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Vehlow und Gauquelin

Das Mittenprinzip der astrologischen Häuser


von Sebastian John

»Wer halbwegs die über 400 Bücher umfassende moderne astrologische Literatur kennt, wird wissen, daß es bei den astrologischen Disziplinen noch kein Problem gegeben hat, das soviel Kopfzerbrechen verursachte, wie das Häuserberechnungssystem, welches in allen möglichen Methoden, sphärisch-trigonometrischen Berechnungen, mathematischen Spekulationen und Kombinationen gelehrt wird. Besonders für den Anfänger ist es schwer, sich in diesen Streit hineinzumischen, da er sich am wenigsten ein richtiges Bild von einer Häusermethode machen kann. Jeder Forscher versucht nach seiner Art und mit der festen Überzeugung in ein ihm sympathisches System einzudringen, um die Anerkennung der Astrologie als Wissenschaft zu fördern. Es gibt aber auch Astrologen, die ein sehr eigenartiges Verhalten an den Tag legen und ohne jede sachliche Begründung an den Forscherarbeiten anderer nur herum kritisieren, um sich dadurch nur einen Namen zu machen. Man erkennt hier sofort ihre einseitige Stellungnahme. Gerade für das Häuserproblem gelten die Worte: Erst prüfen, dann urteilen! Man hört und liest oft von Toleranz! Wo ist sie? Bis heute hat sie weder der Astrologe, noch die astrologische Presse geübt. Oder fürchtet man sich vor der Wahrheit? Warum unterdrückt die astrologische Presse, die so viel gepriesene Lernfreiheit? Und die Toleranz der Lehrmeinungen? Es gilt auch hier: Geschäft ist Geschäft! Im grauen Altertum teilte man das Horoskop in 12 gleichgrosse Abschnitte, genau wie man den Zodiak in 12 gleichgrosse Teile zerlegte, der noch heute dieselbe Einteilung besitzt. Anders verhält es sich jetzt bei den Horoskophäusern, die, da man später, besonders im Mittelalter anfing, exakt und wissenschaftlich zu werden, ungleich wurden. Man war der Meinung, die auch heute bei den meisten noch gilt, daß dieses, durch astronomisch-mathematische Spekulation erhaltene Horoskophäuserbild wahrer, natürlicher und richtiger ist! (...) Es ist eine bedauerliche Tatsache; je komplizierter, wissenschaftlicher, exakter wir vorgehen, desto mehr rücken wir von der Wahrheit, die hier die Natur ist, ab. Man bleibt bei der optischen Täuschung: nicht die Natur hat die Wissenschaft, sondern die Wissenschaft die Natur zu lehren. Die Wissenschaft macht der Natur das Gesetz! Die Naturgesetze sind einfach. Sie sind so einfach, dass wir sie nicht begreifen und fassen wollen, weil wir im Zeitalter des Materialismus gewöhnt sind, uns im Komplizierten, Unnatürlichen, Exakten nur wohlzufühlen. Die einfachen Grundgesetze aufzufinden muß unser ernstes Bemühen sein, denn nur so kommen wir der einfachen Natur näher und nicht zuletzt leisten wir dadurch der Astrologie den wertvollsten Dienst. Je einfacher die Horoskopaufstellung und Interpretation sind, desto mehr Anhänger werden wir um uns scharen.« Erich Wiesel[1]

