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Zurück... Plädoyer für das System der gleichen Häuser
- Nach Ideen von Bernd A. Mertz (aufgeschrieben von TJK, 12/95)


Das Problem der Häuser

Die Häuser oder Felder des Horoskops stellen innerhalb der Astrologie das wohl umstrittenste Problem dar. Die große Frage lautet: Welches der vielen verschiedenen Häusersysteme soll nun gelten, welches dieser Systeme ist in der Praxis überhaupt anwendbar?

Gerade die Häuserproblematik liefert den Gegnern der Astrologie die besten Argumente. Man spricht von Jahrmarktsastrologie oder gar Scharlatanerie. Aber auch viele astrologische Schulen lehnen die Häuser entweder gänzlich ab oder suchen sich neue Bedeutungen und Rechnungsarten.

Die Häuser sind erdbezogen, d.h.: Das Häusersystem, welches auch immer, ist abhängig von der täglichen Drehung der Erde um ihre eigene Achse. Aus dieser täglichen Achsendrehung ergibt sich der aufsteigende Grad der Ekliptik (der Aszendent), wie auch der kulminierende Punkt, also die Himmelsmitte (MC).

Für die Häusereinteilung einschließlich Aszendent und MC verwendet man gerne das Wort vom inneren Horoskop. Das äußere Horoskop stellen die Tierkreiszeichen und die Stellungen der Planeten dar, und diese sind vom jährlichen Lauf der Erde um die Sonne abhängig. Im Gegensatz dazu wird das innere Horoskop in seiner Einteilung durch die tägliche Drehung der Erde um ihre Achse bestimmt. Man trennt also ganz bewußt und logisch Tierkreiszeichen und Häuser.

Wie der Tierkreis entstand, ist verhältnismäßig einfach zu erklären. Schwerer dagegen ist zu erläutern, wie das Häusersystem sich entwickelte und wie man im Lauf der Zeit zu den jeweiligen Bedeutungen der einzelnen Häuser kam.

Daß die Häuser mit dem Lauf des menschlichen Lebens zu tun hätten, war offensichtlich der Urbeginn des Überlegens, als man sich ein Häusersystem schuf. Und dieses Häusersystem entstand nicht über Nacht: Es bedurfte vieler Generationen durch Jahrtausende, um zu einem halbwegs funktionierenden System zu kommen.

Aber eines stand immer fest: Die Einteilung des Häusersystems bezieht sich auf irdische Dinge, im Unterschied zu der Tierkreiseinteilung, die sich mehr auf das Seelische bezieht, also auf die Psyche.

Schon bei den alten Ägyptern taucht der Begriff der Häuser auf, wenn auch nur als solche, in denen gewisse Planetengötter zu Hause waren. Entscheidend ausgebaut wurde das Häusersystem dann zunächst von den Griechen und später von den Arabern. Erste Ansätze lassen sich bereits für das zweite Jahrhundert unserer Zeitrechnung nachweisen. Unsere heutige Einteilung in zwölf Abschnitte, ist wohl auf den arabischen Mathematiker und Astronomen AL BATTANI (ca. 858 - 929) zurückzuführen.

Gehen wir nun einmal davon aus, daß die Häusereinteilung nicht mit dem Himmelsgebäude und damit dem Tierkreis, sondern starr mit der Erde verbunden ist. Was bedeutet dies?

Da sich die Erde innerhalb eines Tages einmal um ihre Achse dreht, durchläuft jeder Punkt des Himmels und damit jeder Grad des Tierkreises das innere Horoskop in vierundzwanzig Stunden, und zwar in der Folge Aufgang - Himmelsmitte - Untergang - Himmelstiefe bis wieder zum Aufgangspunkt. So ergibt sich: Wenn die Sonne am Ostpunkt - am Aszendent - steht, ist Morgen. Mittag ist, wenn die Sonne am MC (Himmelsmitte) angelangt ist. Steht die Sonne am Deszendenten - dem Untergangspunkt - ist Abend. Hat sie die Himmelstiefe (IC) erreicht, ist Mitternacht. Der Himmel dreht sich also täglich im Uhrzeigersinn - das heißt rechtsherum.

