GoHome astrologix

Zurück Was hat der Mondzyklus mit dem Wetter zu tun?
["Netzversion" des Artikels in MERIDIAN 5/96]

von Andrés Steffanowski - nexus@rummelplatz.uni-mannheim.de


In letzter Zeit ist das lunare Prinzip wieder stärker in das öffentliche Bewußtsein getreten, abzulesen an zahlreichen Veröffentlichungen. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie der Sonne/Mondzyklus mit dem Wettergeschehen in Mitteleuropa zusammenhängt. Es wird anhand konkreter Daten gezeigt werden, daß die alten Bauernregeln recht haben, wenn sie behaupten, daß mit den Mondphasen auch das Wetter wechselt. Neben einer astronomisch anschaulichen Erklärung für das Phänomen werde ich im letzten Abschnitt darlegen, warum gerade der Mond für sinnvolle astrologische Forschung sehr hilfreich sein kann.


Der Mond und das Wasser

Als ich in einem alten Bauernkalender davon las, daß mit Neumond und Vollmond mehr Regen fallen soll als sonst, war mein Interesse geweckt. Das müßte man doch einmal statistisch untersuchen können! Schließlich wird Luna seit jeher mit dem Wasser assoziert und mit dem Witterungsgeschehen. Zu diesem Zeitpunkt fiel mir ein, daß ich mich in meiner Schulzeit lebhaft für Meteorologie interessiert hatte. Unter anderem bezog ich damals die Wetterkarte vom Deutschen Wetterdienst und konnte so auf die gesammelten Meßdaten über einen Zeitraum von 6 Jahren zurückgreifen. Folgende Meßdaten standen mir zur Verfügung: Temperatur in Grad Celsius, Sonnenscheindauer in Stunden sowie Niederschlag in mm und das alles für jeden einzelnen Tag vom 01.08.85 bis zum 31.08.1991, gemessen in Bremen.


Der Sonne/Mond-Zyklus

Jedem ist bekannt, daß die Temperaturkurve im Jahreszyklus erheblich schwankt, bedingt durch die Jahreszeiten. Wie sieht es aber nun mit dem Mondzyklus aus? Gemeint ist hier der Zyklus von Neumond bis Neumond, der ca. 29,5 Tage dauert. Der 1. Zyklustag entspricht Neumond (Sonne Konjunktion Mond). Am 7. Zyklustag ist Halbmond erreicht (aufsteigendes Quadrat). Der 15. Tag entspricht Vollmond (Sonne Opposition Mond). Mit dem 22. Zyklustag ist wieder Halbmond (absteigendes Quadrat). Der 29. Zyklustag entspricht dem Ende des Zyklus kurz vor dem nächsten Neumond.


Die Temperatur schwankt mit den Mondphasen

Ich machte mich also daran, Mittelwerte der Wetterdaten für jeden Zyklustag zu berechnen. Wie gestaltet sich das Wetter in den vier Mondphasen?

Abb. 1 zeigt die Ergebnisse für die Temperatur. Aufgezeichnet ist die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur über die 29 Zyklustage hinweg. Es ist deutlich zu erkennen, daß die Temperatur kurz nach Neumond und Vollmond unter 13 Grad liegt und im 2. bzw. 4. Viertel bis zu 14 Grad erreicht.


Abbildung 1: Mittlere Temperatur Grad C über 75 Mondzyklen

Die tägliche Sonnenscheindauer (hier nicht als Grafik aufgezeichnet) entspricht erwartungsgemäß dem Gang der Temperatur: Wärmeres Wetter zu Halbmond ist mit deutlich mehr Sonnenschein verbunden, während zu Neumond und Vollmond mit verstärkter Wolkenbildung eine Abkühlung einhergeht.


Mehr Niederschlag bei Neu- und Vollmond

Abb. 2 zeigt die durchschnittliche, an jedem Zyklustag gefallene Niederschlagsmenge: Hier ist zu erkennen, daß eine Zunahme der Niederschläge zu Neumond und Vollmond gemessen wurde, wobei der Gipfel zu Neumond recht markant ausfällt.