Vehlow und Gauquelin - Das Mittenprinzip der astrologischen Häuser

Seit Erich Wiesels Veröffentlichung über das »Astrologische Häuserproblem« schrieb und stritt die Astrologenzunft - mal mehr, mal weniger - um die »beste«, die »richtige« Methode, ohne in dieser eigentlich doch wesentlichen Frage der Horoskopdeutung eine Einigung zu erzielen.
Als Autodidakt näherte ich mich dem Thema anfangs ohne Präferenz für das eine oder andere System - ich war weder von Lehrern noch Lehrbüchern ideologisch belastet. Um diesen Umstand bin ich heute dankbar, denn er führte mich allein über vielfachen Versuch und Irrtum zur Methode Vehlow, bei der ich schließlich verblieb und mit der ich bis heute so erfolgreich arbeite, das ich es für lohnenswert erachte, meine Erfahrungen zu teilen.
Die blinde Hartnäckigkeit, mit der viele ältere Astrologen an diesem oder jenem System haften ist mir ein bekannter Umstand. Vielleicht mögen die Argumente, die ich in dieser Arbeit zusammentrage, dennoch zur Überprüfung eingefahrener Deutungsgewohnheiten anregen.

»Unser Bestreben muß darin liegen, eine Methode zu finden, die der Natur am nächsten kommt, die sich auf einfachen, logischen und natürlichen Verhältnissen aufbaut und alles Umständliche, Komplizierte, Verzerrte und Unnatürliche unterläßt.« Erich Wiesel[1]

Grundlagen

Astrologische Felder oder Häuser ergeben sich aus der Teilung des Himmels nach mathematischen Regeln. Während die Himmelskörper das Was und die Tierkreiszeichen das Wie repräsentieren, kennzeichnet das Haus wo sich die kombinierte Wirkung im Leben eines Menschen am stärksten entfaltet, worauf sie sich richtet und durch welche Umstände ihr Einsatz ausgelöst wird. Maßgeblich hierfür ist die Feldstellung eines Himmelskörpers im Geburtshoroskop.
Spricht die Astrologie vom Häuserkreis als der »Interessensphäre«, so meint sie hier nicht die bewusste Ausrichtung auf ein bestimmtes Fachgebiet, vielmehr eine Richtungstendenz, ein inneres Angesprochensein von bestimmten Sachverhalten und Zusammenhängen. Über die Verteilung von Planeten im Häuserkreis lässt sich überschläglich erkennen, welche Gebiete stärker, welche minder betont sind.
Den rechnerischen Ausgangspunkt aller Häusersysteme bildet - so weit, so einig - der Aszendent, als der zum Geburtszeitpunkt am östlichen Horizont aufsteigende Grad des Tierkreises. Während über die inhaltliche Bedeutung der zwölf Häuser ungefähres Einvernehmen besteht, werden sie räumlich ungleich weit gefasst.

