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Über den Autor:

Rolf Freitag leitet die Astrologieschule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus.

Globalisierung und Wassermann

Absturz in die Barbarei?


von Rolf Freitag

Es ist unbestritten, dass etwa seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts radikale technologische Veränderungen in Gang gekommen sind, die heute als "Informations-Revolution" bezeichnet werden. Nach den gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert durch die Erfindung der Dampfkraft und dem Siegeszug der Elektrizität im 20. Jahrhundert ist es nun die dritte industrielle Revolution der Mikroelektronik, deren Auswirkungen wir jetzt erleben. Im Zuge dieser Revolution wird die Welt kommunikativ zu einem globalen Dorf vernetzt, die großen nationalen Konzerne breiten sich mit Direktinvestitionen in allen Ländern aus, die Arbeitsteilung hat sich weitgehend internationalisiert und spekulative Finanzströme in Höhe von Hunderten Milliarden Euro werden per Computer Tag und Nacht zu den Börsen rund um den Globus geschickt. Diese Entwicklung wird sehr zutreffend mit dem Begriff "Globalisierung" bezeichnet.

Was wir aber ebenfalls erleben und zwar gleichzeitig mit diesen gewaltigen technologisch-wirtschaftlichen Veränderungen, ist die Entstehung einer Massenarbeitslosigkeit in Millionenhöhe in allen Industriestaaten Europas verbunden mit einer Verarmung breiter Bevölkerungskreise bis in die Mittelschicht hinein, eine Schwächung der sozialen Sicherungssysteme, die diese neue Armut nicht mehr vollständig auffangen können, und nicht zuletzt eine Entmachtung der Regierungen durch die multinationalen Konzerne.

Wie ist es möglich, daß eine ungeheure technologische Revolution für die Mehrheit der Bevölkerung überwiegend Nachteile mit sich bringt? Warum wirken die Veränderungen nicht so, daß sich die Lebensverhältnisse allgemein verbessern und warum verteilen sich Verbesserungen nicht gleichmäßig auf alle Gesellschaftsmitglieder?

Es gibt eine einfache astrologische Erklärung. Ich behaupte, daß es ein und dieselbe Energie ist, nämlich die Wassermann-Energie, die gerade in ihrer Übertreibung einerseits für den technologisch-wirtschaftlichen Fortschritt verantwortlich ist, andererseits aber im Begriff steht, die Welt durch soziale Rücksichtslosigkeit in die Barbarei zu stürzen. Die Wassermann-Energie greift im Namen der Freiheit die bestehenden Verhältnisse an und drängt auf Veränderungen, sie hat aber keinen Sinn für die tiefer liegenden menschlichen Bedürfnisse und Lebensgesetze. Der astrologische Grund hierfür ist in der Tatsache zu suchen, daß eine Übertreibung der Wassermann-Energie immer auf Kosten der Fische-Energie erfolgt, die der direkte Gegenspieler der Wassermann-Energie ist.

In der Psychologischen Astrologie der esoterischen Richtung ist es Mode geworden, die Energien von Wassermann und Fische zusammen mit der skorpionischen Energie zu den "geistigen" bzw. "kosmischen" Energien zu rechnen. Mit dieser Einteilung werden allerdings die deutlichen Unterschiede zwischen Wassermann und Fische verwischt. Wassermann und Fische haben zwar gemeinsam die grundlegende Steuerungsfunktion im Horoskop (die Skorpion-Energie dient der Befestigung), sie unterscheiden sich nach meiner Erfahrung aber gerade darin, daß sie diese Funktion völlig gegensätzlich ausüben, und zwar sowohl im Hinblick auf die Polaritätsausrichtung (horizontal) als auch im Hinblick auf die Manifestationsebenen (vertikal).

Bei fast allen Astrologen gerät aus dem Blickfeld, daß die Fische-Energie zur Verinnerlichung drängt, die Wassermann-Energie dagegen zur Veräußerlichung. Fische stehen für Idealismus, Wassermann für Materialismus.

