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Additiver und subtraktiver Charakter von Planeten im Aspekt


von Sebastian John

»Die Bildersprache des Mittelalters ließ personifiziert gedachte Planeten einander freundlich oder feindlich anblicken, sachlich genommen handelt es sich um den von der Erde aus dargebotenen Anblick. Jeder Aspekt bezeichnet einen Winkel: Gestirn X - irdischer Beobachtungsstand - Gestirn Y. Wir umziehen die Erde mit einem idealen Messungskreis, lagemäßig konform der Ekliptik, und drücken die gegenseitigen Stellungen der Planeten darin in Winkelgraden aus. (...) Wir kommen somit zur Erfassung einer wesenstypischen, endogenen, einem bestimmten Menschen angeborenen Problematik, nicht zu verwechseln mit exogenen, ihm aufgedrungenen, durch äußere Anlässe erregten Problemen.« Thomas Ring[1]

Additiver und subtraktiver Charakter von Planeten im Aspekt

In Aspekten untersucht die Astrologie zunächst technisch die Winkelbeziehungen der Planeten im Geburtshoroskop. Sie unterscheidet dabei synthetische, im Allgemeinen harmonische und analytische, im Allgemeinen dissonante oder »spannungstragende« Verbindungen.

Über die Deutung der Aspekte gelangen wir als Astrologen zu einem Lagebild endogener Dynamik. Wir erkennen, ob und welche Kräfte zusammenwirken oder in einem Konkurrenzverhältnis stehen. Wir finden Hinweise auf gegenseitige Unterstützung ebenso wie innere Hemmnisse und Blockaden. Dabei sind Synthese und Analyse bekanntermaßen nicht mit »gut« oder »schlecht« zu übersetzen. Während wir im harmonischen Aspekt auch eine Tendenz zur Bequemlichkeit, selbstgenügsamen Zufriedenheit finden, stacheln Spannungen zur tätigen Überwindung an. Thomas Ring schreibt hierzu: »Die Rolle des Konflikts als Ansporn ist genugsam bekannt, die innere Gefährdetheit des Genies geradezu sprichwörtlich wie ebenso die Beziehung zur anderen Abseitigkeit, dem Pathologischen.«[1] Gleichsam, bei Oscar A. H. Schmitz: »In den Horoskopen mittelmäßiger Leute ist das Gleichgewicht von vornherein gegeben, sie leben in einem faulen Frieden dahin. Aber nur die Naturen, die ihr Gleichgewicht dauernd erkämpfen oder verteidigen müssen, bleiben lebendig und wirken schöpferisch.«[3] Wir finden demgemäß bei herausragenden Persönlichkeiten oft starke Dissonanz im Geburtshoroskop.

Die vorliegende Arbeit stellt einen Auszug aus der von mir verfassten »Heuristik«[4] dar. Während meines Studiums der Astrologie entwickelte ich ein Modell, welches das typische Verhalten von Planeten in analytischen Aspekten beschreibt. Hierbei liegt eine duale Systematik zugrunde, welche ich als den »additiven und subtraktiven Charakter von Planeten im Aspekt« bezeichne.

Im Gegensatz zu den kasuistischen Beschreibungen, die sich in vielen Lehrbüchern finden, liegt somit erstmals (jedenfalls soweit mir bekannt) eine formulierte Gesetzmäßigkeit vor, die dem astrologisch Interessierten einen einfachen Zugang zu Charakter und »Wirkungsweise« der Wesenskräfte ermöglicht.

Grundlagen

Modellhaft begreifen wir Aspekte zwischen Wesenskräften als Kanäle des Energieaustauschs; »Energie« hier verstanden als mentales Potential, etwas zu bewirken.

In harmonischen Aspekten bewegt sich Energie kraftvoll strömend, konstant und kontrollierbar. In disharmonischen Aspekten ist der Energiefluss gestört, staut und entlädt sich zuweilen unkontrolliert. Beteiligte Kräfte neigen im Bestreben, ihre Eigenart gegen Widerstände durchzusetzen, zur Übertreibung, zur ungelenkten Verselbständigung. Hierbei ist neben der Art der Kraft auch das Zeichen zu berücksichtigen, durch welches sie charakterlich gefärbt ist. Mars in Fische verkörpert eine ganz andere Art der Durchsetzung als Mars in Widder. Diese individualtypische Selbstbehauptung gilt nicht nur im Kontakt mit der Umwelt sondern auch für Kraft und Gegenkraft im endogenen Aspekt.

