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Über den Autor:
Ernst Ott, geboren am 13. Juli 1950, um 10.30 Uhr in Winterthur in der Schweiz, war 10 Jahre Lehrer. Er lebt heute in Deutschland und wirkt hauptberuflich als beratender Astrologe. Außerdem leitet er die Astrologieschule Ernst Ott mit Klassen in Karlsruhe, München und Rottenburg am Neckar, in denen Menschen, welche die psychologische Astrologie professionell anwenden möchten, zu Beratern ausgebildet werden. Schwerpunkte: Psychologische, kreative und spirituelle Astrologie, Beratungstechnik, Einbezug der Klienten in die Deutung.
Er schreibt regelmäßig Artikel in Fachzeitschriften und ist Verfasser der Bücher "Der Deszendent, das Tor zur Partnerschaft" (1998) und "Lebensweg-Analyse - Lehrbuch der Progressionen" (2001).
 

Autor: Ernst Ott

Neue Ideen für das Spiel des Lebens


Wenn ich die Kartei meiner Klienten durchsehe und auf den Zeitpunkt achte, als sie zum ersten Mal gekommen sind, finde ich überdurchschnittlich häufig die Zeit ihres progressiven Neumondes, manchmal auch des Vollmondes. Die Menschen haben dann instinktiv den Eindruck, dass es nicht mehr ewig so weitergehen kann. Sie beginnen danach zu fragen, wo sie stehen und wohin sie gehen wollen. Das ist natürlich die klassische Fragestellung für eine astro-psychologische Beratung.

In der Zeit des Neumondes werden die Karten neu gemischt. Wir können nun die beiden Ur-Lebenskräfte Sonne und Mond neu kombinieren. Das Leben gleicht ein bisschen dem Kinderspiel mit den Lego-Bauteilen. Es gibt nur wenige Grundbausteine - letztendlich lassen sich alle auf die Kräfte Yin und Yang zurückführen, oder wie wir sie in der westlichen Tradition nennen: Mond und Sonne, das Weibliche und das Männliche. Mittels dieser einfachen Grundbausteine haben wir wie das Kind mit den Lego-Klötzen die Möglichkeit, immer wieder anderes "Spielzeug" herzustellen. Nun gibt es beim Lego-Spiel allerdings einen Haken: Wenn wir etwas Neues bauen wollen, fehlen manchmal die Steine, denn die meisten sind irgendwo verbaut. Sie sind Teil von kürzlich gebauten Gebäuden und Fahrzeugen oder auch von längst nicht mehr gebrauchten Häuschen, die wir als Kleinkind zusammengebastelt haben. Der progressive Neumond hilft uns nun dabei, einiges auseinander zu bauen, was nicht mehr unserer Alters-Spielstufe entspricht. Dann schreien wir und freuen uns zugleich. Wir schreien, weil wir noch ein bisschen an dem alten Mist hängen, und wir freuen uns, weil bei dieser Gelegenheit eine große Menge von Steinen frei geworden ist für neue Werke! Und das Schöne daran ist, dass die Steine so neu und frisch sind wie am ersten Tag. Sie tragen keinerlei Altersspuren und niemand sieht ihnen an, zu welch merkwürdigen Zwecken sie schon gebraucht und missbraucht wurden. Der progressive Neumond ist eine Art Neugeburt, bei der wir die ursprünglichen Bausteine nochmals neu geschenkt bekommen: einen reinen, unverbrauchten Mond, ohne die Gefühlsbelastungen und schlechten Erinnerungen aus der Vergangenheit sowie eine neue, unverbrauchte Sonne!

