" entwickeln wird, aus Angst, sich eines Tages mit dessen Homosexualität konfrontieren zu müssen ("Was werden bloß die anderen sagen"). Danach hat sich in der Regel eine sexuelle Identität herauskristallisiert, und endlich im Wechselspiel zwischen Haus 11 und 8 geht es bei homosexuellen wie auch bei heterosexuellen Bindungen nur noch darum, den Partner zu finden, der mit den Wünschen konform geht (a) in punkto körperlicher Attraktivität und/oder existentieller Absicherung (2 « 8) und (b) in punkto Sexualharmonie (8 « 5).

Die Vernetzung der Häuser 2-5-8 mit dem omnipräsenten Haus 11 (Graphik 1) bedingt, daß wir in jedem dieser Lebensbereiche dem Mißverständnis unterliegen, unsere Wünsche und Bedürfnisse für die eigenen zu halten, anstelle sie als machtstrategische Produkte unserer sozio-kulturellen Existenz zu betrachten.

Im astrologischen Sinne erhalten wir über die Ausführung dieser Gedankengänge das Große Kreuz der fixen Häuser als maßgeblich unseren Sexualstil prägendes Muster im Horoskop.[22]


Grafik 1: Der Zyklus der fixen Häuser

 

Das Talent zur Anti-Norm

Im Laufe des individuellen Werdegangs können nun bestimmte Individuen die Möglichkeit entwickeln, sich entgegen der Formatierung durch die Norm zu bewegen: sie besitzen eine Art "Talent" zur Anti-Norm. Es sei wiederholt zu beachten, daß es sich hier keineswegs um typische Inhalte handelt, sondern stets wird das als Anti-Norm interpretiert, was einer Gegenbewegung zur Norm entspricht. Homosexualität ist demnach nur dann Kennzeichen einer Anti-Norm, wenn die Norm Heterosexualität ist. In Zeiten, in denen man die Kriterien sexueller Identität nicht mehr für die individuelle Existenz als bedeutsam erachtet, würde sich eine entsprechende Fragestellung gar nicht mehr erheben.

Entscheidend ist, wie wir mit dieser Konfrontation umzugehen bereit sind: hier liegt der Freiraum individueller Gestaltung. Hetze ich dem Terror der Ansprüche des "Normalen" nach, verharre somit in den passiven Rolle des Norm-Empfängers, oder wandle ich meine "Fehler" in "Tugenden" und setze sie anstelle des sozio-kulturellen Erbes als Verhaltensmaßstab ein.

Ein Individuum, ausgestattet mit eben jenem Talent, hat nun in besonderem Maße die Freiheit zur Wahl, sich entgegen den ausgetretenen und daher sicheren Wegen der Konventionalität zu entfalten. Es handelt sich jedoch um eine Chance, die sich auftun kann, sich aber eo ipso noch nicht verwirklichen muß. Erst die Aufgabe jeglicher Identifikationsprämissen ermöglicht mir ein Aussteigen aus dem Zwang, sich über sexuelle Parameter zu definieren. Astrologisch symbolisiert der Übergang vom 11. zum 12. Haus – die Ablösung Uranus’ durch Neptun – die völlige Entbindung des Individuellen von den Wertmaßstäben seiner Gesellschaft und das Aufbrechen zu neuen Idealen jenseits überkommener kulturspezifischer Parameter.

Ebensowenig kann die Verwirklichungsebene mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit festgelegt werden, doch weisen die Ergebnisse meiner Studie auf eine ganz bestimmte Konstellation hin, die sich zumindest für die Entwicklung eigener Sexualstile und hier wiederum in der von mir sondierten Generation auf Homo- und/oder Bisexualität bemerkbar macht.

 

Daten der Studie

Die folgenden Daten basieren auf den von mir oben angeführten Kriterien, d.h. sie konzentrieren sich auf die Häuserherrscher des 5. bzw. 11. Hauses und auf die Position von Planeten in den Häusern 5 und 11. Über eine Zeitungsannonce aufgerufen stellten ca. 250 Personen ihre Geburtsdaten zur Verfügung, berücksichtigt wurden jedoch nur 189, die eine standesamtliche Geburtszeit vorlegten. Zusätzlich wurden in die Bilanz Horoskope bekannter Persönlichkeiten aufgenommen, sofern sie nach der Klassifikation des IHL der Gruppe 1 entsprachen und ihre Homo- oder Bisexualität allgemein bekannt und durch persönliche Statements untermauert ist. Dadurch konnten 67 weitere Horoskope in die Studie einfließen. Insgesamt liegen also 256 Fälle vor. Im Rahmen der Auswertung wurden 27 Personen zu einem Interview eingeladen, um theoretische Konzepte empirisch zu überprüfen. Diesen Interviews ist es in erster Linie zu verdanken, daß die oben ausführlich dargestellte Theorie formuliert werden konnte.

