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Zurück... Gedanken zu Verbindungen
zwischen Astrologie und Homöopathie

(Auszug aus dem Medizinisch-Astrologischen Repertorium)

von Andreas Bunkahle - Andreas.Bunkahle@metronet.de (s.a. Homepage)


Wer versucht, mittels der Astrologie Hinweise für die medizinische Diagnose und Therapie zu gewinnen, steht heutzutage noch auf sehr dünnem Eis. Es ist sicher nicht untertrieben, wenn man davon ausgeht, daß die eigentlich Forschungen, die zu verwertbaren Hinweisen führen könnten, noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen stecken bzw. noch nicht veröffentlicht worden sind.

Die "Astrologisch - homöopathischen Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen" von Wolfgang Döbereiner, welches grundlegende Masstäbe in der Astromedizin gesetzt hat, und was von keinem mir bekannten auf dem Büchermarkt befindlichen Werk zur Astromedizin in der Qualität je erreicht wurde, ist seit einiger Zeit wieder neu aufgelegt worden.

Die Konstellationsbeschreibungen in diesem Buch sind als hervorragend einzustufen und es ist auch zu vermuten, daß Döbereiner wirklich nur Erfahrungen und geprüfte wie gesehene Konstellationsbeschreibungen in dieses Buch einfliessen ließ und nicht - wie manch andere Autoren der Spekulation und der Phantasie freien Lauf ließ, weil im Homöopathiebuch einige Konstellationen fehlen. Dies zeigt, daß er nur von Dingen geschrieben hat, bei denen er mit einiger Sicherheit über eine ausreichende Kenntnis und Erfahrung verfügte. In vielen astromedizinischen Werken findet man komplette Kochbücher von allen Konstellationen und Mitteln und fragt sich unwillkürlich, wie der Autor in seinem kurzen Leben und dann zudem auch innerhalb des Rahmens seiner noch kürzeren astrologischen Tätigkeit zu den Erkenntnissen gekommen sein mag. Man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß dort in vielen Fällen ein hoher Unsicherheitsfaktor in der Beurteilung der Konstellationen vorliegt bzw. die Beschreibungen höchst spekulativ sind. Wenn man vergleicht, was es an ähnlichen Werken zur Astromedizin auf dem Markt gibt und gab (sehr umfangreiche Literaturliste im Anhang), so stellt man fest, daß im Gebiet der Astrome dizin sehr widersprüchliche Zuordnungen von astrologischen Konstellationen zu den Arzneimitteln einerseits und zu den Symptomen andererseits vorgenommen wurden. Wenn es in die Details der Astromedizin geht, werden die Differenzen zwischen den verschiedenen Autoren unübersehbar gross.

Auch wenn die astrologischen Konstellationsbeschreibungen mit den entsprechenden Lebensumständen, vorgeburtlichen Ereignissen und den dazugehörigen psychosomatischen Entsprechungen im Werke Döbereiners als hervorragend einzustufen sind, so können doch Zweifel laut werden, was die Arzneimittelzuordnungen zu astrologischen Konstellationen angeht bzw. die Art und Weise der astromedizinischen Therapie.

Ich bin in vielen Punkten bei den Arzneimittelzuordnungen zu den Konstellationen zu abweichenden oder differenzierteren Zuordnungen gekommen und ich meine auch, daß eine Therapie gezielter und spezifischer auf eine kleinere Auswahl von in Frage kommenden Mitteln angestrebt werden sollte.

Denn geht man in der Regel davon aus, daß jede astrologische Konstellation in der Form "Faktor X / Faktor Y" einem oder mehreren homöopathischen Medikamenten entspricht, so kommt man bei rund 500 bekannten homöopathischen Arzneimitteln, die in den gängig en Materiae medicae behandelt werden, in die Schwierigkeit, daß diese aber allesamt nicht identisch sind, sondern von denen jedes einzelne eine ihm eigene Symptomatik besitzt. Geht man nun hin und ordnet diese 500 Mittel den astrologischen Konstellationen zu, so findet man rein rechnerisch heraus, daß bei der Grundannahme lediglich von Zweierkonstellationen es gar nicht soviele verschiedene Konstellationen geben kann wie Mittel. Denn bei 10 Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) sind lediglich 9 + 8 + 7 + 6 + 5 + 4 + 3 + 2 + 1 = 45 Kombinationen möglich.