Die Häuser werden jedoch in umgekehrter Reihenfolge gezählt - also nicht im Uhrzeigersinn sondern linksherum. Man beginnt am Aszendenten, geht abwärts zur Himmelstiefe und dann über Deszendent und Himmelsmitte weiter, wieder zum Aufgangspunkt - also entgegengesetzt, wie sich der Himmel scheinbar täglich um die Erde dreht. Die Tatsache, daß man linksherum zählt, wird dann begreiflich, wenn man versteht, daß die Astrologie in den zwölf Häusern Stationen erblickt, die das neugeborene Ich - der Horoskopeigner - zu durchlaufen hat.

Dies wird klarer und wohl einleuchtender, wenn man den ursprünglichen Sinn der Häuser wieder begreift. Vielem am überlieferten und auch heute gebräuchlichen System nämlich haftet wirklich etwas Mittelalterliches an. Etwas von Jahrmarktatmosphäre oder Wahrsagerei, so daß sich sogar engagierte Astrologen verlegen winden, wenn sie Wörter und Bezeichnungen wie Geld- oder Reisehaus hören.
Vieles klingt in der Tat zu naiv, zu bilderbuchartig, zuwenig psychologisch, so daß mancher zu verstehen ist, der das Häusersystem als eine Zumutung empfindet. So gibt es Schulen, die die Häuser ablehnen. Nur stellt sich dann die Frage: Kommen sie ohne Häuser wirklich weiter?

Vier Punkte im Horoskop sind eigentlich völlig unbestritten.
Da ist der Aszendent, also der Grad der Ekliptik der zu einem bestimmten Zeitpunkt am Osthorizont aufgeht. Dieser Aszendent ist der "aufsteigende Stern", wie er oft in der klassischen Astrologie genannt wurde. Also der Punkt, da das Ich geboren wird: der Ich-Punkt. Dieser Ich-Punkt ist nicht mit dem Lebenskern, der inneren Kraft, des Horoskopeigners zu verwechseln, der wird ja durch die Sonne im Horoskop symbolisiert. Beim Aszendenten geht es um die Persönlichkeit oder um das irdische Schicksal, das dem Horoskopeigner aufgeprägt worden ist.

Dem Aszendent als Ich-Punkt liegt der Deszendent als Du-Punkt gegenüber. Der irdische Du-Punkt - denn daß das Ich zum Du strebt, braucht nicht näher erläutert zu werden; das Ich erfüllt sich schließlich erst im Du. Das heißt: Auf die Erde, aufs irdische Leben bezogen, symbolisiert der Du-Punkt also auch den irdischen Partner.

Verbindet man AC und DC mit einer Linie - quasi die Horizontlinie, so erhält man zwei gleiche Teilkreise. Die untere Hälfte symbolisiert die Nacht- oder Innenwelt, die obere Hälfte die Tag- oder Außenwelt.

Die übrigen zwei allgemein unbestrittenen Punkte sind Himmelsmitte und Himmelstiefe. Also die Punkte, da die Planeten ihre höchste und tiefste Kulmination erreichen. Das MC, die Himmelsmitte, steht für die irdische Zielrichtung des Horoskopeigners. Dem MC steht das IC, die Himmelstiefe, gegenüber. Dieser Punkt spiegelt die irdische Herkunft, die direkt ererbte Tradition wider.

Zieht man nun eine Linie zwischen MC und IC, so teilt man das Horoskop in einen linken und einen rechten Teil. Die linke Hälfte nennt man Ich-Hälfte, weil hier der Ich-Punkt dominiert, die rechte Hälfte ist entsprechend die Du-Hälfte mit dem Du-Punkt.

Durch die Verbindungslinien zwischen AC und DC, sowie zwischen MC und IC, erhalten wir eine Teilung des Horoskops in vier Teile. Diese sogenannten Quadranten werden allgemein von allen astrologischen Schulen und Richtungen anerkannt. Die Streitfrage geht alleine um die innere Dreiteilung der Quadranten.

