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Über den Autor:

Georg Honer-Schmid, geb. 22.3.1956, beschäftigt sich seit gut zehn Jahren mit Astrologie. Neben Astrologie-Kursen und Beratungen leitet er auch Gesprächsrunden über philosophische Themen.
Weitere Texte:
"Die Zeit der Ahnen" sowie Beiträge im astrologix Diskussions-Forum.

Die Erinnerung und die Zeit

Astrologischer Essay über Denken und Zeit


von Georg Honer-Schmid

Wer sich mit der Zeit gedanklich einläßt, begreift irgendwann, daß eine Sekunde weniger mit Zeit zu tun hat als eine moderne Welt uns einredet. Denn Zeit wird nur in Geschehnissen erkenn- und unterscheidbar. Ohne die Gestalt von Tag und Nacht, ohne Werden und Vergehen, ohne wahrnehmbare Bewegung hätte eine Stunde keinen Wert und keinerlei Bedeutung. So ist die Uhr selbst nichts als ein "farbloses" Instrument mit dem sich die Dauer gestalthafter Prozesse rein quantitativ messen läßt. – Diese Prozesse, das Geschehen selbst aber ist die Zeit. - Wir alle sind Zeit. Zeit, die als lebendiges, rhythmisches Geschehen (im ersten Quadranten) dual aufscheint und dessen "Aufscheinungsdauer" oder "Räumlichwerdung" in Sekunden oder Stunden gemessen werden kann.

Betrachten wir nun weiter diese Zeit, so stellen wir fest, daß sie entgegen unserer dual, räumlichen Denkgewohnheit nicht linear voranschreitet, sondern sich in analogen Bild- beziehungsweise Geschehensmustern in Mutationssprüngen "auswirft". Sie entspringt, indem sie von "Sekunde zu Sekunde" Geschehen hervorbringt jeden Augenblick immer wieder neu aus sich selbst. Sie gebiert sich, als sich ständig erneuernde Gegenwart.

Was an dieser sich ständig erneuernden Gegenwart als "polares Fundament" Wiederholung sein muß, das heißt eine Wiederkehr bereits "gelebter" Zeit, somit eine Erinnerung und in ihrer Folge eine Re-Inkarnation und was bestimmt ist Neues, noch nie Da-Gewesenes zu sein, ist die entscheidende Frage allen Werdens. Es ist das Ringen der Zeit mit sich selbst, es sind die Wehen ihrer eigenen Geburt. Seelisch bedeutet es für uns, zumindest wenn wir bewußt im Handeln über unser Leben (zweiter Quadrant) die Zeit zur real wahrnehmbaren Erscheinung machen müssen, die Frage von Schuld und Un-Schuld.

Weil aber Denken erst in der Polarität möglich wird, ist es immer unvollkommen einen Zustand beschreiben zu wollen, der teilweise dieser Polarität voraus geht. Aber es lohnt dennoch es zu versuchen, weil jede Nuance eines tieferen Verstehens der "Zeit-Werdung", das Wesen unseres Tuns, das seinen Ursprung astrologisch im vierten und dritten Quadranten und deren mundaner Zeichen hat, in ein klareres Licht stellt.

Wie aus einem ununterscheidbaren, chaotischen "Zustand" (einem "Nichts" oder "Alles") Zeit und Raum entspringen, steht in bildhafter Weise im Schöpfungsmythos der Völker. Er ist der Ur-Mythos jeden Volkes, gleichsam die Basis seiner Re-ligio, seiner Rückbindung an das noch Ungeschiedene und damit Unnennbare. – Jean Gebser hat in seinem Werk "Ursprung und Gegenwart" darüber entscheidendes gedacht und Wolfgang Döbereiner war der erste, der diesen Weg der Genesis im "Weg der Aphrodite" auf astrologischem Gebiet nachzugehen versuchte. Meine Ausführungen sind eine Variation dieser Sichtweisen, aus dem speziellen Blickwinkel der Polarität.

