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Einzelne Themen... ASTROCAMP AUF THASSOS
22.Sep. bis 5.Okt. 1993 mit Friedel Roggenbuck und Satya F. Burger

von Imke Brodersen - Imke_Brodersen@p146.vrc.schiele-ct.de


Einleitung:

Ein allgemeiner Bericht über das Herbstcamp, das Lagerleben und unsere Erfahrungen dort würde den Rahmen dieser Seite sprengen oder ziemlich touristisch ausfallen - ich möchte mich lieber auf die zwei Tage beschränken, die mich schon vorher am meisten gereizt haben, und die mir persönlich dann auch am wichtigsten waren. Der Bericht ist äußerst subjektiv, was daran liegt, daß ich mit mir selbst dabei soviel erlebt habe, daß ich die anderen oft nur noch am Rande wahrgenommen habe. Und ich denke, das war auch der Sinn der Sache.

An diesen zwei Tagen ging es um das LEBENSRAD, das intensive Erleben der eigenen Häuserpositionen. Dadurch daß die einzelnen Übungen und Tätigkeiten in den Tagesablauf integriert waren, war es möglich, in eine Art meditativen Zustand zu gleiten und diesen auch über zwei Tage aufrechtzuerhalten, was ich - bei meinem gespaltenen Verhältnis zu Meditationen - nicht erwartet hätte. Ich hatte gehofft, beim Lebensrad viel zu lernen; ich hatte nicht erwartet, daß ich einen wichtigen Schritt für mich selbst tun würde.

Gleich nach dem Frühstück versammelten wir uns auf dem einen Tanzplatz oben auf den Klippen, wo wir in den Tagesablauf eingewiesen wurden. Als erstes sollten wir zurück zu den Zelten, um Verkleidungsutensilien, unsere Ausstattung für das zweite Haus (Decke, liebgewonnene Besitztümer) und für das dritte Haus (Infos, Bücher, Horoskope) mitzubringen. Dadurch sollte vermieden werden, daß man zwischendurch aus seinem "Space" herausgerissen wird.


1. Haus (Krebs)
Wer wieder da ist, verkleidet sich passend zu seinem Aszendenten (Friedels Klamottenkiste hängt auf zwei langen Wäscheleinen bereit). Dazu improvisiert Friedel auf seiner Gitarre herum. Ich habe mich schon morgens "krebsig", d.h. in meinen blauen Lieblingssachen, angezogen und ergänze das Ganze nun durch ein paar entsprechende Tücher und Schleier. Ganz wichtig ist mir ein Schleier über Kopf und Gesicht, hinter dem ich mich verstecken kann. Es tut gut, einfach ganz bei mir zu sein, nichts tun, nichts zeigen zu müssen.

Wer soweit ist, kommt zu Friedel zum Tanzplatz. Friedel stimmt uns ein auf die große Harmonie, alles ist eins. Ich bin sehr glücklich und fühle mich gelöst und frei. Dann kommt seine Stimme: "Noch fünf Minuten bis zu deiner Geburt." Augenblicklich schlinge ich die Arme fest um mich. Ich spüre ein Engegefühl; ich will hier nicht weg, will nicht verletzlich werden. Am liebsten möchte ich mich verstecken. Dieses Gefühl wird immer stärker, während Friedels Countdown läuft ("Noch zwei Minuten, noch eine Minute"). Um mich herum wird alles aktiver, aber ich will mich nur noch verkriechen. Geboren werden - nein, bloß nicht (ich war auch eine Zangengeburt!). Nach einer Weile, als ich merke, daß keiner mir was tut, daß mein Schleier respektiert wird, komme ich ganz, ganz vorsichtig heraus, bin aber ständig auf der Hut. Irgendwann kommt Gabriela an (Jungfrau-AC) und lockt, doch ich reagiere nicht recht. Erst als sie traurig und enttäuscht zurückweicht, kann ich auf sie zugehen und schließlich befreit mit den anderen mitschwingen. Mitleid und das Bedürfnis, zu trösten, hat den Krebs aus der Reserve gelockt. Nach dieser Begegnung fällt es mir dann auch nicht mehr allzu schwer, in andere Begegnungen zu gehen, und als sich alle im großen Kreis tanzend vorstellen - Friedel improvisiert entsprechend zum Ausdruck der einzelnen - und die anderen die Bewegungen nachmachen, traue ich mich schon ziemlich früh in die Mitte.