Zur Häuserberechnung gibt es viele Schulen und Systeme. Entscheidend ist im Grunde nur die Frage, ob man sich für das äquale oder das inäquale System entscheidet. Das äquale System rechnet in etwa nach den Graden, die rund um den Äquator gelten, also nach dem Dreißig-Grad-Häusersystem. Im deutschsprachigen Raum ist das inäquale System gebräuchlicher, wie es z.B. von Placidus oder Koch errechnet wurde. Dieses System bezieht bei jeder Häuserspitze die Schiefe der Ekliptik mit ein, d.h. je nach Breitengrad verändert sich die Häusergröße ganz individuell.

Beim inäqualen System ergibt sich allerdings ein Problem: Je näher man nämlich den Polen kommt, desto unterschiedlicher groß werden die Häuser. Ab ungefähr dem 65. Breitengrad nördlich oder südlich funktioniert dieses System praktisch nicht mehr. So kann es vorkommen, daß Aszendent und MC auf den gleichen Grad im Tierkreis fallen. Das würde bedeuten, daß es dann in diesem Horoskop kein 4.,5., 6., 10., 11.

und 12. Haus gibt.

Nun haben wir aber je neunzig Breitengrade nördlich und südlich. Wenn man davon ausgeht, daß die Astrologie weltweit gilt, so wirkt es nicht überzeugend, wenn man für einzelne Erdteile - oder sagen wir, den Raum vom 30. bis zum 60. Breitengrad nördlich - ein besonderes Häusersystem anwendet. Hier zeigt sich eine Schwäche des Systems von Placidus bis Koch und damit ein Nachteil des so berechneten Aufbaus unseres inneren Horoskops. Und so ist unser System der ungleichen Häuser, also auf der Grundlage des inäqualen Systems, auch auf der Welt kaum gebräuchlich. Die Mehrheit der Astrologen weltweit benutzt das Dreißig-Grad-System der gleichen Häuser. Es scheint eine gute Idee zu sein, eine Zeitlang mit beiden Systemen gleichzeitig zu arbeiten. Wer dies länger tut, wird sicher zu seinem Häusersystem kommen.

Beim System der gleichen Häuser kommt es häufig vor, daß das MC nicht mit der Spitze des zehnten Hauses zusammenfällt. Das muß aber kein Nachteil sein: Wer sagt denn, daß die innere Zielrichtung, die man selbst in sich spürt, der man nachgeht, sich im Beruf oder in der äußeren Geltung offenbaren muß? Sehr viele Menschen finden ihre Zielerfüllung in ganz anderen Bereichen als in ihrem Beruf. Gleiches gilt für das IC, welches dann auch nicht mehr mit der Spitze des vierten Hauses zusammenfallen muß: Nicht jeder empfängt seinen Herkunftsimpuls allein vom Elternhaus, bekommt seinen inneren Antrieb aus dem normalen Traditionsbereich. Die Praxis der psychologischen Forschung bestätigt dies immer wieder.

Dies alles heißt also, beim System der gleichen Häuser gibt es Betrachtungs- und Deutungspunkte, die sonst unberücksichtigt bleiben würden. Dazu kommt, daß die Aspekte zum MC meist andere sind als die Aspekte zur Spitze des zehnten Hauses, was natürlich auch für das IC und die Spitze des vierten Hauses gilt.

Das Argument übrigens, das so gern von Astrologiegegnern gebraucht wird, es dürfe nur ein richtiges System geben, ist unsinnig. Immer führen viele Wege zum Ziel, oder anders: Man muß viele Wege einschlagen, um zum Ziel zu kommen. Nur so findet man nämlich den richtigen Weg. Wenn es sich um innere Probleme, Entwicklungen und Schicksalsabläufe handelt, dann muß man offen sein für andere Anregungen. Die Daten eines Horoskops müssen stimmen - und damit die planetarische Ausrechnung. Also: Planeten, MC und Aszendent sollten immer gleich sein, sonst kann man nicht vergleichen. Aber weitere Ausdeutungssysteme und Aufschlüsselungen nehme man immer als individuell zur Kenntnis und respektiere sie.