Äquale und inäquale Häuser

Die existierenden Systeme lassen sich im wesentlichen in zwei Gruppen unterscheiden: Es handelt sich um Modelle äqualer (gleich großer) und inäqualer (ungleich großer) Manier. Prominentester Vertreter des inäqualen Systems ist die Methode nach Placidus, die seit etwa 1600 n. Chr. existiert. Der Ursprung der äqualen Häuser hingegen fällt mit der antiken Astrologie zusammen, ist also geraume Zeit älter. Knappich schreibt hierzu in »Geschichte der Astrologie«: »Bei der Auslegung nahm man zunächst das Zeichen, in dem der Horoskopos steht, zugleich als das 1. Haus an, das nachfolgende Zeichen bildete das 2. Haus, das weiter folgende Zeichen das 3. Haus u.s.f., da es hierbei aber oft Unstimmigkeiten gab, wenn der Horoskopos in den letzten Graden eines Zeichens stand, teilte man die Ekliptik vom Aszendenten aus in 12 gleiche Teile, das waren die Häuser der sogenannten aequalen Manier (...).«[5]
Die Verwendung des antiken Häuserkreises ist bereits durch Ptolemäus (100 n. Chr.) überliefert. Interessanterweise - ich werde später hierauf zurückkommen - betrachtet er die letzten fünf Grade eines Hauses bereits als dem nächsten zugehörig.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickeln andere Astrologen andere Häusersysteme - über ihre Beweggründe können wir heute nur spekulieren. Graf Heinrich Rantzau (um 1550 n. Chr.) nennt im »Tractatus Astrolocigus« bereits fünf Systeme, Alan Leo (um 1900 n. Chr.) in »Casting the Horoscope« acht. Erich Wiesel vergleicht in seiner 1930 erschienen Arbeit insgesamt 14 Systeme. Spätestens jetzt, dämmert es den Astrologen, ist es Zeit, aufzuräumen...
Johannes Vehlow, in den 30er Jahren Astrologe in Berlin, kommentiert die Häuserfrage in seinem Hauptwerk: »Durch den Erfolg des Ptolemaeus angeregt und dem Verstandesdenken der Masse Rechnung tragend, bemühten sich alle weiteren Autoren auf astrologischen Gebieten, die Lehre der Astrologie noch weiter zu verwissenschaftlichen und es entstanden nun die vielen Methoden der Horoskopeinteilung. Eine jagte immer die andere, bis man bei der Methode des Placidus, die nun an Kompliziertheit nichts zu wünschen übrig ließ und den Laien mächtig imponieren mußte, verblieb. (...)
Ein Horoskop, nach der inäqualen Manier aufgestellt, ist das Ergebnis komplizierter mathematischer Berechnungen, astronomischer Messungen und Himmelsraumeinteilungen. Leider aber hat diese mathematische Figur nichts mehr mit den ursprünglichen Lebenskreisen des antiken Horoskops zu tun, wie sie der alten astrologischen Weisheitslehre entsprechen und in der Antike ausschließlich angewandt wurden. Die moderne rationalistische Denkweise und der sich immer mehr ausbreitende Materialismus haben diese Wandlungen zustande gebracht. Die Astrologie, die in ihrem Kern okkulten und mystischen Ursprungs ist, ging den Weg der Verwissenschaftlichung und ihre Vertreter bemühten sich, dieser Lehre eine immer breitere mathematische Grundlage und astronomische Berechtigung zu geben. Damit wurde den Forderungen und dem Geschmack der mehr auf Verstandeswissen basierenden Denkweise Rechnung getragen und dem Rationalismus Konzessionen gemacht. Immer mehr entfernte man sich von den alten Anschauungen und die wahren Zusammenhänge gerieten immer mehr in Vergessenheit.
«[3]