Polarität und Dualität

Da zwischen diesen beiden Begriffen häufig nur vage unterschieden wird, will ich sie kurz noch einmal skizzieren: Wie im Mythos verdeutlicht entsteht Zeit und Bewußtsein aus einem ununterscheidbaren Ur-Ganzen (der Fisch bzw. Neptun und 12.Haus sind diesem "Zustand" am nächsten). Diese Ganzheit bleibt auch in der Polarität, trotz allen Gegensatzes der beiden Pole, bestehen. Sie zerreißt nicht. Leben und Tod, Tag und Nacht, hell und dunkel – keiner der beiden Pole kann ohne den anderen sein. Im Gegenteil, der Gegenpol ist jeweils "Mutter oder Vater" des Anderen und ständig fließen diese Energien vom einen "Energiefeld" hinüber in das andere. Es ist das Yin und Yang der östlichen Kulturen.

Anders verhält es sich, wenn Kräfte dual gegeneinander stehen. Hier ist die eine Kraft der tödliche Feind der anderen, die es gilt mit allen Mitteln zu verhindern. Die Dualität entsteht, wenn die Polarität sich auf die reine Gegensätzlichkeit reduziert und ihre übergreifende Ganzheit, ihr gegenseitiges Bedingtsein "vergißt", sie gleichsam zerreißen muß, um real existieren zu können. Im christlichen Kulturkreis ist es als Bild die Vertreibung aus dem Paradies.

So hat diese real, gegen-ständliche Welt, ob wir wollen oder nicht, immer etwas gewalttätiges und grausames in seinem Wesen, was ein in der Ganzheit verwurzeltes Bewußtsein schwer erträgt. Es wirkt in der Dualität eine Art Erbsünde und ein Schuldigwerden, dem wir trotz größter Mühe nicht entgehen. Astrologisch ist dieses Duale die Ebene des ersten Quadranten, die finale Stufe der Zeit, ihre reale "Kristallisation" als Raum.

Dennoch, die in ihrem Wesen arationale (1) Polarität übergreift alles duale Geschehen, erschafft und bestimmt auch deren Sein. Diese Einsicht mangelt der modernen Wissenschaft immer noch. Und ihr gigantischer, zu sehr auf das Reale gerichtete Untersuchungseifer, macht deshalb nur dürftige Fortschritte bei der Erfassung eines unstofflich bedingten Seins. Die Astrologie, die von Grund auf polar strukturiert ist, ohne sich dualer Genauigkeit zu entziehen, ist in dieser Hinsicht ein viel weiteres diagnostisches Medium.(2)

. . .der Geist Gottes schwebte über den Wassern …(Genesis,1. Buch Moses)

Die Zeit "konfiguriert" sich polar. Diese polar sich ordnenden und mit sich ständig in Wechselwirkung stehenden Strukturen, lassen sich, wenn sie einen bestimmten energetischen Zustand erreicht haben, bildhaft als Gestalt wahrnehmen. (Deshalb ist es möglich, daß auch sogenannte unwirkliche Dinge wie "Verstorbene" oder "Ufos" auch bei wachem Bewußtsein als Bild aufscheinen). Dieser Weg der Zeit "vollzieht" sich über die Polarität weiter bis in die duale Endlichkeit der Realität als ein ständiger, mutativer Prozeß.

Der Fisch oder der Neptun steht am Anfang dieses Werdens der Zeit. Er ist noch nicht polar strukturiert, er ist sozusagen noch gestaltlose, vom Denkerischen aus, chaotische, noch un-bestimmte Urpotenz. (Ein unpolares "Sein" ohne Saturn und Bestimmung). Im Wassermann beginnt der Sprung in eine (neue) polare Struktur. Wenn Menschen zuweilen diesen Moment der Raum- und Zeitwerdung spüren sagen sie: "Es liegt was in der Luft". Als Bild ist es der Flug des Vogels.

Doch wenn etwas Neues entsteht muß Altes weichen. Vom Bestehenden aus gesehen, bricht der Uranus eine bereits vorhandene ("eine alte") polare Struktur auf, um im Handumdrehen eine neue vorzubereiten.

Es vollzieht sich im Uranus eine Art Polsprung, die eine neue Konfigurierung und Fügung der Gestalt der Zeit (über den Saturn) bewirkt.

Pluto und Uranus .. keine Liebesgeschichte

In diesem Geschehen spielt Pluto eine ent-scheidende Rolle. Er führt die über den Wassermann und Steinbock eingeleitete polare Neukonfigurierung, diese Neu- Bestimmung zu "Ende". Er zwingt die Gestalten, indem er wie ein Magnet die Energie zentriert und verdichtet und ihnen eine feste, nicht mehr umkehrbare Form und Ordnung zuweist.

