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Autor: Anonymus

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Wie Priapos Liliths Übermacht auflöst

Weibliche Macht und männliche Fruchtbarkeit, so nannte die Autorin ihren Beitrag zu Lilith und ihrem Gegenpart Priapos. Das klingt noch harmlos. Aber der Aufsatz ist starker Tobak. Frech, provokativ, offen und ehrlich beschreibt er, warum Männer nicht mehr nur hart sein müssen, sondern sich ganz trivial "weiblich" verströmen lassen dürfen - eine große Erleichterung für beide Geschlechter. Bleibt die Frage: Warum bricht ausgerechnet eine Frau das Tabu und stärkt Priapos, den Schwanz des Schwarzen Mondes?


"Netzversion" des Artikels in der Zeitschrift merCur, Ausgabe 4/98

Zur Zeit greift eine neue Faszination um sich. Lilith! Jeder und jede, der oder die in der Astrologie etwas auf sich hält, spricht von Lilith. Ein Wahn? Feministinnen schreien auf: Nein! Endlich das Selbstverständliche, endlich weibliche Macht, endlich ist die Kraft der Göttin Thema. Die "große Mutter" ist wieder im Gespräch!

Interpretiert wird der Schwarze Mond als Mutter Erde, Mutterschoß, ein schwarzes dunkles Loch, aus dem wir geboren werden, und das ähnlich den schwarzen Löchern im Weltall Gefahr bedeutet, denn wir könnten ja auch verschlungen werden.

Da wir leider immer noch in einem Patriarchat leben - meine männlichen Leser, die das womöglich abstreiten, dürfen mir als Beispiel gern die Frage beantworten, wieviele weibliche Bundeskanzler wir in den letzten Jahrzehnten hatten -, erleben wir die weibliche Macht in vielen Fällen immer noch als Ohnmacht. Deshalb die gängigen Zuordnungen zu Lilith: Tabu-Themen, Vererbung, Sündenbock etc., etc...

Umso verwirrender ist es für mich, wenn jetzt ein Mann sich dieses Themas annimmt, ein gewisser Kocku von Stuckrad ("Lilith, im Licht des schwarzen Mondes zur Kraft der Göttin", siehe Literaturhinweise). Ein Mann in weiblichen Gefilden! Gott sei Dank, das war mein zweiter Gedanke. Denn was sollen die Männer tun mit all den selbstbewußten Frauen, die sich ihrer Kraft schon bewußt sind?

Allein beim Anblick und Erleben meiner pubertierenden Tochter wird’s mir angst und bang. Die armen Jungs, die sich mit dieser geballten weiblichen Kraft auseinandersetzen müssen; es sind gewaltige Powerfrauen, die da groß werden.
Und was machen die Männer, wenn sie solch einer Frau begegnen? Sie ziehen den Schwanz ein!

Dabei müßte genau das Gegenteil passieren, denn in Bezug zu Lilith kommt uns das Wort "Schwanz" bekannt vor. Joelle de Gravelaine, Pionierin der Lilith-Astrologie, bezeichnet den Gegenpol zu Lilith als "Schwanz des schwarzen Mondes". Lilith, der schwarze Mond, ist der eine Pol der Achse, Priapos ist das andere Ende.

Wer ist Priapos? Im "Who’s Who in der antiken Mythologie" werde ich fündig: Priapos ist ein kleinasiatischer Fruchtbarkeitsgott, meist mit überdimensionalem Penis dargestellt. Man(n) stelle sich das vor: ein männlicher Fruchtbarkeitsgott! Auch hier wird mit einem Tabu gebrochen.

Ganz vergessen sind die Ursprünge mancher Traditionen in unseren Breitengraden. So ist zum Beispiel auch das Aufstellen des Maibaums ein Symbol: Ein überdimensionaler Phallus wird in die Erde gerammt, um diese fruchtbar zu machen, sie quasi zu begatten. Eine reiche Ernte wird dadurch garantiert. Eben in der Nacht zum 1. Mai war auch ein ungezügeltes Treiben in den Feldern erlaubt, jede/r mit jede/m, je bunter, desto toller. Ein reicher Segen des männlichen Samens! In diesem Fall nicht der eigenen Frau vorbehalten, sondern unters Volk gestreut, unabdingbar fürs Überleben. Das war ein wichtiges Fest, als wir noch deutlich von der Erde abhängig waren.