2. Haus (Löwe)
Zuerst eine Partnerübung: Es ist Zeit fürs Brunch - heute lauter Delikatessen -, und dabei sollen wir uns mit verbundenen Augen füttern lassen, um zu erkennen, wie sehr wir doch an unserem eigenen Geschmack hängen. Wer mag schon Gewürzgurken mit Honig? Ich befürchte das Schlimmste, doch dann amüsiert sich meine Partnerin köstlich darüber, wie ich ständig den Mund aufsperre. Nur ein einziges Mal spucke ich entsetzt aus (ich hasse Ingwer), doch gleich darauf entreisse ich ihr den Becher, der nämlich zur Feier des Tages Kakao enthält. Beim Selberfüttern zeigt sich das gleiche Bild grad umgekehrt: Ich füttere zu schnell und lasse meiner Partnerin wenig Zeit zum Schmecken und Geniessen. Ihre Langsamkeit beim Essen macht mich sehr ungeduldig.

Nach dem Essen richten wir unsere Häuser ein, d.h. wir suchen uns ein Plätzchen am Strand, wo wir unsere Decken ausbreiten und unsere Siebensachen aufbauen. Wieder einmal merke ich, wieviel Raum ich beanspruche. Um meine Decke herum erstreckt sich ein weiter Garten bis zum Meer hin, den ich mit Steinen abgrenze. Dieses Revier verteidige ich auch gegen jeden, der einfach achtlos hindurchgeht: "He, das ist doch mein Garten!" Es gibt nur einen offiziellen Eingang über ein drei Meter langes Tuch - ich will schließlich rechtzeitig sehen, wer da kommt. Für Gäste baue ich noch eine Sonnenterasse und habe Essen zum Anbieten und Teilen da. Ich bin sehr seßhaft und warte, ob wohl jemand kommt. Im ersten Moment spüre ich dann Widerstand, weil meine Ruhe gestört wird, doch wenn das Haus voll ist und ich meine Gäste bewirten kann, bin ich froh.

Als ich irgendwann auch mal zu anderen gehe, fällt mir erst auf, wie maßlos meine Raumansprüche im Vergleich sind. Fast jeder hat sich mit seiner Decke oder Matte begnügt, diese aber teilweise richtig künstlerisch ausgestaltet mit kleinen Altären oder liebevoll arrangierten Dingen.

Danach kommen wir im Kreis zusammen. Jeder soll einen frei- willigen Geldbetrag verschenken,jeder bekommt anschliessend auch eines dieser Geschenke zurück, die natürlich sehr unterschiedlich ausfallen. Ich bin sehr unsicher und gebe dann eine Summe, die ich für großzügig halte, ohne daß ich deshalb zu wenig übrig habe. Zurück bekomme ich kein Geld, sondern eine Massage von einer Teilnehmerin, die sehr wenig Geld hat. Damit bin ich ausgesprochen zufrieden, auch wenn dieser Gutschein erst später eingelöst wird.


3. Haus (Beginn in Löwe, Uranus/Pluto/Mars in Jungfrau)
Wir treffen uns zunächst zum allgemeinen Palavern und analysieren dann in spontanen Gesprächen ein paar Horoskope. Das Reden über Horoskope war bisher in der Gruppe weitgehend ausgeklammert, so daß sich interessante Einblicke ergeben. Mir ist alles zu oberflächlich, denn es entsteht kein wirklich tiefer Kontakt im Zweiergespräch. Ich merke, daß ich ziemlich unter Spannung stehe. Anscheinend kommen weder Uranus noch Pluto so recht zum Zug. Das Reden wird auch immer wieder von einem kurzen Klingeln von Satya unterbrochen: Dann hat 10 Sekunden Ruhe zu herrschen.

Der zweite Teil des 3. Hauses findet im Kreis statt. Jeder kann den anderen etwas sagen, was ihm am Herzen liegt oder was sie noch über ihn erfahren sollten, insbesondere wenn es nichts mit Astrologie zu tun hat. Ich erinnere an das Protokoll (wer schreibt heute?) und bitte um Achtsamkeit und bewusstes Einschreiten angesichts der massiven Ausländerfeindlichkeit in Deutschland, die meiner Ansicht nach zum großen Teil auf geplatzte Feindbilder nach der Wiedervereinigung zurückgeht.


