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Über die Autorin:
Melanie Reinhart wurde in Zimbabwe geboren. Sie studierte Englisch und Musik und arbeitet seit 1975 als beratende Astrologin in London. Sie hält Vorträge und gibt Workshops bei internationalen Kongressen und schreibt Artikel für Fachzeitschriften.

Publikationen:
Im Chiron Verlag ist von ihr das Buch "Die Hauptachsen im Horoskop" (2002) erschienen,
ebenda: "Die Mondknoten. Das innere Gleichgewicht im Horoskop (1999) sowie
Chiron, Heiler und Botschafter des Kosmos. (1999)
 

Autor: Melanie Reinhart
Deutsche Übersetzung von: Sabine Bends

Auszug aus dem Buch:

Die Hauptachsen im Horoskop: Verankerung der Existenz

(Chiron Verlag Tübingen 2002)

Die vier Hemisphären im Horoskop

Wir finden in einem Horoskop vier Hemisphären, die symbolisch für Mittag, Mitternacht, die Morgen- und die Abenddämmerung stehen. Zum einen teilt die Horizontlinie das Horoskop in eine untere und eine obere Hälfte. Sie trennt also die Welt des Tageslichts von der Nachtwelt unseres Lebens. Das können wir uns leicht merken, und es kann sehr viel zu unserem Verständnis des Horoskops beitragen. Das heißt aber nicht, dass jemand, der mit allen Planeten in der unteren Horoskophälfte geboren wird, unsichtbar oder zutiefst introvertiert ist. Es bedeutet vielmehr, dass die Funktion der Innenschau und der Subjektivität in die untere Hälfte gehört. Dies ist der Teil der Erde "unter" uns, der im Dunkeln liegt, abgewandt vom Licht der Sonne, und der manchmal vom Mond erleuchtet wird.

In die Tageshälfte gehört die sogenannte objektive, offensichtliche, zugängliche Ebene, wie sie von der Sonne während der Tageslichtstunden erhellt wird. Wenn zum Beispiel jemand viele Planeten in der Tageshälfte des Horoskops hat, wird er sehr geschäftig sein und wahrscheinlich viele intensive Situationen von außen anziehen, selbst wenn es sich um einen eher introvertierten Menschen handelt. Das liegt daran, weil wir dort oben, vom 7. Haus angefangen, uns immer mit anderen Menschen und deren Gefühlen, mit äußeren Situationen, anderen Glaubenssystemen und der Welt als Ganzem beschäftigen. Planeten wirken anders, je nachdem, in welcher Hälfte sie stehen, und die Horizontlinie können wir uns sinnvollerweise als eine Achse des Bewusstseins vorstellen, des inneren Bewusstseins unten und des äußeren Bewusstseins oben.

Betrachten wir nun die östliche und die westliche Hemisphäre, die Morgen- und die Abenddämmerung. Lassen Sie einfach einmal Ihr Vorstellungsvermögen spielen und rufen Sie sich einen Sonnenaufgang in Erinnerung, den Sie irgendwann einmal gesehen haben. Dann stellen Sie sich parallel dazu einen Sonnenuntergang vor. Für mich liegt im Sonnenaufgang immer eine Art Vorfreude, und der Aszendent ist der metaphorische Sonnenaufgang unserer Inkarnation in das Leben. Demzufolge entspricht der Deszendent dem Sonnenuntergang, wo wir einen ganzen Tageszyklus voller Erfahrung ruhen lassen, vielleicht am Ende eines arbeitsreichen Tages mit vielen Anregungen, viel Stress, viel Verantwortung. Die obere Hälfte ist wie die Reise der Sonne durch die Tageslichtstunden, an deren Ende am Deszendenten wir alles, was wir erfahren haben, eine Weile ruhen lassen. Im Sonnenuntergang liegt eine besinnliche Stimmung. Das ist der Zeitpunkt, an dem wir innehalten, uns umschauen und sehen, wohin der Impuls des Tages geführt hat, was er hervorgebracht hat. Die meisten von uns nehmen den täglichen Sonnenuntergang wahrscheinlich gar nicht wahr. Aber wenn wir ihn uns anschauen würden, dann wäre dies die Stimmung, die uns ergreifen würde. Die Sonne "geht auf", aber die Nacht "senkt sich herab". Es ist wie ein Loslassen. In bezug auf die Horoskopzeichnung würde ich hier, an den Deszendenten, die Worte "Anpassungsfähigkeit", "Reaktion" und "Konsequenzen" setzen. Das sind lediglich Begriffe, die Sie an Bilder und Vorgänge erinnern sollen, also nehmen Sie diese nicht zu wörtlich.

Den Aszendenten würde ich mit den Begriffen "Freiheit" und "Initiative" bezeichnen. Die Morgendämmerung ist der Beginn. Darin liegt eine unglaubliche Freiheit. Der Anfang ist voller Potential. Wir wissen noch nicht, was passieren wird. Selbst wenn wir wissen, dass wir dieses oder jenes erledigen müssen, wissen wir doch nicht, wie der Tag in allen Einzelheiten ablaufen wird: die Freiheit und ihre Konsequenzen.