Im Vorgang der Polarisierung scheidet sich un-unterscheidbare (un-entschiedene) Energie, in sich gegenseitig widerstrebende aber sich dadurch zugleich auch haltende und stabilisierende "Kraft-Felder". Als Ur-Mythos ist es die Schaffung von Himmel und Erde. Erst in diesem polarisierenden Vorgang wird der Raum, dieser "Zwillingsbruder" der Zeit möglich. Man könnte auch sagen, der Raum ist eine bestimmte (Saturn) Energieform der Zeit, die zu ihrer Stabilisierung des Plutos bedarf. Der Raum ist das finale Stadium der Zeit. Erst in ihm wird sie als duale Erscheinungswelt endlich und unwiderrufbar.

Man erkennt dieses "Polarisieren" des Skorpionischen sehr gut in geistigen Attitüden stark skorpion-geprägter Menschen, in ihrem kompromißlosen Denken. Da heißt es ja oder nein, schwarz oder weiß, Freund oder Feind. In diesem Sinne ist der Uranus immer der Gegenspieler des Plutos, weil Ihm bei einer neuen "Polung" einer Gestaltstruktur die Aufgabe zufällt zuerst die alten Bande und "magnetischen" Fixierungen aufzuheben und wenn es sein muß auch zu sprengen. - Eben weil der Wassermann eine Art Antimagnet ist, der diese polaren Zentren aufbrechen muß, um eine neue Bestimmung (Saturn) und Fügung (Jupiter) zu ermöglichen, fühlt er sich in der Mitte dieser Zentren nicht so leicht wohl wie zum Beispiel der Stier, der die skorpionische Zentrierung real macht. So ist es auch das Wassermännische, das sich bei Tunnel - und Massenphobie gegen Zentrierung und Enge zur Wehr setzt.

Da dies Grundprinzipien des Seins schlechthin sind, finden sich analoge Prozesse in den stellaren Geschehen des Weltalls, im Entstehen und Vergehen von Sternen und Galaxien. Bei Planeten, die zum Großteil aus diffusen Gasnebel bestehen, ist die "chaotische", polar stabile Strukturen immer wieder auflösende neptunische Kraft stärker, als zum Beispiel bei unserer Erde, deren schützendes, plutonisches Magnetfeld erst dieses Leben ermöglichende "Binnenklima" schafft. Ganz allgemein könnte man sagen, daß Anziehung und Schwerkraft auf Pluto verweisen. Und wer in Astronomie etwas beschlagen ist, wird in deren theoretischen Gebäuden, angefangen vom Urknall oder dem Polsprung der Erde, bis zu dem Phänomen der Vampirsterne und schwarzen Löcher immer wieder dieses eben beschriebene energetische Grundverhalten wiederfinden.

Pluto und Denken

Aber nun zum Denken. Was geschieht, wenn ich denke? In Bezugnahme auf das Gesagte kann man es so beschreiben: Beim denkerischen Akt konfiguriere ich ebenfalls Energie. (Es ist ein geistiges Scheiden von "Himmel und Erde"). Ich polarisiere Energie zu gestalthaften Gebilden, zu Bildern und mache sie somit geistig unterscheidbar.

Wenn ich denke, konfiguriere ich Zeit, mache sie polar ver-fügbar und füge sie. Denken geschieht somit in einem komplizierten Wechselspiel von Neptun, Uranus, Saturn, Jupiter und Pluto. Je mächtiger der Pluto, um so länger die "Halbwertzeit" unserer gedanklichen Bilder, um so dogmatischer, enger aber auch ewiger gebärdet sich unser Geist.

Denken ist in seinem Wesen Fokussierung von Energie und somit Gestaltung von Zeit. Es ist ein "magischer" Akt, in dem polar strukturierte Energiefelder zu Bildern und diese je nach Art des Denkens, zu Abläufen von Geschehen und Vorgängen strukturiert werden.