4. Haus (IC Jungfrau, Mond in Waage)
Nach dem Essen sollen wir für uns bleiben und zur Ruhe kommen. Wem das draußen nicht gelingt, der kann sich ins Tipi zurückziehen. Dort entsteht eine Schmuserunde jenseits von Zeit und Raum mit Räucherstäbchen und Musik. Ich finde das anziehend, möchte mich aber - nach ausgiebigem Tagebuch- schreiben - lieber Mann und Kind widmen, für die ich heute noch gar keine Zeit hatte. Ins Tipi könnte ich nur mit sehr schlechtem Gewissen gehen; mein Waage-Mond fordert ausgleichende Gerechtigkeit, damit es allen gut geht. Wahr- scheinlich ist auch mein Jungfrau-IC höchst skeptisch, was die große, unpersönliche Intimität im Zelt angeht.


5. Haus (Skorpion; Neptun im Skorpion, Venus im Schützen)
Nach der Ruhephase in IV. sollen wir uns eigentlich oben auf den Felsen zum Tanzen treffen, aber da tut sich nichts. Also spiele ich ausgelassen mit den Kindern, was eine Weile viel Spaß macht und mich völlig in Anspruch nimmt. Da immer noch keiner auftaucht, gehe ich nahtlos über ins


6. Haus (Schütze/Steinbock; Merkur im Schützen, Sonne im Steinbock)
An den Küchenfelsen wartet eine Liste mit Arbeiten fürs Abendessen, aus der man sich eine Aufgabe aussuchen kann. Ich wähle einen Job für zwei und fange einfach an, weil die Zeit allmählich drängt. Als meine Schwester sich zu mir setzt und mitmacht, geht die Arbeit bei Gesprächen über Astrologie flott von der Hand - Merkur ist glücklich. Aber meine saturnische Sonne grummelt, weil es wirklich schon spät ist. Irgendwann gehe ich zum Tipi und mahne an, daß in einer Dreiviertelstunde die Sonne untergehen wird und das Essen vorbereitet werden muss (träge Antwort: "Will hier jemand was essen?"). - Die anderen gehen erst noch hoch zum 5. Haus und haben dort offenbar viel Spaß, doch das reizt mich jetzt nicht mehr. Meine Venus ist irgendwie verloren gegangen. Ich kenne die Situation, etwas grummelnd für alle zu arbeiten, weil es einfach notwendig ist (nach Sonnenuntergang kommen die Schnaken, und wir haben sehr schnell nur noch den Schein der Koch- und Lagerfeuer; schlechte Bedingungen zum Kochen). Diesmal grummele ich nicht, sondern sehe mir einfach meine Gefühle an.


7. Haus (Steinbock/Wassermann)
Am nächsten Morgen wählen wir einen Partner, dem wir als erstes eine gute Dreiviertelstunde möglichst ohne Zwinkern in die Augen schauen. Das finde ich sehr anstrengend. Mein Partner wirkt immer wieder äußerst streng und erinnert mich an meinen Vater und Opa. Genau solche Eindrücke sollen wir registrieren.

Die Übung schließt ab, indem wir dem Partner abwechselnd einige Minuten lang alles sagen, was wir tun würden, "wenn du mein Partner wärst". Dabei kommt eine ziemlich romantische, gute Schwingung zwischen mir und meinem Partner auf, eine gute Überleitung zum


8. Haus (Wassermann)
wo wir zwischen Tiefenmassage und Rebirthing wählen können. Die Massage soll am Gesäß ausgeführt werden, was bei mir am ganzen Rand des kleinen Beckens starke Schmerzen verursacht, die mich an Geburtsschmerzen erinnern, bloß von außen. Mein Baby - ich bin im fünften Monat schwanger - fängt auch kräftig an zu zappeln. Es fällt mir schwer, den Schmerz zuzulassen, ohne mich dagegen zu verkrampfen, aber ich merke, wie es mir hilft, bewußt zu atmen und einfach die Stimme loszulassen. Bloß nicht beherrschen wollen.

Als ich selbst massiere, bin ich ziemlich unsicher, weil mein Partner kaum Reaktion zeigt. Ich experimentiere daher ziemlich viel herum.


9. Haus (Wassermann/Fische, Saturn in Fische)
Wir sollen spazieren gehen und dabei auf "Omen" und "Zeichen" achten. Alles hat seine Bedeutung.