Es wurde zur Erhebung der nachfolgenden Daten auf eine Unterscheidung von Homo- und Bisexuellen verzichtet, da sich hinter beiden Begriffen m.E. dasselbe Phänomen verbirgt, auch wenn sich tatsächlich Unterschiede in der Horoskopstruktur bemerkbar gemacht haben, die jedoch nicht unmittelbar mit der sexuellen Identität zu tun zu haben scheinen. Der geringere Anteil von Frauen gegenüber Männern (ein Drittel gegenüber zwei Dritteln) konnte nicht ausgeglichen werden, so daß Spekulationen über einen etwaigen Unterschied zwischen lesbischen und schwulen Sexualstilen ausgespart werden mußten.

Graphik 2 verzeichnet eine deutliche Dominanz der SO/UR-Konstellationen in Bezug auf das 5. Haus gegenüber allen anderen möglichen Konstellationen, was exakt die von mir postulierte Dynamik zur Entwicklung sexueller Identitäten widerspiegelt. Selbst wenn wir alle möglichen Konstellationen der Horoskope gemäß Häuserherrscher und Planetenposition berücksichtigen (Graphik 3), erhalten wir für die Gesamtzahl ein deutliches Übergewicht von SO/UR.

SO/UR stellt für mich in diesem Zusammenhang das "Talent" zur Anti-Norm dar als Voraussetzung, sich im Lebensbereich der Sexualität Gegenstile zu vorherrschenden Mythen zu entwickeln.


Grafik 2: SO/UR im Zusammenhang mit Haus 5-Konstellationen (in %)


Grafik 3: SO/UR im Zusammenhang mit allen Konstellationen (in %)

 

Der Ikarus-Effekt

Aus mytho-poetischer Sicht gefiel es mir, ihr den Titel "Ikarus"-Konstellation[23] zu geben, da sich aus der Allegorie dieser Sage interessante Bezüge zu den oben geschilderten Phänomenen ergeben.[24]

Ikaros, der Sohn des Daidalos, muß mit seinem Vater vor dem König Minos von der Insel Kreta fliehen. Daidalos hat für sich und seinen Sohn Flügel aus Federn und Wachs gebaut, mit deren Hilfe ihnen die Flucht über die Luft gelingt. Doch Ikaros mißachtet den Rat seines Vaters und steigt aus Freude am Fliegen zu hoch hinauf, so daß die Sonne das Wachs seiner Flügel schmilzt und er kopfüber ins Meer stürzt und ertrinkt.

Ungeachtet des moralinsauren Schlusses dieser Fabel, können wir in Ikaros das allegorische Prinzip der Anti-Norm erkennen und in seinem Vater Daidalos den erhobenen Zeigefinger der Norm, nicht den "rechten" Pfad zu verlassen. Damit können wir Ikaros astrologisch Uranus zuordnen, Daidalos Saturn. Ikaros jedoch stellt über die seine Selbstentfaltung beschränkenden Notwendigkeiten die einfache Lust, sich auf den eigenen Schwingen der Freiheit zur Sonne zu erheben, dar – in meinen Augen sinnbildlich der Aufstieg zur Individualität. Die Konsequenzen werden in Kauf genommen, die Unterbindung eigener Bedürfnisse zugunsten eines gemeinsamen Zieles abgelehnt. Die Sonne, ursprünglich Sinnbild des Göttlichen Willens, ist nicht mehr Verpflichtung, sondern Ziel, das Individuum macht seinem Schöpfer als Schöpfer seiner Selbst den Posten streitig.