Die letzten Jahre vor dem Neumond sollten wir nutzen, um zu betrachten, was im vergangenen Zyklus gewachsen ist sowie um kritisch Bilanz zu ziehen: Was davon brauchen wir auch in den kommenden Jahrzehnten? Was hingegen trägt den Stempel früherer Entwicklungsphasen und kann - wie ein Lego-Häuschen - auseinander gebaut werden, um dem neuen Zyklus als frischer Baustein zur Verfügung zu stehen? Die ersten Jahre nach der Konjunktion eignen sich dazu, die Teile und Talente neu zu betrachten und mit neuen Kombinationen zu experimentieren. Achten Sie nach dem progressiven Neumond darauf, dass Sie nicht übermäßig mit Resten aus dem vergangenen Zyklus belastet sind, sonst fehlen Ihnen die Teile und die Energie, um die Zukunft zu gestalten.

Wenn Sie einen früheren progressiven Neumond untersuchen, dann können Sie davon ausgehen, dass Sie damals - vielleicht unbewusst - für sich definiert haben, wie Aktiv und Passiv in Ihrem Leben zu verteilen sind. Es entstand eine bestimmte Mischung aus den sich ergänzenden Bedürfnissen nach Geborgenheit und nach Autonomie. Ist diese Mischung heute noch sinnvoll? War sie eigentlich ausgewogen? Sie könnten sich auch fragen, wie Sie damals die Rollen in der Partnerschaft definierten oder wie Ihr inneres Verhältnis zu Vater und Mutter war. Auf verschiedensten Ebenen wurde beim letzten progressiven Neumond eine Art Arbeitsteilung zwischen Sonne und Mond etabliert. Eine solche Aufteilung bleibt in der Regel so lange erhalten, bis Sie diese in Frage stellen und neu definieren. Eine günstige Phase dafür ist der nächste Neumond, aber auch die Zeiten der übrigen Aspekte zwischen progressivem Mond und progressiver Sonne, wie etwa das aufsteigende Sextil vier bis fünf Jahre nach dem Neumond, das aufsteigende Quadrat ungefähr sieben Jahre nach der Konjunktion sowie gut zwei Jahre nach dem Quadrat das aufsteigende Trigon. Ein besonderer Höhepunkt ist die Opposition, d.h. der progressive Vollmond, etwa 14-15 Jahre nach dem Neumond. Hier ist wieder eine grundlegende Neudefinition und ein Richtungswechsel möglich. Das beim Neumond etablierte Verhältnis zwischen Männlich und Weiblich trägt jetzt seine Früchte oder kommt in eine Krise, damit wir ausgleichen und korrigieren können. Weitere Gelegenheiten, Sonne und Mond besser zu kombinieren, geben die entsprechenden Phasen des absteigenden Zyklus. Bei all diesen Zwischenstationen können wir uns nach der bisherigen Zusammensetzung der Sonne- und Mondkräfte fragen und erhalten neue Ideen für deren Kombination. Als Orientierungshilfe für den Charakter der einzelnen Phasen benutze ich folgende Schlüsselbegriffe, frei nach Dane Rudhyar:

Der 30-jährige progressive Sonne-Mond-Zyklus
 
Konjunktion: Vereinigung von Sonne und Mond; Neugeburt
aufsteigendes Sextil: Phase der Organisation
aufsteigendes Quadrat (zunehmender Halbmond): Krise der Entscheidung
aufsteigendes Trigon: Ausdruck
Opposition: Fortschritt; Höhe- und Wendepunkt des Zyklus
absteigendes Trigon: Verständnis
absteigendes Quadrat (abnehmender Halbmond): Krise der Neubewertung
absteigendes Sextil: Reorganisation
Konjunktion: Freigabe des alten Zyklus; Neubeginn (siehe oben).

Wie bei allen astrologischen Zyklen geht es im aufsteigenden Halbzyklus, hier also vom Neumond bis zum Vollmond, um Wachstum nach außen, während des absteigenden Halbzyklus, vom Vollmond bis zum nächsten Neumond, um Wachstum nach innen. In der ersten Hälfte wachsen wir vor allem durch Handeln, in dem wir das Leben aktiv gestalten und Fakten schaffen. In der zweiten Hälfte wachsen wir vermehrt durch Bewusstwerdung, also indem wir nach dem Sinn fragen und unsere Taten bewerten.


© 2001 Ernst Ott

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