Das Mittenprinzip

Was nun die »Antike Manier« nach Ptolemäus von den Vehlow-Häusern unterscheidet, ist die Frage nach den Häuserspitzen, den wirkungsstärksten Graden eines Hauses. Bei Ptolemäus befindet sich der Aszendent am Anfang des ersten Hauses. In 30°-Schritten setzen sich hiervon ausgehend die Häuser fort. Dagegen hält Vehlow das Mittenprinzip. Ihmnach bildet der Aszendent die Mitte des ersten Hauses, befindet sich dort also an einer Position von 15°.
»Ptolemäus verwarf eigenmächtig die Mittenbasis und führte das Häuserspitzensystem ein, in dem der Aszendent nicht die Mitte, sondern den Anfang des 1. Ortes bildete und jedes weitere Haus mit je 30 Grad Ausdehnung sich an das erste fortlaufend anschloß. Lediglich einen Spielraum von 5 Grad vor der Spitze eines jeden Hauses ließ er zu, der noch zu den einzelnen Häusern zählen sollte.«[1]
Vehlow schreibt weiterhin, der ursprüngliche Häuserkreis sei »(...) auf der Mittenbasis aufgebaut und die Planeten haben in den Mitten der Häuser ihre kräftigste Wirkung. An den Häusergrenzen hingegen nimmt ihre Kraft ab. Ein jeder Astrologe versichert, daß in der Mitte eines Zeichens die Wesensart am reinsten zum Ausdruck kommt, während es am Anfang bzw. Ende schon vom benachbarten Zeichen mit beeinflußt wird. (...) Ein jeder Orbis von einem Aspekt - egal welcher Größe - beginnt X Grad vor dem Planet und endet X Grad nach dem Planet, wobei der exakte Aspekt am stärksten wirkt. Anders ausgedrückt: Die Mitte eines Aspektes wirkt am kräftigsten! Anhand dieser Liste können wir erkennen, daß die Mitte stets am stärksten wirkt. Schauen wir uns nun einmal dahingehend die gängigen Häusersysteme an. Es besteht einhellig die Meinung, daß der Aszendent als Punkt von herausragender Bedeutung ist. Wo befindet sich dieser aber bei Placidus? Obwohl sonst in der Astrologie überall der Mitte die stärkste Wirkung zugeschrieben wird, befindet sich der Aszendent plötzlich an der Spitze des ersten Hauses. Folgen wir aber der inneren Logik der Astrologie, so ist dies ein Unding. Vielmehr muß der Aszendent die Mitte des 1. Hauses kennzeichnen, denn er wirkt ja schließlich auch vom Orbis her nach beiden Seiten.«[3]
Interessant ist der Umstand, das Ptolemäus im Zuge seiner Erneuerungen die Häusergrenzen durch einen Toleranzbereich »verwischte«, was wie ein halbherziges Zugeständnis an das ältere Mittenprinzip anmutet.
Ein Planet im letzten Sechstel des 12. Hauses wertet Ptolemäus als »am Aszendenten«, gleichwohl er sich nicht im 1. Hause - dem Haus des Aszendenten - befindet. Führen wir uns die gegensätzliche Bedeutung zwischen den Themen des 1. und 12. Hauses vor Augen, geradezu paradox.
Dieser Umstand und die Frage, weshalb Ptolemäus und später Placidus die Häusergrenzen nicht von vornherein um ein Sechstel vorverlegten, erschienen mir schon zu Beginn meiner astrologischen Studien unausgegoren.
Das Mittenprinzip, welches mir zunächst intuitiv »richtiger« erschien, bewährte sich bei der vergleichenden Analyse verschiedener Horoskope. Wie ich später feststellte, sieht es sich auch durch die Forschung Gauquelins in faszinierender Weise bestätigt. (s. »5. Gauquelin bestätigt das Mittenprinzip«).
Im Folgenden will ich fünf Punkte ausführen, die mich - ganz rational und diskutierbar - von der Gültigkeit der »Vehlow-Häuser« überzeugt haben. Ich hege keinen »Glauben« an ein bestimmtes System.

1. Geschichte und geometrischer Instinkt

Auf die Frage, weshalb der symbolische Häuserkreis der Antike, im Laufe der Jahrhunderte überhaupt durch ein vermeintlich astrogeographisch korrektes Modell zu ersetzen gewesen sein soll, wo doch der Tierkreis selbst symbolisch und somit ganz und gar unastronomisch beschieden ist, darauf haben die Anhänger PlacidusŽ und methodisch verwandter Systeme keine sinnvolle Antwort.
Sowohl der Methode Placidus, als auch allen anderen mehr oder minder kompliziert berechneten Systemen, liegen himmelsmechanische Ideen zugrunde, die an die mittelalterliche Auffassung von Gestirnwirkungen (»Erdraumfelder«) erinnern, darüberhinaus aber keine Gemeinsamkeit, ja nicht einmal eine gemeinsame Entwicklungstendenz erkennen lassen.
Mit ähnlicher Berechtigung könnte man nun etwa den Tierkreis verzerren, ihn beispielsweise an die astronomische Realität der Sternbilder anpassen. Wohl kein Astrologe wäre damit einverstanden. Hier aber zeigt sich die Inkonsequenz der »ungleichen« Häuser.
Wichtige Elemente des Horoskops, die Aspekte zwischen den Planeten als auch die Tierkreiszeichen, basieren auf geometrischer Proportion. Es erscheint unbegründet, dieses harmonische Prinzip im Falle der astrologischen Häuser aufzugeben. Wer es dennoch tut, sollte jedenfalls eine überzeugende Erklärung liefern.