Im wirtschaftlich-ideologischen Kontext symbolisiert deshalb die (übertriebene) Wassermann-Energie den Liberalismus (Kapitalismus), die (übertriebene) Fische-Energie dagegen den Sozialismus (Kommunismus). Beide Ideologien sind sich allerdings darin einig, daß sie den Menschen als "homo ökonomicus" auf seine materielle Seite beschränken. Es ist dabei ein Grundfehler z.B. der christlichen Kirchen, daß die Probleme der modernen Welt vor allem im dialektischen Materialismus des Marxismus/Sozialismus und nicht im praktischen Materialismus (Konsumismus) des Liberalismus (Kapitalismus) gesehen werden.

Für den psychologischen Astrologen müßte aber einsichtig sein, daß es sich bei Wassermann und Fische um Grundenergien handelt, die das Fundament des Lebens bestimmen. Sie können sich nicht gegenseitig vertreten. Ein solcher Versuch müßte zu einer maßlosen Übertreibung der allein übrig bleibenden Energie führen. Das bedeutet, daß die Werte von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", die mit der Französischen Revolution zum ersten Mal ins Leben der europäischen Geschichte traten und heute in den Grundsatzprogrammen aller demokratischen Parteien zu finden sind, nur gemeinsam und nicht gegeneinander verwirklicht werden können. Der Slogan "Freiheit statt Sozialismus", mit dem die CDU einmal eine Bundestagswahl bestritten hat, ist schlichtweg Unsinn.

Es ist geradezu ein Zeichen ideologischen Denkens, wenn der Kapitalismus davon ausgeht, daß sich allein durch das Wirken des freien Marktes automatisch ein allgemeiner Wohlstand, gewissermaßen das größte Glück der größten Zahl der Gesellschaftsmitglieder, einstellt. Diese Ideologie, die zuerst von dem Schotten Adam Smith vertreten wurde, hat das soziale Elend der Arbeiterklasse im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert eindeutig widerlegt. Nach der Auflösung des Sozialismus bestimmt sie aber heute in der etwas abgeschwächten Form des "Neoliberalismus" erneut die Wirtschaftspolitik aller entwickelten Industriestaaten.

Es ist aber genauso eine Ideologie, wenn vom Sozialismus die Behauptung aufgestellt wird, daß mit der Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit automatisch auch das Problem der Freiheit gelöst wird. Dieser Glaube hat sich mit dem Zusammenbruch der Staaten des real existierenden Sozialismus am Ende des 20. Jahrhunderts erledigt.

Nach meiner Beobachtung werden durch die Wassermann-Energie sämtliche Energien des Tierkreises erregt und gleichzeitig auf ein materialistisches Niveau gezogen. Man darf dieser Energie daraus keinen Vorwurf machen. Es ist ihre Art, so zu wirken und sie dient damit der Erfindung und Weiterentwicklung des Lebens. Allerdings darf sie nicht verabsolutiert werden, sonst fehlen dem Leben die neptunischen Impulse der Rücksicht und der Solidarität, was heute ganz offensichtlich ist. Außerdem wird die geistig-seelische Manifestationsebene des Lebens verdrängt, was sich darin bezeugt, daß geistige Impulse unter Wassermann-Einfluß überwiegend nur zugelassen werden, um körperlich-vitale Bedürfnisse besonders raffiniert zu befriedigen.

Auf diese Weise herrscht in der Gesellschaft seit geraumer Zeit ein Jugendkult, verbunden mit der Betonung von körperlicher Schönheit und einer enormen Steigerung allgemeiner Fitness, zumindest bei dem Teil der Bevölkerung, der im Trend liegt. Die Menschen leben darüber hinaus zunehmend als Single, wagen alle möglichen sexuellen Experimente, ohne die Fähigkeit zu entwickeln, sich für längere Zeit an einen Partner binden zu können und im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens steht das Streben nach Selbstverwirklichung, Karriere und Konsum.

Wenn die Wassermann-Energie die Widder-Energie anregt, wie es im Kapitalismus geschieht, so führt das zu einer Überbetonung des Wettbewerbs-Gedankens. Die Konkurrenz jeder gegen jeden, also der totale Markt, soll dann das allgemeine Chaos der wirtschaftlichen Freiheit ordnen. Eine solche Ordnung führt aber letztendlich immer zu einer Spaltung der Gesellschaft, wo einige Gewinner einem Heer von Verlierern gegenüber stehen.

