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Über die Autorin:
Gertrud Hamers leitet das Ausbildungszentrum Rhein-Main des Deutschen Astrologen-Verbandes e.V. 1988 verließ sie nach 24 Jahren den Schuldienst, unterrichtete Astrologie zunächst in Berlin, dann im Frankfurter Raum und in Wuppertal. 1999 erschien im Chiron Verlag ihr erstes Buch "Astrologische Auswertungsbögen", 2001 das zweite "Lebensskripte".
(Siehe auch Homepage: www.astrozentrum-dreieich.de)
 

Autor: Gertrud Hamers

Dispositorenverknüpfungen


Die Vernetzung der Kräfte

Den roten Faden eines Horoskops kann man leichter finden, wenn man die Herrscherverknüpfung beachtet. Sie zeigt, welcher Lebensbereich noch betroffen ist - außerhalb der Lebensgebiete, die durch die Aspekte anklingen -, wenn die durch den Planeten symbolisierte Kraft in Aktion tritt.
Hierbei bin ich nicht der Meinung, dass wir streng zuordnen können, was Ursache und was Wirkung ist. Derartige Festlegungen, wie man sie bei Hermann Meyer findet, erscheinen mir zu eng. Nach meiner Erfahrung sind es Wechselwirkungen, die sich durch das beherrschte Haus und durch das vom Planeten besetzte Haus ergeben. Dabei bleibt für mich die alte Frage offen, wer nun als Erster da war (=Ursache), das Huhn oder das Ei.
Konsequent weiter verfolgt, von Herrscher zu Zeichen zu Herrscher, erhalten wir ein Konstrukt, das Thomas Ring die Dispositorenkette nannte. Es sind Verknüpfungssysteme, die sich aus dem jeweils einzigartigen Horoskop ergeben und daher ebenso einzigartig sind. Sie zeigen Verbindungen auf, die nicht durch die Aspekte gesehen werden können und die letztendlich Erfahrungsfolgen beinhalten. Dies habe ich in meinem Buch "Lebensskripte - Die Dispositorenverknüpfungen im Horoskop" (ISBN 3-925100-60-1) anhand von zahlreichen Beispielen erläutert.

Das Herrschersystem in der Prognose

Auch in der prognostischen Betrachtung spielen die Herrscher eine wesentliche Rolle. Der transitierende oder dirigierte Planet hat auf seiner Reise durch das Horoskop im Rucksack nicht nur seine Radixaspekte eingepackt, sondern auch die Angelegenheiten des Hauses, in welchem er in der Radix steht sowie die Belange der Horoskopfelder, über die er in der Radix regiert. Man könnte sagen, jeder Planet auf Reisen bringt den von ihm besuchten Kollegen vier Geschenke mit:

  • seine Kraft und Beziehungen (Aspekte)
  • das von ihm besetzte Radixhaus
  • das oder die von ihm beherrschten Radixhäuser
  • das oder die ihm zugeordneten mundanen Häuser, die jedoch eine untergeordnete Bedeutung haben.

Der Planet auf Reisen sendet seine Impulse auch in all diese Bereiche des "kontaktierten" Radixplaneten.
Wir können in Nachschlagewerken nachlesen, was es bedeutet, wenn Jupiter über den Mond geht. Wenn wir Glück haben, trifft es zu. Genauso gut können wir Pech haben, und alles Erwartete tritt nicht ein, denn ein Transitbuch kann nicht die Verknüpfungen im Horoskop sehen. Im obigen Beispiel von Jupiter, der über den Mond läuft, hilft uns die Aussage wenig, wenn Mond durch seine Einbindung in's Horoskop z.B. durch eine enge Uranus-Opposition und ein Saturn-Quadrat verletzt ist und Jupiter eine Pluto-Opposition mit sich bringt. Wir werden zu jener Zeit das versprochene Glück kaum spüren, sondern eher Unruhe, Bedrückung, Druck. Und diese Erfahrung werden wir nicht nur in den Lebensbereichen machen, in denen die besagten Planeten stehen, sondern auch in den Gebieten, die von den Planeten beherrscht und besetzt werden. Herrscht Mond zudem noch über das 8. Haus und Jupiter über das 12., so ist eher mit Rückzug und schmerzhaften Wandlungsprozessen zu rechnen als mit einer glücklichen, gefühlsmäßigen Bereicherung.

Das Herrschersystem spielt in der Augenblicks- und Frageastrologie, die ebenfalls der Prognose zugeordnet werden kann, eine große Rolle. Hier sollte man jedoch vor allem die klassischen Herrscher der Zeichen berücksichtigen:
Mars als Herrscher von Skorpion,
Jupiter als Herrscher der Fische,
Saturn als Herrscher von Wassermann.