2. Die Analogie der Kreise

Die Astrologie ist sich einig, daß die 12 Zeichen des Tierkreises in Analogie zu den 12 Häusern des Horoskops stehen. So existiert eine Verwandtschaft zwischen Widder und dem ersten Haus, zwischen Stier und dem zweiten Haus und so fort. Historisch ist diese Verwandtschaft ganz unzweifelhaft. Wo aber bleibt sie, wenn eine ungleiche, auf spekulativer Basis aufgebaute Berechnungsmanier zum Einsatz kommt?

»Dieses Thema mundi wird bis auf den heutigen Tag von jedem Astrologen benutzt, meist ohne es zu wissen. Damit arbeitet aber schon ein jeder äqual und auf der Mittenbasis, denn das Horoskop der Welt hat eine gleiche Häusereinteilung, ein starres Zwölffeldersystem mit 30 Grad Raumspanne für jedes Haus und mit den Hauptstellen in den Mitten. Spitzen und inäquale (ungleiche) Häuser gibt es nicht. Hier sind nur Häusermitten und Häusergrenzen anzunehmen!« Vehlow[3]

3. Praktische Probleme

Stellen wir das inäquale System des Placidus auf die Probe, stoßen wir bald auf ein Anwendungsproblem: Je weiter der Geburtsort sich den Erdpolen nähert, desto verzerrter geraten die Häuser. Ab ungefähr dem 65. Breitengrad nördlich oder südlich funktioniert das System nicht mehr. Aszendent und MC fallen unter Umständen auf den gleichen Grad des Tierkreises. Das 4., 5., 6., 10., 11. und 12. Haus verschwinden ganz.
Wie »perfekt« ist ein System, das nur in einem Teil der Welt anwendbar ist und sonst unbrauchbare Ergebnisse liefert? Und weiter: Da die Methode Placidus nicht zwischen hier und dort zunächst richtig und dann plötzlich falsch sein kann, bleibt zu vermuten, das mit zunehmender Annäherung an die nördlichen und südlichen Breiten auch die Verzerrung zunimmt. Die Placidus-Häuser sind ihrem Baugesetz nach also immer zu einem gewissen Grade verzerrt.

4. Evidenz

Einige Astrologen mögen anführen, »ihr System« habe sich in der praktischen Arbeit bewährt. Dies allein lässt sich aber sowohl auf eine teilweise Übereinstimmung mit der antiken Manier, als auch kreativen Umgang mit den Deutungselementen zurückführen. Ein Artikel aus dem Jahre 1996 bringt diesen Umstand auf eine einfache Formel: »Placidus = Placebo.«[4]
Erich Wiesel, der als Astrologe 14 Häusersysteme überprüfte und zunächst selbst nach der Methode Placidus arbeitete schrieb hierzu: »Als ich vor bald einem Jahrzehnt mit meinen astrologischen Studien begann, (...) fiel mir als logisch und natürlich Denkendem bald auf, daß, ganz abgesehen von dem schematischen Prognosematerial, auch in der so viel umstrittenen Häuserfrage etwas nicht stimmen konnte! Durch Veröffentlichungen in der astrologischen Presse (...) wurde ich bei meinen weiteren Studien gewahr, daß es noch mehr Methoden der Häusereinteilung gab und meine Vermutung, daß da etwas nicht stimmte, wurde bestätigt. (...)
Nach der Devise ?Prüfet alles, behaltet das Beste?, machte ich den ersten Versuch mit der Aufstellung eines eigenen Horoskops, dann an solchen naher Verwandter, um später auf Personen des öffentlichen Lebens überzugehen. Ich mußte bald erkennen, bald stimmte dies, bald jenes nicht! Wenn zwar mein Eigenhoroskop zum Teil stimmt, so liegt dies in erster Linie eben daran, daß Horizont und Meridian zufällig beinahe einen 90°-Winkel bilden und ich 12h mittags geboren wurde. Gleichzeitig muß ich zugeben, daß ich durch die Nativitätseinteilung nach der gebräuchlichen inaequalen (ungleichen) Manier des Placidus de Titis viel Fehlprognosen hatte, die besonders bei der Interpretation solcher Nativitäten entstanden, bei denen die Horizont- und Meridianachse einen 120° und noch größeren Winkelabstand bildeten. Standen aber beide Achsen genau 90° auseinander, so waren die Prognosen befriedigender.
«[1]