Unter einem moralischen (Neptun/Chiron) Gesichtspunkt betrachtet, ist es jedoch nicht erlaubt, das Leistungsprinzip (Uranus/Saturn) auf Kosten des Solidaritätsprinzips (Neptun/Saturn) so weit zu treiben, daß es am Ende sogar die Menschenrechte außer Kraft setzt, nämlich dann, wenn für die Verlierer im Wettbewerb nicht einmal mehr das Existenzminnimum übrig bleibt, wie es für mindestens zwei Milliarden der Weltbevölkerung der Fall ist.

Die Leistungs- und Konsum-Gesellschaft, wie sie die kapitalistische Marktwirtschaft herausbildet, vernachlässigt darüber hinaus alle seelischen Werte, weil sich diese wirtschaftlich nicht vermarkten lassen. So gerät z.B. die Familie konsequent ins Hintertreffen: zahlreiche Kinder, mindestens ein Drittel einer Generation, müssen heute weitgehend ohne Erziehung auskommen und verwahrlosen, weil sich niemand um sie kümmert bzw. weil die Eltern erziehungsunfähig sind. Die Jugendlichen haben später keine Achtung vor der älteren Generation und die Leistungen in Schule und Beruf sind - wie die Pisa-Studie für Deutschland gezeigt hat - eine einzige Katastrophe.

Wie sehr eine ungebremste wirtschaftliche Konkurrenz moralische Werte buchstäblich auffrißt und das Leben auf ein primitives Niveau herabdrückt, läßt sich besonders deutlich an der Entwicklung des privaten Fernsehens beobachten.

Ein noch deutlicheres Zeichen allgemeiner Dekadenz ist das Wiedererstarken neonazistischer Gruppierungen und Parteien in vielen kapitalistischen Industriestaaten, das vor allem in Deutschland mit Entsetzen registiriert und von den Vertretern der etablierten Parteien mit viel Uneinsichtigkeit und Heuchelei verurteilt wird. Rassismus und Faschismus sind aber nichts anderes als die letzte barbarische Konsequenz einer rücksichtslosen Konkurrenzgesellschaft, die nur materialistische Werte akzeptiert, die den Verlierern im Wettbewerb den Arbeitsplatz wegnimmt, ihnen keine Perspektive, keine Chance läßt und sie im Zuge einer Polarisierung der Einkommen von den Konsumtröstungen aussperrt.

In Verbindung mit der Schütze-Energie, die durch die aktuelle Stellung von Pluto in Schütze ohnehin eine zentrale Bedeutung in der Zeitqualität einnimmt, hat sich unter Wassermann-Einfluß die globale Expansion der Märkte entwickelt. Der internationale Wettbewerb der multinationalen Konzerne hebelt nun Schritt für Schritt die sozialen und ökologischen Rahmengesetze der Nationalstaaten aus (Deregulierung) und drückt damit auch die Gewerkschaften in die Defensive.

Die Multis handeln dabei ähnlich wie in einem Krieg: sie rüsten ihre Fabriken technologisch auf, verringern ihre Kosten durch Lohndrückerei bzw. Entlassung der Belegschaften und bekämpfen schließlich mit ihren verbilligten Produkten die Konkurrenten auf dem Weltmarkt. Von den Gewerkschaften erwarten sie, daß sie sich mit Lohnforderungen an der "Heimatfront" zurückhalten und der Staat soll ihnen durch Steuersenkungen, Privatisierung staatlicher Betriebe und gegebenenfalls noch weitere Subventionen gewissermaßen die "Kriegskredite" bewilligen.

Die Verlierer in diesem Wirtschaftskrieg werden am Ende aufgekauft oder mitsamt ihrem Kapital vernichtet. Das Ergebnis ist in beiden Fällen gleich: sowohl durch Konkurs als auch durch Fusion gehen Arbeitsplätze in Millionenhöhe verloren. Hinzu kommt der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Verlagerung der Produktion in Billig-Länder, wo Löhne, Sozialleistungen und Steuern deutlich niedriger sind und Umweltschutzauflagen oft gänzlich fehlen.