In einigen Büchern wird die östliche Hemisphäre als die Seite des freien Willens beschrieben, und die westliche als die Seite des Schicksals. Wenn wir diese beiden Begriffe einander gegenüberstellen, dann entsteht daraus irgendwie ein sehr festes und polarisiertes Konzept - der freie Wille einerseits und das Schicksal andererseits. Sie haben sicher schon bemerkt, dass ich versuche, genau dies zu vermeiden. Natürlich sind sowohl die Kunst, Folgen zu akzeptieren, als auch die Fähigkeit, auf Gegebenes zu reagieren, Eigenschaften, die wir der westlichen Hemisphäre zuschreiben. Es sind nützliche Zugänge, derer wir uns zu bedienen lernen sollten, wenn wir viele Planeten auf dieser Seite des Horoskops stehen haben. Und umgekehrt ist es in der östlichen Hemisphäre sehr wichtig, ein Gespür für den eigenen Willen, für Initiative und Freiheit zu entwickeln. Aber ich würde die beiden Ausprägungen nicht als extreme Gegensätze betrachten, eher als Ergänzung, als zwei Seiten des Ganzen.

Die Elemente

Interessant ist auch die Symbolik der vier Elemente, die in den vier Kardinalpunkten steckt. Ich möchte jetzt keines der Symbolsysteme näher beschreiben, denn jeder Kulturkreis schreibt den vier Himmelsrichtungen unterschiedliche Bedeutungen zu, ordnet ihnen andere Farben und Tiere zu. Es gibt viele verschiedene traditionelle Zuordnungen, was teilweise an den unterschiedlichen geographischen Gegebenheiten und dem unterschiedlichen Klima liegt. Aber die Energien der vier Elemente sind Grundbestandteile der Manifestation in den meisten Systemen, mit Ausnahme des Fernen Ostens, wo fünf leicht unterschiedliche Elemente verwendet werden. Es ist jedoch sicher interessant, das eigene Horoskope einmal unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten.

Wenn wir die Kardinalpunkte zuordnen, entspricht der Aszendent dem Osten, der Deszendent dem Westen, das MC dem Süden (auf der nördlichen Hemisphäre der Erde) und das IC dem Norden. Im Idealfall finden wir dann einen Repräsentanten eines jeden Elementes an einem der vier Kardinalpunkte, in der Praxis ist das jedoch nicht immer so, vor allem nicht in extremeren nördlichen oder südlichen Breiten, wo die Verzerrung größer wird. Je weiter entfernt vom Äquator wir geboren werden, um so wahrscheinlicher ist es, dass wir nur zwei Elemente an den Hauptachsen finden. Und das hängt dann auch noch von der Jahreszeit ab.

Bei einer Horoskopbetrachtung ist es sehr interessant, hierauf den ersten Blick zu richten. Überprüfen sie, ob alle Elemente an den Hauptachsen vertreten sind, und für den Fall, dass es nicht so ist, welche fehlen. Dann schauen Sie, ob die fehlenden zwei auf andere Art vertreten sind. Denn falls dem nicht so ist, ist das ein Zeichen für ein Ungleichgewicht, das eine beherrschende Rolle im Leben der betreffenden Person spielen kann. Wie immer bei einem fehlenden Element, muss es auf irgendeine Weise in das Leben importiert werden - durch eine Beziehung, eine Gruppensituation oder einen Job. Dies kann auch durch Transite geschehen, die mit den gerade genannten Lebenssituationen in Verbindung stehen.

Wenn zum Beispiel alle vier Häuserspitzen nur mit Luft und Feuer besetzt sind, dann ist es wichtig, nach Erde und Wasser Ausschau zu halten. Falls die betreffende Person einige Planeten in Erde oder viele Planeten in Wasser hat, dann ist das ein wahrer Segen, aber es kann auch vorkommen, dass dem nicht so ist. Dann muss man weiter suchen, um diese elementaren Energien zu finden. In so einem Fall würde man sich Saturn, als die irdischste planetare Energie, näher ansehen. Oder wir würden schauen, ob Planeten in den anderen Erdhäusern stehen, dem 2. und dem 6. Das MC ist natürlich ohnehin der Beginn eines Erdhauses, da es die Spitze des 10. Hauses bildet, es sei denn wir benutzen äquale Häuser. Haben wir weder Wasser an einer der Hauptachsen, noch Planeten in Wasserzeichen, dann sollten wir auf die Stellung von Neptun und dem Mond achten, die beide zum Wasser gehören, und wir würden in die Wasserhäuser schauen, in das 8. und das 12. Wenn kein Feuer an der Spitze eines kardinalen Hauses steht und auch keine Planeten in Feuerzeichen, dann betrachten wir die Sonne, Mars, Jupiter und die beiden anderen Feuerhäuser, das 5. und das 9., näher. Entsprechend verfahren wir beim fehlenden Luftelement und schauen uns die Position von Merkur, Jupiter und Uranus sowie das 3. und das 11. Haus näher an.