Abbildung 2: Durchschnittlicher Niederschlag mm über 75 Mondzyklen


Gegensätzliche Phasen im Abstand von 7 Tagen

Astrologie befaßt sich vor allem mit Veränderungsprozessen. Dynamische Aspekte zwischen Sonne und Mond ergeben sich in etwa alle 7 Tage. Diese Vierteilung des Mondzyklus war in alter Zeit auch Grundlage für die Erfindung der Woche. Deren Länge entspricht einem Voranschreiten der Sonne-Mond-Beziehung um 90 Grad. Nun markiert dieser Aspekt in der Astrologie das Aufeinandertreffen zweier gegensätzlicher Entwicklungsphasen in der Natur.

Wie läßt sich diese Dynamik nun auf das Wettergeschehen beziehen?

Bei folgerichtigem Vorgehen muß man die Wetterdaten für jeden einzelnen Tag des Beobachtungszeitraumes mit dem Wetter 7 Tage vorher vergleichen und durch Differenzbildung einen neuen Wert errechnen. Dieser Wert gibt dann die Wetterentwicklung relativ zur Vorwoche (bzw. vorherigen Mondphase) wider.

Das Ergebnis ist in Abb. 3 dokumentiert. Wie sich bereits in Abb. 1 andeutet, liegen die Tageshöchstwerte nach Neumond durchschnittlich um 1.5 Grad niedriger als noch eine Woche vorher. Im zweiten Viertel dagegen ist eine Erwärmung um 1 Grad gegenüber dem ersten Viertel zu verzeichnen. Nach Vollmond wiederholt sich das Ganze: Abkühlung, gefolgt von einer Erwärmung.


Abbildung 3: Temperatur relativ zur Vorwoche (Grad C)


Abbildung 4: Niederschlag relativ zur Vorwoche (mm)


Markante Kontraste

Auch die Niederschlagskurve (Abb. 4) zeigt im Vergleich zur Vorwoche eine starke Abhängigkeit der Dynamik von den Mondphasen: Eine Zunahme der Niederschläge im Vergleich zur Vorwoche ist exakt zu Neumond und Vollmond deutlich sichtbar wie auch schon in Abb. 2.


Die alte Bauernregel hat Recht behalten

Zusammengefaßt läßt sich bereits an dieser Stelle folgendes sagen: Die Zeit nach dem ersten und letzten Viertel (Halbmond) bringt sonnigeres und trockeneres Wetter mit sich, verbunden mit einer deutlichen Erwärmung. Eine Woche später ist vermehrte Wolkenbildung zu beobachten: Es fällt zu Neumond und Vollmond erheblich mehr Niederschlag und die Temperatur sinkt infolgedessen. Die Ergebnisse bestätigen die alte Bauernregel, daß mit den zwei Mondwechseln auch das Wetter zum Wechsel neigt.


Statistische Signifikanz

Nun könnte dieser Befund durch Zufall entstanden sein. Die statistische Überprüfung der Werte in den vier Mondphasen mit dem t-test ergab allerdings stark signifikante Ergebnisse für die Veränderungsdynamik von Temperatur und Niederschlag. Getestet wurde der Mittelwert des Trends in der ersten und dritten Phase gegen den Mittelwert der zweiten und vierten Phase.


Hypothesen und Statistik für Methodenfreaks
- der Rest bitte weiter unten wieder aufwachen ...

H0: MW 1,3 = MW 2,4 MW = Mittelwerte zusammengefaßt
H1: MW 1,3 <> MW 2,4 N = 300 (75 pro Phase), df=298
 
Ergebnisse MW 1,3 MW 2,4 Diff. Stdabw. Effekt t-Wert p sig.
Temperatur -.6127 +.6019 1.2146 3.200 0.379 3.28 0.001 ***
Niederschlag +.3759 -.3431 -0.7190 2.065 -0.348 -2.99 0.003 **

Beide Mittelwertsunterschiede sind bei beidseitiger Testung auf einem Niveau von 1% signifikant.

Eine Zufallswirkung für diesen Datensatz wird somit sehr unwahrscheinlich, sodaß unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten der Zusammenhang für die vorliegenden Daten als gesichert angesehen werden darf. Es ist anzumerken, daß angesichts der generell starken Schwankungen der Witterung der Mondeffekt insgesamt zwar als klein aber doch vorhanden einzustufen ist (ca. 4 % der Varianz bei einer Effektstärke von > 0.3 Standardabweichungseinheiten).