Zunächst gehe ich den gewohnten Weg Richtung Dorf, doch dann kommt der Impuls, "ich will neue Wege gehen". Ich erinnere mich auch an eine Regel meiner Eltern, die beim Wandern nie denselben Weg zurück genommen haben, egal wie sehr wir uns dadurch verirren mochten. Hindernisse umgehe ich sehr achtsam und schaue, ob sich dabei neue Wege auftun. Dies bewährt sich besonders auf dem Rückweg, wo mir eine schöne Pinie den Weg in die Bucht zurück "zeigt".

Vorher aber lande ich auch der anderen Seite der Halbinsel in einer Bucht mit steilen Felsklippen und rauher Gischt. Hier begreife ich, wie Saturn in den Fischen mir im Meer der Gefühle Halt gibt. Trotzdem oder gerade deshalb kann ich die Gefühle bei mir und anderen zulassen und spüre tiefe Dankbarkeit dafür. In dieser Stillephase am Meer fällt mir ein Gedicht von mir ein, das ich immer wieder leise spreche. Ich habe das Gefühl, mich selber wiedergefunden zu haben:

  Krebszeit
Aus tiefen, dunklen Wassern
trägt Sehnsucht uns empor;
komm, koste von der Quelle
dann öffnet sich ein Tor

uralte, harte Narben
scheuern die Seele wund;
unter den Krusten aber
sind wir schon lang gesund

brechen wir auf den Panzer
und schwingen mit der Zeit,
so finden wir die Insel
im Meer der Ewigkeit

dort war unser Zuhause,
dorthin kehr' ich zurück,
dort will ich hüten, bergen
der Menschen Lebensglück


10. Haus (Fische/Widder)
Nach dem Spaziergang dürfen wir zu Saturn persönlich gehen (Friedel in Gestalt eines weisen Lehrers), der uns etwas Wichtiges zu sagen hat. Ich habe jedoch im 9. Haus beschlossen, daß mir keiner sagen kann, wo es lang geht, nur ich selbst. Lehrer können mich immer nur ein Stück weit begleiten.

Unsere Einsichten und guten Vorsätze sollen wir auf einer Klippe aufs Meer hinausschreien - ich schreie nicht, aber ich sage klar und deutlich, daß ich der Intuition mehr Raum in meinem Leben geben will.


11. Haus (Stier/Zwillinge; Jupiter im Stier)
Natürlich ist es nach dem 10. Haus schon wieder dunkel, so daß wir unter Satyas Anleitung im Mondschein nach TAKETINA tanzen. Ich merke, wie sich Stimme, Hände und Füsse verselbständigen, je mehr die bewußte Kontrolle wegfällt und je schneller der Tanz wird. Dieses Phänomen hat meine Tanzlehrerinnen schon immer an mir erstaunt; beim eigentlichen Tanz konnte ich die Schritte, beim langsamen Üben jedoch nicht.


12. Haus (Zwillinge/Krebs; aufsteigender Mondknoten in den Zwillingen)
Das 12. Haus findet nur im Traum statt, aber davon weiß ich nichts mehr, und das stört mich auch nicht.

...


Ich hoffe, wer bis hierher durchgehalten hat, hat jetzt einen gewissen Eindruck, wie astrodramatische Impulse aussehen können. Es gibt viele Facetten - Tanzen, Verkleiden, Maskenbau, sich einfühlen in Planeten und Energien und sich dann mit anderen austauschen, geführte Meditationen, Rituale, Körperarbeit und natürlich die konkrete Inszenierung von Aspekten oder ganzen Horoskopen aus dem Teilnehmerkreis.

Die Techniken aus dem Astrodrama können höchstens sehr begrenzt in Beratungen einfliessen; dazu sind sie auch nicht da. Aber die Kenntnisse, die durch die Übungen erlangt werden, erweitern Einfühlungsvermögen, Selbstwahrnehmung und Horizont eines Astrologen und sind daher ausgesprochen hilfreich (und nicht so schnell vergessen wie angelesenes Wissen).

Anbieter gibt es einige, Literatur mittlerweile auch, aber das Wichtigste ist wohl Experimentierfreude und Neugier, wenn man Astrologie auf diesem Wege erfahren will.

Viel Spaß dabei,

Imke Brodersen, Karlsruhe



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© Copyright 1996/97 Imke Brodersen / astrologix - by TJK [10/Apr/97]