Dieser gefeierte Überfluß, das Sperma, das nach allen Seiten spritzen darf, nicht nur kontrolliert und gezielt, sondern mit Freude und Übermaß, ohne Zweck und Ziel. Denn auch die Natur ist verschwenderisch mit dem Reichtum des Mannes. Tausend und abertausend Spermien eines Mannes - soviel Kinder sind im Leben gar nicht zu zeugen!

Nochmals zurück zur Astrologie: Was bedeutet für Joelle de Gravelaine der Schwanz des Schwarzen Mondes?

  • "Der Schwarze Mond bedeutet Begrenztheit, der Schwanz des Schwarzen Mondes ‘Unbegrenztheit!’ - auch hier der Überfluß!
  • "Der Schwanz des Schwarzen Mondes ist Lawine, Ausbreitung, Sich-der-Situation- Hingeben".
  • "Der Schwanz des Schwarzen Mondes geht zum Schwarzen Mond: Staubsauger" - eindeutig eine Richtung der männlichen Erektion!
  • "Vom Schwarzen Mond zum Schwanz des Schwarzen Mondes: Gebläse".
  • "Der Schwanz des Schwarzen Mondes: der Turm!" Und letztendlich:
  • "Der Schwanz des Schwarzen Mondes: Penner, Clochard" - also eine witzige oder armselige Komponente.

Insgesamt eine Aufforderung zur Banalität, zur Hingabe. Das Gegenteil zum Sich-Wichtig-Nehmen. Nicht der Zwang zum potent sein soll hier verherrlicht werden, sondern das Spielerische daran.
Heute haben Männer gelernt, diese Triebe zu sublimieren. Sie machen Karriere, zeugen ein, zwei Kinder, und was zuviel ist, wird still und heimlich im Bordell gelöst. Inzwischen sind auch ganz andere Perversionen öffentlich geworden.

Im Grunde unterliegt der männliche Schwanz einem riesigen Tabu. Der spielerische Umgang mit dem Penis wird selten praktiziert!
Dabei zeigt die Achse Lilith-Priapos deutlich die Lösung, um mit geballter weiblicher Kraft umzugehen. Auch ein Mann darf zu seinen weiblichen, ach so männlichen Teilen stehen, Hingabe üben, einen Fruchtbarkeitsregen über die Erde ausschütten. Denn Lilith kann ihren Schoß noch soweit öffnen, ohne männliche Befruchtung wird sie keine Kinder gebären, über deren Leben und Tod sie bestimmen könnte! Es darf gespielt werden! Es muß nicht mehr ins Ziel getroffen werden!

Ich bin überzeugt, daß das Patriarchat nicht nur uns Frauen gefoltert hat, sondern auch die Männer in ein Bild presst, das sie überfordert. Die schlimmsten Auswüchse sind heute - hier und jetzt - im Menschenhandel und in der Kinderprostitution zu sehen. Auch der Wunsch nach immerwährender Potenz - siehe die Superpille Viagra - gehört in dieses Muster.

Die Lösung wäre so einfach, der Gegenpol von Priapos ist Lilith, der große Mutterschoß. Dieses ganze Gebaren, nur um in den Schoß zurückzukehren?! Lilith wird bei Joelle de Gravelaine und einigen anderen Autoren dem Sternzeichen des Steinbocks als kardinalem Erdzeichen zugeordnet. Hiermit ist die alte, weise, große Mutter gemeint. Ist es da nicht folgerichtig, Priapos dem Krebs zuzuordnen? Was hat der Penis mit dem Krebs zu tun?

Jeder Mann kennt insgeheim die Antwort. Und wir Frauen sollten sie auch kennen. Wo gibt es einen empfindlicheren Teil im/am Körper des Mannes, als einen unerigierten Penis? So klein, so weich, so verletzlich. Und meist darf er ihn so nicht zeigen. Rückzug als Schutz, welches Zeichen könnte das besser ausdrücken als der Krebs?