Vieles davon geschieht unbewußt. Doch wenn dieses Denken sehr bewußt abläuft, sagen wir selbst zu dieser Fokussierung der Energie: .."Ich muß mich jetzt konzentrieren". Diese unstofflichen, polar konzentrierten Energiefelder haben einen stabilen "Magnetismus", eine gewisse "Halbwertzeit", die es erlaubt, daß sie eine Zeit lang unversehrt übernommen, weitergegeben und vervielfältigt werden können. Oder vielleicht noch präziser: durch die Vervielfältigung und Wiederholung entgeht der Gedanke ähnlich wie bei einem "Mantra" der Gefahr der schnellen und manchmal durchaus angebrachten Auflösung. Denn ganz grundsätzlich gilt: Gemäß der Halbwertzeit des Plutos vollzieht sich der Wandel der Gestalt der Zeit als Prozeß eines Geschehens.

Die Wörter, die wir für diese gedachten polaren Strukturen verwenden heißen Idee, Vision, Konzept, und Leitbild. Je dichter der Pluto eine Idee macht, um so zwingender drängt sie gleich einem Virus in die Verfielfältigung und Wiederholung mit dem Zwang zu über-zeugen.

Diese gedachte, vom Menschen geschaffene, geistige Wirk-lichkeit trägt also Zeugungs- und je nach dem auch Über-zeugungspotential in sich. Es ist vom ersten Quadranten aus betrachtet keine reale, sondern eine vorgestellte Welt, eine "künstliche" Welt, ein gedachter Entwurf von Gegenwart. So ist Denken als "Ver-Gegenwärtigung", der willentliche Akt sich Gegenwarten "künstlich" vorzustellen. Diese willentlich gedachte Vorstellungswelt steht oft in einem eigenartigen Spannungsverhältnis zu der Gefühls und Empfindungswelt, die von jeher das "Medium" war, das Leben in die Polarität, das heißt in den Rhythmus der Zeit zu fügen und zu führen. Der Gegensatz zwischen der selbst erschaffenen Gedankenwelt und der im Empfinden ständig andrängenden und empfangenen Bilderwelt ist momentan auch die Hauptproblematik des Menschen. Denn diese zwei unterschiedlichen Orientierungswege ringen im Pluto um die Zeitwerdung als Gegenwart, es ist Adler und Schlange. Wobei die "Diffamierung" der Schlange in unserer Kultur, in der entwicklungsbedingten Bevorzugung der lichteren, solaren ("männlicheren"), das heißt denkerischen Kräfte seinen Grund hat.

Im zweiten Quadranten ist also unser Ich gezwungen im Handeln eine duale Entscheidung zu treffen. Und nur ein Handeln, das aus einer innersten "Klärung" entspringt (manche mögen dies Wahrhaftigkeit nennen), ist es möglich Adler und Schlange zu einen, das heißt diese schwerste und zugleich menschlichste Aufgabe ohne neue subjektive Schuld zu bestehen.

Rückblick

Erst die neue und zuvor noch nicht dagewesene Fähigkeit im Pluto polare Strukturen, das heißt Gedanken und Vorstellungen "stabil" gegen die ständig einströmenden Empfindungsimpulse zu setzen und diese als Erinnerung (Wissen) lange verfügbar zu machen, hat den Menschen von dem rein tierhaften Reaktionszwang befreit. Hat ihm dieses Stück Entscheidungsfreiheit eröffnet, bei manchen Dingen so oder nicht so zu handeln.

Doch wie immer, wenn man sich von etwas befreien muß, wird irgendwann nach erkämpfter Trennung eine neue Einung notwendig. Und so sind wir jetzt an dem Punkt wo es wichtig scheint Empfindungsimpulse wieder neu zu bewerten, weil in ihnen ein Wissen und Ahnen, gerade auch über Zukünftiges zu uns spricht, das unserem dual-rationalen, selbst-mächtigen Vorstellungsdenken weit überlegen ist. Es ist also der Anspruch unserer Zeit, das "Arationale" der Empfindung mit dem inzwischen sehr weit entwickelten, rationalen Planen und Denken neu in Ausgleich zu bringen, bevor das lange unterdrückte Arationale, diese große Mutter allen Werdens, es auf grausamem Wege selber tut.

Ein ständiges Denken gegen "die Seele", mit dem Versuch diese im nachhinein zu über-zeugen, ist demnach eine hoch problematische Methode, sich Zeit und Leben gänzlich subjektiv ver-fügbar machen zu wollen. Aus ihr entspringt diese allgegenwärtige Schizophrenie des modernen Menschen.