In diesem internationalen Standortwettbewerb brechen dem Staat die Einnahmen weg. Es entsteht eine immer größer werdende Schere zwischen privatem Reichtum (der Banken, Versicherungen und Großkonzerne) und öffentlicher Armut. Die ständig wachsende Arbeitslosigkeit trifft so auf einen wirtschaftlich schwachen Staat, was in der Konsequenz den Abbau von Sozialleistungen hervorrufen muß. Der augenblickliche Streit in der Bundesrepublik Deutschland um die Reform von Gesundheitswesen und Rentenversicherung bietet dafür ein anschauliches Beispiel. Dabei ist der Staat, der nicht mehr regiert, sondern auf die sich ständig wiederholenden Hiobsbotschaften nur noch reagiert, offensichtlich längst zur Geisel der Globalisierung geworden.

Die Verhältnisse (gerade unter dem Einfluß einer Uranus-Neptun-Spannung) wiederholen sich: Wenn wir in der Geschichte zurückblicken, finden wir überall in Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche die Polarisierung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer. Die Entdeckungen ferner Länder im 15. und 16. Jahrhundert führte zur Ausrottung bzw. Versklavung der Ureinwohner, die Reformation Luthers mündete im 30jährigen Krieg, der die Stellung der protestantischen Fürsten gegenüber dem katholischen Kaiser stärkte, die Französische Revolution von 1789 brachte am Ende einen Napoleon hervor, der ganz Europa mit seinen Eroberungszügen terrorisierte, die industrielle Revolution mit ihrem naiven Glauben an die Selbststeuerungskräfte des Marktes erzeugte das Massenelend der Proletarier, die Russische Revolution von 1917 ermächtigte Stalin zu seiner Schreckensherrschaft und die nationalsozialistische Revolution Hitlers führte geradewegs in den 2. Weltkrieg mit über 50 Millionen Toten. Immer gab es größenwahnsinnige Revolutions- bzw. Kriegsgewinnler, die die Welt neu aufzuteilen versuchten und ihre Mitmenschen mit ihrem rücksichtslosen (Wassermann) Unternehmungsgeist (Schütze) ins Verderben brachten, wobei der Berg von Leichen, mit dem die Probleme bereinigt wurden, im Laufe der Geschichte immer größer wurde.

Die aktuelle Informations-Revolution spaltet nun nicht nur die Bevölkerung eines Landes in Reiche und Arme bzw. Mächtige und Ohnmächtige, sondern aufgrund der globalen Expansion die ganze Welt, wobei Ländergrenzen immer weniger eine Rolle spielen. Über die Verbesserung bzw. Verschlechterung der Lebensverhältnisse einer Region bestimmen mehr und mehr die Interessen der multinationalen Konzerne.

Die Verhältnisse in der sogenannten 3. Welt haben sich in den letzten 30 Jahren deutlich verschlimmert und das trotz unserer Entwicklungshilfe. Schuld daran ist nicht zuletzt eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung, die es zuläßt, daß zwei Milliarden Menschen mit nur zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Einige Staaten versinken inzwischen in Bürgerkriegen bzw. sind politisch völlig zusammengebrochen. Die europäischen Staaten erleben deshalb einen wachsenden Andrang von Armutsflüchtlingen, vor allem aus Afrika und den südosteuropäischen Staaten.

Hinzu kommt die neue Gefahr durch den internationalen Terrorismus, der insofern auch die Globalisierung wiederspiegelt. Die Verrücktheit der Gewinner, nämlich der als "global players" operierenden multinationalen Konzerne (die mit ihrer Firmenpolitik in der Konsequenz Armut und Tod unzähliger Menschen bewußt in Kauf nehmen) und der sie schützenden Industriestaaten, trifft auf die Verrücktheit der Verlierer, der verzweifelten Selbstmordattentäter und Guerilla-Kämpfer in den zurückgebliebenen Ländern. Und der rücksichtslose Materialismus des kapitalistischen Westens stößt mit dem religiösen Fundamentalismus islamistischer Staaten zusammen. Die Extreme passen zueinander. Diese bedrohliche Logik wagt bei der augenblicklich herrschenden hysterischen Terrorismusbekämpfung kein Politiker öffentlich auszusprechen.

Was ist in dieser Situation zu tun?