Heiliger Raum

In vielen Naturreligionen ist die Ausrichtung auf die kardinalen Punkte - Norden, Süden, Osten und Westen - eine wichtige Voraussetzung für Rituale. Das Gleiche gilt für einige magische Traditionen. Die Art, wie dies geschieht, kann unterschiedlich sein, aber der Effekt ist immer derselbe: Gewöhnlicher Raum wird in heiligen Raum verwandelt. Auch Kirchen und andere Stätten der Verehrung sind normalerweise auf diese Art und Weise ausgerichtet (1). Und natürlich orientieren sich viele alte, heilige Stätten am Himmel, häufig an bestimmten Sternen oder Sternenkonstellationen (2). Und genauso zeigen die Hauptachsen in unserem Horoskop und die daraus abgeleiteten Häuser, wo unser Potential liegt, die Energie, die Muster, die Talente und die Schwierigkeiten, aus denen unsere Lebensgeschichte besteht. Sie zeigen uns, wo und wie sie in unserem speziellen Fall in der dreidimensionalen Welt verankert sind, im heiligen Raum und in der Zeit unseres Lebens. Sie handeln von unserer jeweiligen Inkarnation.

Wenn wir die Achsen eines Horoskops im üblichen ekliptischen Stil in den Tierkreis eintragen, so dass alle Tierkreisgrade gleich verteilt sind und wir die Planeten und Häuserspitzen auf der Ekliptik kennzeichnen, erhalten wir nicht das gleiche visuelle Abbild dieser Symbolik, obwohl es natürlich ein genaueres Abbild der astronomischen Faktoren ist. Ich zeichne jedoch Horoskope immer mit den beiden Hauptachsen genau senkrecht zueinander. So werde ich jedes Mal, wenn ich ein Horoskop betrachte, daran erinnert, worum es eigentlich geht, nämlich unsere Inkarnation. Es ist genau dieser Teil der Materie (das Kreuz), der von dem individuellen spirituellen Impuls umschrieben wird, der wir sind (der Kreis). Es ist der Stoff des Lebens. Genau das ist die symbolische Bedeutung der Hauptachsen.

Betrachten sie ihr eigenes Horoskop eine Weile und stellen sie es sich als eine Beschreibung des heiligen Raums ihres Lebens vor. Es ist ihr heiliger Raum mit allen vier Richtungen, die sich auf unterschiedliche Arten zum Ausdruck bringen können. In vielen Traditionen eröffnet man eine Bitte um Heilung, ein spezielles Gebet, in dem man um Führung bittet, den Ausdruck einer Verehrung oder eines feierlichen Anlasses mit dem Schaffen eines heiligen Raumes, ähnlich einem Altar. Aber es ist kein Altar, vor dem man niederkniet - es ist der Raum um uns herum, mit uns selbst mitten drin. Falls sie diese Vorstellung anspricht, könnten sie diese übernehmen und einen eigenen Ausdruck dafür finden. Suchen sie sich Gegenstände, basteln, sammeln oder kaufen sie sich Dinge, die an ihre eigenen vier kardinalen Häuserspitzen erinnern, und stellen sie diese an einem Ort auf, wo sie sich ihren heiligen Raum schaffen können, wenn sie ihn brauchen. Wenn sie kleine Gegenstände finden, können sie diese auch immer bei sich tragen und sie überall benutzen, wie einen Gebetsteppich, der einen heiligen Raum symbolisiert. Ich hoffe, ich kann mit diesem Vorschlag vermitteln, wie ich einen Teil der in den Hauptachsen enthaltenen Symbolik sehe. Die Hauptachsen sind wie Kette und Schuss, auf deren Basis unsere Lebensfäden gewoben werden, in die Dreidimensionalität, in Zeit und Raum hinein.

© 2002 Melanie Reinhart


Anmerkungen:

(1) Robin Whitlock, "Vision of the Sun King", erschienen im Quest Magazine, Band 1, Ausgabe 3, S. 66. Der Haupteingang liegt häufig im Westen, wo das Taufbecken bei einem traditionellen achteckigen Grundriss liegt.

(2) Nachzulesen z.B. in Der Schlüssel zur Sphinx. Auf der Suche nach dem geheimen Ursprung der Zivilisation. von Robert Bauval und Graham Hancock, München 1998. Dort geht es um die Ausrichtung der Großen Pyramide an den Sternen im Sternbild Orion, die Isis und Osiris repräsentieren sollen. Ein anderes bekanntes Beispiel ist die Ausrichtung von Stonehenge nach der Sonne und dem Mond.

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