Die Erinnerung und das Vergessen

Wenn also im Pluto die Macht des Gedankens und der Idee sein Zuhause hat. So ist es schlüssig, daß seine Fähigkeit Energie polar und damit sehr "stabil" zu (kon-) zentrieren auch das Vermögen der Erinnerung mit einschließt. So ist im Skorpion die Erinnerung fest beheimatet, als Fähigkeit energetische Muster unauflöslich und damit jederzeit wiedererkenn- und abrufbar bereitzuhalten. Deshalb werden über ihn jegliche Art von Information auch die genetische bereitgehalten und übermittelt. Wenn auch diese Eigenschaft, stark skorpionisch geprägter Menschen, Erlittenes nicht zu vergessen, als Untugend gilt, so ist doch die darin enthaltene Fähigkeit der Erinnerung die zentrale Voraussetzung für Bewußtsein überhaupt. Denn ohne diese gäbe es kein Wissen, kein geistiges Wiedererkennen, demnach keine Identität im Sinne des Bewußtseins, kein Ich.

Es könnte also ein Wahlspruch Plutos heißen ….es gibt kein Vergessen! …wäre da nicht Neptun mit seiner Fähigkeit diese skorpionische Zentrierung und Polarisierung aufzuweichen. Denn wenn er am Werke ist, verschwimmen die Umrisse, geht die durch die Polarisierung erwirkte geistige Unterscheidbarkeit verloren. Die Dinge, das heißt die polaren Strukturen, lösen sich wieder ein Stück weit in dieses chaotische Nichts auf, aus dem sie entstanden sind, um natürlich über den Wassermann und Steinbock in veränderter Gestalt neu geboren (strukturiert) zu werden.

So steht der Neptun manchmal für Schlamperei, Lüge und Unpünktlichkeit. Das heißt die Tatsächlichkeit, sowie die Fügung und zeitliche Koordination lassen zu wünschen übrig. Man ist nicht im "Bilde" und unter Umständen unfähig sich im Raum, das heißt sich dual zu behaupten. Es ist ein Symptom stark fisch- und neptun-geprägter Menschen, daß sie der Akkuratesse der räumlich-dualen Erscheinungswelt in ihren verschiedensten Ausprägungen nur schwerlich entsprechen. Auch in Gruppen, Vereinen und sozialen Gemeinschaften, die sich immer nur über ein "magnetisches" Leitbild, das zu einem oft unausgesprochenen Verhaltenskodex führt, konfigurieren können, hat der sogenannte "Neptuner" seine liebe Not und wird von diesen Gruppen (auch die Familie zählt dazu), als die feste Struktur zersetzender Faktor erkannt und manchmal schon aus Prophylaxe" abgelehnt und ausgeschieden.

Liebe und fixe Idee

Daß beides, das was wir als leidenschaftliche Liebe bezeichnen und die fixe Idee (der fixe Gedanke) zum Skorpion gehören, läßt sich auch über die "Polarisierung" verstehen.

Im Zustand der Leidenschaft dominiert im Pluto dieser vorher beschriebene Empfindungs-Impuls über das rationale Vorstellungsdenken und verhilft unter Umständen den weiteren arationalen Zeugungs- und Wachstumsprozessen zu ihrem Recht. Ob der in Liebe gefallene will oder nicht, er ist dem Einströmen dieser elementaren, sehr tierhaften Empfindung (der Schlange) so stark ausgeliefert, daß die andere subjektiv geistig steuerbare, un-empfindliche, denkerische Seite des Skorpions sehr ins Hintertreffen gerät.

Dieses bedingungslose Verliebtsein ist deshalb ein geeignetes Beispiel, um sich diese vorher beschriebene "Zweigesichtigkeit" des Skorpions vor Augen zu führen. Es erklärt auch warum "der Skorpion" viel Angst vor dieser anderen, elementaren Seite seines Wesens hat, weil es seinen geistig-kontrollierten Wesensanteil in Frage stellt. So lebt "der Skorpion" nicht selten gerade das Gegenteil von Sex und Leidenschaft, indem er versucht mit Hilfe rationaler Vorstellungen den Strom der Empfindung zu blockieren.