Das Lebensskript

Den Verlauf eines gelebten Lebens kann man, zumindest was die prägenden Stationen betrifft, an der Dispositorenverknüpfung verfolgen. Erfahrungen auf einer Verknüpfungsebene führen bei mangelnder Bewusstwerdung "automatisch" zu Erfahrungen auf der nächsten Verknüpfungsebene. Krisensituationen veranlassen den Menschen oft zu einem Richtungswechsel innerhalb des Skriptes. Auch dieser lässt sich an der Verknüpfung nachvollziehen.

Daraus lässt sich schließen, dass wir ein uns innewohnendes Lebensskript besitzen, einen persönlichen Mythos, welcher die Aufeinanderfolge von Erfahrungen enthält, die uns mit unserer Lebensaufgabe konfrontiert.

Ein Skript ist - begrifflich gesehen - etwas Niedergeschriebenes mit einer festgelegten Struktur.

Wenn wir die Verknüpfungen der Dispositoren aufzeichnen, so können wir nachvollziehen, welche Kräfte in einem Erfahrungsprozess zusammenwirken, weil sie auf einer gemeinsamen Ebene stehen. Wir können auch erkennen, zu welchen neuen Lebensinhalten übergegangen wird, wenn der Prozess auf der einen Ebene vorläufig abgeschlossen ist. Wir sehen, welche Lebensinhalte sich nicht unmittelbar miteinander verbinden lassen, weil sie in voneinander getrennten Komplexen zu finden sind.

Das erscheint wie eine Festlegung. In Wirklichkeit aber haben wir einen großen Spielraum in der Gestaltung unseres Skriptes. Vergleichen wir unser Lebensskript mit einer Reise, auf der wir mehrere, vor Reisebeginn ausgewählte Orte besuchen wollen.

Es steht jeweils fest, was wir an den bestimmten Orten alles erkunden können (die Planeten, die auf einer Ebene stehen). Doch könnte es auch sein, dass wir dort mehr erleben als wir erwartet haben und darum unsere Zeit an jenem Ort verlängern. Haben wir dort genug erfahren, so können wir jeweils zwischen den zwei nächsten Reisezielen entscheiden, falls wir so klug sind und auf die Landkarte schauen, statt uns nur einfach nach Lust und Laune treiben zu lassen (der Wechsel zur nächsten Ebene, der mit oder gegen Pfeilrichtung erfolgen kann). Es steht nicht fest, ob und wann wir aus den Reiseerlebnissen etwas lernen, oder wie lange wir nur konsumieren und wieder vergessen, um in dumpfem Trott bzw. unbewusstem Sein die ganze Reise zu wiederholen.

Hier haben wir die Wahl zu entscheiden, ob unser Leben ein Kreislauf bleibt, wir uns im Rad drehen, ohne Fortschritte zu machen, oder ob unser Dasein zu einer Spirale wird, jede wichtige Erfahrung ein Anstoß zur Weiterentwicklung ist, der nächste Umlauf nicht dem ersten gleicht, weil wir wieder ein wenig mehr in unserer Mitte ruhen.

Sind wir mit unserem Lebensskript in Harmonie, so fließen wir mit unseren Kräften (in Pfeilrichtung). Es ist so, als wenn nun alle Orte, die wir vorher bereist haben, in uns zu einem Bild zusammenwachsen. Aus dem Nacheinander der Erfahrungsprozesse wird ein friedvolles Miteinander. Dazu gehört eine Zurücknahme der Erwartungen an andere und eine Aussöhnung mit sich selbst.

Bewusste Lebensgestaltung ist nur durch Erkennen möglich. Erkennen meint hier wahrnehmen, geistig verarbeiten und daraus Schlüsse ziehen. Aus der Erkenntnis (Sonne) folgt nicht unbedingt eine Verhaltensänderung. Dazu benötigen wir unser diszipliniertes Wollen (Sonne und Saturn). Haben wir unser inneres Lebensskript begriffen, so können wir schneller Wiederholungen erkennen und lernen, die Richtung und die Art des Verlaufes selbst zu bestimmen. Insofern können wir den Inhalt des Skriptes verändern, seine Qualität neu gestalten. Die Struktur jedoch wird erhalten bleiben. Sie entspricht der inneren Dynamik unseres Lebenslaufes und auch der Bedingtheit und Begrenztheit des irdischen Lebens. Aus diesem Lebensskript ganz aussteigen kann wohl nur derjenige Mensch, der alle Bedürfnisse und Verstrickungen des Lebens hinter sich gelassen hat und daher frei von jeder Bindung ist.

© 2001 Gertrud Hamers

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