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Über die Autorin:
Studium und Unterricht romanischer Sprachen. Fortbildung in Tiefenpsychologie, Transaktionsanalyse, NLP und in körperorientierten Therapieverfahren.
Seit 1975 Auseinandersetzung mit Buddhismus und Taoismus sowie mit Yoga, dem I Ging und Tarot.
Seit 1982 Beschäftigung mit Astrologie. Hauptberuflich als Astrologin tätig seit 1987.
Ab 1990 Dozentin und Co-Leiterin der Schule für Transpersonale Astrologie von Michael Roscher.

Publikationen:
"Die 12 Archetypen",
"Lebensmuster",
"Grundmuster der Liebe".
(Im Buchhandel vergriffen, aber noch direkt über die Autorin zu beziehen!)
 

Autor: Brigitte Hamann

Gedanken über Astrologie, Synchronizität und Prognose

Teil 1 von 2:
Über Ursache und Wirkung und nichtkausale Phänomene


Wie wirkt Astrologie?

Die Frage, ob Astrologie funktioniert und wie sie das tut, bewegt nach wie vor aus verständlichem Grund die Gemüter. Bisher haben alle statistischen Untersuchungen keinerlei nachweisbare Ergebnisse zwischen astrologischen Prinzipien und Charaktereigenschaften oder Ereignissen ergeben. Die Untersuchungen der Gauquelins, die angeblich in jahrelanger statistischer Arbeit einen Zusammenhang zwischen bestimmten Berufsgruppen und Planetenkonstellationen festgestellt haben wollten und die die Gilde der Astrologen aufatmen ließ, haben sich als nicht korrekt recherchiert erwiesen. Die bisher gemachten Erfahrungen werfen jedoch in erster Linie die Frage auf, ob die Statistik das geeignete Mittel darstellt, um die Wirksamkeit astrologischer Zusammenhänge zu prüfen oder ob wir nach anderen Wegen suchen müssen, um uns dem Wirkprinzip der Astrologie anzunähern. Entweder haben wir noch nicht die geeignete statistische Methode, dann allerdings können wir auch noch nichts über die Nachprüfbarkeit astrologischer Zusammenhänge aussagen, oder die Statistik ist die grundsätzliche falsche Methode, weil sie der Astrologie ungefähr so gerecht wird wie wenn man die Menge eines Glas Weines mit einer Stoppuhr messen wollte.

Kausalität und Akausalität - zwei Wirkprinzipien

Der wesentliche Grund, weshalb wir (auch die Astrologen selbst) so fest daran glauben, daß die Statistik unumstößliche Wahrheiten produziert ist, daß wir noch immer zutiefst dem kausalen Weltbild und damit dem Ursache-Wirkung-Denken anhängen, das die Galilei-Newtonsche Mechanik hervorgebracht hat. In diesem Weltbild sind alle Dinge messbar und folgen nachprüfbaren Gesetzmäßigkeiten. Anders ausgedrückt bedeutet das, daß wenn Astrologie "funktioniert", sie sich auch mit den gegebenen Methoden - in diesem Fall der Statistik, die das aktuelle Meßinstrument für die Korrelation von Faktoren darstellt - nachweisen lassen muß. Victor Mansfield faßt das Weltbild der klassischen Physik, das uns alle heute noch prägt wie eh und je folgendermaßen zusammen: "In der Newtonschen Mechanik wirken voneinander getrennte und unabhängig voneinander existierende Objekte auf voll vorhersagbare Weise aufeinander ein. Eine genau bestimmte Ursache erzeugt unweigerlich und vorhersagbar eine genau bestimmbare Wirkung." Und: "Die klassische Physik ist eine vollkommene Verkörperung des Determinismus - daß dieselben Anfangsbedingungen und Kräfte immer zur selben Entwicklung führen."

Im Zuge ihrer Weiterentwicklung hat die klassische Physik die Quantenphysik hervorgebracht, die sich ursprünglich nur mit dem atomaren Bereich (dem Mikrokosmos) befaßte. Dort verliert das mechanistische Denken und damit die Kausalität ihre Gültigkeit. Das Verhalten atomarer Teilchen läßt sich, was das einzelne Teilchen angeht, unter keinen Umständen vorhersagen. Dazu sagt Victor Mansfield: "Wir verstehen Kausalität heute nicht mehr als unbeschränkt geltendes Naturgesetz, sondern können sie als einen, nicht als den einzigen Weg sehen, auf dem wir unser Weltverständnis strukturieren. Oder in den Worten von Nils Bohr: "Wir können Kausalität als eine Art der Wahrnehmung auffassen, mit deren Hilfe wir unsere Sinneseindrücke ordnen."