Anzustreben ist letztlich ein genauer Ausgleich zwischen Liberalität und Solidarität, zwischen Markt und Staat, also zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Das bedeutet die Neu-Installation eines Dritten Weges, nämlich der sozialen Marktwirtschaft, die allerdings - anders als in der alten Bundesrepublik - ihre sozialistische Komponente wirklich ernst nehmen muß. Außerdem muß sie aufgrund der internationalen Verflechtungen heute weltweit zur Geltung gebracht werden.

Die "Globalisierung" darf nicht verengt verstanden werden. Es geht nicht nur um die weltweite Expansion von Technologien und Märkten, an die die "global players" allein denken, sondern gleichfalls um die Internationalisierung von Menschenrechten, den Schutz von Minderheiten, den Export von sozialen Arbeitsgesetzen, Sozialversicherungssystemen, Umweltschutzbestimmungen und um die Harmonisierung der Steuergesetze. Außerdem muß die Frage nach der Verfügung über das private Eigentum an Produktionsmittel neu gestellt werden, die an den Nerv der kapitalistischen Gesellschaft rührt. Es ist für eine demokratische Gesellschaft unerträglich, wenn Aktionäre und deren Beauftragte im Management nach ihren Interessen (shareholder value) über Zehntausende von Arbeitsplätzen entscheiden dürfen.

Der globale Markt braucht also globale moralische Grenzen, wenn er nicht chaotisch entgleisen soll, und solche Grenzen kann nur eine internationale staatliche Autorität garantieren. Hierzu müssen die Staaten verbindliche Abkommen treffen, was wiederum den Mut der Regierungen veraussetzt, die eigene Souveränität Schritt für Schritt zugunsten größerer Einheiten einzuschränken. Eine solche Entwicklung gibt es aber im Augenblick nur in schwachen Ansätzen und sie wird vermutlich noch Jahrhunderte in Anspruch nehmen.

Möglich wäre jedoch schon heute ein sich langsam änderndes Bewußtsein bei der Bevölkerung in den von der Globalisierung besonders betroffenen Staaten. Und hier könnten auch die psychologisch arbeitenden Astrologen einen Beitrag leisten. Ihnen sollte mehr als anderen Bewußtseinsarbeitern klar sein, daß es auf den genauen Ausgleich des Wassermann-Prinzips mit dem Fische-Prinzip ankommt, wenn das Leben sich gesund entwickeln soll.

Die Notwendigkeit einer Balance zwischen Wassermann und Fische beschreibt das grundlegende Lebensgesetz, an dem sich eine Politische Astrologie orientieren muß.

Wenn Wassermann Erfindung und Veränderung betont und dabei den Akzent auf Egozentrik und materialistische Werte (Technik und Wirtschaft) legt, dann müssen Fische mit den Verhaltensmustern von Rücksicht und Hilfsbereitschaft und dem Akzent auf Solidarität und idealistische Werte (Familie, Moral, Religion) gegenhalten. Die im Neoliberalismus unter dem Deckmantel von "Entbürokratisierung" und "Deregulierung" um sich greifende Staatsfeindlichkeit ist ein schwerer Fehler.

Es liegt wohl an der speziellen Blindheit einer esoterisch orientierten Astrologie, die unfähig ist, den gefährlichen egozentrisch-materialistischen Akzent des Wassermann-Prinzips zu erkennen, daß sie in der heutigen Zeit eher den Anbruch eines spirituellen Zeitalters erwartet ("Aufbruch in die vierte Dimension") als den Absturz in die Barberei. Es läßt sich aber ein Gesetz formulieren: Wenn es nicht gelingt, in der gesellschaftlichen Entwicklung die Prinzipien von Wassermann und Fische miteinander zu versöhnen, dann werden die beiden Prinzipien isoliert voneinander verwirklicht, in einem zeitlichen Nacheinander, was immer dazu führen muß, daß sich die Energien extrem zur Geltung bringen und sich besonders auf der materialistischen Manifestationsebene auswirken. Das Ergebnis können nur gewaltige Katastrophen sein.