Tendenziell lassen sich zwei Typen analytischen Verhaltens abstrahieren und den Wesenskräften zuordnen. Es handelt sich um den additiven Typus, gekennzeichnet durch gesteigertes, störendes Hineingreifen in den Aspekt sowie den subtraktiven Typus, wirksam durch Abzug der Eigenqualität aus dem Aspektgefüge. Letzer Typ ist nicht gleichzusetzen mit Unaspektiertheit, in der beteiligte Planeten sich von vornherein neutral, metaphorisch »erwartungslos« gegenüberstehen.

Synthetische Aspekte (Trigone, Sextile u.a.) deuten auf ein ganzheitliches Zusammenwirken zweier Wesenskräfte, ein gegenseitiges Sich-Ergänzen, eine »glückliche Hand« und relativ leichtes Gelingen damit verbundener Vorhaben. Analytische Aspekte (Quadrate, Oppositionen u.a.) weisen auf eine im jeweiligen Problem begrenzte Konfliktsituation, eine in der Selbstwahrnehmung erlebte Spannung, häufigeres Misslingen, auch bei entgegenkommenden Umständen.

Grundsätzlich wird bei der Aspekt-Ermittlung eine gewisse Berechnungstoleranz eingeräumt. Sie ergibt sich aus dem Durchschnitt der am Aspekt beteiligten Planetenorben. In der Literatur herrscht ein fortwährender Diskurs über ideale und maximale Orbengrößen - Einigkeit herrscht hingegen darin, das Aspekte mit zunehmender Exaktheit an Bedeutung gewinnen. Grundsätzlich dominieren Aspekte mit geringer Toleranz. Großzügige oder auch rezessive Aspekte verdienen erst dann eine besondere Beachtung, wenn sie die einzigen Aspekte eines Planeten bilden.

»Diese Kraft nun, die den Aspekten ihre Bedeutung verleiht, ist nicht in den Sternen selbst. Denn diese Aspekte, von denen die Rede ist, kommen auf der Erde zustande und sind eine bloße Konfiguration, die sich nicht eigentlich aus der Bewegung der Sterne ergibt, sondern aus der zufälligen Lage jeweils zweier Sterne im Verhältnis zur Erde.« Johannes Kepler[2]

Übersicht

Sonne -
Jupiter -
    Saturn +
 
Venus -     Mars +
 
Merkur -     Mond +
 
      Uranus +
Neptun +
Pluto +

+ additiv (»gesteigertes, störendes Hineingreifen in den Aspekt«[4])
- subtraktiv (»Abzug der Eigenqualität aus dem Aspektgefüge«[4])

»Zusammenfassend gesagt gibt es demnach eine endogene, verborgene Problematik im Menschen, bevor Objekte, sie auszulösen, herantreten. (...) Die Lebenskunst im Umgang mit angeborenen Dissonanzen will in jedem Falle erst eingeübt sein. Verglichen mit dem Kind und dem Jugendlichen befindet sich der Erwachsene normalerweise im relativen Spannungsausgleich. Er hat unter Zuhilfenahme von Anpassung und Nachahmungen eine gewisse Routine, mit seinen Spannungen fertig zu werden, erworben. Doch in keiner Art von Einkleidung, keiner Umleitung auf geeignet scheinende Objekte, gehen alle Ansätze befriedigend auf. Bei jedem ist das Spannende, Weiterdrängende, mit dem Aufrollen von Konflikten die Entscheidungskraft Wachrüttelnde, anders gelagert. Untergründig seine Unruhe bewahrend, akut erregt durch ungewohnte Vorfälle und radikal veränderte Lagen, stellt es die erworbene Lebenskunst gegebenenfalls in Frage.« Thomas Ring[1]