Akausale Phänomene treten per Definition nicht kausal, also ohne einen erkennbaren Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung auf. Sie sind spontan und unregelmäßig. Eventuell dahinter stehende Gesetzmäßigkeiten lassen sich auf Grund ihrer Vielschichtigkeit nicht logisch und methodisch genau erfassen, sondern nur intuitiv und ganzheitlich erspüren.

Der Tiefenpsychologe C. G. Jung trat bereits dafür ein, daß Kausalität und Akausalität ein Gegensatzpaar darstellen. Sie schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich und existieren nebeneinander. Seine Überlegungen gingen auf Gespräche mit Einstein zurück, zu einer Zeit, als er die spezielle Relativitätstheorie entwickelte, die Jung darüber nachdenken ließen, ob Raum und Zeit wirklich absolut sind - etwas Fixes, das für jeden an allen Orten und zu jeder Zeit gleichermaßen gilt. Wenn Raum und Zeit relativ waren, dann war die verbindende Komponente immer der Erlebende oder Beobachter. In diesem Fall konnte es aber keine für alle gleichermaßen gültige Messung von Zeit und Raum geben, sondern das Ergebnis war abhängig von dem Bezugsrahmen bzw. dem Betrachtungswinkel. Dazu schrieb Jung in dem Artikel "Synchronizität als Prinzip akausaler Zusammenhänge" : "Raum und Zeit sind in der ursprünglichen Anschauung (das heißt bei den Primitiven) eine höchst zweifelhafte Sache. Sie sind erst im Laufe der geistigen Entwicklung zu "festen" Begriffen geworden, und zwar durch die Einführung der Messung."

C.G. Jung und das Prinzip der Synchronizität

Das von ihm entwickelte Prinzip der Synchronizität erfaßt den akausalen Anteil psychologischer Vorgänge, den Bereich, in dem das Prinzip von Ursache und Wirkung nicht gilt: Ein bestimmtes Ereignis tritt für einen bestimmen Menschen vom zeitlichen Zusammenhang her so auf, daß es für ihn eine spezielle Bedeutung gewinnt, die ihm einen wichtigen Sinnzusammenhang seines Lebens offenbart. Für jeden anderen Beobachter des gleichen Ereignisses wäre es nur ein zufälliges Ereignis, dem er keine besondere Bedeutung beimessen würde, da für ihn keine synchronistische Verbindung zu diesem Ereignis besteht, es sagt ihm nicht Besonderes. Im Gegensatz dazu stehen Ereignisse, die auf einen für jeden erkennbaren kausalen Zusammenhang zurückzuführen sind: Weil wir auf die Bremse unseres Wagens getreten sind, verlangsamt sich die Geschwindigkeit, mit der wir uns fortbewegen, oder, im psychologischen Sinne, weil wir enttäuscht oder verletzt wurden, reagieren wir wütend oder weinen.

Ich möchte hier den Begriff der Synchronizität nicht im strengen Jungschen Sinne verstehen, der sie ausschließlich als ein Phänomen sah, das mit dem Individuationsprozeß eines Menschen zu tun hat. Für Jung waren synchronistische Ereignisse ausschließlich etwas, das uns die Richtung für unseren persönlichen Lebensweg weisen sollte und das vor allem in Augenblicken, in denen wir von diesem Weg abgekommen waren oder ihn verloren zu haben glaubten. Wenn wir Synchronizität umfassender definieren beschreibt sie das Phänomen, daß uns etwas, womit wir uns gerade beschäftigen, plötzlich und während eines bestimmten Zeitraumes oft sogar gehäuft begegnet. Einen wichtigen Anteil hat hier das Fokussieren unserer Aufmerksamkeit auf ein Thema. Solche Vorkommnisse machen uns nicht unbedingt weiser und helfen uns auch nicht speziell in unserer Lebensgestaltung weiter. Sie weisen uns lediglich darauf hin, daß es Koinzidenzen gibt, die nur für uns wichtig sind, weil sie - und sei es nur durch eine erhöhte Sensibilisierung für ein Thema - eine Beziehung zwischen unseren Bewußtseinsinhalten und Dingen im außen herstellen. Nicht jede dieser Koinzidenzen führt uns in die Richtung unseres Lebensziels.