Das Ritual

Aus der Geschichte, sei es die große Welt- oder die eigene, kleine, intime Lebens- und Familiengeschichte, wird erkenntlich, daß dem menschlichen Wünschen, Wollen und Planen unsichtbare Grenzen gesetzt sind und daß dieser subjektive, rational gewollte Denkakt nicht immer Berge zu versetzen imstande ist. Im Gegenteil, wie von unsichtbarer Hand gesteuert führen, wenn es an der Zeit ist, gerade diese übertriebenen geistigen Vorsichtskonzepte in jenes Dilemma das sie eigentliche verhindern sollten. Ödipus, der im Vermeiden der Tat erst zum Täter wird, läßt grüßen.

Dennoch, der Mensch hat seit jeher versucht seine Macht über die Zeit und damit über sein Schicksal mit allen Mitteln zu erweitern. Das älteste und gängigste Mittel ist wiederum im Skorpion zu finden, es ist das Ritual in seinen vielfältigsten Ausprägungen. Rituale polarisieren und strukturieren Zeit. Indem Rituale die Zeit zur Wiederholung zwingen, hemmen sie deren freien Fluß und Wandel, machen sie "sicher und berechenbar". Rituale "stabilisieren" die Zeit und damit den Zusammenhalt und Fortbestand ganzer Familien, Völker und Gesellschaften. Sie sind das kulturelle Gerüst von Gemeinschaften, eine Art von Erinnerungs-Handlung an der sich die Mitglieder einer sozialen Gruppe immer wieder "neu" magnetisieren, sich wiedererkennen und so eine gemeinsame Identität bilden. Jedes Ritual ist im Wesen kultische Handlung beziehungsweise Sakrileg, weil es in den Fluß der Zeit, sozusagen in den "Atem Gottes", in seinen Rhythmus von der realen Ebene aus eingreift. Nicht umsonst pocht jede Religion darauf, um diesem Vorwurf der Anmaßung zu entgehen, die Legitimation und die Pflicht ihrer vielfältigen Rituale von Gott selbst erhalten zu haben.

Weil das Ritual syn-chronisiert (= syn ‚zusammen' + chronos ‚Zeit'), wirkt es immer kollektivierend. Diesbezüglich ist Fisch und Wassermann an sich, Religiosität ohne Ritual und gemeinschaftlicher Zugehörigkeit, eine spontane Religiosität des Augenblicks ohne Dogma und rituellen "gymnastischen" Übungen.

Je weiter der Mensch im Laufe seiner Entwicklung mit seinem Bewußtsein in die Dimensionen von Uranus und Neptun hineinwächst, um so mehr wird er sich dem spontanen Fluß der Zeit überlassen können und wollen. Und um so weniger Rituale wird er benötigen, um sich "als Gegenwart" zu stabilisieren. Um so größer ist aber auch die Gefahr, daß er, wenn er dieses Bewußtsein nicht besteht, es nicht "erdet", die grausame Dualität des Raumes seelisch nicht mehr erträgt.

Allein wegen dem letztgesagten wird der Mensch viel alltäglichen Ritus (und sei es in Form von Grußformeln, Händeschütteln oder samstäglicher Tageszeitung mit Frühstücksbrötchen) als sogenannte "Gewohnheit" noch lange pflegen, um unter dessen Schutz "Ort" und "Heimat", das heißt Geborgenheit im Raum, zu finden.

Polare Dimensionen

Wie wir sehen stößt der Versuch die Zeit nach dem jeweiligen subjektiven Wünschen und Wollen zu manipulieren auf seine Grenzen. So hat auch dieses künstliche, dieses gemachte, positive Denken, das wie ein Mantra und Zauberspruch in rituell, wiederholend beschwörender Weise versucht, die Zeit nach subjektiven Wünschen zu polarisieren und strukturieren nicht die Kraft, die tieferen Strukturen der Bestimmung (Saturn-Energie) und des Werdens zu wandeln. Diese "tiefen" polaren Strukturen der "Bestimmung" können zwar eine Zeit lang durch ein "Nicht- und Anderswollen" verhindert und aus der Gegenwart gedrängt werden, aber nur zum Preis einer Schuld (zusätzlichen Karmas) und eines später folgenden "schlimmen" Ausgleichs.