Die Situation des Homosexuellen ist ähnlich: Während andere Menschen niemals die Notwendigkeit empfinden, sich von der sexuellen Norm zu entfernen, stellt sich für diese auch nicht die Frage nach den Konsequenzen des Andersseins. Menschen, die sich anderen Sexualstilen zuwenden, wird jedoch ein weitaus höheres Maß an Bewußtwerdung der Risiken abverlangt, oder anders ausgedrückt: Da sie nicht auf den Rückhalt gesellschaftskonformer Mythen bauen können, müssen sie sich eigene Mythen konstruieren, um sich ihres anti-normalen Verhaltens sicher sein zu können. Genau dies jedoch wird vom System selbst übernommen, die Mythen um die Homosexualität sind vorkonstruiert und damit führt jedes "Coming-Out" im Grunde – soviel persönliche Überwindung es auch kosten mag – wieder in den Schoß konventioneller Regelmechanismen, astrologisch: Der Höhenflug des Uranus findet sein Ende in Erfüllung der saturninen Warnung, wer vom Wege abkommt, findet sich im Ghetto der Anti-Norm wieder.

 

Nein zum König Sex

Im Verlauf dieser Abhandlung hoffe ich gezeigt zu haben, daß sich die gesellschaftlichen Mechanismen, welche die "Wahrheit" über den Sex produzieren und in ihre Machtstrategien einzubinden vermochten, ihren sozio-kulturellen Ausdruck im Horoskop finden können. Ich wollte von der ermüdenden Diskussion um den "Aufruhr der Triebe", die solange die Welt der AstrologInnen bewegt hat, abweichen und – um mit Foucault zu sprechen – "die Kulissen ein bißchen umstellen", um anderen Zusammenhängen Raum zu schaffen, die m.E. weitaus stärker unsere sexuelle Identität prägen. Meine Arbeit gleicht eher einem Perspektivenwechsel, der aus der fatalistischen Gläubigkeit an den Menschen als Instinktmaschinerie fortführen und neue gangbare Wege zur Überwindung all dessen zeigen soll, was dazu gedacht ist, Menschen voneinander zu trennen anstatt ihre Gemeinsamkeiten zu betonen. Wie sich die Diskussion um Homosexualität und alle anderen Sexualstile entwickeln mag, wissen wir nicht. Doch jetzt schon zeichnen sich – wenn auch in ihrer Prüderie an tiefste vormoderne Zeiten erinnernd – Tendenzen an, dem Druck des "Immer mehr Sex" auszuweichen und andere Formen der Lüste und Lieben zu konstruieren – ebenso wie sich die eine "wahre" Liebe, die eine "wahre" Sexualität sich dereinst etablierte. Wenn wir in Betracht ziehen, daß "Sexualität nicht zutiefst das ist, was die Macht fürchtet, sondern viel eher das ist, wodurch sie wirkt"[25], würden wir vielleicht begreifen, daß wir der endlosen Sexualisierung unseres Daseins durch die "Polizei des Sexes" entkommen, indem wir beginnen, den Polymorphismus des Sexes als Ausdruck des freiheitlichen Wesens des Menschen zu sehen. Vielleicht sieht so der Übergang von Saturn über Uranus zu Neptun aus, wenn die Kategorien des Sexuellen für uns keinerlei Bedeutung mehr haben, wenn wir uns mit anderen konfrontieren und auf einmal feststellen, daß uns mehr Menschen umgeben als Frauen, Männer, Homo- oder Heterosexuelle. "Vielleicht ist es das Ende dieser trostlosen Einöde der Sexualität, das Ende der Monarchie des Sex."[26]