5. Gauquelin bestätigt das Mittenprinzip

Michele und Francoise Gauquelin, die ihr Leben der wissenschaftlichen Erforschung der Astrologie widmeten, stießen zum Ende der 70er Jahre auf statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen beruflichem Erfolg und den Positionen von Mars und Saturn im Geburtshoroskop.
Der Effekt stellte sich bei den Geburtsdaten »berühmter oder hervorragender Personen« aus Sport und Wissenschaft ein und ist - als einer der wenigen in der Astrologie überhaupt - wissenschaftlich fundiert, d.h. über erfolgreiche Replikation und den Vergleich mit Kontrollgruppen gesichert. Eysenck und Nias, beide keine Astrologen, bezeichneten den Zusammenhang mit einer minimalen Wahrscheinlichkeit von 1 zu mehreren Millionen als »zufällig«.
Erfolgreiche Wissenschaftler waren häufiger zu Zeiten geboren, wenn Saturn soeben aufgegangen war oder die Himmelsmitte passiert hatte. Bei Sportlern zeigte sich die selbe Auffälligkeit für den Planeten Mars.

»Die beiden kritischen Positionen Gauquelins liegen unmittelbar hinter dem Aufgangspunkt und hinter der Kulmination, und in der traditionellen Astrologie fallen diese beiden Zonen ungefähr mit den absteigenden oder schwachen Häusern zusammen (sie sind das zwölfte, beziehungsweise neunte Haus). Wahrscheinlich hätte man einem der unter Mars geborenen berühmten Sportler, wäre er in seiner Jugend bei einem Astrologen gewesen, nicht gesagt, daß er ein Mars-Temperament habe, oder daß er für eine Mars-Berufslaufbahn geeignet sei. Dies hätte man ihm nur gesagt, wenn er etwa eine Stunde früher geboren worden wäre, als Mars im vorangegangenen Haus gestanden hatte, da in der traditionellen Astrologie das erste Haus unmittelbar vor dem Aszendenten, mit Persönlichkeit und Charakter zu tun hat. Das zehnte Haus, unmittelbar vor der Kulmination, hängt mit Beruf, Belohnung und Ehrungen zusammen. (...) Es ist natürlich interessant festzustellen, daß die Ergebnisse Gauquelins in jedem Fall nur um ein Haus danebenliegen.« Eysenck, Nias[2]

Wenden wir nun auf Gauqelins Ergebnisse anstelle des Prinzips der Häuserspitzen (Aszendent bei 0°) das Mittenprinzip an (Aszendent bei 15°) ist die Veränderung frappierend. Nun liegen die signifikanten Planeten eben nicht mehr »um ein Haus daneben«.

Abbildung 1: Mars bei erfolgreichen Sportlern mit »eisernem Willen« nach Gauquelin
Klassische Signifikatoren: Mars im 1. Haus (Persönlichkeit), Mars im 10. Haus (Berufung, Öffentlichkeit, Karriere)

GAUQUELIN BESTÄTIGT DAS MITTENPRINZIP
GAUQUELIN BESTÄTIGT DAS MITTENPRINZIP
Ohne Mittenprinzip
Mit Mittenprinzip

Ohne Mittenprinzip findet sich Mars nur zu einem sehr kleinen Teil im 1. Haus und gar nicht im 10. Haus. Mit Mittenprinzip findet sich Mars zu einem deutlich überwiegenden Teil im 1. und im 10. Haus (schwarz gefärbte Bereiche).