Über diesen tieferen Schicksalswillen, der imstande ist unseren subjektiven weiter an der Oberfläche wirkenden planenden Willen hinwegzuschwemmen, sagt uns aber niemand mehr, als unser eigenes Empfinden. Denn dieses Empfinden reicht in jene arationale "Tiefenstruktur" der Zeit, die dem rechnenden Geist nicht zugänglich ist. Genau genommen konstelliert es sich aus diesen Tiefen und ist in diesem Sinne dem rein rationalen Logos des naturwissenschaftlichen Geistes weit überlegen, weil dieser nur die letzte finale Energieform der Zeit, die duale, eigentlich bereits vergangene, als Materie kristallisierte Zeit zu durchdringen fähig ist. Dann ist aber ein Un-Heil längst real sichtbar, das heißt in der Erscheinung und nicht mehr zu verhindern. Auch in der Medizin kann es dann nur noch dual "entfernt" werden.

Homöopathie

An dieser Stelle sei auch die Homöopathie erwähnt, weil sich in ihrer Wirkweise ebenfalls die eigentümliche Kraft des Rituals zeigt. Durch monotone rhythmische Bewegung (Schütteln) ist es möglich die Gestalt, das heißt die polare, energetische Struktur eines "Wesens" auf ein Fluidum, eine materielle Substanz zumindest als flüchtiges Abbild, als "Erinnerung" zu übertragen. Diese polare Struktur, diese Essenz wiederum ist fähig bis zu einem gewissen Grad, die auf mich und in mir wirkenden polaren Kräfte nach dem Prinzip "Ähnliches heilt Ähnliches" zu beeinflussen. Daß diese Art zu "heilen" ein Prinzip der Zeit schlechthin ist, habe ich in meinem Artikel "Die Zeit der Ahnen" anhand genealogischer Strukturen aufgezeigt.

So wie Wasser oder alkoholische Lösung mit Erinnerung "beschrieben", das heißt in bestimmter Weise polarisiert werden kann, kann natürlich jede "Räumlichkeit" im weitesten Sinne von irgendwelcher Erinnerung besetzt werden, vom Arbeitszimmer oder der Aktenmappe des Großvaters angefangen, bis hin zu sogenannten "Orten der Kraft" in der freien" Natur. Die Empfindung ist bis zu einem gewissen Grade fähig diese Verfassung des Ortes wahrzunehmen und je nach "Eigenpolung" nennt sie dann solche Plätze oder Dinge "gut" oder "verwunschen". Genau so wie die Empfindung gedachte Strukturen im Abgleich mit ursprünglicheren und tiefer liegenderen "Gestaltmustern" als wahr oder unwahr taxiert.

Der Tausch

Es ist leicht einzusehen, daß diese komplexen Energiemuster ganzheitlich in sich verwoben sind. Daß also jede polare Veränderung mit der Gesamtheit der "Zeit" korrespondiert. Es ist sogar anzunehmen, daß bei gleichbleibendem Energiepotential in jeder polaren Veränderung "lediglich" ein Tausch stattfindet, wie es die schamanischen Völker heute noch zum Teil in ihrer Erfahrung haben. So spendet der Tod einer Pflanze oder eines Tieres nicht nur durch dessen Verzehr dem Menschen ein Fluidum an Energie, ohne die er wohl nicht existieren könnte.

In diesem Zusammenhang ist es nicht uninteressant zu wissen, daß gerade unsere sehr pazifistisch überzeugte westliche Welt in den letzten Jahrzehnten einen immens steigenden Pro-Kopf-Verbrauch an Säugetieren aufweist, wie er noch nie bestanden hat. Es wird also tagtäglich in unseren Schlachthäusern eine riesige Potenz von Leben (und wohl auch "Spaß") ermöglichenden polaren Energiefeldern durch das Schlachten der Tiere frei. Beachtlich ist in diesem Zusammenhang auch, daß es anscheinend einigen "Yogis" immer wieder gelingt, sich lange Zeit ohne zu essen, direkt aus diesen, unstofflichen, polaren Energiefeldern ganz real zu ernähren.