Fussnoten
 
[ 1] spacer RUDHYAR, DANE: Astrologie und Psyche. Mössingen 1990; S.219
[ 2] FROMM, ERICH: Die Kunst des Liebens. Frankfurt/M 1994; S.56f
[ 3] RUDHYAR S.64
[ 4] RUDHYAR S.207
[ 5] BOLZ, ANNETTE: Sex im Gehirn. Südergellersen 1992; S.183.
[ 6] PTOLEMAEUS, CLAUDIUS: Tetrabiblos. Mössingen 1995; S.35. Bis auf die Zuordnungen von Sonne/Mars und Mond/Venus gibt es jedoch immer wieder unterschiedliche Auffassungen über das Geschlecht der restlichen Planeten.
[ 7] GREENE , LIZ: Kosmos und Psyche. Frankfurt/M 1994; S.54f
[ 8] FROMM S.57f
[ 9] BUTLER, JUDITH: Variationen zum Thema Sex und Geschlecht. In: NUNNER-WINKLER, GERTRUD: Weibliche Moral. München 1995; S.61
[10] Eine zusammenfassende Auflistung findet sich bei LEHMAN, J.LEE: Die Deutung der Sexualität im Horoskop. In: TYL, NOEL: Sexualität im Horoskop. Wettswil 1995; S.198f.
[11] FOUCAULT, MICHEL: Von der Freundschaft. Berlin o.J.; S.25
[12] FOUCAULT, MICHEL: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1. Frankfurt/M 1983; S.58
[13] zit. nach ALTENDORF, MARION: Bisexualität. Pfaffenweiler 1993; S.73
[14] GREENE S.139
[15] GREENE S.142
[16] HAMANN, BRIGITTE: Lebensmuster. Wettswil 1994; S.112
[17] HAMANN S.62f
[18] zit. nach ALTENDORF S.68
[19] vgl. ROSCHER, MICHAEL: Praxis der Horoskopinterpretation. München 1992; S.63ff
[20] RUDHYAR, DANE: Das astrologische Häusersystem. Reinbek bei Hamburg 1992; S.91
[21] ADLER, ALFRED: Praxis und Theorie der Individualpsychologie. Frankfurt/M 1984; S.196
[22] Auch NOEL TYL begreift das Kreuz der fixen Häuser als "sexuelle Matrix". Jedoch verfolgt er die These von der Repression der Instinkte, wodurch die Bedeutung von Haus 11 weniger gesellschaftliche Dimensionen annimmt. (vgl. TYL, NOËL: Sexualität im Horoskop. Wettswil 1995; S.21)
[23] Schon bei MICHAEL ROSCHER findet sich diese Bezeichnung für SO/UR, jedoch in einem anderen Kontext. (vgl. ROSCHER, MICHAEL: Kritische Grade in der Prognose, Nürnberg 1994. S.54 und 104: Dort "Ikarusgrad")
[24] Bei der von mir vorgeschlagenen mytho-poetischen Methode handelt es sich nicht um den Versuch, Mythen zu archetypischen Inhalten zu stilisieren. Vielmehr soll hier die Kraft der Allegorie (zu gr. allos-agoreinein "anders reden") entfaltet werden, d.h. mit Hilfe mythischer Bilder - die nichtsdestotrotz kulturellen Paradigmen zugrunde liegen - eine andere sprachliche Qualität ins Spiel zu bringen, die Vorstellungskraft und Denkprozesse effektvoll stimulieren sollen.
[25] FOUCAULT, MICHEL: Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin 1978. S.187
[26] ebd. S.186

 


Literaturverzeichnis

Adler, Alfred: Praxis und Theorie der Individualpsychologie. Frankfurt/M 1984
Altendorf, Marion: Bisexualität. Pfaffenweiler 1993
Bolz, Annette: Sex im Gehirn. Südergellersen 1992
Butler, Judith: Variationen zum Thema Sex und Geschlecht. In: Nunner-Winkler, Gertrud: Weibliche Moral. München 1995
Foucault, Michel: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1. Frankfurt/M 1983
Foucault, Michel: Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin 1978
Foucault, Michel: Von der Freundschaft. Berlin o.J.
Fromm, Erich: Die Kunst des Liebens. Frankfurt/M 1994
Greene, Liz: Kosmos und Psyche. Frankfurt/M 1994
Hamann, Brigitte: Lebensmuster. Wettswil 1994
Lehman, J.Lee: Die Deutung der Sexualität im Horoskop. In: Tyl, Noel: Sexualität im Horoskop. Wettswil 1995
Ptolemaeus, Claudius: Tetrabiblos. Mössingen 1995
Roscher, Michael: Kritische Grade in der Prognose, Nürnberg 1994
Roscher, Michael: Praxis der Horoskopinterpretation. München 1992
Rudhyar, Dane: Astrologie und Psyche. Mössingen1990
Rudhyar, Dane: Das astrologische Häusersystem. Reinbek bei Hamburg 1992
Tyl, Noël: Sexualität im Horoskop. Wettswil 1995


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© Copyright 1998 Christopher A. Weidner / astrologix - by TJK [31/Aug/98]