Der Schluss, der hier naheliegt, ist einfach: Arzneimittelzuordnungen zu astrologischen Konstellationen müssten recht differenziert sein, um ein Mittel in seiner Spezifität zu erfassen. Nicht lediglich Zweierkombinationen als vielmehr auch Zuordnungen zu Dreier- und Mehrfachkombinationen müssten erfolgen.

Als Beispiel möge hier die Konstellation Saturn/Neptun dienen. Diese entspricht nach der mittlerweile allgemeinen Auffassung der astromedizinischen Praktiker in Deutschland, die diese Angabe von Döbereiner übernahmen, sowohl den Mitteln Lycopodium als auch Sepia. Lycopodium und Sepia sind nun aber deutlich unterscheidbare Mittel sowohl von der Essenz wie auch von der Symptomatik. Wo liegt rein astrologisch gesehen da der Unterschied ? Nach eingehendem Studium beider Mittel anhand der Vorgehensweise der neueren Homöopathie-Schulen von Bad Boll und nach der Athener Schule nach Vithoulkas - die beide dem intensiven Studium eines jedes Astromediziners anempfohlen seien - lässt sich eine klare Essenz erkennen. Diese lässt sich auch astrologisch in Form von Konste llationen ausdrücken.

Demnach entspricht Lycopodium evtl. Saturn/Neptun, sicher aber zusätzlich den Konstellationen Saturn/Uranus und Saturn/Merkur. Sepia wiederum hat neben der sicher vorhandenen Saturn/Neptun-Signatur ausserdem eine Uranus/Pluto-Signatur. Durch diese feinere Differenzierung erst werden beide Mittelbilder verständlich und auch erklärbar. So erklärt sich auch, warum es soviele Homöopathika gibt: Denn die Möglichkeit der Kombination verschiedener astrologischer Konstellationen ist in jedem Horoskop gegeben und da mit erhöht sich die Zahl der Similes enorm. Ähnlich wie in der Homöopathie eine sehr feine Differenzierung der einzelnen Arzneimittel vorgenommen wird, genauso muss eine an der Homöopathie orientierte Astromedizin auch im Hinblick auf die astrologischen Konstellationen sehr fein differenzieren, zumal das Angebot an Similes ja sehr gross ist.

Weiterhin lässt sich die Frage aufwerfen, ob denn wirklich jede Konstellation in einem Horoskop mit einem Arzneimittel abgedeckt werden muss, auch für den Fall, daß sie in der vorgesehenen Weise im Leben des Betreffenden umgesetzt wird, also in gelöster Form vorliegt.

Es kann in Einzelfällen sinnvoll und richtig sein, mehrere Konstellationen mit mehreren Arzneimitteln gleichzeitig abzudecken, um nicht den Fall bei Nichtberücksichtigung einer Konstellation entgleisen zu lassen. Es könnte nämlich ein Komplex im Gesamtzusa mmenhang unberücksichtigt bleiben, wie das Döbereiner z.B. im zweiten Band des Homöopathiebuchs anhand des Falls eines Hundes gezeigt hat. Warum aber dann nicht das homöopathische Mittel verabreichen, was beide oder alle fraglichen Konstellationen abdeckt, wenn man davon ausgeht, daß es Mittel gibt, die mehreren Konstellationen entsprechen ? Zum anderen ist in der klassischen Homöopathie die durchaus gängige und auch erfolgreiche Praxis bekannt, ein Einzelproblem vordergründig zu behandeln, um dann im Verlaufe der Behandlung andere Mittel zur Anwendung zu bringen, die dann andere Themen ansprechen. Dies muss keineswegs in einer Lebensgefährdung enden und endet so auch in aller Regel ja nie, sondern ist die eingehende Betrachtung eines Problems zu einer Zeit .