GAUQUELIN BESTÄTIGT DAS MITTENPRINZIP
GAUQUELIN BESTÄTIGT DAS MITTENPRINZIP
Ohne Mittenprinzip
Mit Mittenprinzip

Ohne Mittenprinzip findet sich Saturn zu einem geringen Teil im 1. Haus und gar nicht im 10. Haus. Mit Mittenprinzip findet sich Saturn zu einem überwiegenden Teil im 1. und im 10. Haus.

Gewappnet mit diesen Indizien möchte ich jeden praktizierenden Astrologen einladen, sich für eine Weile von der Macht seiner Gewohnheit zu befreien und mit offenen Augen die Gültigkeit der Vehlow-Häuser und des Mittenprinzips im Horoskop zu überprüfen. Er könnte eine Überraschung erleben.

»Je verzerrter das Horoskopbild wird, desto mehr weichen wir von der Natur ab, darüber gibt es nichts zu streiten. Wer letzteres vorzieht, möge es tun, ich lasse mich nicht damit ein; ich lasse dann besser jedem seine Meinung, auch wenn sie falsch ist.« Erich Wiesel[1]

»Wenn es sich bei den Feldern um die Wiedergabe sogenannter Kräftefelder handeln soll, die auch dem Tagesrhythmus entsprechen, kann nur die Methode Vehlow als richtig anerkannt werden (...).« Reinhold Ebertin[7]

Anhang 1

Vehlow entwirft neben dem klassischen Häuserkreis zu je 30°, ausgehend vom Aszendenten als Zentrum des 1. Hauses (Horizonthäuser), zwei weitere Häuserkreise, ausgehend vom Stand der Sonne (Solarhäuser) und vom ersten Zeichen des Tierkreises (Mundanhäuser). Ein Himmelskörper »wirkt« ihmnach also in bis zu 3 Lebensbereichen gleichzeitig.

  1. Der Sonnenkreis (Sonnenhäuser): Der Erzeuger, der Geist, das Oben.

  2. Das Thema Mundi (Mundanhäuser): Das Erzeugte, Körperwelt und Menschenleib, das Unten.

  3. Die Horizonthäuser: Die Durchmischung des Oben und Unten zu persönlichster Formung in jedem Einzelwesen, die Seele.

Für eine aussagekräftige Deutung hat sich die Anwendung des Horizontkreises in meiner Praxis bewährt. Die Mundanhäuser ergeben sich selbsttätig aus der Verwandtschaft von Zeichen und Feld.

Anhang 2

Der Zenit repräsentiert die Himmelsmitte als höchsten Punkt des Horoskops, steht im astrologischen Sinne für Berufung - nicht gleichzusetzen mit Beruf -, zu verstehen als Talent, Begabung, Bestimmung; der Lebenshöhepunkt und das Streben danach im weitesten Sinne. Die Kombination von Zenit und Zeichen beschreibt die Art und Weise dieses Strebens, seine Häuserstellung, in welchen Lebensbereichen die Berufung liegt, wo ein Mensch »hoch hinaus« will oder sollte, um seiner wesensmäßigen Anlage gerecht zu werden.
Bei der Methode Placidus entspricht der Zenit dem sog. Medium Coeli (MC). Das MC befindet sich ihmnach stets am Anfang des 10. Hauses und repräsentiert ausschließlich die mit diesem Haus verknüpften Themen. Je nach Lage des MC werden die zwischen den Achsen liegenden Häuser gestreckt oder gestaucht.
Bei der Methode Vehlow befindet sich das MC in der Mitte des 10. Hauses, 90° versetzt zur Horizontalachse. Der Zenit hingegen kann in eines der benachbarten Häuser fallen. Somit eröffnen sich die eingangs beschriebenen Deutungsvarianten. Das MC selbst hat nach der Methode Vehlow nur noch indikative Funktion. Sein Inhalt entspricht dem Thema des 10. Hauses.