Da wir uns ständig mit der Umwelt in einem energetischen Austausch befinden, liegt es auf der Hand, daß der Mensch auch sehr gerne an seinesgleichen zum Energieräuber wird. Gelegenheit macht Diebe. - Dies ist ein so weites Feld, daß ich es hier nur kurz ansprechen möchte. Es sind vor allem in der Synastrie enge Verbindungen zu Uranus und Neptun, unter deren Signum, wie bereits beschrieben, Energie sprich Zeit sehr frei und noch nicht fest in eine Gestalt gebunden ist und somit über Sonne, Jupiter oder eine der Hauptachsen leicht getauscht oder abgesogen werden kann. Es ist durchaus alltäglich, daß einem jemand im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit stiehlt.

Zu Saturn

Wenn im Uranus ein neues Möglichsein von Zeit seinen Ursprung hat, so schafft darauf folgend Saturn die grundlegende polare Basis für die Zeitwerdung, er strukturiert sozusagen das bestimmende "Grundterrain", auf dem Jupiter und Pluto die weiteren "Details" ausbilden. Auch die in der psychologie gehandelten Archetypen sind solche bestimmende, ergetische, Gestaltfelder, die durch Mutationen (Uranus) auch einer Veränderung unterworfen sind.

Fügt nun Jupiter mit Pluto von der subjektiven Ebene aus eine Form, die mit dem polaren Grundterrain, das heißt mit der Bestimmung (der Zeit) nicht harmonieren, bekommen wir ein ungutes Gefühl, sogenannte Gewissensbisse und bei deren Nichtbeachtung eine "negative magnetische Polung", die wir Schuld nennen und die das weitere "Strömen" der Zeit maßgeblich in ihrem Sinne beeinflußt.

Schlußwort zur Sprache

Denken und Sprache sind eins. Deshalb gilt das, was über das Denken gesagt wurde auch für die Sprache. Denken ist inneres Sprechen, die Rede entäußertes Denken. Im Merkur wird Denken Erscheinung.

Als Fundament jeder Sprache wirkt der Laut. Im Laut versammelt sich Zeit. Auch in der Musik. Schon das Sprechen allein ohne großen Sinn oder ein demonstratives vor sich hinpfeifen, vermag in einer bangen Situation Mut und Halt, das heißt einen etwas sichereren Raum, ein sichereres Revier zu geben.

Der Laut ist der arationale Urgrund der Sprache, den die abendländische Philosophie lange Zeit erbarmungslos reduzierte, um im Wort nur mehr auf dualer Stufe mathematisch logische und letztlich unfruchtbare, geradezu mechanisch, funktionale Beweise zu führen. Ein Sprechen und Argumentieren ohne Seele. Es sind Worte die kein Leben mehr rufen. Nietzsche hielt dem die "Musik" eines "Zarathustra" entgegen….

Worte sind gesprochene Zeit. Worte wirken bestimmend. Sie polarisieren Energie und somit Zeit, als Gedicht, Befehl, Zauberspruch oder Fluch, aber auch als dual präzise, aber empfindungslose Gebrauchsanweisung.(3)
Worte vermögen Ungeahntes. Sie verändern polare Gefüge (die Zeit), wenn sie schlichten, Trost spenden oder vergeben. - Gott sprach, …"es werde Licht ..…". . Worte rufen Zeit als Geschehen. Und wenn wir denken rufen sie in uns.

So liegt in der Sprache das Wesentlichste des Menschen. In ihr tauscht er sich aus, tauscht er seine Zeit mit der Zeit der Anderen. In ihr wirft er, wenn er verzweifelt ist sein ganzes Sein, als Bitte und Gebet in das noch Zeitlose.


Anmerkungen:
(1) Ein von Gebser geprägter Begriff
(2) Da das naturwissenschaftliche Erfassen von Wirklichkeit in der Astrologie durchaus Platz hat, aber umgekehrt die polare Weite der Astrologie im Rahmen einer engen, dualen Naturwissenschaftlichkeit nicht begriffen werden kann, ist es müßig, sich von Seiten der Astrologie in das kleinere und begrenztere System integrieren zu wollen.
(3) Wie in diesem Zusammenhang das Schreien und "Lautwerden" im Streit oder die tausend Watt starken Laut-Sprecher bei Veranstaltungen zu "verstehen" sind, will ich dem Leser überlassen. Ebenso die Fähigkeit von "Lauten" Materie zerspringen zu lassen mag unter diesem Gesichtspunkt durchdacht werden.

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