Ein Erklärungsversuch anhand der astronomischen Anschauung

Bei Konjunktion und Opposition zur Sonne wirkt der Mond mit seiner Gravitation stärker auf die Erde ein als zu Halbmond. Dadurch wird die Erde zu diesen Zeitpunkten alle zwei Wochen besonders stark aus ihrer Bahn abgelenkt und eiert durch diesen Effekt auf einer leichten Wellenlinie um die Sonne! Dies läßt sich auch an verstärkten Gezeiten (Ebbe und Flut) beobachten. Das lunare Prinzip ist mit Wasser, Kühle und Feuchtigkeit assoziert und so ergibt sich eine schöne Anlalogie zum Wetter, welches sich entsprechend verhält. Bei Halbmond hingegen wirkt der Mond besonders schwach auf die Erde, sodaß gemäß dem solaren Prinzip wärmeres und trockeneres Wetter zu erwarten ist. Es ist noch zu beachten, daß sich die Ergebnisse aus dieser Studie auf Mitteleuropa beziehen und für andere Bereiche auf der Welt andere Richtlinien gelten können. Allerdings konnte ich eine Phasenabhängigkeit des Wetters vom Mondzyklus auch bereits für andere Orte auf der Welt mit entsprechenden Daten aus dem Internet feststellen. Eine zweite Untersuchung anhand eines größeren Beobachtungs-zeitraumes ist von mir geplant und in Arbeit.


Solarer oder lunarer Typus je nach Mondphase?

Die gewonnen Resultate lassen sich dazu verwenden, um Hypothesen für die Horoskopdeutung zu formulieren. So wäre angesichts der vorliegenden Daten, sowie aus der astronomischen Anschauung heraus, folgendes zu erwarten:

Menschen, die bei Neumond bzw. Vollmond geboren sind, haben einen stärker lunaren und damit emotionalen Wesenszug. Menschen, die bei Halbmond geboren sind, haben einen eher verstandesbetonten, solaren Wesenszug.

Wer hat nicht schon einmal beobachtet, daß es zu Neumond bzw. Vollmond emotionaler und damit lunarer zugeht als sonst? Bei Neumond ist nach meinem Erleben oft inneres Vertrauen am dringendsten gefragt und der Vollmond bringt viel emotionales Engagement in Beziehungen zu anderen Menschen und zur Welt mit sich. Die "Krisen des Handelns" und "Krisen des Bewußtseins" (zunehmendes und abnehmendes Quadrat nach Dane Rudhyar) sind dagegen rationaler Natur und benötigen eher einen klaren Verstand und bewußtes, aktives Handeln zur Lösung, was als typisch solar einzustufen wäre.

Natürlich ist eine solche Interpretationshypothese sorgfältig an der Erfahrung zu prüfen und das gesamte Radixbild jeweils zu beachten.


Astrologische Forschung mit dem Mondzyklus

Mit dem vorliegenden Artikel hoffe ich einen möglichen Ansatz vorgestellt zu haben, mit dem astrologische Forschung wissenschaftlich betrieben werden kann. Der Sonne/Mondzyklus ist nach meiner Meinung dafür recht gut geeignet, weil er eine hohe Periodizität aufweist und damit die erforderliche Datenmenge leicht erhoben werden kann. Zum Teil liegen tägliche Meßdaten für die verschiedensten Bereiche des Lebens vor, man denke beispielsweise an Börsendaten oder Geburt- und Sterberaten. Unter anderem reizt mich auch die Möglichkeit, durch Arbeit mit sicheren Daten astrologische Zusammenhänge zu überprüfen. Wenn sich dort signifikante Ergebnisse einstellen, wird es möglich, durch Analogieschluß z.B. astro-psychologische Hypothesen zu formulieren wie oben dargelegt, die man dann ebenfalls empirisch testen kann.

Wer den gesamten Datensatz oder detaillierte Infos zu den Methoden haben will, der bekommt beides auf Anfrage.

Andrés Steffanowski - nexus@rummelplatz.uni-mannheim.de

per Adresse:
DAV
Wilhelmstr. 11
D-69115 Heidelberg
Tel./Fax: +49-(0)6221-182010



Seitenanfang


© Copyright 1996 Andrés Steffanowski / astrologix - by TJK [25/Feb/97]