Lilith zeigt den Kampf, Priapos die Entspannung

Als Oppositionsstelle zum Schwarzen Mond muß Priapos in der Arbeit mit dem Horoskop angeschaut werden. Denn wenn Lilith den - teilweise verbissenen - Kampf um Anerkennung und Bedeutung darstellt, so ist es genauso wichtig, den Punkt der Entspannung zu kennen. An dieser Stelle herrscht aus Gewohnheit jedoch oft noch Zwang. In ungelöster Form wird Priapos im persönlichen Erleben als Überhöhung erlebt, wie sein großer, überdimensionaler Penis. So kann zum Beispiel Priapos am MC das Gefühl hervorbringen, beruflich unbedingt etwas ganz Großartiges und Besonderes machen zu müssen.

Ich denke, daß die Erlösung des Schwanzes des Schwarzen Mondes aber als Aufforderung zum Trivialen verstanden werden sollte. Ähnlich wie nach dem Geschlechtsakt der Orgasmus als Erlösung eintritt, beim Mann in Form eines Samenergusses, bei der Frau im Überfließen...
So liegt in meinem Bespiel mit Priapos am MC die Lösung darin, Beruf einfach auch als Brot-Job zu akzeptieren und auf anderen Wegen die Erfüllung zu leben. An dieser Stelle im Horoskop liegt sozusagen ein Ventil; hier kann der Druck abgelassen werden.

Im Mythos um Lilith wollte sie, Lilith, nicht unten liegen. Wenn nun der männliche Teil in uns aufgefordert wird, die untere Stellung einzunehmen, so lernt dieser Teil Hingabe, Passivität und spürt die Kraft Liliths über sich, die auf (seinem) Besenstiel ihren Hexentanz aufführt.

Priapos braucht sich nicht zu wehren, denn der Fruchtbarkeitszauber seiner Männlichkeit ist sowieso unabdingbar! Ein selbstverständlicher, fruchtbarer Regen über die Welt!

Welche Aussichten für uns Frauen! Wieviel weniger Streß fur euch Männer! Interessant ist für mich, daß sich bisher noch kein männlicher Astrologe auf Priapos gestürzt hat. Um so schöner für mich als Frau, dieses Tabu brechen zu dürfen. Bisher lautete die Botschaft für die Männer, stark zu sein und aufrecht zu stehen. Das ist Männlichkeit. Aber je mehr wir Frauen mit unserer eigenen Macht gelernt haben umzugehen, desto uninteressanter sind Machos geworden.

Mann, was tun? Andreas Zielcke betitelte in der Süddeutschen Zeitung (18. April 1998) das Dilemma mit "Das Schwache Geschlecht". "Nach dem Ende des Patriarchats finden sich die Jungen in einer neuen Rolle: als Verlieren", heißt es dort. Jetzt gilt auch für euch (Jungs/Männer): Die alte Rolle hat ausgedient, die neue ist noch nicht in Sicht.

Die Suche danach kann keine Frau übernehmen, dazu wissen wir zuviel um den eigenen Kampf um unsere Macht in den vergangenen 20 Jahren: Noch in den 70er Jahren war Alice Schwarzer ein schwarzes Schaf (Lilithj läßt grüßen!), heute leitet sie Talk Shows mit führenden Politikern (Talk Corner auf RTL2).
Und dennoch sind mit Priapos beide gemeint. Männer wie Frauen. Nicht umsonst bilden Schwarzer Mond und Priapos eine Achse, eine Naht- und Schaltstelle im Horoskop. Wie bei anderen Achsen können wir von einem Pol zum anderen springen, je nachdem, was uns vertrauter ist, wo wir uns wohler fühlen.

Das bedeutet für uns konkret: Wenn uns die schwarze Göttin zu schwer und dunkel wird, wenn das Wühlen in Herkunft und Vergangenheit zu belastend ist, wenn schwarze Löcher und dunkle Höhlen zu furchtbar zu ertragen sind, wenden wir uns doch dem "männlichen" Pol zu, dem Penis, dem Phallus, dem Schwanz. Nicht so, wie er jahrtausendelang als Machtsymbol überzeichnet wurde, Kirchtürme, Wolkenkratzer und Raketen geschaffen wurden. Nein, nichts für die Ewigkeit. Sondern so, wie er auch gemeint sein könnte: der triviale, banale Schwanz. Die überhöhten Ziele können irdischen weichen!