»Der mathematische Zenit behält (...) seine Bedeutung für die Existenzfrage, für die soziale und gesellschaftliche Stellung des Geborenen, wie der Nadirpunkt auch weiterhin die, häuslichen Angelegenheiten (...) des Nativen anzeigt. Beide Punkte erhalten aber noch eine erweiterte Bedeutung dadurch, daß sie mit den Angelegenheiten der betreffenden Häuser kombiniert werden, in die sie hineinfallen. Kommt der mathematische Zenit z. B. in das 10. Haus zu stehen, so wird man finden, daß der Geborene durch eigene Kraft und Anstrengung sich vorwärts zu bringen vermag, und, wenn das übrige Horoskop dem nicht entgegenwirkt, wird der Geborene auch einen sozialen Aufstieg erleben. Befinden sich Planeten im Umkreis dieses mathematischen Zenits, so werden sie mit in die Beurteilung hineinbezogen. Fällt der Zenitpunkt hingegen in das 11. Feld, so wird der Geborene durch Protektion und Gönnerschaft in seiner Existenz gefördert und befreundete Personen werden ihm im Vorwärtskommen behilflich sein. Der Geborene hat in diesem Falle überhaupt mehr mit Glücksumständen zu rechnen. Sein Streben liegt vornehmlich auf materieller Basis, natürlich je nach Aspektierung des mathematischen Zenits und seiner Planetenumgebung. Bei ungünstigem Stande kann auch das Gegenteil von den geschilderten Verhältnissen eintreten. Gelangt der mathematische Zenit in das 9. Haus, so treten die geistigen Interessen mehr in den Vordergrund. Der Aufstieg und das Vorwärtskommen gestalten sich schwieriger, Hemmungen und Hindernisse sind zu überwinden, Geist und Intellekt spielen eine Rolle im Leben usw.« Vehlow[3]

»Vehlows System hat das Bestechende, daß der Teilungsstrich, der sogenannte mathematische Punkt, den er an Stelle des Meridians einsetzt, durch den höchsten Punkt des Ekliptikbogens führt. Es ist in der Tat nicht das selbe: kulminierender Grad und jeweils höchster Punkt des Ekliptikbogens. Dieser höchste Grad kann bald westlich, bald östlich des Meridians liegen.« Fankhauser[5]

Im Kreisbogen um 180° von der Himmelsmitte entfernt, befindet sich das Immum Coeli, IC oder auch Nadir. Im astrologischen Sinne repräsentiert es Privates, Heimbezogenes, das nach innen Gerichtete. Die Häuserstellung des Nadir kennzeichnet, wo ein Mensch Privates vorzugsweise lebt, die Kombination mit dem Tierkreiszeichen, wie er es lebt. Nadir ist Indikator für Heim und Geborgenheit, nicht jedoch zwangsläufig Familie.
Bei der Methode Placidus entspricht Nadir dem IC. Es befindet sich stets am Anfang des 4. Hauses und repräsentiert ausschließlich die mit diesem Haus verknüpften Themen.
Bei der Methode Vehlow befindet sich das IC in der Mitte des 4. Hauses, 90° versetzt zur Horizontalachse. Das Nadir hingegen kann in eines der benachbarten Häuser fallen. Nicht jeder erlebt also erfülltes Privatleben in der traditionellen Familie. [SJ]


[1] Erich Wiesel, Das Astrologische Häuserproblem, 1930

[2] Eysenck, Nias, Astrologie, 1984

[3] Johannes Vehlow, Die Weltanschauung der Astrologie und die wahren Grundlagen der Horoskopie, 1933

[4] Michael Bauersfeld, Placidus = Placebo?!, 1996

[5] Wilhelm Knappich, Geschichte der Astrologie, 1967

[6] Fankhauser, Zenit, 1930 zitiert nach Gertrud I. Hürlimann, Astrologie, 2002

[7] Reinhold Ebertin, Meridian 2/82


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