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Autor: Peter Kern

Die Bedeutung des Chiron

Chiron ist ein relativ kleiner Himmelskörper, der zum ersten mal am 1. November 1977 gesichtet wurde. Seine Umlaufbahn verläuft zwischen Saturn und Uranus, und um einmal die Sonne zu umkreisen, benötigt Chiron zwischen 50 und 51 Jahre. Aufgrund seiner äußerst elliptischen Umlaufbahn ist seine Aufenthaltsdauer in einem Zeichen ganz unterschiedlich lang; so durchläuft er die Waage in nur etwa 1,5 Jahre, für das Zeichen Widder aber zum Beispiel braucht er über 8 Jahre. Von einigen Astrologen wird er dem Zeichen Jungfrau zugeordnet, andere bringen ihn eher mit dem Zeichen des Schützen in Verbindung.

Die Interpretationsversuche um Chiron sind verständlicherweise noch nicht allzu weit fortgeschritten, denn die astrologische Erforschung befindet sich hier noch in ihren Anfängen. Wie bei allen in der Neuzeit entdeckten Planeten wird die aktuelle Zeitqualität, die die gesamte Menschheit in der Phase während der Entdeckung erfährt, auch bei Chiron in die Deutungsversuche miteinbezogen. Symbolisch wird er in Schlüsselform dargestellt. Ein weiterer Anhaltspunkt für die Interpretation ist aber natürlich auch seine Rolle in den alten Mythen. Chiron war ein Zentaure, also halb Mensch, halb Pferd. Er war Heiler, Astrologe, Lehrer, Musiker und Krieger in einem. Die großen Helden wie Herakles, Achilles oder Orpheus wurden von ihm in allen Disziplinen unterrichtet. Außerdem gründete er das Asklepeion, ein Zentrum, in dem die Kranken geheilt und die Heilkunde unterrichtet wurde. Interessanterweise wurde Chiron durch einen Pfeil des Herakles verwundet, welcher mit einem Gift getränkt war, das er selbst entdeckt hatte. Chiron litt von da an furchtbare Schmerzen, konnte aber nicht sterben, da er von göttlicher Abstammung und damit unsterblich war. Er zog sich in seine Höhle zurück und wurde von seinen Qualen erst erlöst, als er im Austausch für die Befreiung des Prometheus freiwillig in die Unterwelt, den Hades, hinabstieg.

Chiron umkreist die Sonne zwischen Saturn und Uranus, d.h. dem letzten inneren und dem ersten äußeren Planeten. Diese Schlüsselstellung hat zur Konsequenz, daß Chiron als Mittler oder auch Brücke zwischen äußeren und inneren Planeten gesehen wird. Die nicht gerade leicht verständlichen Planeten Uranus, Neptun und Pluto werden durch die Erfahrungen des Chiron zugänglich. Die durch diese Planeten repräsentierten Energien können mit Hilfe des Chiron nutzbar gemacht und erfahren werden. Wenn man sich die Zeitqualität näher betrachtet und erkennt, wie die Sinnsuche der Menschheit in den Jahren seit Chirons Entdeckung um sich gegriffen hat und immer mehr Individuen die Notwendigkeit des gemeinsamen Erkennens und Handelns begriffen haben, scheint Chiron wirklich der innere Führer zu sein, der Licht ins Dunkel bringt und den Geist öffnet für Erfahrungen abseits der alltäglichen Routinen.

Zöglingen, den Heroen des mythischen Lebens, neben den Kampfkünsten und dem rauhen Leben in der Natur auch die musischen Künste nahezubringen. So unterrichtete er sie in der Heilkunst, der Weissagung, der Musik und der Gymnastik.

"Das Leben wäre ohne die musische Erziehung zu roh und zu dürftig."

Und wahrhaftig! - Was wäre das Leben ohne die Musik, die Malerei, die Dichtkunst und das Schauspiel? Kunst ist nicht reproduzierbar. Das selbe Musikstück, vom selben Musiker immer wieder gespielt, klingt doch stets wieder neu, entsprechend seiner Stimmung, seinem Innenleben. Niemand kann es nachspielen, da jeder Mensch unterscheidbar vom anderen ist und entsprechend anders fühlt.

Die Muse ist ein Ausdruck des Menschen, wie er die Welt um sich herum wahrnimmt. Man nimmt einen Eindruck auf, man ist berührt von einer Situation, einem Gefühl, einer Begebenheit und gestaltet dies nach seinen eigenen Möglichkeiten und Talenten - immer wieder auf´s Neue. Und Chiron ist der Lehrer.