Die dekadente westliche Konsum- und Spaßgesellschaft mit ihrer unkontrollierten Veränderungsdynamik, wie wir sie heute haben, und die astrologisch dem Wassermann-Prinzip entspricht, wird dann in nicht mehr allzu ferner Zeit vor der Wand landen. Dieser gesellschaftliche GAU könnte in seinen Auswirkungen durchaus den Zusammenbruch des Sozialismus übertreffen. Es wäre die globale Depression, die astrologisch dem (vernachlässigten) Fische-Prinzip entspricht.

Im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Liberalität (Wassermann) und Solidarität (Fische) ist die aktuelle Chiron-Saturn-Opposition von besonderer Aussagekraft. Chiron entspricht meiner Meinung nach der Jungfrau-Energie (Vernunft), Saturn dem Realitätssinn bzw. der Verantwortung. Unter dem Einfluß dieser Konstellation werden also vernünftige und sachliche Antworten auf die Herausforderungen des Lebens gesucht. Insofern ist eine Chiron-Saturn-Opposition das entscheidende Korrektiv zu allen ideologischen Interpretationen der Wirklichkeit. Wenn nun die erste Serie der Chiron-Saturn-Oppositionen (von 1986 bis 1995) den Zusammenbruch des Sozialismus begleitet hat, dann läßt sich vielleicht in aller Vorsicht voraussagen, daß die jetzt laufende zweite Serie (von 2003 bis 2006) den scheinbar zu neuer Kraft erwachten Kapitalismus in eine globale Krise führen wird. Es ist zu hoffen, daß durch diese Krise eine neue gesellschaftliche Ordnung wirtschaftlicher Vernunft (Chiron/Saturn) entsteht, die die astrologischen Grundenergien von Wassermann und Fische ohne ideologische Instrumentalisierung in eine Balance bringt.

Inzwischen ist das Buch von Albrecht Müller "Die Reformlüge" (astrologisch gesehen eine Entsprechung von Uranus = Reform und Neptun = Lüge) im Droemer Verlag erschienen, das meine Ansicht zur Globalisierung etwas verändert hat. Müller war Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt. Er bringt überzeugende Argumente, daß die Angst vor der Globalisierung weit übertrieben wird. Darüber hinaus ist die Sorge, daß durch sinkende Geburtenzahlen und längere Lebenserwartung der Rentner der Generationenvertrag nicht mehr erfüllt werden kann, sogar schlichtweg falsch. Es werden also die beiden wichtigsten Argumente der "Reformer" widerlegt.

Albrecht Müller setzt sich ausdrücklich für eine "keynesianische" (antizyklische) Wirtschaftspolitik ein, die bewußt die privaten und staatlichen Einkommen zu stärken versucht, um die Binnennachfrage anzuschieben und Spielräume für beschäftigungspolitische Initiativen zu bekommen. Er widerspricht der zur Zeit herrschenden Meinung der "angebotsorientierten" (neoliberalen) Theoretiker der Chigagoer Schule (Milton Friedman), die auf Steuersenkungen, den Abbau staatlicher Sicherungssysteme und Sozialleistungen (= Eigenverantwortung) und einen ausgeglichenen Staatshaushalt setzen, und weist nach, daß deren Wirtschaftspolitik schon unter Helmut Kohl das Problem der Arbeitslosigkeit nicht lösen konnte.

Nach der Lektüre dieses Buches entsteht der Eindruck, daß die aktuelle Reformwut nicht nur rücksichtslos und unsozial ist (wie ich bisher das Problem gesehen hatte), sondern schon im Ansatz sinnlos und deshalb unwirksam. Wahrscheinlich sind mächtige gesellschaftliche Interessen daran interessiert, eine (unbegründete) Panikstimmung zu erzeugen, um auf diese Weise Veränderungen zu erreichen, die die (von ihnen ungeliebten) sozialen Sicherungssysteme (= Lohnnebenkosten) schwächen und durch Privatisierungen gleichzeitig neue Profitchancen eröffnen. Das wiederum paßt sehr genau ins astrologische Bild einer zur Zeit dominierenden Wassermann-Energie (Angebotsorientierung = Bereicherung der Aktionäre und Manager im internationalen Wettbewerb vor allem bei Banken, Versicherungen und multinationalen Konzernen), die sich auf Kosten der Fische-Energie austobt (Schwächung der Nachfrage = Verarmung der Unter- und Mittelschichten durch sinkende Einkommen und Arbeitslosigkeit).