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Diese Technik, die in der Homöopathie derart bekannt ist, daß man sich vom Vordergründigen zum Hintergründigen "vorarbeitet" bzw. zunächst an der Schale kratzt, um später zum Kern vorzudringen, geht davon aus, daß die Problembereiche eines Menschen wie die Schalen einer Zwiebel umeinandergelegt sind. Die chronischen Schichten sind die inneren Zwiebelschalen, die astrologisch gesehen dem MC bzw. dem vierten Quadranten entsprechen würden und die man als das chronische Grundmiasma bezeichnen könnte. Die mittleren Zwiebelschalen sind Problembereiche, die mittelfristig akut wurden und die astrologisch z.B. dem Sonnenstand und dem zweiten bzw. dritten Quadranten entsprechen. Erst das äussere, akute Bild - d.h. die unmittelbar erkennbare äussere Zwiebelschale - ist das vordergründige Bild, und würde dem AC bzw. dem ersten Quadranten entsprechen.

Selbstverständlich ist es eleganter, den ganzen Menschen mit der Summe seiner Probleme gleichzeitig zu behandeln. Allerdings fällt in solchen Fällen die Simile-Findung oft nicht leicht und kann dann eventuell bei eindeutigen und sicheren Mittelzuordnungen zu astrologischen Konstellationen in eine besser anschlagende Therapie mit Komplexhomöopathie münden. Wie gesagt: Eleganter ist selbstverständlich ein Einzelmittel, das den gesamten Komplex abdeckt.

Es soll also weder der einen noch der anderen Anschauung das Wort geredet werden, beide haben in bestimmter Hinsicht ihre Vor- und Nachteile.

Zuletzt: Man sollte Homöopathie nicht nur vom astrologischen Standpunkt aus betreiben, sondern diese auch homöopathischen Grundsätzen unterwerfen. Insbesondere die Beschäftigung mit der Essenz oder der Idee eines Mittels als zentralen Angelpunkt im Auge zu behalten, was astrologisch ausgedrückt die "Konstellation(en)" des Mittels wäre(n), scheint mir astromedizinisch mehr als notwendig. Den Weg in diese modernere Form der Homöopathie haben da insbesondere die sogenannte Boller Schule bzw. Boller Richtung und die griechische Schule nach Vithoulkas geebnet.

Ich kann zum Kennenlernen der Essenzen und Hintergründe der homöopathischen Arzneimittel jenseits der konventionellen, astrologischen Sichtweise jedem Interessierten es nur wärmstens ans Herz legen, die mittlerweile dazu reichlich vorhandene Literatur (Angaben bei den astromedizinischen Notizen) zunächst einmal unabhängig von der Astrologie und von deren Anschauungen zu studieren, um dann im Verlaufe dieses Studiums den Brückenschlag zur Astrologie zurück zu machen.

Man verfängt sich aber leicht in den Fallstricken astrologischen Dogmas und man wird zu keinen guten Resultaten gelangen, wenn man in der Astromedizin versucht, das Pferd nur von der einen, astrologischen Seite her aufzuzäumen, weil die Basis der Beobachtu ng und das Erkennen der Essenz eines jeden Mittels fehlt. Astromedizin heisst Astrologie und Medizin bzw. hier meist Homöopathie und zur Meisterung beider Künste ist auch das Studium beider Richtungen unerlässlich.

Ich hoffe, daß ich mit diesem Werk einen Anfang gesetzt habe, der in die Synthese beider Künste im wahrsten Sinne des Wortes führt, und daß ich zugleich im Kapitel "Gebrauch des Repertoriums" einen gangbaren Weg aufgezeigt habe, wie die Astrologie in der Lage ist, eine homöopathische Anamnese und Therapie zu unterstützen.


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© Copyright 1997 Andreas Bunkahle / astrologix - by TJK [18/Aug/98]