Das Horoskop - keine Verursacher aber ein Bild der Wirkungen

Astrologie ist nicht kausal. Wir haben nicht bestimmte Charaktereigenschaften, weil die Stellung der Gestirne am Himmel uns in irgendeiner Weise beeinflusst. Wir erleben bestimmte Dinge nicht, weil das Horoskop sie in Gang setzt. Auf die Frage, welche Kraft hinter den Phänomenen der Welt steht gibt die Astrologie keine Antwort. Ein Horoskop ist nichts anderes als ein Bild für die Qualität der Zeit, die zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort herrscht. Es ist ein Bild für die Energien und Kräfte, für ihre Verteilung und die darin enthaltenen Möglichkeiten manifest zu werden. Die Verwirklichungsmöglichkeiten sind vielschichtig und nicht auf eine einzige Form festgelegt, obwohl sie einem Prinzip unterliegen, das die Rahmenbedingungen der Realisierung vorgibt. Eine Verbindung von Venus und Saturn verfügt über eine Vielzahl von Wegen, wie sie sich im Leben manifestieren kann, wenn auch nicht über beliebig viele, da die beiden Prinzipien den Entfaltungsrahmen auf der prinzipiellen Ebene abstecken.

Wenn wir den Begriff der Synchronizität etwas weiter fassen als ihn C.G. Jung definiert hat, nämlich als das Prinzip gleichzeitig auftretender Phänomene, die einen Sinnzusammenhang offenbaren können oder auch nicht, und die keine Verknüpfung von Ursache und Wirkung aufweisen, funktioniert Astrologie nach dem Synchronizitätsprinzip: Das sich aus der Stellung der Gestirne zum Zeitpunkt unserer Geburt ergebende Horoskop entsteht parallel - synchron - zu unserem Eintritt in dieses Leben. Es beschreibt die Kräfte und deren Potentiale, die am Anfang unseres Lebens stehen. Gemäß des Axioms "Im Anfang ist die weitere Entwicklung enthalten" umreißt es den großen Rahmen, innerhalb dessen unser Leben verlaufen kann. In ihm enthalten ist eine Vielfalt von Spielarten, mit denen dieser Rahmen ausgefüllt werden kann. Das gleiche Horoskop steht auch am Beginn des Lebens anderer Menschen, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort geboren wurden und von allen anderen Dingen, die in Erscheinung traten. Unser Horoskop gehört uns nicht wie eine Art Privatbesitz. Es existiert und "tickt" auch nach unserem Tod noch weiter, denn im eigentlichen Sinn hat es mit uns persönlich nichts zu tun.

Wenn Astrologie nach dem Synchronizitätsprinzip funktioniert, bedeutet das, daß wir mit ihrer Hilfe Wissen über Dinge und ihre Bedeutung für uns bekommen können, daß sie jedoch in keiner Weise die Ursache eben dieser Dinge ist. Die Konstellationen eines Radix bewirken nicht, daß ein Mensch auf eine bestimmte Weise denkt, sich verhält oder daß er dieses oder jenes erlebt. Sie zeigen nur synchron an, was vorgeht oder besser gesagt die Summe dessen was vorgehen kann. Das Geburts- oder Entstehungshoroskop steckt den Rahmen des Möglichen ab, nichts weiter. Damit verliert die Astrologie den Nimbus der allwissenden Autorität, der "Großen Buches", in das wir nur auf die richtige Weise blicken müssen, um die göttliche Weisheit und ihre Vorhersehung zu erfahren, und der Astrologe verliert den Status des Handlangers des Lieben Gottes, den ihm so viele Menschen gern geben möchten. Er wird zu einem Menschen, der über mehr oder weniger intuitivem Zugang und Einfühlungsvermögen in die Symbolsprache des Horoskops und ihrer individueller Bedeutung für das Leben desjenigen, den er berät, verfügt.