Inzwischen glaube ich nicht mehr - und damit gehe ich einen Schritt über das Buch von Albrecht Müller hinaus - daß die angebotsorientierte Politik nur ein tragischer Irrtum ist. Ich vermute, daß sich die führenden Kreise der Wirtschaft über die Wirkungslosigkeit dieser Methode sehr wohl im klaren sind, aber es dürfte ihnen wenig daran gelegen sein, Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu erzielen. Sie wollen ihre Position beim Kampf um die Neuaufteilung der Welt stärken, und dafür muß der Sozialstaat, wie er sich nach 1945 in der Bundesrepublik herausgebildet hat, zurückgeschnitten werden. Die Massenarbeitslosigkeit schwächt die Gewerkschaften und ist damit die beste Voraussetzung, diesem Ziel näher zu kommen. Das politische Meisterstück dieser Kreise besteht darin, den Abbau des Sozialstaats ("Wir leben über unsere Verhältnisse") genau als das alternativlose Mittel propagandistisch durchgesetzt zu haben, das allein die Massenarbeitslosigkeit beseitigen kann, wobei sie sich der sozialdemokratisch geführten Regierung, die das glaubt, gewissermaßen als "nützlichen Idioten" bedienen. Die Maßnahmen, die ergriffen werden (Hartz IV, Agenda 2010), verschlimmern das Übel, und so entsteht ein Teufelskreis, der letztlich nur in einer wirtschaftlichen Katastrophe enden kann.

Die Frage stellt sich erneut und dieses Mal ganz praktisch, was getan werden kann, um eine solche Katastrophe zu verhindern. Es wird unmöglich sein, die globalen Unternehmen daran zu hindern, ihre Produktion (teilweise) in diejenigen Länder auszulagern, deren Kostenumfeld deutlich günstiger ist als in der Bundesrepublik. Die jetzige Schröder-Regierung nimmt aber diesen Prozeß zum Anlaß, um den Abbau sozialer Leistungen voranzutreiben, wahrscheinlich in der irrigen Annahme, den Sozialstaat damit retten zu können. Wir können uns jedoch in Deutschland nicht auf das soziale Niveau der neuen osteuropäischen Mitglieder der EU begeben und schon gar nicht auf das Niveau von Indien und China.

Wir können schließlich nicht die "Sklaverei" (eine perverse Entsprechung von Uranus in Fische bzw. Neptun in Wassermann) wieder einführen, nur um mit diesen Ländern konkurrenzfähig zu bleiben. Das geht vor allem deshalb nicht, weil bei uns eine ganz andere Situation bei Mieten und Lebenshaltungskosten gegeben ist, die sich bei sinkenden Löhnen und wachsenden Ausgaben für die Absicherung sozialer Risiken keineswegs gleichzeitig mit nach unten entwickeln wird, und weil viele Menschen sich darüber hinaus auch in Erwartung bestimmter Einkommen verschuldet haben. Ein radikaler Einkommensverlust breiter Bevölkerungsschichten in Deutschland würde nicht nur wachsende Armut bedeuten, sondern könnte den gesellschaftlichen Zusammenbruch zur Folge haben mit der Konsequenz chaotischer Verhältnisse.

Es muß also ein anderer Weg beschritten werden, um Arbeitsplätze mit genügend Kaufkraft im Inland bereitzustellen. Diese Arbeitsplätze kann nur der Mittelstand anbieten, denn er ist der arbeitsintensive Bereich, und er hat auch nicht die Möglichkeiten wie die multinationalen Konzerne, seine Produktion ins Ausland zu verlagern. Der Mittelstand braucht aber vor allem Aufträge (das ist viel wichtiger als die Senkung der Lohnnebenkosten und die Lockerung des Kündigungsschutzes), und Aufträge bekommt er in erster Linie von den Kommunen. Es kommt also vor allem auf die Stärkung der staatlichen Nachfrage an, um Arbeitslose wieder in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu bringen, weil der Staat - anders als der Privatmann - bei Handlungsbedarf nicht in die Schwarzarbeit ausweichen kann.