Das kentaurische Leben an sich ist roh und wild, gleich einem urtümlichen Jäger. Kentauren sind weder Hirte noch Bauer. Sie nehmen sich ohne Rücksicht was sie wollen und durchstreifen ihre weiten Jagdgebiete. Von dort werden sie dann allerdings von den Heroen (Herakles, Theseus, Peirithoos, ...) vertrieben, sie werden in abliegende Einöden zurückgedrängt. Chiron ragt dank seiner Abstammung von Kronos und Philyra, zwei Göttern, aus den übrigen Kentauren heraus. Er ist von unzerstörbarem Adel, der jede Spur von Wildheit erlöschen läßt. So wird er zum Lehrer der Heroen.

Die Naturvölker hatten den Initiationsritus, der den Unterweisungen Chirons entspricht. In kurzen Worten beschrieben ging es darum, einen Schritt vom Knaben oder Mädchen zum Mann oder zur Frau zu tun. Dieser Schritt ist für den Menschen alleine kaum zu bewerkstelligen. Deshalb wurden die jungen Menschen stets von den Alten dabei geführt und begleitet. Die Heranwachsenden wurden in diesen Riten meist mit dem Schmerz konfrontiert, und anschließend von den Alten in deren Kreis aufgenommen und geheilt. Dieser Schritt ist es auch, der dem westlichen, modernen Menschen fehlt. Die Unterweisung hin zum Leben findet in den meisten Fällen nur noch nach Bildungsplan statt, der ausschließlich die Aufgabe hat, der Industrie Fachkräfte zuzuführen. Der Aspekt der Menschenbildung wird unterschlagen. Das Resultat ist, daß die Wirtschaft wächst, der Mensch aber verkommt.

Aus meiner Erfahrung weiß ich, daß es kaum mehr Lehrer des Lebens gibt. Ich weiß aber auch, daß die ernsthafte Suche nach Ihnen immer (wirklich immer) zum Ziel führt. Sie werden Ihrem Chiron begegnen, wenn Sie dies wollen und sich auch auf die Lehrzeit vorbereiten. Erkennen werden Sie ihn daran, daß er eben nicht nur eine Sache unterrichtet, sondern von allen Lebensthemen zu berichten weiß. Die Ausbildung ist sodann oft auch eine schmerzhafte, aber auch eine behütende und begleitende, die Sie als erwach- senen Menschen ins Leben entläßt. Chiron arbeitet frei und autonom. Hüten Sie sich also vor Gurus und falschen Meistern. Von diesen erlernen Sie in der Regel nur die Abhängigkeit und die Einseitigkeit. Das Leben aber fordert uns auf, die jeweils zwei Seiten zu verbinden. Also Schmerz und Heil, Lust und Unmut, Freude und Leid. Beides zusammen ergibt die Lebendigkeit - und allein darum geht es im Leben.

Ob Chiron bereits zu Ihrem Lehrer geworden ist, oder erst noch wird, können nur Sie selbst beurteilen. Wie steht es um Ihre musischen Künste? Fahren Sie lieber hundert Kilometer mit dem Auto, anstatt sich der ungreifbaren Schönheit der Musik hinzugeben? Stehen Sie lieber an einer Kneipentheke oder in der "Alten Pinakothek" in München? Toben Sie sich lieber als Einer von 50.000 Zuschauern am Fußballplatz aus, oder auf der Schauspielbühne? Und wer heute noch glaubt, das Internet sei kreativ, hat noch niemals Rilke gelesen. Es geht nicht darum, das Internet, das Auto und den Fußballplatz zu verdammen. Sondern vielmehr soll auf ein Gleichgewicht zwischen reaktiven und aktiven Tätigkeiten hingewiesen werden. Nur auf dem Fußballplatz zu stehen treibt die meisten in den Stumpfsinn, nur Bilder zu malen treibt die meisten in den Wahnsinn. Beides bedingt sich einander, das Rohe und das Musische, das Körperliche und das Geistige. Wie auch immer - Niemand ist zu alt, zu jung, zu unbegabt, zu "unmusikalisch" um nicht jetzt sich den schönen Künsten zuzuwenden. Kunst muß frei sein, frei von Vorgaben, Meinungen, Kritik und Hochschulen. Deshalb will auch dieser Text keine fixen Anweisungen, sondern eine breite Richtung Ihrer musischen Betätigung geben.

© Copyright 1998 Peter Kern
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