Ein Blick in die Kräfteverteilung der Zeit

Ein Horoskop zu interpretieren kann nicht mit dem Blick in ein Lexikon verglichen werden, bei dem wir unter einem bestimmten Begriff nachschlagen und eine exakte Definition bekommen. Was wir sehen, sind Symbole oder eben Konstellationen - Zusammenstellungen von Symbolen - die naturgemäß eine Vielzahl von Manifestationen in unseren Leben zulassen. Wie weiter oben beschrieben lassen sie sich zwar alle unter einem bestimmten "Dach" vereinen, sie unterliegen alle einem bestimmten Wirkprinzip, vereinfacht ausgedrückt, z. B. dem der Fülle, dem der Enge, dem des Kampfes und der Durchsetzung oder auch der Passivität und Empfänglichkeit, doch was der einzelne daraus macht hängt zum einen von seiner persönlichen Entscheidungs- und Reaktionsweise ab, die er wie gewohnt beibehalten oder auch kreativ umgestalten kann, zum anderen von dem komplexen Geflecht an Möglichkeiten, die im Horoskop als Ganzes enthalten sind. Wiederum müssen wir uns vor Augen halten, daß das Horoskop nicht die Instanz ist, die darüber bestimmt, was geschehen wird oder was nicht. Es weist uns lediglich auf Zeitlinien hin, auf herrschende fördernde wie auch hemmende Kräfte, denen wir uns auf natürliche Weise angleichen oder denen wir uns mit aller Kraft widersetzen können. Wenn wir versuchen, aus dem Rahmen der uns aktuell gegebenen Möglichkeiten auszubrechen, werden wir entweder scheitern oder wir können vielleicht tatsächlich etwas erreichen - erzwingen - was unmöglich erschien - doch wir können kaum mit dauerhaftem Erfolg, Zufriedenheit und Erfüllung rechnen. Dem Schicksal etwas abzutrotzen, wie wir es vielleicht ausdrücken würden, ist zumindest auf lange Sicht und in einem größeren Rahmen gesehen nicht gleichbedeutend mit der richtigen Wahl.

Umgekehrt gibt es Zeiten, die eben jenen totalen Einsatz aller uns zur Verfügung stehenden Energien fordern. Der Unterschied liegt darin, wie klar wir erfassen, was zu einer bestimmten Zeit der richtige Weg ist. Richtig bedeutet hier nicht unbedingt richtig gemessen an unseren Wünschen, Absichten und Plänen, sondern richtig im Sinne von im Einklang mit der Zeit - richtig in Bezug auf einen größeren Rahmen von dem wir ein Teil sind und dessen Bedeutung wir dort, wo wir gerade stehen, oft noch nicht erkennen, vielleicht aber erahnen können. Der Blick ins Horoskop unterstützt uns dabei, Möglichkeiten und Grenzen abzustecken. In dem Maße indem wir offen, unvoreingenommen und ohne Projektionen an die Interpretation des Horoskops herangehen schenkt uns die Astrologie einen Einblick in die Energie- und Kräfteverteilung eines Augenblicks oder einer Zeitphase, einen Einblick, den wir ohne sie vielleicht nicht haben könnten. Auf diese Weise ist das Horoskop ein Spiegel für ein Wissen, das wir - theoretisch - schon in uns tragen, von dem wir aber durch eine Vielzahl von Umständen noch getrennt sind: durch unsere Neigung zu analytischem Denken etwa, das dem intuitiv-emotionalen Zugang zum Wesen der Dinge entgegensteht, durch Erwartungen, Projektionen und Ängste, durch unsere Neigung zu intellektueller Kontrolle.

Das vielfältige Geflecht der Zukunft

Was für das Geburtshoroskop gilt, gilt auch für das prognostische Horoskop: Zukunft ist kein festumrissener, unumstößlicher Vorgang sondern ein Konglomerat an Entfaltungsmöglichkeiten, ein "Topf an Potenzialitäten", die im gegenwärtigen Augenblick eingeschlossen sind. Unsere persönliche Zukunft unterliegt zwar dem Rahmen, den die Grundbedingungen, unter denen wir in diesem Leben angetreten sind, vorgeben, sowie deren Entfaltung in der Zeit, aber auch hier haben wir einen Spielraum, den wir in der Regel nur begrenzt nutzen. Da wir dazu neigen, gemäß dem zu reagieren, was in unserem Gedächtnis gespeichert ist, entsteht unsere Zukunft in wesentlichen Anteilen durch das Fazit, das wir bewußt oder unbewußt aus unseren Erfahrungen ziehen sowie durch unsere Erwartungen und Hypothesen über die Zukunft. Wenn wir die astrologischen Symbole betrachten und beginnen, kreativ darüber zu spekulieren, was sie alles bedeuten könnten ohne uns sofort von dem was wir für möglich halten und was nicht, beschränken zu lassen, entdecken wir Alternativen und Betrachtungsweisen, die uns neue Wege eröffnen und mehr Freiheit in unserem Denken schenken können. Je weniger Erwartungen, Hoffnungen und Ängste wir mit dem Betrachten eines Horoskops verknüpfen, je unvoreingenommener wir sind, desto kreativer wird das Ergebnis sein und desto eher sind wir in der Lage, aus dem was möglich ist das beste herauszuholen, und sei es auch in der untersten Schublade der Wahrscheinlichkeit.

© 2001 Brigitte Hamann - www.brigitte-hamann.de


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