Daß es um die Finanzen des Staates und dort vor allem bei den Kommunen sehr schlecht bestellt ist, berichten die Medien fast täglich. Die Frage nach einer Alternative in der Wirtschaftspolitik spitzt sich also auf das Problem hin zu, wie der Staat seine Einnahmen verbessern kann, ohne sich weiter zu verschulden. Hierzu will ich an dieser Stelle ein paar Vorschläge unterbreiten:

  • keine Senkung des Spitzensteuersatzes für Großverdiener auf 42% oder gar 35%, sondern eine deutliche Erhöhung auf über 50%
  • Ausbau der Steuerfahndung und Verschärfung der Strafbestimmungen für Steuerhinterziehung (Freiheitsstrafen)
  • Steuerpflicht für jeden Staatsbürger, solange er die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt (auch bei Wohnsitz im Ausland)
  • Einführung einer Vermögenssteuer wie in vergleichbaren westlichen Staaten
  • Erhöhung der Erbschaftssteuer
  • Einführung einer Luxussteuer für entsprechende Konsumgüter
  • Abschaffung von unsinnigen Abschreibungsmöglichkeiten für Reiche
  • Besteuerung von Spekulationsgewinnen am Aktienmarkt (Tobin-Steuer)
  • angemessene Besteuerung des Immobilienbesitzes der Reichen nach dem Verkehrswert (Freibetrag für das persönlich genutzte kleine Eigenheim)
  • Rückzahlung erhaltener Subventionen bei Verlagerung von Unternehmensteilen ins Ausland
  • und ganz wichtig: ein Mindestsatz an Körperschaftssteuer muß von multinationalen Konzernen immer gezahlt werden (etwa 20%), dafür kann der Mittelstand steuerlich entlastet werden.

Die Liste der Möglichkeiten ist sicher nicht vollständig. Aber sie vermittelt doch einen Eindruck, von welcher Seite sich der Staat die notwendigen Einnahmen beschaffen könnte - wenn er die Kraft findet, sich mit den Reichen anzulegen. Für manchen konservativen Leser entsteht vielleicht der Eindruck, daß hier ein Stück "Sozialismus" eingefordert wird. Dieser Eindruck ist durchaus zutreffend, aber eine solche Politik wird durch unser Grundgesetz (Art. 14, Abs. 2) vollauf gedeckt und entspricht dem Wesen einer sozialen Marktwirtschaft. Es geht allein darum, daß die Bäume der Reichen nicht in den Himmel wachsen und daß der Staat andererseits die Mittel in die Hand bekommt, wirksame Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit in Gang zu setzen.

Den Gewinnern der Globalisierung muß ein Teil ihrer Beute abgenommen werden, damit die Verlierer der Globalisierung wieder auf die Beine gestellt werden können und die Gesellschaft nicht vor die Hunde geht.

Konkret: Wenn die multinationalen Konzerne ihre Produktion verlagern (was nicht zu verhindern ist) und damit eine Arbeitslosigkeit in Millionenhöhe erzeugen, dann müssen genau diese Konzerne (und die reichen Familien, denen diese Konzerne gehören) auch die Kosten tragen, mit denen der Staat neue Arbeitsplätze zu schaffen sucht, indem er dem Mittelstand zu Aufträgen verhilft. Die Umstellung der betroffenen Arbeitnehmer wird dann immer noch schwierig genug sein und ohne Einkommensverluste wird es auch bei ihnen nicht abgehen. Eine Gesellschaft, die aber die Kosten der Globalisierung einseitig nur den Arbeitnehmern und den Arbeitslosen aufbürdet, wird sich in letzter Konsequenz selbst auflösen und im Chaos untergehen.

Wen es interessiert, wie eine moralisch engagierte Journalistin (das gibt es auch noch!) mit sehr viel Sachverstand und geradezu kabarettistischem Sprachwitz unserer Gesellschaft die Maske vom Gesicht nimmt, dem empfehle ich das kürzlich erschienene rororo-TB von Gabriele Gillen "Hartz IV. Eine Abrechnung" (Preis 7.90 Euro). Vielleicht sollten dieses Buch vor allem Astrologen lesen, die immer noch glauben, daß sie demnächst in der "vierten Dimension" leben werden. [RF]

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