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Literatur von Bernd A. Mertz:

Mertz, Bernd A: Also sprachen für die Astrologie...
Zitate berühmter Persönlichkeiten
Edition Astrodata, 1995
ISBN 3-907029-45-3
Preis 29,80 DM (29,80 SFr, 233,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Astrologie als Wegweiser
Auswertung, Kombination und Anwendung des Geburtshoroskops
88 Zeichn. v. Eisler, Christiane
Ebertin, 1984
ISBN 3-87186-061-1
Preis 26,- DM (27,- SFr, 203,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Astrologie und Tarot
Ill. v. Struck, Paul
Ansata /BRO, 3. verb. Aufl. 1990
ISBN 3-7157-0093-9
Preis 58,- DM (58,- SFr, 423,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Die Esoterik in der Astrologie
( Esotera-Tb. )
15 Zeichn. v. Eisler, Christiane
Bauer, Hermann, 2. unveränd. Aufl. 1991
ISBN 3-7626-0645-5
Preis 6,- DM (6,- SFr, 44,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Das Goldmann-Handbuch der Astrologie
( Goldm. Ratgeber, Band 13557 )
Goldmann, W /VVA, 1993
ISBN 3-442-13557-5
Preis 24,90 DM (24,90 SFr, 182,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Grundlagen der klassischen Astrologie
Die Planeten - die Tierkreiszeichen - das Häusersystem - die Aspekte
( mvg-Pb., Band 527 )
moderne industrie, 1996
ISBN 3-478-08527-6
Preis 14,90 DM (14,90 SFr, 110,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Das Grundwissen der Astrologie
Persönlichkeit - Lebensplan - Partnerschaft - Zukunft
Ariston, 2. Aufl. 1991
ISBN 3-7205-1587-7
Preis 44,- DM (44,- SFr, 321,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Das Handbuch der Astromedizin
Gesundheit im Horoskop
Ariston, 1991
ISBN 3-7205-1683-0
Preis 39,80 DM (39,80 SFr, 291,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Das Handbuch der Astrologie
Horoskope stellen und deuten
Gondrom Bindlach, 1993
ISBN 3-8112-1007-6
Preis 16,80 DM unverbindlich

Mertz, Bernd A: Karma in der Astrologie
Die Wurzeln der Seele im Horoskop
20 Abb. v. Eisler, Christiane
Ansata /BRO, 2. verb. Aufl. 1995
ISBN 3-7157-0070-X
Preis 24,- DM (24,- SFr, 175,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Die Lichter des Himmels geben Zeichen
Astrologie und Christentum
Hrsg. v. Radel, Hartmut
Fischer Media, 1990
ISBN 3-85681-241-5
Preis 36,- DM (34,- SFr, 286,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Liebe - Opfer - Magie
Der Mensch als Geheimnis des Kosmos. Die Praxis der esoterischen Horoskopdeutung
Edition Astrodata, 1992
ISBN 3-907029-25-9
Preis 38,- DM (38,- SFr, 297,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Paracelsus und seine Astrologie
Im Menschen nämlich sind Sonne und Mond und alle Planeten
Edition Astrodata, 1993
ISBN 3-907029-32-1
Preis 19,50 DM (19,50 SFr, 152,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Schicksalspunkte im Horoskop
Die Schnellanalyse der Astrologie
Edition Astrodata, 1991
ISBN 3-907029-20-8
Preis 38,- DM (38,- SFr, 297,- ÖS)

Mertz, Bernd A: Der Weg zum Horoskop
Astrologie für Einsteiger
( mvg-Pb., Band 494 )
moderne industrie, 2. Aufl. 1995
ISBN 3-478-08494-6
Preis 14,90 DM (14,90 SFr, 116,- ÖS)


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