Befreit endlich die Männer von ihrem Zwang zum Mann sein. Und wir Frauen bekommen die Gelegenheit, nichts mehr beweisen zu müssen!


Literaturhinweise:
Joelle de Gravelaine: Lilith - Der Schwarze Mond. Die Große Göttin im Horoskop, Editi- on Astrodata

Kocku von Stuckrad: Lilith. Im Licht des schwarzen Mondes zur Kraft der Göttin. Au- rum-Verlag Braunschweig

Hannelore Traugott: Lilith. Eros des Schwarzen Mondes. Edition Astroterra

Ernest Bornemann, Heinz Körner, Roland Kübler, Erich Rauschenbach, Adalbert Schmidt: Männertraum(a). Lucy Körner-Verlag, Fellbach

SZ 18./19. April 1998: "Das schwache Geschlecht" von Andreas Zielcke


Lilith und Priapos astronomisch
Die Literatur nennt zwei Möglichkeiten:

  1. Lilith als Apogäum, das ist der Punkt der elliptischen Mondbahn, welcher der Erde am entferntesten ist
  2. Lilith als 2. Brennpunkt der elliptischen Mondbahn

Ein Bewerten beider Varianten wäre akademisch. Astrologisch gesehen liegen beide Lilith-Punkte so gut wie gradgenau auf dem selben Punkt der Ekliptik. Priapos (griechisch) oder Priapus (latinisiert) wiederum ist von beiden äußeren Punkte der Ellypse immer derjenige, welcher der Erde am nächsten ist. Er liegt immer auf dem Schnittpunkt Ellypse Mondbahn mit der Achse Erde-Schwarzer Mond, eigentlich eine Weiterführung der Achse in die entgegengesetzte Richtung - unabhängig von der Wahl der Variante.


Gefährdete Spezies
Warum Jungs auf einmal die Verlierer sind

Welche Aussichten hat ein Junge, der hier zur Welt kommt? Sie sind, im Vergleich zu denen der Mädchen, nicht rosig. Die Jungen wachsen anfälliger und verletzlicher auf als die Mädchen und sterben häufiger als diese an Kinderkrankheiten, sie werden öfter disziplinierarisch belangt, werden häufiger werden Hyperaktivität oder Lernschwäche behandelt und häufiger von der Schule geworfen, geraten häufiger auf die schiefe Bahn, hauen häufiger von zu Hause ab und werden häufiger für schizophren oder autistisch erklärt. Und als Jugendliche werden sie wesentlich häufiger straffällig und inhaftiert: Sie stellen den Löwenanteil aller Täter und Opfer von Gewaltverbrechen. Ganz offensichtlich kommen sie mit sich, ihrer Natur und ihrer Umwelt erheblich schlechter zu Rande als ihre Altersgenossinnen....Nicht mehr die Mädchen, die Jungen sind die gefährdete Spezies in der jugendlichen Wildbahn der Gesellschaft.

In Amerika mehren sich die Studien, die sich mit den Enwicklungsnachteilen der Jungen beschäftigen. "Zwischen den Geschlechtern haben sich die Erdplatten außerordentlich verschoben...Wir sind uns mittlerweile klar darüber, was wir für Mädchen wollen, aber nurmehr sehr wenig darüber, was für Jungen gut ist", erklärt ein Forscher das Harvard-Projekt für Women’s Psychology Boys’ Developement and the Culture of Manhood.

Sicher ist nur, die alten männlichen role models, an denen man sich früher orientierte, sind ein für allemal abgehalftert, neue zeichnen sich unter Erwachsenen vielleicht schon ab, sind aber für die Jungen noch nicht sichtbar... Wie auch immer, die Jungen müssen sich selbst erfinden.


Quelle: Süddeutsche Zeitung
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