Sonne im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn der Gesamt-Lebensantrieb durch diese oder jene Teilstrebung beeinträchtigt oder gefördert wird?«[1]
Ausgehend von der Sonne als zentralem Selbst, Lebenskern und -antrieb, beginnen wir die Wesensanalyse in aller Regel hier. Synthetische Aspekte mit Sonne deuten auf Einklang zwischen Wille, Kernhaltung (»das, worin Wert und Würde des Daseins gesucht wird«) und der jeweils beteiligten Kraft. Analytische Aspekte verstehen wir hingegen als Konflikt zwischen Kernhaltung und beteiligter Kraft. Sonnenaspekte betreffen oft das Eigenwertgefühl.
Synthetische Wirkung: mit sich identifizierend
Analytische Wirkung (subtraktiv): nicht mit sich identifizierend

Mond im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn Hingabe und beseelte Anteilnahme an einer Person oder Sache beeinträchtigt bzw. gefördert wird durch eine andere Wesenskraft?«[1]
Synthetische Wirkung: phantasiereich, vorstellungskräftig, sensibel, emotional, intuitiv
Analytische Wirkung (additiv): verwirrend, irrational, hypersensibel

Merkur im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn der Verstand in seiner Farblosigkeit und moralischen Indifferenz beeinträchtigt oder gefördert wird durch eine Wesenskraft, deren Einsatz sich auch ohne kritischen Beobachter vollzieht?«[1]
Synthetische Wirkung: rationalisierend, logisch, überlegt, strategisch, ökonomisch
Analytische Wirkung (subtraktiv): irrational, unlogisch, unüberlegt, unökonomisch

Venus im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn selbsteigene Harmonie und Gleichgewicht des sinnlichen Kontakts mit der Umwelt beeinträchtigt oder gefördert wird durch eine andere Wesenskraft?«[1]
Synthetische Wirkung: harmonisch abstimmend, diplomatisch anpassend, ausgleichend, verschönernd
Analytische Wirkung (subtraktiv): unharmonisch, Gleichgewicht, Kontakt und Reizempfindung störend

Mars im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn Trieb und Drang des Handelns beeinträchtigt oder gefördert wird durch eine andere Wesenskraft?«[1]
Synthetische Wirkung: konstruktiv, aktivierend, handelnd bewirkend, gegen Widerstände behauptend
Analytische Wirkung (additiv): destruktiv, anstachelnd, aggressiv, aufbrausend, angrifflustig

Jupiter im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn das Streben zum Lebensoptimum beeinträchtigt oder gefördert wird durch eine andere Wesenskraft?«[1]
Synthetische Wirkung: erfolgreich, talentiert, ertragreich, produktiv, sinnerfüllt, glücklich
Analytische Wirkung (subtraktiv): unproduktiv, unerfüllt, sinnlos, unglücklich
Analytische Jupiter-Aspekte können mittelbar zu Exzess und Übertreibung anstacheln. Wir finden hier das Bestreben, fehlendes Glück, fehlende Erfüllung zu »erzwingen«.

Saturn im Aspekt

»Welche Problematik entsteht, wenn der reale Rückhalt und der Einbau von Erfahrungen beeinträchtigt oder gefördert wird durch eine andere Wesenskraft?«[1]
Synthetische Wirkung: disziplinierend, realistisch, gewissenhaft, genau, systematisch, sichernd
Analytische Wirkung (additiv): hemmend, ängstlich, pessimistisch, »Pech« habend, frustrierend, feindlich
Ungelöste Saturnprobleme bergen langfristig die Gefahr, chronischen Charakter anzunehmen.

Uranus im Aspekt

Synthese: originell, überbauend, genial, intuitiv, eingebungsvoll, wendig, witzig, erfinderisch
Analyse (additiv): widerspenstig, durchkreuzend, übereilt, sprunghaft, extremistisch, taumelnd, sonderbar

Neptun im Aspekt

Synthese: inspiriert, feinfühlend, stimmungsmäßig empfänglich, visionär
Analyse (additiv): beeindruckbar, wirklichkeitsflüchtend, irrational, illusorisch, sehnsüchtig

Pluto im Aspekt

Synthese: aktivierend, antreibend, »elektrisierend«
Analytisch (additiv): zwanghaft, fixierend, radikalisierend, quälend


[1] Thomas Ring, Astrologische Menschenkunde Bd. I - III, 1956 - 1969

[2] Johannes Kepler, Von den gesicherten Grundlagen der Astrologie, 1602

[3] Oscar A. H. Schmitz, Der Geist der Astrologie, 1925

[4] Sebastian John, Heuristik, 2005


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